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Warum Christ?

Gott - die Urkraft


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Gott - die Kraft des Universums

Das Weltall ist letztlich Energie. Albert Einstein hat das sogar in einer mathematischen Formel ausgedrückt. Dass letztlich alles Energie ist, entspricht unserem Lebensgefühl. Im Beruf kommt es darauf an, Energie gezielt einzusetzen. Sport hat deshalb in unserer Kultur einen so hohen Stellenwert, weil er uns Kraft und Energie spiegelt. Ist es da nicht naheliegend, Gott als die Energie des gesamten Weltalls zu erkennen?

An der Energie partizipieren

Nicht wenige Menschen in den westlichen Gesellschaften stellen sich Gott als die konzentrierte Energie des Weltalls vor. Dabei wäre Gott noch nicht einmal der oberste Manager, vielmehr versorgt das Zentrum des Universums alle, die es brauchen, mit der notwendigen Energie. Es gibt dann auch Praktiken, wie man sich mehr von der Energie des Universums holen kann, nicht durch Dopingstoffe, sondern durch Meditation oder und Yogaübungen. Im Tod würde ich dann Teil dieser universalen Energie. Diese Vorstellung kommt denen der asiatischen Religionen entgegen, die das Universum als Emanation, als Hervorbringung aus dem Grund aller Dinge verstehen.

Rückkehr zum Ursprung

Was einmal ausgefaltet worden ist, kehrt in das zurück, aus dem es hervorgegangen ist. Ähnliche Vorstellungen durchziehen alle Religionen. Die Religionen des Nahen Ostens empfinden den Menschen als aus dem Paradies vertrieben. Daraus folgt die Sehnsucht nach dem Paradies. Weil unsere Kultur von der Vorstellung des Paradieses geprägt ist, kommt uns diese Sehnsucht heute in den Bildern der Tourismuswerbung entgegen. Meist liegt das Paradies an südlichen Stränden. Aber es gibt auch „Winterparadiese“. In unserer Kultur schwingt auch noch die Vorstellung des Schlaraffenlandes mit, das uns die Befreiung vom Hunger vor Augen stellt. Die Sehnsucht nach einem Schlaraffenland passt jedoch nicht mehr in unsere Zeit, weil Schlankheit und körperliche Fitness das Ideal sind. Die ostasiatischen Religionen kennen diese Leib-freundlichen Vorstellungen nicht, denn für sie ist gerade die leibliche Existenz die Ursache des Übels. Die mit dem Leib verbundenen Begierden sollen nicht erfüllt werden, vielmehr soll sich der Mensch ihnen durch Askese entwinden. Seine Erlösung findet der Mensch, wenn er nicht mehr seinen vielen Wünschen und damit seinen Ich-Energien folgt, sondern in das All-Eine zurück findet. Es gibt also unterschiedliche Hoffnungen, wie die Rückkehr zum Ursprung gelingen könnte. Welcher dieser Sehnsüchte soll ich mich hingeben?

Die Freiheit als Maßstab

Die verschiedenen Sehnsüchte sind verlockend, ob Paradies, Schlaraffenland oder das All-Eine des Nirwana. Aber wer garantiert mir, dass sie auch erfüllt werden? Welches Kriterium steht mir zur Verfügung, dass ich mich von der richtigen Sehnsucht leiten lasse. Die Freiheit gibt mir die Richtschnur vor. Die volle Verwirklichung meiner Freiheit muss der Zielpunkt meiner Sehnsucht sein. Der Grund: Nichts fordert mich so unbedingt wie meine Freiheit. Dabei gibt mir die Freiheit inhaltlich nichts vor. Ich kann mich für dies oder das entscheiden, auch für diese oder jene Sehnsucht. Die Freiheit verlangt nur, dass ich mich entscheide. Dieser Anspruch der Freiheit ist nicht theoretisch. Denn entscheide ich nicht selbst, sondern lasse als Folge meiner Unentschiedenheit andere für mich entscheiden, dann habe ich doch entschieden, eben dass andere entscheiden sollen.

In der Freiheit ist enthalten, dass es um mein persönliches Leben geht, das durch mich seine unverwechselbare Gestalt erhält. Wie könnte sich aber meine Freiheit vollenden, wenn sie als Vollendung meiner Existenz in die Urkraft des Universums aufginge? Wenn die Urkraft selbst die Urfreiheit wäre, dann würde ich noch freier. Aber kann eine Freiheit in einer anderen „verschwinden“? Freiheit ist doch darauf angelegt, die andere Freiheit als frei zu wollen. Als Menschen müssen wir lernen, Freiheit nicht als „Verschmelzung“ zu leben. In der Pubertät kämpfen wir einen mühsamen Kampf für unsere Freiheit. Unsere Eltern müssen lernen, uns loszulassen, damit wir unser Leben selbst in die Hand nehmen. Sie müssen aushalten, dass wir die Risiken nicht abschätzen können und uns, in ihren Augen, unnötigen Gefahren aussetzen. Und es kann tödlich ausgehen, wie die vielen Kreuze an den Landstraßen zeigen, die Eltern für ihre verunglückten Kinder aufgestellt haben.

Nicht zu verschmelzen, sondern die Eigenständigkeit des anderen zu wollen, das ist wiederum Aufgabe für Verliebte. Auch hier müssen beide durch lange Kämpfe hindurch, bis die Freiheit des einzelnen in der Partnerschaft Gestalt gewinnt. Freiheit will Freiheit bleiben und wehrt sich gegen Verschmelzung. Deshalb wird die das Universum begründende Macht richtiger gesehen, wenn der Mensch sie mit seiner Freiheit in Beziehung setzt und nicht mit Dynamik und Schnelligkeit. Das ist auch sehr viel humaner, denn die Menschen, in denen nicht so viel Energie steckt, die körperlich oder sogar geistig behindert sind, werden von einer Gottheit, die als nackte Urkraft existiert, kaum verstanden und auch nicht in ihrer Würde geschützt. Der Nationalsozialismus mit seiner Weltanschauung einer rassisch-biologisch begründeten Kraft war zwar nicht so spirituell angelegt wie die heutige Vorstellung von Gott als Urkraft des Universums. Er ist aber ein Beispiel dafür, dass eine Weltanschauung erhebliche Auswirkungen hat. Wer in einer Gesellschaft leben will, in der die Menschrechte gesichert sein sollen, muss die Freiheit in der Weltanschauung tief verankern. Denn die Menschenrechte leiten sich unmittelbar aus der Freiheit ab. Kann man aber nicht doch die Idee der Freiheit mit der Vorstellung der Urkraft des Universums vereinbaren?

Die Freiheit des Menschen -  Zufall oder gewollt?

Ob man sich als Grund aller Dinge eine Urkraft vorstellt oder den Menschen als durch Zufall und Auslese entstanden sieht, jedes Mal findet sich die Freiheit nicht in dem Woher, aus dem der Mensch kommt. Eine Urkraft ist aus sich heraus nicht frei. Oder ich denke die Urkraft als höchste Freiheit. Dann bin aber schon in der jüdisch-christlichen Religion. In dieser Religion ist Gott als Schöpfer auch der Ursprung der Energie. Aber das ist nicht so entscheidend wie der freie Entschluss Gottes, die Welt ins Dasein zu rufen. Wird die Urkraft nicht als frei gedacht, dann würde der Mensch etwas leben, über was die Urkraft nicht verfügt, nämlich Freiheit. Auch die Vorstellung, der Mensch sei die komplexeste Form von Materie, legt etwas in den Menschen, was die Materie aus sich nicht hat, nämlich ein Gewissen, das die Freiheitsrechte des anderen im Blick hat. Oder die Hirnforschung interpretiert die Freiheit des Menschen gleich weg, dass nämlich die Hirnzellen den Menschen programmieren und das Hirn dem Menschen nur vorspiegelt, er, und nicht sein Gehirn, würde entscheiden. Wozu brauchen wir aber einen Gott, der das Höchste im Menschen, das, was seine Würde erst begründet, nicht gewollt hat? Gott kann aber eine andere Freiheit nur wollen, wenn er selbst frei ist. Denn etwas, sei es Energie oder Materie, kann nur etwas wollen, wenn es selbst frei ist. Ansonsten bringt es nur etwas hervor, was gesetzmäßig in ihm liegt. Das kann aber nicht Freiheit freisetzen, sondern nur etwas zur Folge haben, das den Gesetzmäßigkeiten unterliegt, die das Hervorbringen steuert.

Die Schwierigkeit, Gott als Ursprung der Freiheit zu erkennen

Warum kommen Menschen in demokratischen Gesellschaften auf die Idee, Gott als Kraft zu denken, ohne in ihm die Freiheit nicht nur als Idee, sondern als Tatsache zu verankern?
Es ist einmal die Realität des Bösen. Wenn man Gott als Schöpfer von allem sieht, dann kommt das Böse auch aus Gott oder es muss anderswoher kommen. Wenn Gott das Böse nicht will, dann muss es eine Gegenmacht geben, die das Böse will, Satan, Teufel genannt. Der Mensch kann zwischen Gott und dem Teufel wählen. Damit ermöglicht die Freiheit das Böse und man ist schnell bei der Schlussfolgerung, die Freiheit selbst sei Wurzel des Bösen. So denken viele Theologen und Pfarrer. Man kann das leicht mit der Frage testen: Warum wird der Mensch zum Sünder? Die meisten werden spontan antworten: Weil er frei ist. Diese Antwort, die seit dem großen Augustinus im Westen üblich ist, geht am Problem vorbei. Der Mensch kann sündigen, weil er frei ist. Aber das ist nicht das Warum. Kain tötet Abel nicht, weil er frei ist, sondern weil er neben sich niemand aushalten kann, auf dem der wohlwollende Blick Gottes ruht. 

„Die Sünde lauert wie ein Dämon an deiner Schwelle. Auf dich hat er es abgesehen. Sieh zu, du Herr über ihn wirst!“ (Genesis 4,7) Siehe auch: Ursprung des Bösen


Die Bibel schildert Kain gerade nicht als den freien Täter, sondern er kann sich gegen die Eifersucht nicht wehren und „muss“ seinen Bruder umbringen. Weil aber entgegen den biblischen Texten das Böse zu unbedacht mit der menschlichen Freiheit zusammen gebracht wird, entwickeln viele Theologen eine gefährliche Skepsis gegenüber der Freiheit. Sie bedenken nicht, dass die Liebe als höchste Verwirklichung des Menschen nur durch die Freiheit möglich ist. Wer die Freiheit klein redet, mindert auch die Liebe. Es bedarf daher der vollen Entschiedenheit für die Freiheit. Diese wird heute durch das gängige Verständnis der Freiheit in Frage gestellt.

Es gibt noch ein anderes falsches Verständnis von Freiheit, das Menschen den Blick dafür verstellt, dass die Urmacht, die mich ins Leben gebracht hat, in höchstem Maße frei sein muss. Denn wenn nach dem gängigen Verständnis Freiheit dann am intensivsten wäre, wenn ich auch anders kann, indem ich das Studium abbreche, eine Freundschaft aufkündige, mich nicht an Vereinbarungen halte, dann bringe ich nicht nur mich, sondern auch andere vom Weg ab. Denn der Mensch, der mit mir ein Projekt vereinbart, eine Freundschaft, eine Partnerschaft eingegangen ist, für den ich mich entschieden habe, kann nicht mehr mit mir rechnen. Ich mache seine und meine Freiheit „leer“ und entwerte sie damit. Denn wenn ich mein Studienfach wechsle, weil ich gerade eine schwierige Prüfung vor mir, die Beziehung auflöse, weil es „Knatsch“ gibt, ich eine Vereinbarung absage, weil ich jetzt Sport machen will, dann unterminiere ich meine Entscheidungen und mache meine Entscheidung wertlos und löse sie von innen her auf. Wenn Freiheit zu etwas Flüchtigem wird, das von jedem äußeren Widerstand umgeworfen werden kann, werde ich die letzte Urkraft des Universums nicht mit Freiheit identifizieren können. Da muss ich mir schon etwas „Festeres“ vorstellen können, auf das ich mein Leben bauen kann.

Die absolute Freiheit ist kraftvoll

Wenn eine nicht-freie Urkraft meine Freiheit hervorbringen würde, müsste ich tatsächlich skeptisch gegenüber meiner wankelmütigen Freiheit sein und in die Urkraft die unverrückbare Tendenz legen, sich von nichts beeinflussen zu lassen. Da liegt es nahe, den letzten Ursprung als Kraft zu denken, der sich nichts in den Weg stellen könnte, was die Urkraft nicht überwinden würde. Das käme dem nationalsozialistischen Modell einer Urkraft des Lebens, die sich in einer Rasse verkörpert, nahe, denn diese Weltanschauung war davon überzeugt, dass sich der schieren biologischen Überlegenheit der germanischen Rasse nichts entgegenstellen kann. Man kann sich die Urkraft auch als sanft vorstellen, die dann den längeren Atem hätte und sich am Ende durchsetzen wird. Wie man die Idee der Urkraft auch wendet, man gelangt nicht zu einer Verwirklichung der Freiheit, sondern nur zu einem Gefühl von Kraft und Stärke. Aber was machen wir mit der Erfahrung unserer wankelmütigen Freiheit? Sollen wir diese Erfahrung auf den Gott, den Ursprung der Freiheit, projizieren? Ist die Freiheit in Gott auch so haltlos wie in uns? Eine solche Vorstellung von Gott hat es gegeben, nachdem die Menschen im 14. Jahrhundert die Erfahrungen von Hungersnöten, Pestepidemien und zerfallender staatlicher Macht und kirchlicher Einheit gemacht hatten. Ist Gott nicht ein Willkürgott, der heute so und morgen so entscheidet, der die einen für das ewige Heil erwählt, die anderen in die Hölle verdammt? Die Frage Luthers nach einem gnädigen Gott ist die einer ganzen Epoche, die von vergleichbar großen Katastrophen heimgesucht wurde wie das 20. Jahrhundert. In die religiöse Konzeption Calvins (Link zu „erfolgreich oder arm“) ist diese Vorstellung von der willkürlichen Erwählung eingegangen. Es gibt viele Texte in der Bibel und in den Schriften anderer Religionen, in denen die Verwerfung des Menschen und die Hölle in drastischen Bildern beschrieben werden. Gott wird als der Rächer all der bösen Taten dargestellt. Die Möglichkeit des totalen Unheils, des endgültigen Sieges des Bösen besteht tatsächlich. Die Diktaturen des 20. Jahrhunderts, Konzentrationslager und Gulag zeigen, zu was der Mensch fähig ist. Dem kann die christliche Erfahrung nur das Kreuz als Zeichen dafür entgegenstellen, dass Gott selbst in die Tiefen der menschlichen Ohnmacht hinabgestiegen ist, dass er selbst den Sieg des Bösen erlitten und gerade so seine Macht gezeigt hat. Im Kreuz Jesu wird erkennbar, dass die Freiheit in Gott nicht wankelmütig, sondern konsequent ist. Gottes Freiheit will unbeirrbar die Freiheit des Menschen. Diese Freiheit kann der Mensch aber nur zurückgewinnen und vollenden, wenn Gott ihn aus den Fängen des Bösen befreit.


Zusammenfassung

Wenn der Ursprung und das Zentrum des Universums eine Urkraft ist, dann muss diese Urkraft die menschliche Freiheit erklären. Freiheit entsteht aber nicht als Ausfluss einer ursprünglichen Kraft. Denn diese könnte nur etwas aus sich entspringen lassen, das wieder den Gesetzen der Kraft folgt, aber nicht die Spielräume der Freiheit eröffnet. Der Ursprung des Universums muss selbst von innen her frei sein. Aber heißt Freiheit nicht nach unserer Erfahrung: „Heute so und morgen anders.“ Heißt das, dass die Freiheit in Gott ebenso wankelmütig ist wie die Freiheit in uns, der wird nicht trauen können und die uns daher auch nahelegt, der Freiheit in Gott besser nicht zu trauen? Was haben wir „in der Hand“, dass Gottes Freiheit anders ist als die menschliche, dass Gott dabei bleibt, den Menschen frei zu wollen. Es ist der Sohn Gottes, der am Kreuz das Böse nicht durch Kraft überwindet, sondern es durch Ertragen von innen her überwindet und so den Menschen den Schlingen des Bösen entwindet.

Weiterführung

Die Religionen gehen in der Mehrzahl davon aus, dass Gott sich zu erkennen gibt. Wir sind also nicht nur auf unser Nachdenken angewiesen, wenn wir von Gott eine Antwort auf die Frage suchen, wo unsere Existenz herkommt und wohin wir gehen werden. Wer sich auf den Weg des Religiösen macht, erhält nicht nur eine Antwort, sondern verschiedene Botschaften von Gott. Wie kann man sich orientieren?