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Freiheit und Gebote?


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Durch all die Gesetze kann ich gar nicht frei sein

Ich erlebe mein Leben nicht nur durch Pflichten bestimmt, sondern auch durch sittliche Forderungen. Ich soll ehrlich sein, den anderen nicht verletzen, nicht neidisch auf seinen Erfolg werden. In den 10 Geboten und anderen Verzeichnissen ist festgelegt, was ich zu tun habe. Der Staat weitet die Forderungen in vielen Gesetzen noch aus.
Die Frage entsteht, wo überhaupt für meine Freiheit Raum bleibt. Dazu eine erste Beobachtung: Sich an die Gesetze halten und dadurch unfrei werden? Ist eigentlich nicht der freier, der sich nicht an die Geschwindigkeitsregeln hält oder mal bei „Rot“ über die Kreuzung fährt? Wären die Strafzettel und die Punkte in Flensburg nicht, hätte jeder diese Freiheit. Oder ohne Fahrschein mit der Straßenbahn fahren, ist das vom Gefühl her nicht freier, als immer am Automaten eine Karte zu ziehen?


Alles machen was ich will?
Aber wie ist es, wenn ich häufig in den gleichen Bus einsteige und den Fahrer kenne. Dann bin ich weniger geneigt „schwarz“ zu fahren. Ich will das dem Busfahrer nicht antun. Schließlich muss er ja davon leben. Etwas mitgehen lassen, das ist einfacher in einem anonymen Kaufhaus als in einem kleinen Laden. Wenn mich die Menschen im Stadtviertel bzw. im Dorf kennen, was werden sie von mir denken, wenn herauskommt, dass ich hin und wieder klaue. Dann gehöre ich nicht mehr so dazu. Oder will ich als streitsüchtig gelten? Um solche Leute machen die anderen leicht einen Bogen. Oder anderen mit körperlicher Kraft mal zeigen, wo es lang zu gehen hat.

Im Jugendalter ist das prickelnd, zu einer Truppe zu gehören, vor der die anderen Angst haben müssen, wenn sie gemeinsam auftritt. Aber ist das mit Dreißig noch angesagt? Noch empfindlicher wird die Reaktion bei den anderen, wenn ich nicht die Wahrheit sage und mich, wenn es kritisch wird, herausrede. Ich verliere nicht nur bei anderen die Achtung. Ich muss, wenn ich gelogen habe, ständig auf der Hut sein, dass ich mir selbst nicht widerspreche. Denn die Wirklichkeit entwickelt sich ja weiter. Ich muss aber bei meiner Lüge bleiben und die Wirklichkeit immer etwas anders darstellen, als sie ist. Kommt meine Lüge heraus, dann trauen mir die anderen nicht mehr. Denn sie wissen ja nicht, ob ich jetzt gerade die Wahrheit sage oder wieder lüge. Durch Lügen schließe ich mich selbst aus dem Gespräch über die Wahrheit aus. Ich selbst erwarte ja auch, dass man mir die Wahrheit sagt, dass man mich nicht hintergeht, mich nicht körperlich angreift und dass ich bei Grün ohne Furcht über die Kreuzung fahren kann, weil die anderen bei Rot stehen bleiben.
So kleinlich die Verkehrsregelungen erscheinen, als Fußgänger oder als Radfahrer bin ich froh, dass den Autofahrern die Zügel angelegt werden.


Ohne Regeln wird es auch eng
Die Gebote und Gesetze engen mich auf den ersten Blick ein und es ist verständlich, dass ich sie als Begrenzung meiner Freiheit erlebe. Bin ich aber vom Handeln der anderen betroffen, dass sie mir die Wahrheit sagen, mich nicht betrügen, meine körperliche Unversehrtheit achten, dann habe ich ein großes Interesse daran, dass die Gebote befolgt werden und die Gesetze gelten.

Als Betroffener erkenne ich schnell: Meine Freiheit würde eingeengt, hielten die anderen sich nicht an die Gesetze und würden sie ihrem Gewissen nicht folgen. Tendiert unser spontanes Erleben dahin, Gebote und Gesetze als Einengung der eigenen Freiheit zu betrachten, wird auf den zweiten Blick deutlich, dass die in den Geboten und Gesetzen enthaltenen Vorgaben der Freiheit der anderen dienen und dann auch meiner Freiheit. Denn wenn ich die Gesetze übertrete, kann ich nicht erwarten, dass andere sie befolgen und damit meine Freiheit achten.

Aber wenn ich getreulich den Vorgaben folge, wofür brauche ich dann noch meine Freiheit? Dann ist doch alles schon geregelt und mein Leben erschöpft sich darin, die Gebote zu befolgen und nicht über den Kreis hinauszutreten, den sie ziehen. Dieser Kreis erscheint mir oft als viel zu eng. Wenn meine Freiheit nicht darin besteht, außerhalb der Gebote das zu tun, was ich will, scheint sie sich darin zu erschöpfen, den von Gott befohlenen Geboten und den von Menschen erlassenen Gesetzen zu folgen. Kann das der Sinn der Freiheit sein?


In meiner Beruf-ung bin ich frei

Die Gebote dienen der Freiheit der anderen, für mich geht es um meine Berufung. Da die Gebote die Freiheit der Mitmenschen sichern, muss es ein anderes zentrales Thema für meine Freiheit geben. Dieses Thema muss mich unverwechselbar machen. Denn wenn ich so werden müsste wie viele andere, dann bräuchte ich die Freiheit nicht. Es genügte die Steuerung meines Lebens durch Instinkte. Diese könnten auch in Verhaltensnormen, Modetrends u.ä. bestehen. Wenn ich mit meiner Freiheit etwas Einmaliges werden soll, dann muss es etwas geben, für das ich mich entscheiden und das ich dann auch umsetzen kann.

An großen Künstlern wird das deutlich. Die Musik von Bach oder Mozart konnte niemand anderes komponieren. Es hat auch niemanden nach ihnen gegeben, der eine solche Musik geschaffen hat. Es gibt herausragende Staatsmänner und -frauen, die etwas Einmaliges geleistet haben, indem sie das in der Situation Mögliche erkannt und daraus etwas Neues geformt haben.
Oder Menschen, die eine soziale Initiative ergriffen haben, das Rote Kreuz oder Amnesty International gegründet haben. Es gibt auch einmalige religiöse Persönlichkeiten. Die hl. Elisabeth von Thüringen, die im Alter von 22 Jahren starb, motiviert noch heute Menschen, sich sozial zu engagieren. Die Exerzitien, die der hl. Ignatius von Loyola entwickelt hat, sind immer noch aktuell.

Zwar sind die meisten von uns kein Bach, dessen Kantaten auch nach 300 Jahren jeden Sonntag erklingen. Aber für die eigenen Kinder ist jeder von uns unersetzbar, wie auch für die Menschen, mit denen ich innerlich verbunden bin. Es gibt auch Aufgaben, die die Zeit mir stellt. Menschen, die im Nationalsozialismus Juden versteckt haben, hatten sich nicht vorgestellt, im Leben einmal eine Heldentat zu vollbringen. Aber wenn sie ihre Berufung nicht angenommen hätten, wären mehr Juden vernichtet worden. Sie waren für die, die sie gerettet haben, unersetzlich.

Im Alltag sind es oft Nuancen. Werde ich in einem Textilgeschäft mit Engagement beraten, dann bleiben mir der Verkäufer und die Verkäuferin im Gedächtnis. Sie haben ihre Berufung gelebt. Gleiches gilt für Erzieherinnen, Lehrer, Sicherheitsingenieure und die anderen Berufe. Wenn sie ihre Berufung erkennen und im Alltag umsetzen, sind sie unersetzbar.
Die Beispiele zeigen, dass es jenseits der Gebote viel Raum für die Freiheit gibt. Wer seine Berufung erkennt, macht sein Leben einmalig. Er bleibt nicht in dem Rahmen verhaftet, den die Gebote umreißen, sondern wagt sich in das Reich der Freiheit.

Dort ist mehr als Rechtschaffenheit gefragt, nämlich Liebe. Die eigene Berufung fordert meine Überstunden, meine Hingabe, mein Herz, meine Liebe. Diese Analyse der Freiheit scheint dem zu widersprechen, was von Kathedern und Kanzeln hin und wieder über die Freiheit gesagt wird. Denn viele Lehrer und Redner erklären uns die Freiheit, indem sie sie auf das Gesetz, die 10 Gebote beziehen. Die Freiheit ist dann das Böse, das den einzelnen verleitet, die Gebote zu übertreten.
Diese Redner dozieren aber nur über die Freiheit der anderen. Meine Freiheit habe ich, um lieben zu können. Ich liebe auf Dauer und mit mehr Tiefe, wenn ich nicht einfach meine Liebe verschenke, sondern wenn ich meiner Berufung folge.


Zusammenfassung

Die Gebote gehören zur Freiheit, denn wenn ich mich an die Gebote halte, gehe ich sorgfältig mit der Freiheit der anderen um. Die Befolgung der Gebote trifft aber nicht den Kern meiner Freiheit.
Der liegt darin, dass ich mein Leben in meine Berufung investiere und damit die Chance gewinne, wirklich etwas mit Liebe zu tun und andere nicht nur zu achten, sondern zu lieben.

Weiterführende Fragen
Wenn der Kern der Freiheit für mich darin besteht, eine besondere Berufung für mein Leben zu erkennen, dann kommt es nicht nur auf die Entscheidungen an, die ich treffen soll, um über mein Leben zu entscheiden, sondern dass ich die Berufung für mein Leben finde. Freiheit – Einmaligkeit  und Wirklich frei sein


Fragen an mich


Wie gehe ich mit meiner Möglichkeit zur Freiheit um?

Nutze ich dich Chance innerhalb meiner Berufung frei zu wirken?

Durchbreche ich manchmal Regeln und verletze damit die Freiheit anderer?

Wie reagiere ich, wenn mir andere Menschen meinen Freiheitsraum unerlaubter Weise rauben oder einengen?


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