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In jedem seiner Briefe gibt Paulus Leitlinien für das christliche Leben. Hier sei der Epheserbrief zitiert.

Zieht den neuen Menschen an, der nach dem Bild Gottes geschaffen ist in wahrer Gerechtigkeit und Heiligkeit. Legt deshalb die Lüge ab und redet untereinander die Wahrheit; denn wir sind als Glieder miteinander verbunden.

Lasst euch durch den Zorn nicht zur Sünde hinreißen! Die Sonne soll über eurem Zorn nicht untergehen.

Gebt dem Teufel keinen Raum!

Der Dieb soll nicht mehr stehlen, sondern arbeiten und sich mit seinen Händen etwas verdienen, damit er den Notleidenden davon geben kann.

Über eure Lippen komme kein böses Wort, sondern nur ein gutes, das den, der es braucht, stärkt und dem, der es hört, Nutzen bringt.

Beleidigt nicht den Heiligen Geist Gottes, dessen Siegel ihr tragt für den Tag der Erlösung.

Jede Art von Bitterkeit, Wut, Zorn, Geschrei und Lästerung und alles Böse verbannt aus eurer Mitte!

Seid gütig zueinander, seid barmherzig, vergebt einander, weil auch Gott euch durch Christus vergeben hat. Kapitel 4, 24-32

Heilig und sündig


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Die Kirche bezeichnet sich im Glaubensbekenntnis als die eine, heilige, katholische und apostolische. Heilig meint nicht nur die geweihten Kirchenräume, sondern die Gemeinschaft der Glaubenden. Gemeint ist auch, was wir heute Institution nennen. Eine Institution soll heilig sein, so wie wir einmal von dem Vaterland als heilig gesprochen haben. Davon sind wir glücklicherweise weit weg. Ob Vaterland, Gewerkschaft oder Kirchen, sie sind nun einmal so, wie die Menschen, die sie bilden. Heilig soll nun ausgerechnet die katholische Kirche sein. Die evangelischen Kirchen sind da bescheidener, auch wenn sie das Glaubensbekenntnis beten.

Heilig ist nur Gott

Das Adjektiv heilig gilt in besonderer Weise Gott. Wenn wir sonst über Gott eine Aussage machen, z.B. „er ist gut“, er ist gerecht“, dann kann das auch von Menschen gesagt werden. Wenn wir Gott „mächtig“ nennen, dann setzen wir ein „all-„ davor. So können wir von einem Chef sagen: er ist nicht allmächtig. Manche Diktatoren meinen, sie seien allmächtig und wollen das dadurch beweisen, dass sie ihre Kritiker umbringen. Haben sie ihre Macht aber verloren, stehen sie wie jämmerliche Geschöpfe vor ihren menschlichen Richtern. Die Vorsilbe „all-„ gebührt nur Gott, wie auch das Wort „heilig“. „Heilig ist nur er“ heißt es mit Recht in der Schubertmesse. Und so steht es auch in der Bibel. Heilig ist dann auch alles, was Gott zugeeignet ist. In den Kulten, wie sie uns noch im Alten Testament begegnen, sind die Opfergaben heilig, denn sie werden durch Verbrennen Gott übereignet. Wir können auch akzeptieren, dass Kirchenräume heilig sind, denn sie sind dem Gottesdienst geweiht.

Die wenigen Hinweise auf die Wortbedeutung „heilig“ zeigen, dass die aus Menschen zusammengesetzte Kirche nicht einfach heilig sein kann. So denken wir heute und so wird die Kirche auch in den Medien dargestellt. Es gibt jedoch noch andere Aussagen, schon im Alten Testament.

Das Volk Gottes ist heilig

Wenn Gott etwas „erwählt“, dann wird es dadurch heilig. Ein Gottesdienst und der dazu gehörige Raum werden heilig. Ebenso das Volk, das Gott sich erwählt. Im 2. Buch der Bibel, in Exodus, Kapitel 19, finden sich diese Sätze:

„Mose stieg zu Gott hinauf. Da rief ihm der Herr vom Berg her zu: Das sollst du dem Haus Jakob sagen und den Israeliten verkünden:

Ihr habt gesehen, was ich den Ägyptern angetan habe, wie ich euch auf Adlerflügeln getragen und hierher zu mir gebracht habe.

Jetzt aber, wenn ihr auf meine Stimme hört und meinen Bund haltet, werdet ihr unter allen Völkern mein besonderes Eigentum sein. Mir gehört die ganze Erde, ihr aber sollt mir als ein Reich von Priestern und als ein heiliges Volk gehören. Das sind die Worte, die du den Israeliten mitteilen sollst.

Mose ging und rief die Ältesten des Volkes zusammen. Er legte ihnen alles vor, was der Herr ihm aufgetragen hatte. Das ganze Volk antwortete einstimmig und erklärte: Alles, was der Herr gesagt hat, wollen wir tun. Mose überbrachte dem Herrn die Antwort des Volkes.

Der Herr sprach zu Mose: Ich werde zu dir in einer dichten Wolke kommen; das Volk soll es hören, wenn ich mit dir rede, damit sie auch an dich immer glauben. Da berichtete Mose dem Herrn, was das Volk gesagt hatte. Der Herr sprach zu Mose:

Geh zum Volk! Ordne an, dass sie sich heute und morgen heilig halten und ihre Kleider waschen. Sie sollen sich für den dritten Tag bereithalten. Am dritten Tag nämlich wird der Herr vor den Augen des ganzen Volkes auf den Berg Sinai herabsteigen.“ (Verse 3-11)

Heilig ist dann auch das neue Volk Gottes, das Jesus bereits in mit seiner Jüngern anfanghaft gegründet hat. Zu ihm sind nicht nur die leiblichen Nachkommen Abrahams, die Juden berufen, sondern, wenn der Messias kommt, werden alle Völker nach Jerusalem kommen, um den einen, wahren Gott anzubeten. Das ist bereits stellvertretend durch die Sterndeuter geschehen, die den neugeborenen Messias in Bethlehem aufsuchen.

Zum Durchbruch kam diese universale Perspektive jedoch erst nach der Auferstehung Jesu und der Herabkunft seines Geistes am Pfingstfest. Jesus beauftragt die Jünger vor seiner Entrückung in den Himmel, seine Erlösungsbotschaft zu allen Völkern zu bringen. Das Matthäusevangelium schließt mit einem besonderen Auftrag Jesu:

>„Die elf Jünger gingen nach Galiläa auf den Berg, den Jesus ihnen genannt hatte. Und als sie Jesus sahen, fielen sie vor ihm nieder. Einige aber hatten Zweifel. Da trat Jesus auf sie zu und sagte zu ihnen:

Mir ist alle Macht gegeben im Himmel und auf der Erde.

Darum geht zu allen Völkern und macht alle Menschen zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe. Seid gewiss: Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt.“  Kap. 28, 11-20

Es sind also alle Menschen in das neue Volk Gottes gerufen, um sich von Gott heiligen zu lassen. Wie das jüdische Volk ist auch dieses neue Volk immer von außen wie von innen bedroht. Aber Christus leitet es durch die Geschichte. Neben dem Bild des Volkes kennt das Neue Testament noch andere Vorstellungen, die die Gemeinschaft der Glaubenden als heilig erkennen lassen.

Kirche - Leib Christi

Das Bild des Leibes zeigt die enge Verbindung zwischen dem auferstanden Messias, Jesus Christus und den an ihn Glaubenden. Die Kirche ist der Leib, Christus das Haupt:

„Wir wollen uns, von der Liebe geleitet, an die Wahrheit halten und in allem wachsen, bis wir ihn erreicht haben. Er, Christus, ist das Haupt. Durch ihn wird der ganze Leib zusammengefügt und gefestigt in jedem einzelnen Gelenk. Jedes trägt mit der Kraft, die ihm zugemessen ist. So wächst der Leib und wird in Liebe aufgebaut.“ Epheserbrief 4,15-16

Dieses Bild vom Leib Christi ist auch in den Kirchen gebaut worden. Der Chorraum einer romanischen oder gotischen Kirche symbolisiert das Haupt Jesu, das Querschiff die am Kreuz ausgebreiteten Arme, das Langhaus den Körper und die Beine. Wer sich im Stephansdom in Wien hinten genau in die Mittelachse stellt, kann erkennen, dass der Scheitel des Chorraums leicht nach rechts abknickt. Damit wird das am Kreuz seitlich geneigte Haupt des Gekreuzigten Jesus angedeutet werden.

Dass die Christen als Heilige gesehen werden, findet sich ganz früh schon in den ältesten Dokumenten des Neuen Testaments, den Briefen des Paulus. So wird die christlichen Gemeinde in Korinth von Paulus als Versammlung der Heiligen angesprochen, obwohl der Apostel im gleichen Brief Misstände anprangert, so sexuelles Fehlverhalten, weiter dass die Reichen sich bei dem gemeinsamen Mahl mehr nehmen und die Armen zu kurz kommen, sowie dass die Christen ihre Rechtshändel nicht intern regeln, sondern vor ein staatliches Gericht gehen. Trotz des brisanten Inhalts seines Briefes redet Paulus die Christen in Korinth als Heilige an:

„Paulus, durch Gottes Willen berufener Apostel Christi Jesu, und der Bruder Sosthenes an die Kirche Gottes, die in Korinth ist, - an die Geheiligten in Christus Jesus, berufen als Heilige mit allen, die den Namen Jesu Christi, unseres Herrn, überall anrufen, bei ihnen und bei uns. Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus.“
1 Korinther 1, 1-3

Aus dem Heiligsein leitet Paulus die innere Verpflichtung ab, sich entsprechend dem Stand zu verhalten, den die Christen durch die Zugehörigkeit zur Gemeinschaft der Glaubenden inne haben.

Da Heiligkeit, nämlich Jesus ähnlich werden, ist das Grundprinzip christlicher Lebensführung. Deshalb werden die Menschen, die diesem Ideal nahe gekommen sind, als Heilige verehrt. Es waren zuerst diejenigen, die wie Jesus den Tod erlitten haben, die wegen ihres Glaubens hingerichtet wurden. Später, nach der Zeit der Verfolgung, wurden auch Männer und Frauen als heilig verehrt, die das christliche Ideal des Gebetes und der Nächstenliebe in ihrem Leben verwirklicht haben. Diese Menschen wurden in Kirchen beigesetzt, weil ihre Reliquien (vom lateinischen Wort für „zurücklassen“) in innerer Verbindung mit ihrer himmlischen Existenz stehen. Die Reliquien werden sich am Ende der Welt mit der Seele und dem himmlischen Leib verbinden. Deshalb sind die Reliquien jetzt schon heilig.

Wer Gott nahe ist, wie die Erlösten im Himmel, wird von ihm geheiligt. Die Gläubigen in der irdischen Welt werden durch die Sakramente, Taufe, Firmung, Eucharistie, Beichte geheiligt.

Zusammenfassung

Heilige Kirche, heilige Gemeinschaft der Glaubenden ist ein Anspruch, den Menschen nicht erfüllen können. Die Menschen sind aus sich nicht heilig, nur wenn Gott sie erwählt, sie in sein Volk ruft, werden sie heilig. Heilig ist ein hoher Anspruch, dem sich der Mensch stellen soll, denn er soll werden, was er ist, Kind Gottes, Bruder und Schwester Jesu.

Weiterführung

Die christliche Existenz entsteht, wenn der Mensch vom Geist Jesu berührt wird. Aber mit dem Zum-Glauben-Kommen ist der Weg noch nicht abgeschritten. Christ wird man sein ganzes Leben lang. Maßstab für das Christwerden ist Jesus. Seine Gesinnung immer mehr mit dem eigenen Leben auszubuchstabieren, bleibt bis zum Tod die große Herausforderung.