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Paulus sah sich selbst auch als Narren und Clown an, denn das was er verkündete wurde als närrisch und verrückt verstanden. Es gibt ergreifende Bilder von Christus als Narren. Das Urbild dafür ist die Verspottung Jesu mit rotem Mantel und Dornenkrone. Er ist der Narr. Aber er lacht zuletzt als der Auferstandene und Gottes Narrheit siegt im österlichen Lachen. Diese Freude ist das letzte und endgültige, auch wenn vorher das Ausgelachtwerden kommt.

1 Kor 1,18 - 31

1,18 Denn das Wort vom Kreuz ist denen, die verloren gehen, Torheit; uns aber, die gerettet werden, ist es Gottes Kraft. 19 Es heißt nämlich in der Schrift: Ich lasse die Weisheit der Weisen vergehen / und die Klugheit der Klugen verschwinden. 20 Wo ist ein Weiser? Wo ein Schriftgelehrter? Wo ein Wortführer in dieser Welt? Hat Gott nicht die Weisheit der Welt als Torheit entlarvt? 21 Denn da die Welt angesichts der Weisheit Gottes auf dem Weg ihrer Weisheit Gott nicht erkannte, beschloss Gott, alle, die glauben, durch die Torheit der Verkündigung zu retten. 22 Die Juden fordern Zeichen, die Griechen suchen Weisheit. 23 Wir dagegen verkündigen Christus als den Gekreuzigten: für Juden ein empörendes Ärgernis, für Heiden eine Torheit, 24 für die Berufenen aber, Juden wie Griechen, Christus, Gottes Kraft und Gottes Weisheit. 25 Denn das Törichte an Gott ist weiser als die Menschen und das Schwache an Gott ist stärker als die Menschen. 26 Seht doch auf eure Berufung, Brüder! Da sind nicht viele Weise im irdischen Sinn, nicht viele Mächtige, nicht viele Vornehme, 27 sondern das Törichte in der Welt hat Gott erwählt, um die Weisen zuschanden zu machen, und das Schwache in der Welt hat Gott erwählt, um das Starke zuschanden zu machen. 28 Und das Niedrige in der Welt und das Verachtete hat Gott erwählt: das, was nichts ist, um das, was etwas ist, zu vernichten, 29 damit kein Mensch sich rühmen kann vor Gott. 30 Von ihm her seid ihr in Christus Jesus, den Gott für uns zur Weisheit gemacht hat, zur Gerechtigkeit, Heiligung und Erlösung. 31 Wer sich also rühmen will, der rühme sich des Herrn; so heißt es schon in der Schrift.

Seitwert


© Foto: Immanuel Giel - CC BY-SA 3.0 via Wikimedia Commons


Zirkus muss sein

Heute Morgen habe ich ein langes Gespräch im Radio gehört mit dem Direktor des Zirkus Roncalli Bernhard Paul. Er hat seinerzeit mit André Heller diesen Zirkus gegründet und hat damit seinen eigenen Kindertraum verwirklicht und im Laufe des Bestehens auch die Träume vieler seiner Besucherinnen und Besucher wieder neu lebendig werden lassen. Denn es ist ein ungewöhnlicher Zirkus. Vielleicht waren Sie auch schon einmal in einer seiner Vorstellungen oder haben wenigstens davon gehört.

Einmal habe ich diesen Zirkus auch besucht, und zwar in Hannover in meinem Urlaub. Das ist jetzt schon lange her, aber es war ein großartiges Erlebnis, an das ich mich gut erinnere. Es gab mehrere Vorführungen an dem Abend, die waren richtige Verführungen und Verzauberungen. So zum Beispiel ein Künstler, der eigentlich nur Seifenblasen steigen ließ, aber wie vielfältig, wie groß, wie ideenreich. Ja, er konnte in eine Seifenblase eine zweite Blase hineinblasen. Oder er blies Blasen mit Rauch darin. Ganz einfach und doch ganz märchenhaft. Oder ein Akrobat, der anscheinend gar keine Knochen haben schien. Er verschwand am Ende in einem etwas größeren Ofenrohr.

Es war bei Roncalli vor allem die Poesie, das Leichte, das anscheinend so Mühelose und so Verspielte. Die Illusion und die Rückkehr in die Kindheit und in die Welt des Staunens. Das ist ja überhaupt das Schöne am Zirkus. Mit ihm kommt das Fremde und Andersartige in die Alltagswelt. Das war ja schon in meiner Kindheit so, wenn in unser kleines Heiligenstadt einmal der Zirkus kam. Dieses Fremde und Andersartige, auch das Gruslige, wenn die Löwen in die Manege stürmten und wir über den Mut des Dompteurs staunten. Heute sehen wir das ja recht kritisch, was da mit den Tieren geschieht. Aber damals war es so eine sinnenhafte und ganz nahe Begegnung mit einer anderen Welt.

Der Zirkus Roncalli ist übrigens nach Papst Johannes XXIII. genannt, der mit bürgerlichem Namen Roncalli hieß und der die Zirkusleute sehr gern hatte. Der Zirkus Roncalli hat sich vor allem dieses Poetische auf die Fahnen geschrieben. Mit ihm unternehmen wir die Reise nach dem Regenbogen wie in der Geschichte vom Zauberer von Oz oder von Alice im Wunderland. Und als ich damals aus der Vorstellung ging, da fühlte ich mich wie verwandelt und zurückversetzt in die Kindheit. Ich sah die Welt wieder anders, voller Wunder und Geheimnisse, voller Schönheit und Leichtigkeit.

Darum muss Zirkus sein. Wir brauchen neben unserer so rationalen, so vernünftigen Welt diese poetische Welt, die Welt der Kindheit und der Phantasie, des Traumes und der Unmöglichkeit, die doch möglich wird. Nicht, um aus der Welt zu fliehen. Das sicher auch hin und wieder, aber das ist zu wenig. Nein, wichtiger als die Flucht ist es, diese andere Seite der Welt auch zu sehen und wahrzunehmen und das anscheinend so Vernünftige und Durchrationalisierte als nur einen Teil der Wirklichkeit zu erkennen. Denn diese andere poetische Welt ist auch wahr und sie ist vielleicht die tiefere, die umgreifendere Wahrheit. Es gibt ja wirklich die Schönheit. Es gibt ja wirklich die Poesie und das Zauberische. Schauen Sie nur einmal eine Rose, ein Kind, ein Hochzeitspaar an. Das gibt es tatsächlich!!! Und ist es nicht wichtiger als die andere Seite?

Zirkus muss sein. Jedenfalls dieser verzaubernde Zirkus. Ich habe auch schon anderen Zirkus erlebt mit ganz primitiven Witzen unter der Gürtellinie, mit brutalen Vorführungen. Das tat weh. Da kippt es dann. Aber es gibt eben auch das andere. Und das darf nicht verschwinden und es ist so wichtig, dass es Menschen gibt, die ihr Leben dem widmen und diese Welt wahr werden lassen und uns verzaubern und verwandeln. Es hat viel zu tun mit dem Glauben, der Hoffnung und der Liebe.

Es grüßt Sie herzlich
Thomas Gertler SJ

15. Juni 2016

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