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Mit Gott rechnen – oder nicht?


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Gott? Aber es läuft doch alles glatt
Gott kommt eigentlich im normalen Leben nicht ins Spiel. Wenn wir vor keiner großen Herausforderung stehen und mit den alltäglichen Geschäften ausgelastet sind, dann läuft das Leben. Damit sind wir meist schon genug gefordert. Denn von selbst läuft eigentlich nichts, so daß ich mich immer um irgendetwas kümmern muß.

Aber wenn ich mal auf einer Erfolgsspur bin, dann beschleicht mich vielleicht das Gefühl: Ob das wirklich so weiter gehen kann? Wird die höhere Macht, die mir jetzt den Erfolg ermöglicht, nicht einmal etwas zurückfordern, einen tiefen Abstieg, eine Niederlage, dass ich vielleicht alles verliere, was ich mir aufgebaut habe? - Wenn mich solche Gedanken beschleichen, spüre ich 'den Neid der Götter'.

Meine Befürchtungen scheinen nicht unbegründet. Denn ich habe Menschen beobachten können, deren Erfolgskurve stetig nach oben ging und plötzlich steil abstürzte. Daher werde ich mißtrauisch, wenn ich den Widerstand des Alltags nicht mehr spüre.
Mir ist es dann lieber, wenn es nicht zu steil nach oben geht, sondern genügend Widerstände das Gefühl verhindern, 'ich hebe ab'. Dem Erfolg ist nicht einfach zu trauen. Da schieben wir leicht den Gedanken an Gott zurück. Würden wir Gott unsere Befürchtungen offenbaren, würden wir ihn ja geradezu aufmerksam machen. Oder wir finden unsere Befürchtungen lächerlich und schieben unsere Ängste weg. Wir wollen uns ja nicht selbst demotivieren. Vielleicht kenne ich diese Befürchtungen auch gar nicht.

In Krankheit und Not
Sich an Gott wenden, das fällt leichter in wirklicher Not, in schwerer Krankheit, wenn ich verlassen wurde, wenn Menschen mich enttäuscht haben, dann traue ich mich eher, Gott anzurufen und um Verständnis und Hilfe zu schreien. Dann brauche ich Gott und es ist nicht mehr schwer, an Gott zu glauben.

Wenn Gott aber immer für mich da ist, wie hängt dann mein Leben mit der Beziehung zu Gott zusammen? Muss ich Gott einbeziehen, damit mein Leben gelingt? Diese Fragen legen es nahe, daß ich mir über meine Beziehung zu Gott klarer werde.

Gott ist eine Macht, der wir etwas zutrauen
Wenn wir Gott in schweren Stunden anrufen, dann wenden wir uns an jemanden, der noch Möglichkeiten hat, die uns nicht mehr zur Verfügung stehen.
Wenn die Ärzte nichts mehr tun können, wenn ich von einem Menschen verlassen worden bin und niemand mehr da ist, der meine Enttäuschung versteht, dann lebt in meinem Rufen das Vertrauen: Es gibt jemand, der alles doch noch zum Guten wenden kann.

Ist Not notwendig, um an Gott zu denken?
Braucht es aber unbedingt Enttäuschungen und Niederlagen, damit sich Menschen auf Gott besinnen? Oder schickt Gott Unglücke, Naturkatastrophen und menschliche Bosheit, um mich aus der Gottvergessenheit aufzurütteln?
Man kann solche Predigten hören. Im Alten Testament haben die großen Propheten dem Volk die militärischen Niederlagen gegen die Assyrer und dann die Eroberung Jerusalems durch Nebukadnezzar wie folgt erklärt: Weil das Volk dem Baal geopfert, d.h.  Fruchtbarkeitskulte praktiziert und auch vor der Opferung der eigenen Kinder nicht zurückschreckte, beleidigte es Gott und mußte durch die Niederlage neu zu Gott finden.

Aber ist es nicht so, daß die Menschen Gott brauchen, Gott aber nicht die Menschen?

Gott ist da, ob er von Menschen angerufen wird oder nicht

Wenn wir Gott zutrauen, uns in schweren Stunden und in ausweglosen Situationen zu helfen, dann erkennen wir an, daß er mehr ist als ein Arzt, ein mildtätiger König, ein hilfreicher Vorgesetzter. Er trägt mein Leben auch dann in seinen Händen, wenn ich nicht an ihn denke. Wie sollte er mein Rufen hören, meine Not verstehen, wenn er sich vorher nicht für mich interessiert hätte?
Wenn ich in Gott den Schöpfer erkenne, durch dessen Wort alles geworden ist, dann sind die Worte, die Paulus an die Athener richtete, auch für uns heute eine Hilfe:

„Gott, der die Welt erschaffen hat und alles in ihr,  .... er, der alles Leben, den Atem und alles gibt. Er hat aus einem einzigen Menschen das Menschengeschlecht geschaffen, damit es die ganze Erde bewohne... Sie sollten Gott suchen, ob sie ihn ertasten und finden könnten; denn keinem von uns ist er fern. Denn in ihm leben wir, bewegen wir uns und sind wir.“ Apostelgeschichte, 17,24-28

Unser Verhältnis zu Gott ist anders als das zu anderen Menschen.
Wenn ich an den Freund, die Kusine, den früheren Lehrer nicht mehr denke, sie nicht mehr anrufe oder besuche, dann löst sich die Beziehung langsam auf. Auch ich verschwinde dann auch aus dem Blickfeld der anderen und werde in deren Denken und Fühlen immer weniger präsent.
Andere treten in deren Leben an meine Stelle. Mein Verhältnis zu Gott ist anders. Weil ich nicht nur in meinem Personkern aus seiner Hand komme, sondern jeder Herzschlag und jeder Atemzug von Gottes Schöpferkraft getragen wird, ist Gott immer da. Denn wenn Gott etwas schafft, dann ist er immer bei dem Geschaffenen. Würde Gott sich von seinem Geschöpf zurückziehen, dann müßte er wie wir in der Zeit existieren. Da er mit seinem Willen etwas ins Dasein ruft, bleibt das Geschaffene nur so lange, wie Gott es 'will' und ihm Existenz verleiht.
Sein Schaffen unterscheidet sich von dem der Menschen. Menschliche Schaffenskraft verändert etwas Vorhandenes, in dem der Mensch z.B. aus Steinen und Holz ein Haus baut. Wenn Gott etwas schafft, dann verleiht er ihm Existenz und es existiert weiter, weil Gott ihm Dasein gibt. Deshalb ist Gott immer bei dem, was er geschaffen hat.

Zusammenfassung
Wenn wir Gott suchen, ertasten und finden wollen, halten wir uns schon längst in seinem Wirkbereich auf, denn er hat alles geschaffen, auch uns Menschen. Ob ich Gott anrufe, ihm für meine Existenz danke, den Atem jeden Morgen als Geschenk entgegennehme, hängt nicht damit zusammen, ob Gott ist, so wie er auch nicht davon abhängig ist, ob ich an ihn denke.
Vielmehr geht es bei der Anrufung Gottes um mich, ob ich die tiefere Dimension meiner Existenz ertaste und die größere Wirklichkeit, die meine kleine Existenz umfaßt, erspüre.

Weiterführung
Wenn Gott mich in jedem Moment trägt, muß ich das auch wahrnehmen können. Ich finde Gott da, wo ich den Kern meiner Person finde, in meiner Freiheit: Gott und meine Freiheit


Fragen für mich


Spüre ich Gott nur in meiner Nähe, wenn mir etwas schlechtes oder böses widerfahren ist, oder scheint er auch bei mir zu sein, wenn es mir gut geht und ich glücklich bin?

Wie ist mein Verhältnis zu Gott? Anders als zu Freuden?

Inwiefern unterscheidet sich Gott von meinen Freunden?

Oder gibt es vielleicht auch Gemeinsamkeiten?

Was macht für mich Gott als jemanden Besonderes aus?


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