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"Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist: du sollst deinen Nächsten lieben und deinen Feind hassen. Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde und betet für die, die euch verfolgen, damit ihr Söhne eures Vaters im Himmel werdet; denn er lässt seine Sonne aufgehen über Bösen und Guten, und er lässt regnen über Gerechte und Ungerechte. Wenn ihr nämlich nur die liebt, die euch lieben, welchen Lohn könnt ihr dafür erwarten? Tun das nicht auch die Zöllner? Und wenn ihr nur eure Brüder grüßt, was tut ihr damit Besonderes? Tun das nicht auch die Heiden Ihr sollt also vollkommen sein, wie es euer himmlischer Vater ist." Matthäus 5, 43-48

Der Auftrag, den Feind zu hassen, nimmt Jesus aus der damaligen Vorstellungswelt, im Buch Levitikus 19,18 steht nur: „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. Ich bin der Herr.“

Sätze, die der Christ in Unterscheidung zum Islam sagen kann, formuliert Felix Körner S.J.

a. Gott riskiert seine Gottheit in der Geschichte.

b. Der Mensch hat eine Bestimmung, der er nicht aus eigner Kraft gerecht werden kann

c. Man kommt zu sich im anderen.

Weil Gott sich an Einzelereignisse in der Geschichte bindet, muss das Christentum bezeugt werden. Es spricht von partikulärem Geschehen. Weil die Gottheit Gottes sich von unserer Zustimmung abhängig gemacht hat, ist sie als geschichtsentscheidendes Bekenntnis gefordert, das aber wegen Gottes Bindung an eine Erwählungsgemeinschaft kein privates ist, sondern Bekenntnis der Kirche und Bekenntnis zur Kirche.

Weil der Mensch sich angesichts des Skandalons selbst in seiner Erlösungsbedürftigkeit erkennen kann, ist er bekehrungsfähig.

Weil der Mensch sich im Einlassen auf die von der Kirche bezeugte Geschichte auf Gottes Handeln verlässt, wird sie befreiend.“
 

„In Kirche im Angesicht des Islam, Theologie des interreligiösen Zeugnisses,“ Stuttgart 2008, S. 346

Das Kreuz


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Unterscheidungskriterium zwischen Islam und Christentum

Es ist wenigen bekannt, aber nach dem Koran ist Jesus nicht am Kreuz gestorben. Die Aussage findet sich in der 4. Sure über die Juden: 

„Verflucht wurden sie, weil sie ihre Verpflichtungen brachen, die Zeichen Gottes verleugneten, die Propheten zu Unrecht töteten und sagten: ‚Unsere Herzen sind unbeschnitten’ – vielmehr hat Gott sie wegen ihres Unglaubens versiegelt, so dass nur wenige glauben; und weil sie ungläubig waren und gegen Maria eine gewaltige Verleumdung aussprachen; und weil sie sagten: ‚Wir haben Christus Jesus, den Sohn Marias, den Gesandten Gottes, getötet.“ – Sie haben ihn aber nicht getötet, und sie haben ihn nicht gekreuzigt, sondern es erschien ihnen eine ihm ähnliche Gestalt. Diejenigen, die über ihn uneins sind, sind im Zweifel über ihn. Sie haben kein Wissen über ihn, außer dass sie Vermutungen folgen. Und sie haben ihn nicht mit Gewissheit getötet, sondern Gott hat ihn zu sich erhoben.“ (155-158)

 
Der Koran hält an der Erhöhung Jesu fest, aber kann sich nicht vorstellen, dass Jesus wirklich getötet wurde. „Es erschien ihnen eine ähnliche Gestalt.“ Gott hat Jesus den Augen der Juden entzogen. Aus diesen wenigen Sätzen des Korans sind Legenden erwachsen, Jesus wäre mit Maria Magdalena nach Persien gegangen. In Kaschmir gibt es heute lebende Muslime, die sich als Nachkommen Jesu bezeichnen.

Diese Aussagen des Korans beruhen nicht auf einer mangelnden Achtung vor dem Christentum. Der Koran hat eine große Hochachtung vor Jesus. Er spricht ganz positiv über Jesus, auch wenn er in Jesus nur einen Propheten und nicht den Sohn Gottes erkennt. Genau aus dieser Verehrung leugnet der Koran den Tod Jesu. Denn der islamische Glaube kann sich nicht vorstellen, dass ein Prophet Gottes unterliegt. Dem Islam stellt sich die gleiche Frage wie den Christen: Wenn Jesus von Gott gesandt ist, wie kann Gott es dann zulassen, dass Jesus am Schandpfahl des Kreuzes den Tod fand? Die Christen haben diese für Menschen nicht nachvollziehbare Unterlegenheit Gottes auch nicht so leicht akzeptieren können. Die ersten 1000 Jahre gibt es fast keine Kreuzesdarstellung. Aber man hielt an dem für Menschen nicht vorstellbaren Faktum fest. Für den Islam stellt der Kreuzestod des Messias die Ehre Gottes in Frage.

Der Islam hat das Faktum der Hinrichtung Jesu auch deshalb weg interpretiert, weil der Koran den Juden, anders als den Christen, negativ gegenüber steht. Deshalb war es unvorstellbar, dass es den Juden gelungen sein sollte, den Boten Gottes zu töten.

Das zentrale Motiv jedoch ist, dass der Islam sich nicht vorstellen kann, dass der Gesandte Gottes unterliegen könnte. Der Islam ist eine Religion des Siegens. Der Sieg wird aus militärischer Überlegenheit und noch mehr aus der inneren Überzeugung heraus errungen. So verstehen sich die Selbstmordattentäter nicht als Leidende, sondern als siegreiche Märtyrer, die Gott unmittelbar in sein himmlisches Reich aufnehmen wird. Dass Jesus durch sein Leiden siegen konnte, passt nicht in das Gottesbild des Islam. Ein Grund ist, dass ein militärischer Sieg Mohammeds als Bestätigung für die Richtigkeit seiner Lehre gilt. Es war der Sieg über seine Gegner in Mekka, der dem Islam zum Durchbruch verhalf und als Bestätigung der Religion gesehen wird.

Dieses Bewusstsein prägt auch heute die Muslime. Sie fühlen sich den Christen überlegen – nicht auf Grund irgendwelcher Machtinstrumente und auch nicht wegen der Ölquellen, auf die Christen angewiesen sind, sondern allein ihrer Religion wegen. Sie sind stolz auf ihre Religion, während die Christen sich nicht selten schämen, wenn sie ihren Glauben bekennen, wenn sie am Gottesdienst teilnehmen, beten, auf Wallfahrt gehen. Was bedeutet aber dann das Kreuz? Bringt es die Christen in eine Situation der Unterlegenheit gegenüber dem Islam?

Das Kreuz: Gottes Wege sind nicht die des Menschen

Auch für die Christen ist es nicht einfach, auf den Gekreuzigten zu blicken. Möglicherweise haben die Christen das Kreuz deshalb nicht gemalt noch geschnitzt, weil sie fürchteten, sich damit lächerlich zu machen. Denn die erste Kreuzesdarstellung zeigt einen gekreuzigten Esel – wohl als Spott gedacht und keine christliche Symbolik. Erst im Mittelalter entstand eine Kreuzverehrung, die dazu führte, dass heute praktisch in jeder Kirche ein Kreuz im Altarraum aufgestellt oder aufgehängt ist.

Was mussten die Christen lernen und was muss jede neue Generation von Christen lernen? Der christliche Glaube wird nicht dadurch erwiesen, dass die Christen technisch, bildungsmäßig, militärisch überlegen wären – vielmehr ist es der Gekreuzigte, und damit der Verzicht auf Herrschaft, auf Überlegenheit, auf Machtdemonstrationen, die für die Wahrheit des christlichen Glaubens einnimmt. Denn das Christentum nimmt bei der Niederlage, nicht beim Sieg seins Stifters seinen Ausgang. Zwar feiert es an Ostern das neue Leben, das durch die Auferstehung des Gekreuzigten für alle eröffnet ist, aber das Kreuz bleibt, es zeigt sich an den Wunden des auferstandenen Jesus.

Das Kreuz verstehen, heißt in der Auseinandersetzung mit anderen, vor allem mit dem Gegner, auf Rache verzichten. Das ist doch das Erstaunliche, dass die Jünger Jesu nach Ostern nicht mit Hasstiraden gegen die jüdische Obrigkeit aufgetreten sind, sondern ihren Zuhörern in Jerusalem das Erbarmen Gottes verkündet haben. Das haben sie gerade darin gesehen, dass Gott Jesus nicht im Tod gelassen hat. Denn dann hätte sich Gott endgültig von den Menschen verabschiedet und sie der Spirale von Misstrauen, Neid, Aggression und Mobbing überlassen. Wenn Jesus auferstanden ist, dann ist der Mensch gerettet, gerade der Mensch, der den Boten Gottes nicht erkannt und das Gebot Jesu, dem Feind es nicht heimzuzahlen, nicht akzeptiert hat. Weil Jesus nicht im Tod blieb, brauchen wir die Hoffnung für den Menschen nicht aufzugeben.

Die Friedensfähigkeit der Religionen

Da die Gegensätze zwischen den Religionen wieder zunehmen und Religion als Motivation für Bürgerkriege und Anschläge eingesetzt wird, wird die einzelne Religion daran gemessen werden müssen, inwieweit sie zum Frieden beiträgt. Denn wenn die Menschen sich nicht verständigen, dann gibt es auch keine Rettung für die Natur. Wenn Krieg herrscht, wachsen keine Wälder und die Industriegesellschaft wird nicht umweltfreundlich umgebaut. Da der Islam in seinem Titel das Wort „Frieden“ anklingen lässt, ist er theologisch gefragt, nämlich wie er Frieden aufbauen will. Nach dem Koran geschieht das so, dass sich alle dem einen Gott unterwerfen und damit der Islam herrscht. Ausdruck dieser Herrschaft ist das islamische Gesetz. Der Islam will, dass sein Gesetz, die Scharia, auf der ganzen Welt herrscht, also auch in den christlichen Ländern. Weil in Deutschland viele Muslime leben und diese einen Anspruch darauf haben, unter ihrem Gesetz leben zu können, muss nach dem Willen nicht aller, aber vieler Muslime, auch in Deutschland die Scharia gelten. Denn das Gesetz, das von Gott kommt, steht über dem von Menschen gemachten Gesetz. Muss nicht ein Muslim diesem Gesetz mehr folgen als dem Grundgesetz? Wenn dann überall das islamische Gesetz herrscht, dann herrscht Allah durch dieses Gesetz und es ist aus muslimischer Sicht die Basis für den Frieden gelegt. Das heißt aber, dass die anderen Religionen auch diesem Gesetz unterworfen werden. Die Christen könnten dann zwar ihren Glauben weiter praktizieren, sie wären aber nicht mehr gleichberechtigte Bürger. Wird das aber die Probleme, die uns mit dem kommenden Wassermangel, mit dem Mangel an Reis und Getreide, der schon in den letzten Jahren zu verzeichnen war, mit den Folgen von Hitze, Dürre und Überschwemmungen gestellt werden, lösen? Das geht nur, wenn es endlich einen weltweiten Willen zum Frieden gibt und der Islam nicht dadurch den Frieden aufrichtet, dass er alle anderen Religionen unter das Gesetz der Scharia bringt. Die Religionen müssen gemeinsam den Weg zum Frieden finden. Das Friedensgebet in Assisi, zu dem der verstorbene Papst die Vertreter der Religionen eingeladen hatte, wird wahrscheinlich als das Symbol in die Geschichte eingehen, das eine neue Epoche zwischen den Religionen eingeläutet hat.

Denn der Weg zum Frieden kann nicht darin bestehen, dass eine der Religionen eine Zeit lang mehr Menschen überzeugt und es mehr Übertritte vom Christentum zum Islam oder vom Islam zum Christentum gibt. Im Blick auf die großen Herausforderungen kommt es nicht mehr auf die Überlegenheit einer Religion an, sondern ob die Religionen gemeinsam zum Frieden beitragen. Dann ist aber die Frage, ob Gott mehr durch das Kreuz den Weg zum Frieden weist oder durch eine strikte Rechtsordnung wie die Scharia oder das jüdische Gesetz.

Kreuz oder Rechtsordnung

Um sich orientieren zu können, kann die Frage helfen, was den Menschen mehr überzeugt: Das Beispiel Jesu, für das das Kreuz steht, oder die Geltung einer Rechtsordnung. Die Frage ist nicht so einfach zu beantworten. Denn das Kreuz ist der schwierigere Weg, der auf Macht und Gewalt verzichtet. Eine Rechtsordnung verlangt zwar ein entsprechendes Verhalten, aber keine innere Haltung. Aber kann Frieden durch Recht herbeigeführt werden oder verlangt er nicht eine Bekehrung der Herzen? Das Prinzip des Kreuzes heißt ja, dass Gott Erbarmen vor Recht ergehen lässt. Der Mensch, der durch üble Nachrede, Neid, Geiz, mangelnde Rücksichtnahme, Konkurrenzkampf bis zur Ausschaltung des Konkurrenten immer wieder den Unfrieden hervorbringt, der Mensch, der vor Gewalt nicht zurückschreckt und die Quälerei von Geißelung, Kreuz und vielen anderen schrecklichen Dingen erfunden hat, der muss sich von innen her ändern. Jesus hat sich für die Gewaltlosigkeit entschieden, weil er einen neuen Weg zeigen wollte. Im Neuen Testament gibt es daher keine Stelle, die zur Gewalt aufruft.

Gott ergreift nicht Partei für eine Seite

Der Mensch denkt, dass Gott auf den Glaubenden mit Wohlwollen blickt und die Nicht-Gläubigen hasst. Deshalb kann man die Nicht-Gläubigen auch hassen, weil man ja dann so denkt und fühlt wie Gott. Genau das stimmt aber nicht. Gott schaut auf alle, die Gerechten und die Ungerechten. Er sieht in jedem Menschen sein Kind. Diesen universalen Blick Gottes, der keinen Menschen außen vor lässt, den weist das Kreuz. Denn das Kreuz ist für alle der Weg zum Heil, gerade für die, die andere durch Hass, Ausgrenzung, Mobbing ans Kreuz bringen. Da niemand ohne Sünde ist, kann man das Kreuz auch nicht der damaligen jüdischen Obrigkeit in die Schuhe schieben und sich herausreden. Jesus ist wegen der Sünden aller Menschen zu Tode gekommen. Und damit alle gerettet werden, ist er von den Toten auferstanden.


Zusammenfassung

Wer sich für einen bestimmten religiösen Weg entscheidet, tut das heute im Kontext der Globalisierung. Religionen leben nicht mehr in abgegrenzten Territorien, sondern stoßen in verschiedenen Ländern aufeinander. Religiös motivierte Bürgerkriege und ein wachsender Gegensatz zwischen Islam und Christentum setzten den Frieden ganz oben auf die Tagesordnung. Islam und Christentum unterscheiden sich nicht zuletzt darin, wie sie den Weg zum Frieden ebnen wollen. Die eine Option sieht in der Aufrichtung einer Rechtsordnung, der Scharia, den Frieden gesichert. Die Vorstellung ist, dass Gott durch die Scharia herrscht. Der Weg, den Jesus gegangen ist und den auch die Christen nur schwer verstehen, ist die Überwindung des Bösen, indem es erlitten wird. Eine Rechtsordnung unterwirft, das Kreuz will bekehren.

Weiterführung

Das Kreuz konfrontiert uns mit dem Bösen, wer von Kreuz spricht, nennt zugleich die Kräfte, die Menschen quälen, mobben, eben ans Kreuz schlagen. Obwohl aber Jesus das Kreuz erlitten hat, ohne dass Gott rächend eingegriffen hat, herrschen die gleichen Gesetze von Unterdrückung, Ungerechtigkeit, Beseitigung unliebsamer Mahner, heute meist Journalisten, die einfach umgebracht werden. Was soll aus dieser Welt werden, welche Chance habe ich, aus diesem Kreislauf des Bösen herauszukommen? Eine Antwort geben die Vertreter der Wiedergeburt.

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