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Diese Wundergeschichte im Johannesevangelium zeigt, dass auch für Jesus selbst nicht die Wunder an erster Stelle stehen, sondern der Glaube und das Vertrauen. Und Wunder als etwas Sensationelles und etwas, dass uns den Glauben ersparen könnte, lehnt er ab (vgl. Mt ). Nur dem, der glaubt, wird ein Zeichen zuteil (Mt 16,1-4)

© Foto: José Luiz Bernardes Ribeiro / CC-BY-SA-3.0

Joh 4,46 - 54

4,46 Jesus kam wieder nach Kana in Galiläa, wo er das Wasser in Wein verwandelt hatte. In Kafarnaum lebte ein königlicher Beamter; dessen Sohn war krank. 47 Als er hörte, dass Jesus von Judäa nach Galiläa gekommen war, suchte er ihn auf und bat ihn, herabzukommen und seinen Sohn zu heilen; denn er lag im Sterben. 48 Da sagte Jesus zu ihm: Wenn ihr nicht Zeichen und Wunder seht, glaubt ihr nicht. 49 Der Beamte bat ihn: Herr, komm herab, ehe mein Kind stirbt. 50 Jesus erwiderte ihm: Geh, dein Sohn lebt! Der Mann glaubte dem Wort, das Jesus zu ihm gesagt hatte, und machte sich auf den Weg. 51 Noch während er unterwegs war, kamen ihm seine Diener entgegen und sagten: Dein Junge lebt. 52 Da fragte er sie genau nach der Stunde, in der die Besserung eingetreten war. Sie antworteten: Gestern in der siebten Stunde ist das Fieber von ihm gewichen. 53 Da erkannte der Vater, dass es genau zu der Stunde war, als Jesus zu ihm gesagt hatte: Dein Sohn lebt. Und er wurde gläubig mit seinem ganzen Haus. 54 So tat Jesus sein zweites Zeichen, und zwar nachdem er von Judäa nach Galiläa gekommen war.

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© Foto: Thomas Gertler


Wunder und Zeichen

Dieses Wunder habe ich selbst in Köln fotografiert. Da schwebt einer unter Umgehung der Schwerkraft in der Luft. Vom Genossen irgendwie gehalten. Ich war unterwegs zum Zug, so konnte ich das Schauspiel nur etwa drei bis fünf Minuten beobachten und schnell fotografieren. Dass es irgendein Trick war, davon bin ich überzeugt. Nur zu erkennen war er für mich nicht. Ein Wunder? Kein Wunder!

Ein junger Mann macht Exerzitien. Tage der Stille und des Gebetes. Sehr intensiv. Er erlebt Gottes Nähe so stark, dass er alles anders und neu sieht. Eine besondere Rolle spielt dabei ein Lied aus seiner Kindheit. „Der Mond ist aufgegangen…“ Das hatte ihn damals angerührt, wenn es seine Mutter abends mit ihm gesungen hatte, und eine große Geborgenheit geschenkt und das tut es auch in diesen Tagen. Nach acht Tagen auf der Heimreise sagt er sich, das war doch alles nur Phantasie, alles nur Quatsch und Einbildung. Dass Gott einen so berührt, gibt es nicht. Der Zweifel löscht alles aus. Da kommt eine Mutter mit Kind ins Abteil. Und sie singen miteinander: „Der Mond ist aufgegangen...“ Und dem jungen Mann kommen die Tränen. Ein Wunder? Ein Zeichen? Ja, ein Zeichen! Gott sei Dank!

Eine gute Bekannte von mir, die in einem Orden lebt, hat immer wieder an entscheidenden Stellen ihres Lebens einen Regenbogen gesehen, das Zeichen des Bundes Gottes mit Noah, vgl. Gen. Für sie ein ganz tröstendes Zeichen. Sicher kein Wunder, aber ein Zeichen. Ein wichtiges und tröstliches Zeichen. Haben Sie auch schon so etwas erlebt? Für andere vielleicht gar nicht nachvollziehbar, für mich ganz wichtig, ganz tröstlich und ein Geschenk Gottes. Ganz klar!

Gibt es Wunder? Gibt es Zeichen? Es gibt beides. Und es gibt einen Streit darüber, was eigentlich ein Wunder ist. In der Bibel kann jede Naturerscheinung ein Wunder sein, denn da gab es noch nicht den Begriff der Naturgesetze, wie wir ihn kennen. Freilich war auch damals klar, dass der Schatten mit der Sonne wandert und nicht stehen bleiben kann. Dass Regen nach unten fällt. Aber es war auch klar, dass Gott alles in der Hand hält und bewirkt und es ihm ein Leichtes ist, da einzugreifen. Und genauso klar, dass das Wunder zuerst etwas ist, das den Menschen zum Staunen und zum Wundern bringt. Und das kann alles sein, worüber ich staune. Möge es auch etwas ganz Alltägliches sein. Christian Morgenstern hat das wunderbar humorvoll beschrieben.

Der Geburtsakt der Philosophie

Erschrocken schaut der Heide Schaf mich an,
als säh’ s in mir den ersten Menschenmann.

Sein Blick steckt an. Wir stehen wie im Schlaf.
Mir ist, ich säh zum ersten Mal ein Schaf.

Seit den modernen Naturwissenschaften hat man dann gesagt, das Wunder sei eine Durchbrechung der (ansonsten alles bewirkenden) Naturgesetze. Und das muss nun offiziell ein Wunder immer sein, wenn es von Rom als Wunder anerkannt sein will. Zum Beispiel eine unerklärliche Spontanheilung in Lourdes. Kommt immer wieder vor. Aber es überzeugt normalerweise niemanden, der nicht glauben will. Der sagt dann nur, wie ich es oft gehört habe, ja, das ist jetzt unerklärlich, aber wir werden es irgendwann erklären können. Wunder gibt es für diesen Menschen nicht, auch wenn sie direkt vor seinen Augen geschehen. Mit der Definition des Wunders als Durchbrechung der Naturgesetze hat sich die Theologie selbst ein Bein gestellt und das Wichtigste weggelassen, nämlich dass zum Wunder das Wundern gehört. Wunder ist letztlich nichts Objektives, sondern etwas Subjektives oder besser noch Intersubjektives oder Interpersonales, nämlich etwas zwischen mir und Gott. Es geschieht etwas anscheinend Zufälliges, etwas Unerklärliches und das wird mir zum Zeichen. Andere können das nicht unbedingt sehen und verstehen. Aber für mich ist es höchst bedeutsam. Das kann auch eine ganze Gruppe betreffen. Für mich und viele Christen war zum Beispiel die friedliche Revolution von 1989 so ein Wunder. Wirklich ein Wunder. Kennen Sie das auch? Bestimmt haben Sie so etwas schon erlebt.

Die ganze Wirklichkeit, insofern sie von Gott herkommt und jeden Augenblick mit ihm vollständig verbunden ist, kann mir so zum Zeichen und Wunder werden. Das aber nur wenn ich glaube und Gott für mich eine, nein, die entscheidende Wirklichkeit ist. Und Gott muss dafür nicht die von ihm selbst geschaffene Weltordnung durchbrechen, als wenn er darin gefangen wäre, nein, er kann sie ganz souverän in seinen Dienst nehmen. Denn Gott ist nicht außerhalb der Welt, sondern er ist allem jederzeit zuinnerst gegenwärtig.

Es grüßt Sie herzlich
Thomas Gertler SJ

2. April 2014

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