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Die Aussendungsrede Jesu an die 72 Jünger beim Evangelisten Lukas gibt noch viele andere Wegweisungen, aber am Anfang steht das „zu Zweit“. Die anderen Wegweisungen sollen sicherstellen, dass man an dem Weg Jesu bleibt, seine Botschaft verkündet, sich darauf verlässt, dass Gott für alles sorgen wird, dass das Verhalten der Botschaft entspricht… Aber das „zu Zweit“ steht am Anfang.


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Lk 10,1 Danach suchte der Herr zweiundsiebzig andere aus und sandte sie zu zweit voraus in alle Städte und Ortschaften, in die er selbst gehen wollte.

2 Er sagte zu ihnen: Die Ernte ist groß, aber es gibt nur wenig Arbeiter. Bittet also den Herrn der Ernte, Arbeiter für seine Ernte auszusenden.

3 Geht! Ich sende euch wie Schafe mitten unter die Wölfe.

4 Nehmt keinen Geldbeutel mit, keine Vorratstasche und keine Schuhe! Grüßt niemand unterwegs!

5 Wenn ihr in ein Haus kommt, so sagt als erstes: Friede diesem Haus!

6 Und wenn dort ein Mann des Friedens wohnt, wird der Friede, den ihr ihm wünscht, auf ihm ruhen; andernfalls wird er zu euch zurückkehren.

7 Bleibt in diesem Haus, esst und trinkt, was man euch anbietet; denn wer arbeitet, hat ein Recht auf seinen Lohn. Zieht nicht von einem Haus in ein anderes!

8 Wenn ihr in eine Stadt kommt und man euch aufnimmt, so esst, was man euch vorsetzt.

9 Heilt die Kranken, die dort sind, und sagt den Leuten: Das Reich Gottes ist euch nahe.

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Zu Zweit

„Willst du mit mir gehen?“ Ein uralter Song von Daliah Lavi, der mir damals als ich achtzehn war oder so, immer durch den Kopf ging. Eine Ursehnsucht jedes Menschen, dass ich nicht allein gehen muss. Dass jemand mit mir geht. Und zwar alle Wege. Nicht nur mal eine Wegstrecke, sondern richtig mitgeht. Das ist ja auch der Ausdruck für ein Liebespaar: Die gehen zusammen. Die gehen miteinander. Wer geht mit Ihnen? Haben Sie jemanden, der mit Ihnen geht?

Es ist auch eine schönes Verständnis von Liebe in dem Satz: Die Liebe besteht nicht darin, dass man sich ständig anschaut, sondern dass man miteinander in die gleiche Richtung schaut. Jetzt noch besser gesagt, dass man miteinander in die gleiche Richtung geht, nicht nur schaut. Und das muss man natürlich auch erst lernen, wirklich miteinander zu gehen. Also die Schrittgeschwindigkeit miteinander abzugleichen. Große Schritte – kleine Schritte. Schnelle Schritte – langsame Schritte. Und auch sich einig zu sein, wann eine Rast fällig ist und wann es wieder weiter gehen kann.

Und das miteinander Gehen ist natürlich kein Spaziergang und kein Schlendern, sondern ein Gehen auf ein Ziel hin. Und das miteinander Wandeln verwandelt uns. Gemeinsam bestandene schwere Wegstrecken verbinden tiefer miteinander. Aber wenn die Verwandlung beim Wandeln durch das Leben nicht gemeinsam geschieht, sondern ganz gegensätzlich, dann ist das zuweilen ein Grund, auseinander zu gehen. Wenn der eine will, dass alles so weiter geht und der andere neue Wege gehen will, dann ist das ohne tiefgreifende Einigung nicht mehr miteinander möglich.

Das zu zweit Gehen ist auch für das Christsein eine Grundgegebenheit, nicht nur in der Liebe und in der Ehe, sondern überhaupt. Jesus sendet seine Jünger grundsätzlich zu zweit aus. Sie sollen miteinander gehen. Sie sollen sich stützen und helfen. Sie sollen miteinander die Botschaft ausrichten. Das Zeugnis soll nicht nur von einem allein gegeben werden. Im zu Zweit wird auch deutlich, dass Glaube und Gemeinschaft miteinander zu tun haben. Glauben immer gemeinsam geschieht und Kirche bildet.

Und aus dieser Grundgegebenheit hat sich schon sehr früh etwas herausgebildet, was wir heute „Geistliche Begleitung“ nennen. Jeder und jedem, der sich ernsthaft auf den Glaubensweg macht, sei sie herzlich empfohlen. Früher war das meist ein Meister-Schüler-Verhältnis. Und ein gewisses Gefälle gibt es heute auch zwischen Begleiter/in und Begleitetem/r. Nicht nur weil wir nicht mehr in solch autoritären Zeiten leben, nennen wir es „Begleitung“. Auch der Begleiter ist auf dem Weg. Er braucht selbst Begleitung. Und er kann Schritte nicht abnehmen. Er ist dazu da, im Gespräch mit dem/der Begleiteten und zusammen mit jenem Dritten, der da mitgeht – nämlich dem auferstandenen Christus – herauszufinden, welches der nächste, mir mögliche Schritt auf dem Weg ist. Aber die/der Begleiter/in geht nicht selbst den Schritt für den anderen. Auch wenn im Allgemeinen gilt, dass der Begleiter nur soweit führen kann, wie er selbst gegangen ist. Er muss also die Schritte schon gegangen sein.

Für die Begleitung braucht es klare Vereinbarungen: Wie oft wollen wir uns treffen? Normalerweise alle vier bis sechs Wochen. Geht es um eine konkrete Frage, dann ist die Begleitung darauf begrenzt. Geht es um eine Begleitung auf dem Glaubensweg im Allgemeinen, dann ist das Ende offen. Aber im Unterschied zum Lebensgefährten ist geistliche Begleitung immer nur für eine Wegstrecke gedacht. Es ist gut, aber schwer, alle paar Jahre zu wechseln. Gut, weil ein anderer wieder ganz anderes in mir herausfordert. Schwer, weil es schwer ist jemanden anderen zu finden und wieder ganz von vorn anzufangen.

Wesentlich ist das gegenseitige Vertrauen und Wohlwollen. Erst wenn solch ein Vertrauen da ist, kann ich mich öffnen und an die oft schmerzlichen, schweren und notvollen Fragen zu kommen. Erst wenn es Vertrauen und Wohlwollen gibt, ist auch Konfrontation von Seiten des Begleiters möglich. Kritisches kann ich nur sagen auf dem Boden von Annahme und Wohlwollen. Nur wenn die/der Begleitete glauben kann, dass ich als Begleiter ihr/m zugetan bin, dann kann er/sie auch Kritisches akzeptieren und sich ändern.

Es entsteht in der Begleitung eine tiefe Beziehung - nicht wirklich gleichgewichtig, weil der/die Begleitete ja von sich viel sagt, während der Begleiter/die Begleiterin nicht in gleicher Weise von sich erzählt und erzählen soll. Darum ist die große Kunst in der Begleitung die richtige Balance von Distanz und Nähe. Dabei hilft, wenn wirklich immer Christus in der Mitte ist und bleibt. Darum sollen Besinnung und Gebet am Anfang stehen und am Schluss.

Ich bin den vielen Begleitern und Begleiterinnen im Laufe meines Lebens von Herzen dankbar. Sie haben mir viele, sehr wichtige Dinge gesagt. Vieles, was ich mir selbst nicht zu sagen vermocht hätte. Sie haben mir sehr geholfen, immer weiter mit zu gehen.

„Update-Seele“ bietet auch Ihnen eine solche Möglichkeit der Begleitung auf dem Glaubensweg durch Email an. Sie dürfen ruhig davon Gebrauch machen...

Viele Grüße
Thomas Gertler SJ

21. November 2012

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