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Orientierung finden


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Wem kann ich trauen?
Ich stehe hin und wieder vor wichtigen Entscheidungen in meinem Leben. Der Schulabschluß steht bevor. Ich müßte mir klar werden, welchen Beruf, für welches Studium ich mich entscheide. Oder: Ein Mensch begegnet mir. Ich spüre die Kraft, mich wirklich auf eine Partnerschaft einzulassen. Ich sehe eine soziale Aufgabe oder fühle mich von einem spirituellen Weg angezogen – soll ich mein ganzes Leben in die Waagschale werfen, ins Ausland, in einen sozialen Brennpunkt, in ein Kloster gehen? In solchen Situationen suche ich Orientierung, um mich richtig zu entscheiden.

"Du hast dein Leben doch selbst in der Hand!" - Wirklich?

Wenn ich die entscheidenden Weichen für mein Leben stelle, dann brauche ich eine Vorstellung, was dabei herauskommen soll. Ich schaue auf das Gelingen. Die Vorstellung, was das Gelingen meines Lebens sein könnte, inspiriert meine Entscheidungen.

Die Idee von einem gelungenen Lebens muß ich allerdings nicht selbst erfinden, denn meine Umwelt gibt mir Vorstellungen, auf die mein „Ich traue mich“, aufruhen könnte. Diese Vorstellungen mindern das Risiko, das mit jeder Entscheidung verbunden ist. Denn worum es im Leben geht, das zeigen Fernsehfilme, das höre ich in Gesprächen im Freundeskreis, im Verein, im Kollegenkreis.
Zwar fühle ich mich allein mit mir selbst, wenn ich über mein Leben entscheiden soll. Auch machen mir Entscheidungssituationen Angst, so daß ich versucht bin, eine Entscheidung hinausschieben.
Aber es kommt mir das in den Sinn, an was ich mich erst einmal halten kann. Jeder weiß: „Ohne Leistung kein Erfolg.“ „Ohne gute Ausbildung keine Chance im Beruf.“ „Ohne eine attraktive Ausstrahlung keine Akzeptanz beim anderen Geschlecht.“ Diese Spielregeln sind jedem bekannt. Es kommt auf Leistung an, aber genauso auf gute Beziehungen.
In diesem ganzen Geflecht muß ich meinen Vorteil erkennen, ich muß mich auch mal durchsetzen, vielleicht den anderen austricksen, mir den besseren Platz sichern. Dann habe ich etwas von diesem Leben. Denn trotz aller Beanspruchung und trotz des Leistungsdrucks, das Leben wirft etwas ab. Urlaube, Begegnungen, Kunst, Erfolge genießen - das trägt mich.

Allerdings gibt es einige unkalkulierbare Risiken. Ich muß gesund bleiben. Dafür kann ich etwas tun. Soll meine Partnerschaft gelingen, liegt es nicht mehr allein an mir, denn ich bin auf das Wohlwollen der Partnerin, des Partners angewiesen. Wird der andere zu mir halten, wenn ich in Schwierigkeiten komme oder sogar ernsthaft krank werde?
Das Lebenskonzept der Leistungsgesellschaft erscheint plausibel, so lange es funktioniert, d.h. solange ich leistungsfähig bleibe, Erfolg habe, mir etwas leisten kann, meine Partnerschaft lebendig bleibt und die Kinder gut heranwachsen. Wenn ich krank werde, könnte ich meinen Bekanntenkreis verlieren und meine Partnerin, mein Partner könnte sich von mir abwenden. Ich muß damit rechnen und mich darauf vorbereiten, daß die Risiken eintreten und mein Leben dann mißlungen sein wird. Es wäre aber auch möglich, daß mein Leben gelingt, auch wenn ich in den Augen der Mitmenschen gescheitert wäre. Es ist also weiter zu fragen.

Jenseits von Leistung und Attraktivität

Wenn ich in ruhigen Momenten auf das Ganze meines Lebens blicke, steigt die Frage auf: Reicht das eigentlich: Leistung, Erfolg und der damit gewonnene Urlaub, die Erfüllung in einer Partnerschaft, Kinder, die selbständig ihren Weg gehen können?
Ich kann mich da schnell beruhigen, denn so lange, wie ich leistungsfähig bin und ich mein Glück darauf aufbaue, Erfolg zu haben und die Früchte meiner Leistungskraft zu genießen, funktioniert mein Leben. Irgendwann kommen aber die Gedanken wieder, ich liege wach im Bett, ein Urlaub gibt mir die Distanz, auf mein Leben zu blicken, ich lese einen Roman oder sehe einen Film, die genau zu meinen Fragen passen.
Soll ich mein Leben daran ausrichten, daß ich aus meiner Lebensspanne besonders viel heraushole, mich anstrenge, Erfolge habe, um dann, wenn mein Körper nicht mehr mitmacht und meine Nervenkräfte aufgezehrt sind, mich von dem Ganzen verabschieden? Wenn ich will, daß mein Einsatz nicht nur zwischendrin Erfolge zeitigt, sondern insgesamt gelungen ist, sollte zumindest am Schluß alles gut sein.

Wenn ich mir aus der Rolle des Zuschauers mein eigenes Leben ansehe, ist mein Leben wirklich gelungen, wenn ich mich durchgekämpft habe, den einen oder anderen Erfolg verzeichnen und auch einiges von den Annehmlichkeiten und Schönheiten des Lebens genießen konnte?

Am Ende meines Lebens könnte ich mich fragen, warum ich mich so angestrengt habe, ob es sich gelohnt hat, da ja doch alles bald zerfällt, was ich geleistet, aufgebaut, erreicht habe. Mitnehmen kann ich sowieso nichts. Fraglich ist, ob ich auf so ein Leben aus Kampf, Siegen und Verlieren, vor den Mächtigen den Kopf einziehen und den eigenen Vorteil nicht aus dem Auge verlieren, mit Zufriedenheit zurückblicken kann.
Und wenn ich es aber nicht geschafft habe, wenn ich im Bekanntenkreis nicht die erhoffte Anerkennung gefunden habe, muß ich mich fragen, warum ich so viel meiner Kraft und Zeit investiert habe.

Ein erster Blick auf das moderne Leben zeigt, daß es Erhebliches verlangt, daß es auch  Erfolge verheißt, aber nicht das Gelingen versprechen kann. Denn wer nicht die erhofften Erfolge erzielt, wer nicht die Anerkennung findet, wer von Freunden, vom Partner, der Partnerin verlassen wurde, der muß am Ende sagen: Es hat sich nicht gelohnt. Aber hätte er auf den Erfolg von vorne herein verzichten sollen? Dann hätte er nicht mithalten können, er wäre im Freundeskreis nicht akzeptiert worden und hätte sein Leben am Rande fristen müssen. Es scheint gar nicht anders möglich zu sein, als mitzuspielen.

Bevor man jedoch klein beigibt und ungefragt mitmacht, könnte man die Lebenssicht, die uns von der Gesellschaft eingeflüstert wird, noch genauer anschauen. Das ist deshalb sinnvoll, weil wir mit der Weltsicht von Erfolg und Attraktivität dann massiv konfrontiert werden, wenn wir durch eine Prüfung fallen oder entlassen werden und uns in die wachsende Zahl der Arbeitslosen einordnen müssen.

Woher kommt diese Lebenssicht von Erfolg und Konsum, die uns ständig umgibt und mit inneren Stimmen zu uns spricht?

Die Wurzeln der Weltanschauung von Leistung und Erfolg

Das Prinzip der Marktwirtschaft ist die Basis, auf der der Leistungswettbewerb ausgetragen werden kann, zum Nutzen der Verbraucher. So profitiert jeder als Konsument von dem Wettbewerb um das bessere Auto, das leistungsfähigere Handy, die schmackhaftere Küche. Er profitiert weiter vom Wettbewerb durch günstige Preise. Denn wer seine Produkte zu teuer anbietet, ruft einen Konkurrenten auf den Plan, der ein vergleichbares Produkt zu einem günstigeren Preis verkauft. Als Konsumenten können wir mit der Marktwirtschaft zufrieden sein. Wenn wir uns als Anbieter von Arbeitskraft, von Ideen, als mehr oder weniger gut ausgebildete Fachkräfte gegenüber anspruchsvollen und preisbewußten Konsumenten behaupten wollen, fühlen wir uns gefordert.

Für viele von uns hat der Wettstreit um die Konsumenten jedoch Arbeitslosigkeit zur Folge. Es bestätigt sich also, daß wir, um Erfolg zu haben, uns an die Philosophie halten müssen, die in unserer Gesellschaft gilt: Das sind Leistung und Konkurrenzkampf mit der notwendigen Folge, daß der Schwächere an den Rand gedrängt wird, sich nicht mit seiner Hände Arbeit mehr ernähren kann und als Arbeitsloser auch nicht mehr dazu gehört. Denn wer arbeitslos ist, hat nicht nur weniger Geld. Er oder sie verlieren ihre Leistungsfähigkeit, wenn sie nicht mehr die beruflichen Anforderungen erfüllen müssen.

Wer zum Zuschauer des Lebens geworden ist, hat keine Chance mehr, vom Gelingen seines Lebens zu träumen. Denn er wird keine Erfolge mehr verzeichnen können und auch sonst nicht die Voraussetzungen erfüllen, um entsprechend den Vorstellungen unserer Gesellschaft erfolgreich und damit erst glücklich genannt werden zu können. Die Philosophie von Leistung und Konkurrenz ist also nicht nur etwas Gedachtes, sondern etwas sehr Reales, unser Leben Bestimmendes. Sie bestimmt, ob unser Leben gelingt oder nicht.


Diese Philosophie von Leistung und Konkurrenz entspricht der Vorstellung, die sich die Biologie vom Leben macht. Die Biologie untermauert sozusagen die Lebensphilosophie, die hinter der Marktwirtschaft steht. Darwin konnte davon ausgehen, daß die Baupläne von Pflanzen und Tieren nach den gleichen Gesetzmäßigkeiten funktionieren, weil sich die Lebewesen auseinander entwickelt haben. Das Leben ist von einfachen Formen ausgegangen und hat immer komplexere Systeme hervorgebracht, bis zum Schluß die Säugetiere sich entwickelt haben, aus denen dann über die Affen der Mensch hervorgegangen ist. Es sind die gleichen Mechanismen wie die, die der Marktwirtschaft zugrunde liegen. Konkurrenzkampf und damit Auslese des Besseren. Zufall und die Auslese durch die Natur sind also die beiden Prinzipien, die auch uns, den Menschen zustande gebracht haben. Daß diese Prinzipien sich mit denen der Marktwirtschaft weitgehend decken, erklärt, warum unsere Gesellschaft von dieser Lebensphilosophie überzeugt ist.

Aber begründet sich der Wert des Menschen nicht unabhängig von seinem Erfolg aus seiner Würde. Diese Würde ist die Basis, auf der unser Grundgesetz aufbaut: Die Würde des Menschen ist unantastbar. Diese Würde steht über dem Erfolg. Tatsächlich?
Es wird deutlich: Die Weltanschauung von Leistung, Konsum und Attraktivität trägt so lange, wie ich mitspielen kann. Was ist aber, wenn ich versage, wenn mir andere den Erfolg neiden, wenn ich gemobbt werde oder ein Krieg oder eine Diktatur mein Leben zerstören?
Und bin ich wirklich frei in dieser modernen Welt? Muß ich nicht die Werte „Leistung“ und „Attraktivität“ zur Richtschnur für meine Entscheidungen machen, um in dieser Welt bestehen zu können? Unterliegt mein Leben dem Muß, daß ich das tue, mich so entscheide, wie meine Umwelt es mir nahe legt?

Die Verantwortung für meine Weltanschauung selbst übernehmen

Wenn ich mich bei meinen Entscheidungen von den Vorstellungen meiner Umwelt leiten lasse, muß ich zwar Risiken einkalkulieren, aber mir wird die Anerkennung zugesichert, wenn ich mich nach den Spielregeln verhalte.

Aber es sind von außen aufgelegte Spielregeln. Sollte ich da nicht besser die Spielregeln selbst bestimmen, nach denen ich leben will? Nämlich die Ziele, die ich erreichen will, von mir abhängig machen. Das verlangt auch die Freiheit von mir. Ich soll mein Leben selbst gestalten und nicht Muster kopieren, wie sie mir Mode, Werbung, einzelne Stars, Karriereberater, Psychologen oder auch die eigenen Eltern vorgeben. Ich soll mir selbst über mein Leben klar werden und dann entscheiden. Wenn es mir gelingt, eine Lebensvorstellung zu entwickeln, in der auch Niederlagen, Verlassen, gemobbt werden nicht das Scheitern meines Lebens bestimmen können, dann könnte ich mich auch mit mehr Hoffnung auf mein Leben einlassen, dass es gelingt, auch wenn mir vieles misslingt.

Um zu einer solchen Lebenssicht zu kommen, muß ich mich zu allererst mit der Freiheit beschäftigen. Denn an der Freiheit hängt sowohl die Vorstellung, die ich mir vom Leben mache wie auch die Entscheidungen, die ich im Rahmen meiner Lebensvorstellung treffe.

Zusammenfassung
Ich bin von Lebensvorstellungen umgeben, die mir das Kino, die Werbung, Illustrierte und meine direkte Umwelt vorlegen, worauf es im Leben ankommt. Allerdings sind die heutigen Vorstellungen vom Leben mit einem hohen Risiko behaftet, denn wenn ich nicht erfolgreich bin, nicht genügend attraktiv, dann scheint mein Leben nicht gelungen. Deshalb ist es für das Gelingen meines Lebens entscheidend, dass ich meine Vorstellung vom Leben, meine Weltanschauung selbst erarbeite.
In der Freiheit müsste die Antwort liegen, was die Weltanschauung ist, die mir das Gelingen meines Lebens zusichert. Diese Weltanschauung müsste noch eine Antwort für den Fall bereithalten, wenn ich an meinen Fehlern scheitere, wenn Menschen nicht mit mir zu Recht kommen oder wenn ich gemobbt werde. Die Freiheit ist die Basis der Würde, denn ohne Freiheit und die mit ihr verbundenen Freiheitsrechte bleibt die Menschenwürde eine leere Hülse.

Weiterführende Fragen
Die Spielregeln der Leistungs- und Konsumgesellschaft müssen darauf hin geprüft werden, ob sie mir eine genügende Sicherheit dafür geben, dass ich am Ende wohlwollend auf mein Leben zurückblicken kann: Gelingen des Lebens.
Entscheidendes kann mir die Freiheit darüber sagen, woran ich mich halten sollte. Sie muss auch das Kriterium bereitstellen, ob die Lebensanschauung von Leistung und Attraktivität mir als Leitlinie dienen können: Der Sinn der Freiheit, Freiheit und Einmaligkeit
Die Gefährdung des Gelingens liegt nicht zuletzt im Üblen, mit dem ich rechnen muss. Dynamik des Bösen

Fragen für mich


Woher stammt eigentlich meine persönliche Weltanschauung?
Habe ich sie von anderen einfach nur abgekupfert, oder wurde sie mir vielleicht sogar einfach vorgelegt und ich habe sie übernommen?

Woran orientiere ich mich eigentlich und welches Ziel verfolge ich damit?

Würde ich mich für meine eigene Weltanschauung stark machen, oder sind zu viele Elemente darin nicht meine eigenen?


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