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Kirchenjahr und Kirchenräume


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Glaube in der Zeit – das Kirchenjahr

Jeder, ob gläubig oder nicht, wird im Laufe des Jahres von dem christlichen Festkalender berührt. Zumindest Weihnachten, Karneval, Ostern, die Gräberbesuche im November und dann der Advent beschenken jeden, ob er zur Kirche geht oder nicht, mit freien Tagen. Aber nicht nur das, auch die Grundstimmung wird durch die christlichen Festzeiten mit bestimmt. Es gibt trotz des Konsums und der falschen Nikoläuse eine Weihnachtstimmung. Aber sind die Feste nicht zuerst einmal nur Brauchtum? Muss man die Feste mitfeiern, wenn es um den eigenen Glauben geht?

Die großen Lebensthemen

Die christlichen Feste wirken nur nach außen gemächlich und stabilisierend, in ihrer Thematik führen sie jedoch auf die tieferen Fragen, die oft vom Alltag überdeckt werden, aber  im Grund der Seele schlummern und Thema werden müssen, sollen sie nicht negative Energien entwickeln. Der Mensch sollte nicht zuletzt deshalb die Feste feiern, damit die Lebensfragen, die die Feste zum Thema machen, nicht zu Ängsten werden.

Im Advent und an Weihnachten geht es um den Neuanfang, der mit der Geburt eines Kindes gegeben ist.

Der Karneval ist das Gegenbild zur Fastenzeit. Hier wird das Reich der Narren dargestellt, denn der Narr ist unfähig, Gott in den Werken seiner Schöpfung darzustellen. Auf den Karnevalswagen werden die Dummheiten der Menschen karikiert, denn sie sind Narrenschiffe, die ohne Ruder und Segel ziellos über das Meer des Lebens trieben. Die Masken stellen ursprünglich die Laster dar. 

In der Fastenzeit geht es um die Begrenztheit des Lebens, die Auseinandersetzung mit der Schuld.

In der Karwoche steht das durch Mobbing verursachte Leiden im Mittelpunkt.

Ostern feiert den Neubeginn des Lebens, den Gott schenkt und damit den Gerechten rehabilitiert.

Pfingsten ist ein Fest der Fülle, es verankert die menschliche Existenz im Geist Gottes.

Im November kann sich jeder mit Sterben und Tod auseinandersetzen.

Der Jahreskreis

Wir gehen wie selbstverständlich davon aus, dass das Jahr mit dem Januar beginnt. Aber warum heißt dann der Dezember der zehnte, von lateinisch decem – zehn? Der September ist im Lateinischen der „Siebte“, der Oktober der „Achte“, der November der „Neunte“. Das Jahr fängt eigentlich im Sternbild des Widders an, denn dann berühren sich der Kreis der Sternbilder und die Rotationsebene der Erde. Das ist im März. Deshalb liegt Ostern im Frühjahr und hat das Lamm als Symbol. Das war auch bei den Römern so, bis der römische Kaiser Cäsar, etwas willkürlich, den Beginn des Jahres zwei Monate vorgezogen hat.

Die Christen haben eine andere Zeitrechnung eingeführt, die sich nicht mit den Monaten am Mondkreislauf, sondern am Sonnenjahr orientiert. In Rom feierten sie das Geburtsfest Jesu am Tag der Wintersonnenwende. Da Christus mit der Sonne verglichen wird und Johannes der Täufer von ihm sagt, „Er muss zunehmen, ich muss abnehmen“, liegt das Geburtsfest Jesu an dem Tag, an dem die Sonne wieder zunimmt, das Geburtsfest des Johannes genau 6 Monate früher. Diese 6 Monate werden nach dem Lukasevangelium berechnet, das anlässlich einer Begegnung der Mütter von Johannes und Jesus sagt, dass Elisabeth, die Mutter des Johannes, im 6. Monat schwanger war.

Unser Gefühl für den Jahresablauf ist also mit den Inhalten des christlichen Festkalenders verbunden. An Weihnachten wendet sich das Dunkel zum Licht. Das neugeborene Kind strahlt Hoffnung aus und beginnt seinen Lebensweg.

Ostern, berechnet nach dem Mondjahr, ist das Frühlingsfest. Mit der Auferstehung Jesu siegt das Leben über den Tod.

Pfingsten versinnbildlicht den Sommers. Da es im Orient bereits als Fest der Getreideernte gefeiert werden kann, symbolisiert es ein Leben in Fülle.

Feste – die Geschenke Gottes feiern

Die Feste erinnern uns nicht nur an die tiefer gehenden Fragen, sondern sie lösen diese Fragen auch. Denn Feste feiern wir, weil es etwas zu feiern gibt. Das wird in den Liedern ganz einfach gesagt:

„Christus, der Retter ist da“ an Weihnachten

„O Haupt voll Blut und Wunden“ beweint nicht nur den Schmerzensmann, sondern sagt auch, dass der Sohn Gottes mit unserem Leiden solidarisch ist.

„Christ ist erstanden“ sagt uns, dass auch wir nicht im Tod bleiben werden.

„Der Geist des Herrn erfüllt das All“ versichert uns, dass wir den göttlichen Funken in uns tragen. Pfingsten wird als Gründungstag der Kirche gefeiert und hat daher für die Ökumene eine große Bedeutung. Denn mit der Herabkunft des Geistes finden die Apostel endlich den Mut, öffentlich von Jesus zu sprechen.

Die Zeit von Pfingsten bis zum Advent dient im Kirchenjahr der Erinnerung an Jesus, seine Predigten werden vorgelesen, von seinen Heilstaten berichten die Evangelien.

Brauchtum

Gerade das in katholischen Gegenden gepflegte Brauchtum vermittelt auf der einen Seite warme Gefühle, macht jedoch skeptisch, ob nicht gerade das Brauchtum den Inhalt des Festes verstellt. Die skeptische Haltung der Protestanten rührt aus dem Späten Mittelalter, als die Formen tatsächlich die Inhalte des Glaubens zu überwuchern drohten. Dann gab es bis in die siebziger Jahre des 20. Jahrhunderts die These, dass das Brauchtum gar nicht christlichen Ursprungs ist, sondern dass die germanische Religiosität, die vom Christentum unterdrückt worden war, im Brauchtum wieder an die Oberfläche kommt. Inzwischen hat sich die Brauchtumsforschung von ihren „völkischen“ Prämissen verabschiedet und an vielen Beispielen gezeigt, dass das Brauchtum oft direkt aus der Liturgie herausgewachsen ist. Besonders deutlich wird das am Karneval. Hier wird die Gegenwelt zur Fastenzeit dargestellt. In den Büttenreden werden die menschlichen Schwächen aufs Korn genommen. Ostern wurde lange als Fest einer germanischen Göttin Osteria erklärt. Bisher wurde nicht nachgewiesen, ob überhaupt eine solche Göttin verehrt wurde. Eine neuere Studie zeigt, dass Ostern von dem wohl von „Vatni ausa“ – mit Wasser begießen kommt und weist damit als Ostern als den klassischen Tauftermin hin.

Im Kirchenjahrslexikon wird das Brauchtum zu vielen Festen erklärt.

Herrenjahr und Heiligenjahr

Mit Advent-Weihnachten und Fastenzeit-Ostern-Pfingsten orientiert sich der christliche Jahreskreis am Lebensweg Jesu. Danbeben werden die Feste des heiligen Nikolaus, Peter und Paul, Elisabeth, Franziskus und viele Marienfeste gefeiert. Die Termine für diese Feste folgen einer anderen Logik. Denn der Heiligen wird an ihrem Todestag gedacht. Daher kann direkt nach Weihnachten der Gedächtnistag des ersten christlichen Märtyrers, des hl. Stephanus liegen. Das Fest der hl. Barabara am 4. Dezember hat eigentlich nichts mit Weihnachten zu tun, auch wenn wir die “Barbarazweige“ in eine Vase stellen und hoffen, dass sie Weihnachten blühen. Der Festtag der Heiligen liegt deshalb auf ihrem Todestag, weil das ihr himmlischer Geburtstag ist, denn mit dem Tod beginnt ihre himmlische Existenz. Ist der Todestag bei der Einrichtung des Festes nicht bekannt gewesen, hat man den Weihetag einer Kirche, die dem Heiligen gewidmet wurde, als Jahrestag für das Gedächtnis gewählt. Sind Weihnachten und Ostern an der Jahreszeit orientiert, besteht zwischen den Heiligenfesten und dem Jahreskreislauf kein innerer Zusammenhang, weil der Todestag der Heiligen den Jahrestag für ihr Gedächtnis bestimmt. In den Kirchenräumen findet sich der christliche Festgedanke gebaut, die Heiligen sind bildhaft präsent, weil die Kirchen bereits den Himmel symbolisieren und man im Himmel den Heiligen begegnen wird.

Kirchenräume - Festräume

Das Kirchenjahr findet mit seinen Gottesdiensten in den Kirchen statt. Die Kirchen selbst weisen auf die Feste des Kirchenjahres hin. So Maria mit dem Kind auf Weihnachten. Ostern wird mehrfach dargestellt. Einmal in der Achtzahl einer Kuppel, weil Ostern als der achte Tag gezählt wird. Die meisten Kirchen sind nach Osten ausgerichtet, weil Christus mit der aufgehenden Sonne verglichen wird. Die versammelte Gemeinde verkörpert die Jünger Jesu mit Maria in ihrer Mitte, auf die der Heilige Geist herabkommt.

Die Bauideen der christlichen Kirchen findet man allerdings meist nicht in den Kirchen­führern erklärt, die in kunsthistorisch wertvollen Kirchen ausliegen. Da wird die Baugeschichte erzählt und die Kunstwerke werden kurz beschrieben. Das liegt daran, dass die Kunstführer meist so geschrieben sind, als wären die Kirchen als Museen für die Gemälde und Skulpturen und nicht für die Feier des Gottesdienstes gebaut. So erzählen die Kunstführer die falsche Geschichte. Was erzählt aber eine christliche Kirche?

Ostern als zentrale Bauidee christlicher Kirchen

Ostern ist dadurch bestimmend für den Kirchenraum, weil die meisten Kirchen im Abendland „geostet“ sind. Die aufgehende Sonne symbolisiert den auferstandenen Christus. Zugleich bedeutet die Ostung für Kirchen im Abendland, dass sie auf Jerusalem hin ausgerichtet sind. Dort wird die Wiederkunft Christi am Ende der Welt erwartet. Da in der Bauform der frühen Kirchen, der Basilika, an der Front, in der Apsis, eine kleine Wölbung angebracht war, wird hier der Himmel dargestellt. Später wurden der ganze Chorraum und dann Mittel- und Seitenschiffe überwölbt. Ein weiteres Symbol, das auf Ostern hinweist, ist die achteckige Kuppel in romanischen Kirchen. Die Kuppel wurde bautechnisch möglich, als in der Romanik das Querschiff entwickelt wurde. Man konnte auf die Vierung eine Kuppel bauen, die acht Ecken hat, weil Christus am achten Tag von den Toten auferstanden ist und die Zahl Acht für die Zeit nach der Schöpfung steht, wenn die Menschen nicht mehr in dieser Welt, sondern im Himmel leben. Taufbecken und Begräbniskirchen sind daher oft als Achteck gestaltet. Die neue Existenz erleben die Gläubigen, denn sie finden sich in den Kirchen, ob romanisch, gotisch oder barock, unter dem Himmel wieder. Romanik und Gotik stellen den Himmel eher symbolisch dar, der Barock eröffnet den Gläubigen einen Blick in die himmlische Welt. Die Himmelssymbolik unterstreicht der Barock durch das Altarbild, das meist die Aufnahme Mariens in den Himmel zeigt.

Das Kreuz

Seit es ein Querschiff gibt, bildet die Kirche in ihrem Grundriss das Kreuz ab. Manchmal sind gotische Kirchen, z.B. der Wiener Stephansdom,  so gebaut, dass der Chor in seinem Scheitelpunkt etwas nach rechts verschoben ist. Das symbolisiert das geneigte Haupt Jesu am Kreuz.

Im Mittelalter wurde das Kreuz zum beherrschenden Zeichen im Chorraum. S. Kreuz und Scharia.

Der Lebensweg

Die meisten Kirchen, die aus katholischer Bautradition entstanden sind, symbolisieren einen Weg. Man betritt die Kirche von Westen und wird zum Altar hin gezogen. Der Weg dorthin ist in mehrere Schritte aufgeteilt. Im Kyriegesang wird Christus angerufen, dem der Gläubige im empfang der Kommunion in besonderer Weise begegnet. Doch vorher hört er Texte aus der Bibel, die ihn neu in das Erlösungsgeschehen einstimmen und ihm die Person Jesu näher bringen. Dann folgt das Gedächtnismahl, das wie das jüdische Passahmahl mit einem großen Lob- und Dankgebet beginnt, das Hochgebet genannt wird. Nach der Kommunion wird der einzelnen in seine Welt zurückgesandt. „mittere“, das lateinische Wort für „senden“, bezeichnet als Messe das Gedächtnismahl. S. Lexikon Liturgie Aufbau der Messe.

In der orthodoxen Tradition wird das Gedächtnismahl „Danksagung“, „Eucharistia“ genannt. Die Konzeption des Kirchbaus leitet sich bei diesen Kirchen vom griechischen Theater her. Es wird ein Mysterium inszeniert, die Gläubigen sind damit in die himmlische Welt eingeladen. Jesus, Maria und die Heiligen schauen die versammelte Gemeinde von der Ikonoase, d.h. aber aus dem Himmel an.

Zusammenfassung

Die christlichen Feste geben den Zeiten im Jahreskreis ein besonderes Gepräge und vermitteln auch eine Stimmung. Das Kirchenjahr bringt die wichtigen Stationen des Lebens Jesu zur Darstellung und verbindet diese mit den Grundthemen der menschlichen Existenz, Neuanfang, Niederlage und Auferstehung, Mobbing und die Gerechtigkeit, die Gott wieder herstellt, Zeiten der Entbehrung und Zeiten der Erfüllung, Gedenken an die Toten und Feier des neuen Lebens. Weil die christlichen Feste sich direkt auf die Grunderfahrungen des Menschen beziehen, haben sie in der Gesellschaft einen so hohen Stellenwert. Für die Feier der Feste wie für das tägliche Gebet sind die Kirchen entworfen. Ihre Grundidee leitet sich von Ostern her. Nach Osten ausgerichtet, „geostet“ begrüßen sie im aufgehenden Licht den auferstandenen Christus. Im Laufe der Jahrhunderte hat sich der Jahreskreis zum Kirchenjahr entwickelt. Die Symbolik des Kirchenraumes spricht im ganzen Abendland die gleiche Sprache, während den Kirchen der Orthodoxie eine andere Bauidee zugrunde liegt, die des Mysterienspiels, das sich vom griechischen Theater herleitet.