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Jesus , der Messias

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Warum ist das Christentum keine jüdische Religion geworden?
Das Verhältnis des Christentums zum Judentum

Man fragt mit Recht, wieso im christlichen Abendland eine Judenverfolgung möglich war, die auf die Ausrottung dieses Volkes abzielte. Zwar war der Holocaust kein Religionskrieg, sondern die Juden wurden getötet, ob sie jüdischen oder christlichen Glaubens war. Der Nationalsozialismus setzte seine Rassentheorie um, die mit gleicher Härte die Sinti und Roma traf. Zwar wurden auch die Christen verfolgt, wenn sie Widerstand gegen das nationalsozialistische Regime leisteten, aber nicht deshalb, weil sie sich auf den jüdischen Gründer ihrer Religion bereifen und diesen in den Gottesdiensten und mit Fronleichnamsprozessionen verehrten.

Es gab auch von Seiten der Christen Pogrome gegen die jüdische Bevölkerung, die von einigen damit gerechtfertigt wurden, dass die Juden Jesus verurteilt hatten und die Bekehrungspredigt seiner jüdischen Jünger nicht angenommen hatten. Die Christen selbst haben ihre jüdischen Gründungsväter nicht abgeschafft, sondern selbst bei Pogromen weiter verehrt, so Petrus, die anderen Apostel und vor allem Maria. Berechtigt fühlten sich die Christen, die Juden zu verfolgen, weil diese als Feinde Jesu galten. Um die Verfolgung zu legitimieren, wurden schauerliche Geschichten erfunden, die Juden hätten Hostienfrevel begangen oder kleine Kinder von Christen umgebracht.

Das Verhältnis zwischen Juden und Christen war von Anfang an voller Spannungen. Es gab Tendenzen, sich die Juden zu verteufeln. Seit dem Holocaust ist den Christen ihre Mitverantwortung bewusst, zugleich ist deutlich, dass sich das Christentum von seinen jüdischen Wurzeln nicht abschneiden kann.

Jesus, die Apostel und die Juden
Jesus selbst ist tief von der jüdischen Religion geprägt. Wenn er von Gott spricht, dann meint er den, der sich Abraham geoffenbart und der Moses mit der Befreiung des Volkes aus Ägypten beauftragt hat.
Er predigt aus dem Geiste der jüdischen Bibel, kommt aber mit der jüdischen Obrigkeit in Konflikt. Da er sich nicht in die damaligen politischen Konflikte mit der römischen Besatzungsmacht einmischt, wird er nicht von den Römern bei Pilatus angeklagt, sondern von dem jüdischen Hohen Rat.

An der Person Jesu unterscheidet sich das Bekenntnis der Juden von dem der Christen. Zwar bekehren sich viele Juden zum Christentum, das sich damals noch als Teil des Judentums verstand. Die Christen sprachen von einem Neuen Weg innerhalb des Judentums. Sie besuchten weiterhin den Synagogengottesdienst, der in Form von Bibellesungen und der Auslegung der gelesenen Texte im Wortteil der christlichen Eucharistiefeier fortlebt.

Die Christen haben, ehe sie die Evangelien verfassten, sich ganz auf die Bibel der Juden gestützt, die bis heute im christlichen Gottesdienst verlesen wird. Die Psalmen der Juden liegen dem Stundengebet der Mönche und Priester zugrunde. Ostern und Pfingsten haben jüdische Wurzeln. Ohne das Judentum wäre die christliche Gebets- und Festkultur nicht denkbar. Die Trennung ist bis heute nicht überbrückt, weil sie an der Person Jesu festgemacht wird. Was ist der Unterschied?

Jesus, in den Augen der Christen der Messias
In Antiochien, so berichtet Lukas in der Apostelgeschichte, werden die Anhänger Jesu zuerst Christen genannt. Christ, das Wort leitet sich von „gesalbt“ her. Der Gesalbte des Herrn ist der Messias. Diesen erwarten die Juden bis heute, die Christen sagen, dass Jesus der Messias ist. Der Grund für die Juden, Jesus nicht als Messias anzuerkennen, liegt darin, dass das neue Reich des Friedens nicht angebrochen ist. Jesus hatte sich sogar geweigert, die römische Fremdherrschaft abzuschütteln und sich als König inthronisieren zu lassen. Die Juden erwarten aber, dass der Messias als Nachkomme Davids dessen Reich wiederherstellen wird, um den Juden ein Leben in sicheren Grenzen zu ermöglichen.

Christen sind also Anhänger des Gesalbten, hebräisch „Messias“. Viele Texte des Neuen Testaments versteht man nur, wenn man sie als Auseinandersetzung mit dem Judentum versteht. Die Schreiber wollen Jesus als den wahren Messias darstellen. Deshalb ist Jesus in Bethlehem, der Geburtsstadt Davids geboren. Selbst die Sternkundigen aus dem Gebiet des heutigen Irak haben an den Sternen erkannt, dass in Judäa, dem Stammesgebiet Davids, ein neuer König geboren wurde. (s. Dreikönige www.kath.de/kirchenjahr/dreikönige)

Johannes der Täufer weist auf Jesus hin, als den, der kommen soll. Jesus erklärt in der Synagoge von Nazareth, dass die Verheißungen des Propheten Jesaja in seiner Person in Erfüllung gegangen sind. Die Jünger schließen sich Jesus an, weil sie in ihm den verheißenen Messias erkannt haben.

Das Hauptargument der christlichen Prediger ist jedoch die Auferstehung Jesu. Der Hauptakzent liegt nicht darin, dass ein Toter wieder lebendig ist, sondern dass Gott in der Auferweckung Jesus als seinen Gesandten, eben als Messias bestätigt hat. Die Predigt des Petrus am Pfingstfest dient ganz dieser Argumentation. Im Fortgang der Apostelgeschichte wird immer wieder gezeigt, dass Paulus und die anderen christlichen Prediger zuerst in die Synagogen gegangen sind, um die gute Botschaft vom Messias auszurichten. Oft stießen sie auf Ablehnung, jedoch schließen sich auch einige Juden an. Auch Proselyten, ehemalige Heiden, die zum jüdischen Glauben übergetreten waren und sog. Heiden, die vorher nicht mit der jüdischen Religion in Verbindung standen, schließen sich der jungen christlichen Kirche an. Die Juden werden von den Christen nicht als Heiden bezeichnet, denn sie beten ja den wahren Gott an.

Anders als die Juden gingen die Christen offener auf die Heiden zu. Exemplarisch wird die Geschichte vom römischen Hauptmann Cornelius erzählt, den Petrus in die Kirche aufnimmt. Für die Christen, die aus der nichtjüdischen Welt kommen, werden Diakone eingesetzt, die ausnahmslos griechische Vornamen tragen. Schließlich beschließt das Apostelkonzil, dass man direkt vom Heidentum in das Christentum aufgenommen werden kann, ohne vorher Jude zu werden. Das war für die jüdische Leitung der Jerusalemer Gemeinde kein einfacher Schritt. Aber sie erkannten, dass Gott die Heiden zur Nachfolge Jesu beruft, und dass Gott nicht verlangt, dass die Heidenchristen die jüdische Gesetzes- und Gebetspraxis übernehmen müssen, die den Alltag bis ins Kleinste regelt. Es gab also schon zu Lebzeiten des Petrus eine Abwendung vom Judentum, jedoch haben die Christen die jüdischen Wurzeln nie verleugnet, auch wenn sich manche zur Zeit des Nationalsozialismus der jüdischen Herkunft Jesu schämten.

Zugleich blieb immer im Bewußtsein, dass Jesus nicht zum Haß gegen die Juden bzw. die jüdische Obrigkeit aufgerufen hat und die erste Generation der Christen sich daran gehalten hat.

Jesus und sein Volk: Keine Rache und keine Gewalt

Jesus hat die jüdischen Theologen provoziert und sich nicht dem jüdischen Hohen Rat gebeugt. Vielmehr hat er an seinem Anspruch, im Namen Gottes zu predigen und Wunder zu tun, festgehalten. Er wurde zwar verdächtigt, dass er im Namen von Beelzebub, dem Obersten der Teufel, Wunder tut, aber diesen Vorwurf konnten die Schriftgelehrten nicht aufrecht erhalten. Jesus wurde verurteilt, weil er den Titel „Sohn Gottes“ nicht zurückgewiesen hatte. Hätte Jesus es dem Hohen Rat überlassen, über die Legitimität seiner Sendung zu urteilen, dann wäre er wohl nicht an die Römer ausgeliefert worden.

Nun könnten die Christen diesem Anspruch Jesu, der durch die Auferstehung bestätigt wurde, den Auftrag ableiten, die Juden mit Gewalt zu bekehren. Das hätten nicht wenige gerne getan, aber sie konnten sich damit  nicht auf Jesus berufen. Jesus betet für seine Verfolger und bittet Gott, ihnen die Schuld nicht anzurechnen. Diesem Beispiel folgen die Apostel. Die junge Gemeinde in Jerusalem wird zwar verfolgt, aber es kommt zu keinem Aufstand gegen die jüdische Obrigkeit. Die Juden sind auch nicht „verworfen“, weil sie Jesus an die Römer ausgeliefert und seine Hinrichtung gewollt haben. Die christlichen Prediger wenden sich vielmehr zuerst an die Juden und bieten ihnen erneut die Gnade Gottes an. Die Juden sind ausdrücklich nicht vom Heil ausgeschlossen, sondern wie alle Menschen berufen, durch Christus erlöst zu werden.

Auch wenn Christen immer wieder versucht waren, die Juden zu verurteilen, sie haben sogar von Gottesmördern gesprochen, eine Berechtigung, die Juden zu verfolgen oder durch Gewalt zur Taufe zu zwingen, können sie aus der Praxis Jesu und der ersten Gemeinde nicht ableiten.

Zusammenfassung
Die Christen behaupten, dass Jesus der von Gott gesandte Messias ist. Diesen Anspruch hat Jesus selbst in der Gerichtsverhandlung vor dem jüdischen Hohen Rat nicht aufgegeben. Die Christen sehen diesen Anspruch in der Auferweckung Jesu durch Gott selbst bestätigt. Die Juden legen andere Kriterien an. Für sie muss der Messias als Nachkomme Davids dessen Reich wiederherstellen. Auch wenn die Juden Jesus ablehnen, folgt daraus nicht, dass Christen berechtigt sind, Juden zu verurteilen oder durch Zwang zu bekehren.


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