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Eine oder viele Kirchen?


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Eine Kirche, sonst ist sie nicht Kirche Jesu Christi

Wer sich die Christenheit von außen ansieht, registriert nicht nur eine gesunde Vielfalt, sondern Konfessionen, d.h. Bekenntnisse (so wird das lateinische Wort "confessio" übersetzt.) Aber kann es überhaupt verschiedene Bekenntnisse geben? Es gibt doch nur einen Jesus. Das wäre so, als hätte Jesus verschiedene Kirchen gegründet. Oder bewirkt der Heilige Geist das Gegeneinander der Konfessionen? Obwohl jede Konfession den Heiligen Geist für sich beansprucht? Die Bibel spricht sich an mehreren Stellen eindeutig für die Einheit der Kirche aus. Wenn es viele Konfessionen gibt, dann ist das Menschenwerk. Erst wenn alle Christen zusammenfinden, kann man von der Kirche Jesu Christi reden. Auch die katholische Kirche, in der das Petrusamt, beheimatet ist, kann nicht von sich behaupten, sie sei in vollem Sinn die Kirche Jesu. In der Geschichte war es sogar so, dass das Papstamt, das der Einheit dienen soll, trennend gewirkt hat. So legte der päpstliche Gesandte, Kardinal Humbert von Silva Candida am 16. Juli 1054 die Trennungsurkunde auf den Altar der Hagia Sophia, der Hauptkirche des Patriarchen von Konstantinopel. Obwohl zwischen den Päpsten und dem Patriarchen in Istanbul, dem Oberhaupt der Orthodoxie, inzwischen freundschaftliche Beziehungen bestehen, ist der Riss zwischen Ost und West nicht geheilt, auch deshalb, weil die Griechen die Plünderung Konstantinopels durch den 4. Kreuzzug 1204 nicht vergessen haben.

Die Verweltlichung des Papsttums war mit eine Ursache für die Reformation. Woher kommt aber die Zerstrittenheit der Christenheit? Sie ist schon früh ein Phänomen, wie die verschiedenen Mahnungen zur Einheit im Neuen Testament zeigen.

Der Monotheismus

Sicher ein Grund für die Streitigkeiten ist der Glaube an den einen Gott. Wenn viele Götter verehrt werden, wie im Hinduismus oder damals im römischen Reich, werden die Gegensätze in der Regel nicht so scharf. Allerdings hatte auch der Römische Staat den Anspruch eines einheitlichen Bekenntnisses. Es wurde nicht für den höchsten Gott, Jupiter, eingefordert, aber für die Siegesgöttin im Blick auf den Erfolg des römischen Heeres, und später für den als göttlich verehrten Kaiser. Weil die Christen diese Verehrung verweigerten, wurden viele hingerichtet.

Das Judentum kennt den ständigen theologischen Disput, da sich die Juden jedoch als Nachkommen Abrahams verstehen, gibt es neben dem Glauben ein weiteres Element der Einheit, nämlich Nachkomme Abrahams zu sein.

Der Blick auf den Vielgötterglauben zeigt, dass die Verehrung mehrer Götter den Glaubensstreit zwar entschärfen kann, das Problem der Einheit aber nicht löst. Das erklärt, warum es politisch so bedrohlich war, als sich im Übergang zur Neuzeit in den europäischen Ländern Konfessionen bekämpften. Die Kirche verlor ihre Funktion als einheitsstiftender Faktor. Es gab kein politisches Konzept, die staatliche Einheit mit mehreren Konfessionen zu gewährleisten. Deshalb galt in Deutschland das Prinzip "Cuis regio, eius religio", wer regiert, bestimmt die Religion, in 365 Kleinstaaten nach dem Dreißigjährigen Krieg. In Frankreich hob Ludwig XIV. das Toleranzedikt von Nantes auf, das den Reformierten Christen, die sich von Calvin herleiten, Religionsfreiheit eingeräumt hatte, um mit einer, hier der katholischen Kirche, die Einheit des Staates zu untermauern. Eine verworrene Geschichte mit vielen bewaffneten Auseinandersetzungen, die vielen das Leben gekostet hat.

In den orthodoxen Kirchen kam es nicht zu solch scharfen Konflikten wie im Westen, weil es für jedes Land einen Patriarchen gibt. Entsteht ein neuer Staat, erhält die orthodoxen Bistümer dort ein Oberhaupt.

Die Einheit als Aufgabe

Im Blick auf die Geschichte lässt sich nur feststellen, dass die Christen bisher an der Aufgabe der Einheit gescheitert sind. Die Ökumene, d.h. ein neuer Aufbruch zur Einheit, hat bisher auch kein Konzept für die Einheit unter den Christen gefunden. Das liegt nicht zuletzt in dem Bekenntnischarakter der Verschiedenheit. Die Einheit erscheint psychologisch nicht möglich, wenn einzelne Kirchen ihr Bekenntnis und damit ihre Tradition aufgeben müssten. Das ist im Westen schwieriger, denn hier sind neue Konfessionen in bewusster Absetzung zu bestehenden Kirchen entstanden, so die Lutheraner gegen die katholische Kirche, in England die Methodisten gegen die anglikanische Kirche. Würden sie ihr besonderes Bekenntnis aufgeben, müssten sie ihre Geschichte  verleugnen. Eine größere Einheit kann nur nach vorne gesucht werden. Dass das möglich ist, zeigt eine Verständigung zwischen dem Lutherischen Weltbund und der katholischen Kirche, die durch den Theologen Hans Küng angestoßen worden war. Dieser hatte in seiner Doktorarbeit „Rechtfertigung. Die Lehre Karl Barths und eine katholische Besinnung.“ bereits 1957  gezeigt, dass die evangelische Konzeption der Erlösung, die sich mit dem Begriff "Rechtfertigung" an der Theologie des Paulus orientiert, inhaltlich nicht im Widerspruch zu den Lehrentscheidungen des Konzils von Trient (1547 – 1563) steht. Im 16. Jahrhundert waren beide Konfessionen der Meinung, die Lehraussagen der anderen Konfession als falsch, d.h. nicht in Übereinstimmung mit der Lehre der Apostel, verurteilen zu müssen. Heute sieht man, dass beide Konfessionen das Gleiche meinen, es nur anders darstellen und damit auch andere Akzente setzen. Link zu Rechtfertigung und Gnade. Diese unterschiedliche Akzentsetzung führt zu einem jeweils eigenen Lebensgefühl und einer anderen Frömmigkeit, jedoch nicht zu einer grundsätzlich falschen Vorstellung von der Erlösung. Eine größere Einheit ist also möglich, ohne dass Lutheraner oder Katholiken ihren Zugang zu Jesus Christus, ihre Frömmigkeit, ihre Lebenssicht verleugnen müssten.

Da der Glaube an den einen Gott getrübt wird, wenn die Glaubenden in sich bekämpfende Konfessionen gespalten sind, ist die Einheit der Kirche eine logische Folge aus ihrem Glauben. Hinzukommen die verschiedenen Mahnungen zur Einheit, die sich bereits im Neuen Testament finden. Sie wird in der Liebe gesucht, die den immer wieder aufkommenden Streit durch gegenseitiges Verstehen und durch Vergebung neu zu erreichen sucht. Wichtig ist, dass die Einheit nicht als Uniformität missverstanden wird.

Der menschliche Leib als Symbol der Einheit

Bereits in den frühen Schriften des Neuen Testaments geht Paulus auf das Problem verschiedener Begabungen ein, die zur Einheit der Gemeinde integriert werden sollen. Es war schon zu Gegensätzen und Streitigkeiten gekommen. Paulus wählt als Erklärungsmodell das Zusammenspiel der Organe des menschlichen Leibes. S. Texte in der rechten Spalte.

Der Ausgleich von Einheit und Verschiedenheit muss immer neu gefunden werden, denn die christliche Gemeinde ist immer in der Gefahr, entweder in Uniformität zu erstarren, oder sich in gegensätzliche Lager aufzulösen. Die Trennung zwischen Ost und West wie auch die Entstehung von Konfessionen in Westeuropa waren jeweils Führungsfehler, weil entweder das Einheitsprinzip zu starr gehandhabt wurde oder die Gegensätze für wichtiger erachtet wurden als der Auftrag Jesu und der Apostel, neu zur Einheit zu finden.

Zusammenfassung:

Aus dem Glauben an den einen Gott und den einen Erlöser kann nicht folgen, dass es mehrere Kirchen gibt. Es gibt auch keine Anzeichen, dass Jesus mehrere Kirchen im Auge hatte. Da aber schon in der ersten christlichen Generation Streit aufkam, so dass die Gemeinden durch Spaltung bedroht waren, gibt es bereits im Neuen Testament viele Aufforderungen, in der Einheit zu bleiben und diese immer neu zu gewinnen – im Geiste der Liebe. Da keine einzelne Kirche letztlich die eine Kirche darstellen kann, gibt es die Kirche, so wie Jesus sie wollte, nicht. Die Einheit zu gewinnen, ohne sie durch Konformität zu erzwingen, ist eine ständige Aufgabe, vor allem der kirchlichen Leitungsämter.

Weiterführung

Die Einheit der Kirche ist einmal durch das Zeugnis der Apostel begründet. Auf diesem Zeugnis basieren die biblischen Texte und die Weitergabe des Zeugnisses der Apostel. Link zu apostolisch oder evangelisch. Der Auftrag, die Einheit der Kirche zu bewahren, gilt besonders dem Papstamt.