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Eine der ergreifendsten und auch erstaunlichsten Geschichten ist die von der kanaanäischen Frau im Matthäus-Evangelium. Die ganze Geschichte eine einzige Zumutung. Die Frau ist eine Heidin, keine Israelitin. Jesus ist nicht zu ihr gesandt. Er weist sie hart ab. „Hunde“ sind ein Bezeichnung für die „unbeschnittenen“ Heiden. Eine Zumutung für die Frau. Aber sie lässt sich nicht unterkriegen. Sie nimmt diese Zumutung an und bleibt dabei, dass Jesus ihrer Tochter hilft. Und Jesus nimmt diese Zumutung an. Er sieht ihren Glauben und lässt sich in seiner Haltung korrigieren. Jesus lernt von der Frau: Er ist zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel gesandt, ja, aber nicht nur zu diesen.

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Mt 15,21 Von dort zog sich Jesus in das Gebiet von Tyrus und Sidon zurück.


22 Da kam eine kanaanäische Frau aus jener Gegend zu ihm und rief: Hab Erbarmen mit mir, Herr, du Sohn Davids! Meine Tochter wird von einem Dämon gequält.


23 Jesus aber gab ihr keine Antwort. Da traten seine Jünger zu ihm und baten: Befrei sie (von ihrer Sorge), denn sie schreit hinter uns her.


24 Er antwortete: Ich bin nur zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel gesandt.


25 Doch die Frau kam, fiel vor ihm nieder und sagte: Herr, hilf mir!


26 Er erwiderte: Es ist nicht recht, das Brot den Kindern wegzunehmen und den Hunden vorzuwerfen.


27 Da entgegnete sie: Ja, du hast recht, Herr! Aber selbst die Hunde bekommen von den Brotresten, die vom Tisch ihrer Herren fallen.


28 Darauf antwortete ihr Jesus: Frau, dein Glaube ist groß. Was du willst, soll geschehen. Und von dieser Stunde an war ihre Tochter geheilt.

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Zumuten und Zutrauen

Großmutter macht einen Beerdigungsvertrag. Sie möchte gern, dass ihre Asche anonym auf einer Wiese ausgestreut wird, denn sie will ihren entfernt wohnenden Kindern nicht zumuten, immer wieder das Grab zu pflegen. Außerdem ist es viel billiger. Ja, eine Zumutung, immer wieder das Grab zu pflegen und immer wieder dafür etwas zu bezahlen. Aber verbirgt sich da nicht noch etwas anderes? Ist da nicht auch ein Mangel an Zutrauen zu den Kindern da? Ich möchte es den Kindern nicht zumuten, weil ich es ihnen auch nicht zutraue. Sie würden sowieso das Grab nicht pflegen, wie ich sie kenne. Die höflichere, schonendere Form ist, es den Kindern nicht zuzumuten. Härter wäre es zu sagen: mir ist es lieber so, denn ihr kommt mich sowieso nicht besuchen. Und was soll das überhaupt!

„Papa, wir müssen bis morgen diese zehn Mathe-Aufgaben lösen. Das schaffe ich nie!“ „Zeig mal her!“ „Ja, das ist wirklich eine Zumutung von der Lehrerin! Das schaffst du wirklich nie. Komm, ich mach’s dir schnell.“ Papa ist der Beste. Toll, wie er das kann. Wirklich toll? Hätte er nicht besser seinem Sohn geholfen, die Aufgaben zu lösen, als es schnell selbst zu machen? So lernt der Junge nie, mit seinen Mathe-Aufgaben selbst fertig zu werden. Die Lehrerin hat den Kindern die Aufgaben zugemutet. Es war viel. Aber sie hat es ihnen auch zugetraut. Der Vater seinem Sohn offenbar nicht. Wird der Sohn später sich selbst etwas zutrauen oder immer noch denken: Das schaffe ich nie.

Ich selbst hab‘s ja lieber bequem. Große Anstrengungen physischer oder geistiger Art machen mir so viel „Mühe in der Seele“, wie einmal ein Cousin von mir gesagt hat. Er hat mir aus der Seele gesprochen. Davon muss schon seit der ersten Klasse etwas in meinem sogenannten Schülerbogen gestanden haben. Bei einem Wutanfall über meine ewigen Träumereien im Unterricht hat es mal eine Klassenlehrerin von mir verraten. Wer weiß, ob es diesen Schülerbogen noch gibt. Interessanterweise haben mir meine Lehrer in Deutsch und Kunst auch immer mehr zugetraut als meine Lehrer in Sport oder Russisch. Und prompt bin ich in den beiden ersten Fächern immer besser gewesen als in den beiden anderen. Es ist immer so etwas Wechselweises. Worin du gut bist, da wird dir auch mehr zugetraut und dann auch zugemutet. Wie ist das bei Ihnen? Wo haben Sie Zutrauen und wo fehlt es Ihnen? Wie haben Ihnen Zumutungen und Zutrauen geholfen?

Heute weiß ich, dass Bequemlichkeit zwar angenehm ist, aber wenn ich diesem Hang zu sehr nachgebe, dann werde ich unfroh. Ein nur angenehmes Leben ist kein glückliches Leben. Es ist mir jeden Morgen eine echte Mühe und Herausforderung meine gymnastischen Übungen zu machen. Aber ich weiß, dass sie mich aufrecht halten und mir in jeder Hinsicht sehr gut tun. Sowohl physisch wie psychisch halten sie mich aufrecht. Genauso wie meine Gebetszeit. Freilich ist sie immer gefährdet. Immer mal knapse ich etwas ab. Schlimm. Dabei ist es die Zeit, die mir Kraft gibt und mir Hoffnung schenkt und den Frieden. Und alles drei kann ich dann auch weiter geben.

Auf der Straße betteln. Sie erleben das jeden Tag. Haben Sie es selbst schon einmal getan? Eine Zumutung sondergleichen. Oder? Es ist lange her, dass ich es getan habe. Mit der Sammelbüchse der Caritas auf der Straße. Eine große Überwindung, aber wenn ich mich dann überwunden hatte, war ich sehr glücklich und habe sehr starke Erfahrungen gemacht. Denn dann war ich einmal nicht nur immer derjenige, der den Glauben verteidigt und rechtfertigt, nein, dann habe ich aktiv gefragt, ob die Leute nicht etwas für die Kirche, für Kinder und alte Leute spenden wollen. Und wenn sie Nein gesagt haben und aggressiv waren, dann sind sie mit verkniffenem Gesicht weggegangen. Aber wenn sie etwas gegeben haben, waren sie froh. Und so ist es oft, wenn man selbst etwas zugemutet bekommt oder auch anderen zumutet.

Hinter den Zumutungen in meinem Leben steht auch immer eine Zumutung Gottes. Haben Sie es auch schon einmal so betrachtet? Dass es auch Zumutungen Gottes sein können? Und die Zumutungen Gottes zeigen mir auch immer sein Zutrauen. Also ist das nicht unglaublich? Gott mutet mir etwas zu, weil er mir vertraut. Gott setzt Vertrauen in mich! Deinem Mut, deiner Seelenkraft, lieber Thomas, wird es zugemutet. Du hast den Mut, du hast die Kraft es zu tragen, es zu bewältigen, daran noch zu wachsen und zu reifen. Und dann noch Größeres zu tragen.

Jetzt schauen Sie einmal auf die Zumutungen in Ihrem Leben. Auch auf die, bei denen Sie gedacht haben: Das schaffe ich nie. Und wie ist es gegangen?

Und dann schauen Sie einmal auf die Zumutungen im Leben Jesu. Von all den Zumutungen für Maria du Josef zu der Zumutung, seine Familie und alles sonst zu verlassen und herumziehender Prediger und Prophet in Israel zu werden. Und dabei zu erkennen, dass gerade die führenden Schichten, die oberen Zehntausend in Religion und Politik das nicht glauben, dem nicht folgen, sondern anfangen, ihn zu verfolgen und mundtot zu machen. Und Jesus ist so mutig und innerlich frei, dass er Gott dafür lobt und preist: „Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, weil du all das den Weisen und Klugen verborgen, den Unmündigen aber offenbart hast. Ja, Vater, so hat es dir gefallen“ (Mt 11,25f).

Und dann führt es so weit, dass ihm klar wird, dass er sterben wird. Und auch diese äußerste Zumutung nimmt er an, auch wenn er Gott bittet, dass dieser Kelch an ihm vorüber gehen möge. Aber wie er uns selbst im Vaterunser zu beten gelehrt hat, so betet auch er: „Dein Wille geschehe!“. Und Jesus geht. Er geht in die Nacht und den Tod und das Nichts. Und Gottes Macht und Liebe führt ihn hindurch und ins Leben. Ins neue Leben. Das soll uns helfen, auch unsere Zumutungen anzunehmen im Vertrauen, dass sie uns ins Leben führen.

Gott vertraut Ihnen, dass Sie den nächsten Schritt schaffen!

13. Juli 2011

Thomas Gertler

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