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Sohn Gottes


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Jesus, wirklich Gottes Sohn?

Im Christentum geht um Jesus Christus. Aber geht es nicht letztlich um Gott, so wie im Judentum und im Islam? Bereits in den ersten Jahrhunderten hat es große Probleme mit der Gottessohnschaft Jesu gegeben, als die griechische Philosophie das christliche Gottesbild in Frage stellte und behauptete, der Logos sei geschaffen, also ein Geschöpf Gottes.
Wie sind die christlichen Theologen damals mit der Frage umgegangen? Haben sie ein Gedankengebäude errichtet, oder konnte man an Jesus erkennen, dass er Gottes Sohn war? Allgemein wird auf die Wunder hingewiesen. Aber auch seine Jünger vollbrachten Wunder und für eine Heiligsprechung verlangt die katholische Kirche heute noch ein Wunder.

Die Wunder werden letztlich von Gott vollbracht und auch Jesus hat auf die Kraft Gottes hingewiesen, die in ihm wirkt. Aber warum muss man überhaupt an der schwierigen Aussage festhalten: Jesus ist Gott gleich? Wenn die Aussage wahr ist, dann sollten wir uns nicht einfach von dem Glaubensbekenntnis der frühen Kirche verabschieden. Entscheidender aber als das Glaubensbekenntnis ist, ob es für Jesus selbst wichtig war, Sohn Gottes zu sein. Für uns Menschen ist die Frage deshalb nicht ohne Bedeutung, weil wir etwas Entscheidendes über uns als Menschen erfahren müssen. Denn wenn der Sohn Gottes Mensch wird, dann hat das mit uns Menschen etwas zu tun.

So hat das Ringen um die Frage, wer Jesus ist, dem Abendland den Personbegriff geschenkt. Aber das ist nicht das Einzige. Warum war dieser Glaube für die Christen in den ersten Jahrhunderten so wichtig? Und war es überhaupt der Glaube der ersten Generation?

Der Glaube der ersten Generation

Es ist keine spätere Entwicklung im Christentum, Jesus als den Sohn Gottes zu bekennen. Die Wurzeln finden sich bereits im Neuen Testament. Die ersten Christen der Jerusalemer Generation haben Jesus sowohl als den von den Juden erwarteten Messias, wie auch als den Sohn Gottes verkündet.

Wie konnten die Anhänger Jesu als Juden überhaupt auf die Idee kommen, Jesus sei Gottes Sohn? Denn eine solche Behauptung widerspricht der jüdischen Lehre direkt. Die Juden waren nämlich das einzige Volk, von dem nicht nur die Intellektuellen zu der Überzeugung gelangt waren, dass es nur einen Gott geben kann. Da die ersten Christen Juden waren, bedeutet es sehr viel, wenn sie Jesus als den Sohn Gottes verehrten.

Der Grund, Jesus als wahren Sohn Gottes zu verkünden, muss mit der Person Jesu selbst zu tun haben. Sonst wären seine Anhänger wohl von sich aus nicht auf die Idee gekommen, Jesus so mit Gott gleichzusetzen. Es ist also entscheidend ist, wie Jesus sich selbst gesehen hat.
Das Verhältnis Jesu zu Gott
Wir sind deshalb auf die Aussagen Jesu angewiesen, weil es für die Gottessohnschaft Jesu keine Beweise gibt, die vom Menschen in der Weise angestellt werden könnten, wie z.B. für die Geltung der Allgemeinen Relativitätstheorie. Der Mensch kann sich das nur von Gott selbst sagen lassen. Deshalb geht die christliche Theologie davon aus, dass Gott es geoffenbart haben muss, wenn Jesus wirklich Gott gleich ist.

Aber das liegt nach den Berichten der Evangelien nicht einfach auf der Hand. Die Menschen konnten nicht direkt seiner Predigt entnehmen, dass er sich selbst als Sohn gesehen hat. Denn Jesus hat sich nicht selbst verkündet, sondern das Reich Gottes. Eher beiläufig findet sich in vielen Berichten der Evangelien ein Hinweis, dass Jesus sich als „Sohn“ verstanden hat. Den Jüngern wurde erst schrittweise bewusst, dass Jesus nicht nur Gesandter, sondern Sohn Gottes ist. Ein wichtiger Anhaltspunkt ist das „Vater unser“, das bis heute von den Christen täglich gebetet wird.

Dieses Gebet stammt von Jesus und erlaubt den Menschen, Gott mit einem Kosewort anzusprechen. Das Gebet beginnt nämlich nicht mit „Gott“, sondern mit Abba, das soviel heißt wie „liebender Vater“. So hat Jesus selbst mit Gott gesprochen. Das „Vater unser“ ist damit eigentlich das Gebet Jesu, in das er die Beter hinein nimmt. Wir können uns so an Gott wenden, weil Jesus uns so nahelegt.

Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name,
dein Reich komme, dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden,
unser tägliches Brot gib uns heute und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigen;
und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.


Dieses Gebet findet sich bei Matthäus 6, 9-13

Hier folgen noch diese Verse:
Denn wenn ihr den Menschen vergebt, dann wird euer himmlischer Vater auch euch vergeben. Wenn ihr aber den Menschen nicht vergebt, dann wird euch euer Vater eure Verfehlungen auch nicht vergeben.“

Jesus hat Gott mit „Abba“ angesprochen, das im Jüdischen eine vertraute und nahe Beziehung ausdrückt und gerade nicht den „Strengen Vater“ meint, als der Gott von Predigern oft dargestellt wurde. 174mal wird in Evangelien berichtet, dass Jesus Gott „Abba“ nennt. Daran und an seinem Reden über Gott haben die Jünger abgelesen, dass Jesus der Sohn Gottes ist.

Matthäus berichtet, dass Jesus die Jünger ausdrücklich fragt: „Ihr aber, für wen haltet ihr mich?“ Petrus antwortet: „Du bist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes! Jesus sagte zu ihm: Selig bist du, Simon, Sohn des Jona; denn nicht Fleisch und Blut haben dir das offenbart, sondern mein Vater im Himmel.“ Matthäus 16, 16-17

Dass Jesus sich mit Gott gleichstellt, war den jüdischen Theologen schon daran aufgefallen, dass Jesus Sünden vergibt. Das geschah im Zusammenhang mit einer Heilung eines Gelähmten, von der Markus berichtet, dass Jesus, ehe er den Mann heilt, zu ihm sagt: „Mein Sohn, deine Sünden sind dir vergeben.“ Die jüdischen Schriftgelehrten fragen sich: „Wie kann dieser Mensch so reden? Er lästert Gott. Wer kann Sünden vergeben ausser dem einen Gott?“ Markus 2,5-7

Nach den Berichten der Evangelisten wird Jesus vom jüdischen Gericht wegen Gotteslästerung verurteilt (vom römischen Gericht jedoch, weil er sich „König der Juden“ genannt haben soll.)

Bei Lukas heisst es über die Vernehmung vor dem Hohen Rat: „Sie sagten: Wenn du der Messias bist, dann sag es uns!  Er antwortete ihnen: auch wenn ich es euch sage – ihr glaubt mir ja doch nicht. Von nun an wird der Menschensohn zur Rechten des allmächtigen Gottes sitzen. Da sagten alle: du bist also der Sohn Gottes. Er antwortete ihnen: Ihr sagt es, ich bin es. Da riefen sie: Was brauchen wir noch Zeugenaussagen? Wir haben es selbst aus seinem eigenen Mund gehört.“ Kap. 22,67-71
Aus der Erfahrung der Anhänger Jesu ist die Erkenntnis erwachsen, dass Jesus nicht nur Mensch ist, sondern zugleich Sohn Gottes. Diese Überzeugung, dass Jesus Gott gleich ist, findet sich in der Taufpraxis wieder.


Am Schluss des Matthäusevangeliums beauftragt Jesus die Apostel:
Mir ist alle Macht gegeben im Himmel und auf der Erde. Darum geht zu allen Völkern und macht alle Menschen zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe. Seid gewiß: Ich bin bei euch alle Tage bis ans Ende der Welt.“ Kap.28,18-20 

Es ist also nicht nur die an den Fakultäten gelehrte Theologie, die Jesus als den Sohn Gottes darstellt, sondern die Gebets- und Taufpraxis lebt von der Überzeugung, dass wir durch Jesus in Gott unseren Vater gefunden haben, weil er selbst Sohn Gottes ist.

Gott ist einer und in der Einheit dreifaltig
Natürlich bleiben diese Aussagen der Christen nicht unwidersprochen.
Als sich die christliche Botschaft im griechisch denkenden Kulturraum verbreitete, kam es sogar in der Kirche selbst zu der Frage, wie man Mensch und Gott in Jesu zusammen denken könne. Man hatte durch die Philosophie den Vielgötterglauben gerade überwunden und den Monotheismus, dass es nur einen Gott geben kann, in seiner gedanklichen Klarheit als überzeugend erkannt. Da kommen die Christen und zerstören diese Klarheit, indem sie neben Gott, dem Vater, einen weiteren Gott, den Sohn und sogar den Heiligen Geist behaupten.

Die christlichen Theologen waren herausgefordert, den Glauben in der Begrifflichkeit der griechischen Philosophie ausdrücken. Vor allem mussten sie zeigen, dass Gott einer ist, auch wenn es neben dem Vater den Sohn und den Heiligen Geist gibt. Sie nutzten dabei die Begriffe „Natur“ und „Hypostase“ (das, was in sich steht). Mit dem Begriff „Natur“ kann man die Zughörigkeit zu einer bestimmten Ebene ausdrücken. Die göttliche Natur kann von der menschlichen unterschieden werden.

Da in Gott aber auch eine Dreiheit ist, kann diese nicht in der göttlichen Natur ausgesagt werden, sondern als „Hypostase“ Selbststand. Zur Hilfe kommt dem menschlichen Denken, dass es viele Subjekte gibt, aber nur eine menschliche Natur. Da der Sohn nicht mehr Gott, sondern ein Geschöpf wäre, wenn er geschaffen worden wäre, wählte man zur Unterscheidung den Begriff „gezeugt, nicht geschaffen.“

Diese Aussagen werden bis heute im Glaubensbekenntnis gesprochen. Sohn und Geist gehen aus dem Vater hervor, sie sind aber nicht als Geschöpfe zu sehen, sondern als Subjekte in Gott. Der Personbegriff, den wir heute verwenden, wenn wir von den „drei Personen“ der Dreifaltigkeit sprechen, war zu Beginn der theologischen Auseinandersetzungen noch nicht entwickelt.

Die Auseinandersetzungen um Jesus Christus haben die damalige Kirchen bis in ihre Grundfesten erschüttert. Das Konzil von Nicäa brachte 325 eine erste Klärung, aber es bedurfte noch 300 weiterer Jahre intensiver theologischer Arbeit, um die Fragen zu klären. In diesem Zusammenhang ist die Bedeutung des Weihnachtsfestes zu sehen. Es wurde deshalb so wichtig, um Jesus als den menschgewordenen Sohn Gottes zu feiern.

Die Vergöttlichung des Menschen
Mit seiner Auferstehung und der Entrückung in den Himmel ist Jesus ganz bei Gott, aber nicht von den Menschen distanziert. Die Gläubigen treten in das Verhältnis Jesu zu seinem Vater, seinem „Abba“ ein. Weil Jesus der Sohn Gottes ist, werden die Gläubigen zu Söhnen und Töchtern des himmlischen Vaters.

Paulus schreibt im Brief an die Galater:
Weil ihr aber Söhne seid, sandte Gott den Geist seines Sohnes in unser Herz, den Geist, der ruft: Abba, Vater. Daher bist du nicht mehr Sklave, sondern Sohn; bist du aber Sohn, dann auch Erbe, Erbe durch Gott.
Kap. 4, 6-7

Wenn der Sohn Gottes Mensch wird, dann muss die Menschennatur fähig sein, mit Gott eine so enge Beziehung einzugehen, dass Jesus zugleich Sohn des himmlischen Vaters ist und zugleich ein Mensch mit Leib und Seele. Das haben die christlichen Theologen schrittweise zu verstehen versucht.

Die Liturgie der Ostkirche ist tief von dieser Erkenntnis geprägt. Sie wird nicht nur göttliche Liturgie genannt, weil sie den Menschen an der Liturgie teilnehmen lässt, die im Himmel gefeiert wird. Es geht in der Liturgie auch darum, dass der Mensch ganz vom Göttlichen erfüllt wird. Die menschliche Natur wird durch  die Menschwerdung des Sohnes Gottes vergöttlicht.

Die Liturgie von Alexandrien, und heute in deren Gefolge die koptische Liturgie, feiert den Menschen, der durch die Menschwerdung an der göttlichen Natur teil hat. Im Abendland wird diese Grunderkenntnis in der Verehrung des eucharistischen Brotes Ausdruck verliehen. Jesus als wahrer Mensch und wahrer Gott ist im geheiligten, geweihten Brot gegenwärtig. Da die Hostie den himmlischen Jesus gegenwärtig setzt, sind die Kirchen als Abbild des Himmels gebaut. Wer durch das Portal geht, tritt in den himmlischen Raum und trifft dort auf den himmlischen Christus und die im Himmel lebenden Heiligen.

Die Theologen der frühen Kirche haben sich die Frage gestellt, ob er Sohn Gottes auch dann Mensch geworden wäre, wenn es keine Sünde Adams gegeben hätte und somit eine Erlösung nicht notwendig gewesen wäre.

Sie haben diese Frage mehrheitlich mit Ja beantwortet. Die Menschwerdung Gottes ist damit nicht nur die Reparatur menschlichen Versagens, sondern im Schöpfungsplan angelegt. So groß hat niemand vom Menschen gesprochen wie das Christentum.

Aber überfordert der Mensch sich nicht mit dem Gedanken, dass die Menschheit durch Jesus vergöttlicht worden ist? Erfüllt der Mensch überhaupt die Voraussetzungen, dass er so von Gott erfüllt werden kann?

Der Gottesgedanke im Menschen
Die Vorstellung, dass Menschen zu Göttern werden können, war in der Antike nicht so selten. Es war aber jedesmal so, dass einer aus den Menschen herausgehoben und zu Gott wurde. Die römischen Kaiser beanspruchten göttliche Verehrung, die ihnen gerade von den Christen verweigert wurde. Die Unsterblichkeit, die der göttliche Kaiser erlangte haben sollte, drückt sich darin aus, dass er nach seinem Tod als Stern am Himmel verehrt wurde.

Die Christen haben sich dieser Auffassung nicht angeschlossen. Sie haben gerade nicht im Kaiser einen weiteren, von Gott adoptierten Sohn gesehen. Es werden nicht einzelne Menschen vergöttlicht und andere wiederum nicht, sondern jeder, der getauft ist, wird in die Gemeinschaft des Sohnes mit dem Vater aufgenommen, aber er bleibt Mensch. Es findet also keine Vermengung von göttlicher und menschlicher Natur statt. Auch kirchliche Würdenträger haben den einfach Getauften nichts voraus, sie sind nicht mehr Kind Gottes als jeder einfache Beter.

Dass der Mensch fähig ist, in eine solche Beziehung zu Gott zu gelangen, wie es ihm vom Christentum zugeschrieben wird, muss in seiner Natur angelegt sein. Würde der Mensch Gott nicht denken können, dann wäre er überhaupt nicht in der Lage, die Botschaft vom Sohn Gottes und der Vergöttlichung der menschlichen Natur durch die Menschwerdung des Sohnes zu verstehen.

Zusammenfassung
Wenn Jesus von Nazareth als Sohn Gottes verkündet und im Glaubensbekenntnis so angesprochen wird, dann ist das für die jüdische Vorstellung von Gott wie für die griechische Philosophie eine Provokation.
Die Frage muss sich daran entscheiden, wie Jesus sich selbst gesehen hat, denn im christlichen Glauben kommt es darauf an, Jesus als den zu erkennen, der er wirklich ist.

Die Aussage, dass Jesus wirklich der Sohn Gottes ist, ist keine spätere Entwicklung des christlichen Glaubens, sondern bereits Überzeugung der Jerusalemer Urgemeinde. Aus den Evangelien ist allerdings zu ersehen, dass die Anhänger Jesu erst schrittweise erkennen konnten, wer er ist.

Das bedeutet für den heute zum Glauben Kommenden, dass er auch Zeit braucht, um Jesus tiefer zu erkennen. Denn Jesus hat sich nicht selbst verkündet, sondern das Reich Gottes. Er selbst hat eine besondere Beziehung zu Gott gelebt. Er nennt ihn in einem Kosewort „Vater“ und führt die Jünger in sein Gebetsverhältnis zum Vater ein. Das „Vater unser“ ist daher bis heute das zentrale Gebet der Christenheit.

Paulus spricht davon, dass eigentlich der Heilige Geist in uns „Abba, Vater“ spricht. Weil Gott Mensch geworden ist, ist mit der Menschennatur etwas Entscheidendes geschehen, dem die Liturgie sowohl der östlichen, wie der westlichen Kirche Ausdruck verleiht. Aber damit von einer entscheidenden Wirkung der Menschwerdung des Sohnes auf die Menschen gesprochen werden kann, muss etwas in der menschlichen Natur angelegt sein. Denn wäre der Mensch nicht fähig, „Gott“ überhaupt zu denken, könnte er die Aussage „Jesus ist der Sohn Gottes,“ nicht verstehen.


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