Sie sind hier: {$rootlineLinkWrap}updateseele.de{$rootlineLinkWrap}JesusPerson als Einheit
DeutschEnglishFrancais

Person als Einheit


» Als PDF ansehen


Bin ich Körper, bin ich Seele?


Was ist eigentlich der innerste Punkt, an dem ich vom Ursprung her Ich selbst bin? Kann ich überhaupt zu diesem Punkt vordringen? Wenn ich aufwache, dann sind sofort Gedanken da, oder der Traum, aus dem ich erwacht bin. Immer bewegt sich etwas in meinem Kopf. Auf jeden Fall gibt es etwas, was ich zu erledigen habe, was ich tun soll, und sei es nur, dass der Hunger anklopft. Aber dahinter gibt es mich. Wer ist dieses Ich?


Mein Gedächtnis hält mich als Individuum zusammen


Ich weiß zumindest, dass ich es war, der am Abend ins Bett gegangen ist und die Uhr auf den Nachttisch gelegt hat. In meinem Gedächtnis ist vieles aufgehoben. Ich weiß immer, dass ich es bin, der das erlebt hat. Ob es sich um die Bilder aus dem Urlaub handelt, die in mir aufsteigen, ob ich mich an eine Situation in meiner Kindheit erinnere. Ich kann mich sogar meist an die Gefühle erinnern, die ich an dem Urlaubstag, bei der Ausgabe der Zeugnisse, am Morgen meines 10. Geburtstages hatte.
Offensichtlich gibt es in mir eine Instanz, die alles zusammenhält. Interessant ist, dass es nicht ein bestimmtes Areal meines Gehirns ist, in dem alles zusammenläuft. Zwar kann man im Gefolge von Schlaganfällen und anderen Hirnverletzungen erkennen, in welchen Regionen des Gehirns Gedächtnisinhalte gespeichert werden. Aber es gibt keinen bestimmten Ort im Gehirn, der diese Gedächtnisinhalte auf mich selbst bezieht. Wenn ich mir meiner selbst bewusst bin, dann sind immer mehrere Regionen des Gehirns aktiv.

Nun ist es nicht dem Menschen vorbehalten, eine Individualität zu haben, auch Tiere haben ein Gedächtnis und können etwas auf sich selbst beziehen. Wir müssen also weiter suchen, um den Punkt zu finden, aus dem bei uns Menschen die Einheit entspringt. Wir kommen vielleicht noch einen Schritt weiter, wenn wir uns an Glücksmomente erinnern. Auch wenn das Glück nur von kurzer Dauer war und dann der Alltag uns wieder in den Fängen hatte, so gibt es Momente und Zeiten, in denen ich mich tief beschenkt fühle und gleichzeitig ganz bei mir selbst bin.

Ich werde dann nicht durch irgendwelche Gedanken und Unerledigtes abgelenkt, sondern ruhe ganz in mir und zugleich ist die ganze Welt für mich in Ordnung – es fehlt nichts. Momente, in denen ich so berührt werde, führen mich in die Sphäre, wo das Paradies liegen müsste, wo es keine Sorgen, keine Ängste mehr gibt. Aber wie komme ich dorthin?


Das Paradies – etwas Körperliches oder etwas Geistiges

Das Paradies als der Ort, an dem ich nicht von mir abgelenkt werde, wird meistens als ein Ort körperlichen Wohlbefindens beschrieben. Alles, was mein Herz begehren könnte, ist da. Die Tourismuswerbung arbeitet mit solchen Bildern: weiße Strände, Sonne, exotische Früchte. Auch die Bibel beschreibt das Paradies als einen Garten voller Früchte und voller Wärme, so dass die Menschen sich nackt bewegen können. Adam und Eva haben ihre Sexualität und damit den Tod noch nicht entdeckt.

Wir ahnen jedoch, dass das Körperliche uns in die Zeit taucht und das Glück, der Aufenthalt im Paradies, zeitlich begrenzt sein muss. Wir werden älter, Krankheiten suchen uns heim, die Menschen, mit denen ich zusammen glücklich bin, ändern sich und werden mir auch ihre negativen Seiten zeigen. Deshalb ist es verständlich, dass Menschen den Ort, wo das Selbst anzusiedeln ist und wo sie ein endgültiges, nicht mehr vergängliches Glück erfahren, im Geistigen sehen.

Die Griechen haben im Gefolge von Platons Denken den Menschen als geistiges Wesen gesehen. Das Geistige, die Seele, hat ihren Ort im Himmel. Sie ist aus dem Himmel ins Materielle heruntergefallen und damit unglücklich geworden. Je materieller, umso unglücklicher.Ziel des Menschen muss es nach dieser Vorstellung sein, sich aus dem Materiellen heraus zu befreien und wieder als nur geistiges Wesen in den Himmel zu gelangen. Diese Vorstellung herrschte, als die christlichen Prediger in das vom griechischen Denken geprägte römische Reich zogen. Die Vorstellung, dass der Mensch als eigentlich geistiges Wesen hier auf der Welt fremd ist, hat es immer wieder gegeben.

Heutige Richtungen der Esoterik folgen dieser Vorstellung, aber auch im Mittelalter waren es die Katharer, auch nach der Stadt Albi „Albigenser“ genannt, die dieser griechischen Vorstellung vom Menschen folgten. Die Katherer, im Griechischen die „Reinen“, lebten nach Möglichkeit enthaltsam, weil sie keiner Seele zumuten wollten, durch den Zeugungsakt in die materielle Welt verbannt zu werden. Welche Lösung hat die christliche Theologie entwickelt?


Der Personbegriff als Ergebnis theologischer Auseinandersetzungen


Wie der Mensch zu sehen ist, in seiner Körperlichkeit und als geistiges Wesen, das wurde sehr viel deutlicher, als die christlichen Theologen im Kontext der griechischen Philosophie erklären mussten, wer Jesus Christus eigentlich ist.

Wenn Jesus wahrer Gott und wahrer Mensch ist, dann entsteht zuerst die Frage, ob das geistige Prinzip im Menschen nicht der Sohn Gottes ist.Das lag nahe, so zu denken, denn als geistiges Prinzip belebt die Seele den Körper. Wenn der Sohn Gottes Mensch geworden ist, dann könnte Gott anstelle einer geschaffenen Seele das belebende Prinzip des Körpers sein. Das schien logisch die einfachste Lösung, stellte aber die Erlösung in Frage.

Denn hätte Jesus nur einen menschlichen Leib und keine menschliche Seele gehabt, dann wäre nur der Körper des Menschen erlöst. Da aber das wirklich Böse, Neid, Eifersucht, Stolz, Überheblichkeit, nicht aus dem Körperlichen stammen können, musste Jesus eine menschliche Seele gehabt haben. Dann kommt aber sofort der Gedanke: gibt es nicht zwei Söhne. Denn Jesus ist einmal der Sohn Mariens und zum anderen Sohn des himmlischen Vaters, so dass in Jesus zwei Individuen sind.

Aber Jesus ist nicht als ”Zwei“ aufgetreten. Es konnte auch nicht das Menschliche vom Göttlichen aufgesogen werden, denn dann wäre wiederum die Erlösung infrage gestellt. Denn dann wäre der Tod am Kreuz gar nicht wirklich gewesen, sondern nur vorgespiegelt. Das kann nicht sein.Was gibt aber Jesus die Einheit? Es kann nicht das Geistige allein und auch nicht das Körperliche sein, sondern etwas, das der Unterscheidung von Geistigem und Leiblichem nicht unterliegt. Dafür wurde ein neuer Begriff notwendig, der mit dem Wort Person zur Verfügung stand.


Der Begriff ”Person“

Person bedeutet ursprünglich nur die Maske der Theaterschauspieler. Das Wort kommt vom Lateinischen „personare“, hindurch-schallen und bezeichnete die Theatermaske. Davon ausgehend hat die christliche Theologie den Begriff in der Auslegung der Bibel verwendet und damit weiter entwickelt. Person bezeichnet denjenigen, der in einem biblischen Text spricht, z.B. den Apostel Paulus in seinen Briefen, einen Engel, den Heiligen Geist, Jesus, Gott, den Vater.

Der so im Denken vorbereitete Begriff stand dann für ein theologisches Problem zur Verfügung, das nur mit neuen Begriffen bewältigt werden konnte. Person bezeichnet den Kern eines geistigen Individuums, das nicht nur Geist ist, sondern die Einheit von Seele und Leib erst ermöglicht.

Für Jesus ist diese Person der Sohn Gottes. Der Sohn Gottes wird Mensch und hat eine Seele und einen Leib, ohne dass Leib und Seele zu einer eigenen Person würden wie bei uns Menschen. Dieser Personbegriff wurde dann auf den Menschen übertragen. Die Person des Menschen ist der Wesenskern, der Leib und Seele einigt.


Person: Einheit von Körper und Geist


Wird der Personbegriff auf den Menschen übertragen, gibt es neben Seele und Leib ein Weiteres, in dem die Einheit, das Selbst des Menschen gründen.
Auch der Mensch ist Person. Er ist nicht ein vom Himmel gefallener Seelenfunken, sondern sein Leib hat für seine Identität eine grundlegende Bedeutung.

Das entspricht unseren Beobachtungen. Wenn wir den anderen liebevoll berühren, fühlt er das nicht nur leiblich, sondern als Person. Das wird an dem Unterschied deutlich, den ich mache, wenn mich jemand in der Straßenbahn einfach nur berührt. Die körperliche Berührung meint nicht meine Person, ich werde nur von jemandem gestoßen. Erst wenn der körperliche Kontakt meiner Person gilt, spreche ich von Berühren. Eine Berührung muss nicht nur liebevoll sein, sondern kann vom anderen auch als Strafe gedacht sein.

Aus dem Personbegriff folgt, dass wir uns um das leibliche Wohl des anderen kümmern müssen. Deshalb sind Krankenhäuser eine Erfindung der Christen, bereits im römischen Reich, als sie noch verfolgt wurden. Nur in einer Kultur, in der der Personbegriff gilt, gibt es das Tabu der körperlichen Unversehrtheit, auch der Knechte und Mägde. Schließlich hilft die Unterscheidung von Seele und Person, einen Menschen zu achten, auch wenn er seelisch krank ist, oder körperlich sein Gehirn so geschädigt ist, dass er nicht mehr wie ein Alzheimerpatient mit uns als Person sprechen kann.


Der Personbegriff als Basis der Demokratie


Mit seinem Person-Sein ist die Würde jedes einzelnen verbunden. Aus der Würde leiten sich die Freiheitsrechte ab. So ist das Grundgesetz der Bundesrepublik konzipiert.Das ist aber gar nicht selbstverständlich, dass Menschen sich so sehen. Im Nationalsozialismus und Kommunismus war der Mensch Teil des Volksganzen bzw. des Kollektivs und hatte nur insofern Rechte, als er dem Volk bzw. dem Kollektiv nützlich war. Beide Vorstellungen vom Menschen sind „modern“, d.h. in bewusster Absetzung von einer religiösen Bindung des Menschen entwickelt worden. Aber auch in China z.B. sind die Menschenrechte nicht selbstverständlich. Wenn westliche Politiker diese Grundrechte einfordern, stoßen sie auf Unverständnis.

Auch der Islam kennt nicht im westlichen Sinne Rechte, die dem Einzelnen zustehen und von den anderen zu achten sind. Es zeigt sich, dass Jesus das Denken herausgefordert hat und im Christentum der Personbegriff dadurch entstehen konnte, weil die christliche Theologie vom griechischen Denken herausgefordert war.

Das Christum räumt dem Leib eine hohe Bedeutung ein. Ohne den Leib wäre der Kreuzestod Jesu nur eine Sinnestäuschung gewesen, ohne die Auferstehung des Leibes gäbe es keine ewige Existenz des Leibes, sondern der Leib bleibe als von der Seele verlassenes Gefängnis auf der Erde zurück. Weil der Leib zur Person gehört, kümmert sich der an Jesus Glaubende um den kranken, den hungernden, den unbekleideten Leib seines Nächsten.


Zusammenfassung

Das Nachdenken über Jesus Christus, zu dem die christlichen Theologen in der Begegnung mit dem griechischen Menschenbild gezwungen wurden, hat zur Entwicklung des Personbegriffs geführt, der eigentlich vom lateinischen Wort für „Theatermaske“ hergeleitet ist. Person sagt für jeden einzelnen, dass er, dass sie aus Leiblichem und Geistigem bestehen, und dass beide Seiten der Existenz in dem Personkern erst eine Einheit bilden.

Dass der Leib, genauso wie der Geist als unantastbar gelten und beide die Würde des Menschen ausmachen, das hat die christliche Welt im Osten, wie im Westen, in die Kultur eingebracht. Wir sind uns dessen nicht bewusst, aber tatsächlich beziehen wir uns, wenn wir von der Person und ihrer Würde sprechen, auf Jesus Christus.


Weiterführende Überlegungen

Es gibt einzelne christliche Kirchen, die den Personbegriff nicht übernommen haben, so die koptische, die äthiopische und die armenische Kirche. In der Sache stimmen sie mit den anderen christlichen Kirchen überein.

www.kath.de/lexikon/philosophie_theologie/Monophysiten

Die Entwicklung des Personbegriffs ist ausführlicher dargestellt in

www.kath.de/lexikon/philosophie_theologie/christologische_Streitigkeiten

www.kath.de/lexikon/philosphie_theologie/person

Hinweis


Als registrierter Nutzer  haben Sie die Möglichkeit sich einen Begleiter zuteilen zu lassen, mit dem Sie sich über die einzelnen Fragen austauschen können. Zur Erstanmeldung gelangen Sie hier...