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Im Brief an die Kolosser steht eine ähnliche, ja vielleicht noch befremdlichere Aussage als die von Etty Hillesum über Gott, der unsere Hilfe braucht, nämlich dass Paulus durch seine Leiden ergänzt, was an den Leiden Christi noch fehlt. Ist denn das möglich? Ja, Christus hat uns erlöst und da fehlt nichts, aber ob die Erlösung tatsächlich bei mir ankommt, in mein Herz dringt, mich verwandelt und erlöst, dazu ist meine Freiheit gefragt. Christus klopft an unsere Tür (Offb. 3,20). Öffnen müssen wir. Und dass wir öffnen, dazu helfen immer konkrete Umstände und Menschen. Menschen wie Paulus. Menschen wie Etty.

© Foto: Nino Narozauli - CC BY-SA 2.0

Kol 1,24 - 29

1,24 Jetzt freue ich mich in den Leiden, die ich für euch ertrage. Für den Leib Christi, die Kirche, ergänze ich in meinem irdischen Leben das, was an den Leiden Christi noch fehlt. 25 Ich diene der Kirche durch das Amt, das Gott mir übertragen hat, damit ich euch das Wort Gottes in seiner Fülle verkündige, 26 jenes Geheimnis, das seit ewigen Zeiten und Generationen verborgen war. Jetzt wurde es seinen Heiligen offenbart; 27 Gott wollte ihnen zeigen, wie reich und herrlich dieses Geheimnis unter den Völkern ist: Christus ist unter euch, er ist die Hoffnung auf Herrlichkeit. 28 Ihn verkündigen wir; wir ermahnen jeden Menschen und belehren jeden mit aller Weisheit, um dadurch alle in der Gemeinschaft mit Christus vollkommen zu machen. 29 Dafür kämpfe ich unter vielen Mühen; denn seine Kraft wirkt mit großer Macht in mir.

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© Foto: G. Nissen


Wunden verbinden

„Ich möchte Pflaster auf vielen Wunden sein“, so schrieb die holländische Jüdin Etty Hillesum. Sie war Zeitgenossin von Edith Stein und Anne Frank und hat das gleiche Schicksal wie sie erlitten. Sie wurde am 30 November 1943 im Konzentrationslager Auschwitz ermordet. Wie Anne Frank hat die einige Jahre ältere Etty in den schlimmen Jahren der Verfolgung Tagebuch geschrieben. Immer mehr werden ihre Eintragungen zu Briefen an Gott. Ja, sie werden zu immer tiefer vertrauenden und immer vertrauteren Gebeten. Je schlimmer die Verhältnisse werden, umso tiefer wird ihre Liebe zu Gott und zu den Menschen. Sie ist trotz Verfolgung und Bedrängnis ohne Hass ohne Bitterkeit. Sie lebt ganz und gar im Augenblick und aus immer tieferer Dankbarkeit Gott gegenüber und gegenüber dem Geschenk des Lebens. Aus dieser Gottverbundenheit heraus möchte sie das Pflaster auf vielen Wunden sein. Und das war sie auch.

Was ich Ihnen jetzt zu Ostern mitgeben möchte sind die folgenden Worte aus ihrem Tagebuch zur Betrachtung für diese Tage des Gedenkens an Jesu Tod und Auferstehung.

"Es sind schlimme Zeiten, mein Gott. Heute Nacht geschah es zum ersten Mal, daß ich mit brennenden Augen schlaflos im Dunkeln lag und viele Bilder menschlichen Leidens an mir vorbeizogen. Ich verspreche dir etwas, Gott, nur eine Kleinigkeit: Ich will meine Sorgen um die Zukunft nicht als beschwerende Gewichte an den jeweiligen Tag hängen, aber dazu braucht man eine gewisse Übung. Jeder Tag ist für sich selbst genug. Ich will dir helfen, Gott, daß du mich nicht verlässt, aber ich kann mich von vornherein für nichts verbürgen. Nur dies eine wird mir immer deutlicher: daß du uns nicht helfen kannst, sondern daß wir dir helfen müssen, und dadurch helfen wir uns letzten Endes selbst. Es ist das einzige, auf das es ankommt: ein Stück von dir in uns selbst zu retten, Gott. Und vielleicht können wir mithelfen, dich in den gequälten Herzen der anderen Menschen auferstehen zu lassen [...]. Und mit fast jedem Herzschlag wird mir klarer, daß du uns nicht helfen kannst, sondern daß wir dir helfen müssen und deinen Wohnsitz in unserem Inneren bis zum Letzten verteidigen müssen. Es gibt Leute, es gibt sie tatsächlich, die im letzten Augenblick ihre Staubsauger und ihr silbernes Besteck in Sicherheit bringen, statt dich zu bewahren, mein Gott. Und es gibt Menschen, die nur ihren Körper retten wollen, der ja doch nichts anderes mehr ist als eine Behausung für tausend Ängste und Verbitterung. Und sie sagen: Mich sollen sie nicht in ihre Klauen bekommen. Und sie vergessen, daß man in niemandes Klauen ist, wenn man in deinen Armen ist."
(aus: Das denkende Herz. Die Tagebücher von Etty Hillesum 1941-1943. Hg. u. eingeleitet von J. G. Gaarlandt. Aus dem Niederländischen von Maria Csollány. Reinbek 1985, S. 149)

Für uns ist es ungewöhnlich zu lesen, dass Gott uns nicht helfen kann, sondern dass wir Gott helfen müssen, um in den gequälten Herzen der anderen Menschen aufzuerstehen. Aber so ist es ja. Man kann es so mit Etty denken. Gott hat es ja so bestimmt, dass wir Menschen erlöst werden durch andere Menschen. Zuerst und ein für alle Mal durch den Menschen Jesus von Nazareth. Er räumte Gott ganz und gar den Raum seines Herzens ein, so dass er sagen konnte: „Ich und der Vater sind eins“ (Joh 10,30). Und so wurde durch ihn Gottes Liebe und Erlösung ganz und gar gegenwärtig. Aber dann - entzündet durch Christus - auch durch uns, durch unseren Glauben, unsere Hoffnung und unsere Liebe. Sie helfen, dass die gequälten Menschen glauben, hoffen und lieben können trotz allem Leid und aller Gewalt und Not und Dunkelheit. Und wenn sie in aller schweren Erfahrung glauben und hoffen und lieben können, dann ist Gott in ihrem Herzen auferstanden und lebt in ihnen.

Gott erwählt uns als seine Mitarbeiter, wie Jesus Jüngerinnen und Jünger beruft und aussendet. Gott verlässt sich auf uns. Er baut auf uns. Und so gibt er seine Macht gewissermaßen ab. Diese Ohnmacht Gottes wird besonders in solch extremen Zeiten des Unrechts und der Gewalt spürbar. Eben das Wunder ist, wie in solchen Menschen wie Etty Hillesum oder Edith Stein dennoch der Glaube und die Liebe bleiben, ja wie sie wachsen und immer tiefer werden. Eben weil sie Gott einen Platz einräumen. Einen Platz freihalten. Einen Ort schenken, an dem Er auferstehen kann. Und indem wir das tun, helfen wir uns auch selbst, denn in uns wird Ostern wirklich. Wir erfahren dieses neue Leben. Es brennt in uns und will weiter gegeben werden wie das Licht der Osterkerze.

Das wünsche ich Ihnen von Herzen!
Thomas Gertler

1. April 2015

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