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Gottes Ankunft in dieser Welt geschieht in der Nacht. Und die Botschaft hören die, die Nachtwache halten, die Hirten. Und auch Sie hören sie, wenn Sie ihr glauben können und ihr das Ohr und das Herz auftun können. Und dann spüren Sie auch diesen Glanz der Herrlichkeit, von dem jeder Christbaum etwas wider strahlen möchte…

© Wikimedia Commons

Lk 2,8 - 20

2,8 In jener Gegend lagerten Hirten auf freiem Feld und hielten Nachtwache bei ihrer Herde. 9 Da trat der Engel des Herrn zu ihnen und der Glanz des Herrn umstrahlte sie. Sie fürchteten sich sehr, 10 der Engel aber sagte zu ihnen: Fürchtet euch nicht, denn ich verkünde euch eine große Freude, die dem ganzen Volk zuteil werden soll:
11 Heute ist euch in der Stadt Davids der Retter geboren; er ist der Messias, der Herr. 12 Und das soll euch als Zeichen dienen: Ihr werdet ein Kind finden, das, in Windeln gewickelt, in einer Krippe liegt. 13 Und plötzlich war bei dem Engel ein großes himmlisches Heer, das Gott lobte und sprach: 14 Verherrlicht ist Gott in der Höhe / und auf Erden ist Friede / bei den Menschen seiner Gnade.
15 Als die Engel sie verlassen hatten und in den Himmel zurückgekehrt waren, sagten die Hirten zueinander: Kommt, wir gehen nach Betlehem, um das Ereignis zu sehen, das uns der Herr verkünden ließ. 16 So eilten sie hin und fanden Maria und Josef und das Kind, das in der Krippe lag. 17 Als sie es sahen, erzählten sie, was ihnen über dieses Kind gesagt worden war. 18 Und alle, die es hörten, staunten über die Worte der Hirten. 19 Maria aber bewahrte alles, was geschehen war, in ihrem Herzen und dachte darüber nach. 20 Die Hirten kehrten zurück, rühmten Gott und priesen ihn für das, was sie gehört und gesehen hatten; denn alles war so gewesen, wie es ihnen gesagt worden war.

 

 

 

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© Foto: Thomas Gertler


Wo es zerbricht…

Es geht ein Riss durch alles hindurch. Nichts auf dieser Welt ist ohne diesen Riss. Alles ist irgendwie angeknackst. Die Welt ist nicht mehr heil. Der Globus quietscht und eiert. Auch alles andere auf der Weltkugel läuft nicht so richtig rund. Wart nur, auch Deinem perfekten Mercedes wird es eines Tages so ergehen. In jedem von uns ist er schon da, der Knacks oder die Achillesferse, der wunde Punkt, der Todeskeim, der Riss.

Gerade die dunkle Zeit des Jahres lässt uns solche Gedanken denken. Wir erleben die Endlichkeit, die Begrenztheit und Vergänglichkeit. Die kahlen Bäume und das schwach werdende Licht. Die Kühle und Dunkelheit und die Gräber. Da geht ein Riss durch alles hindurch. Schönheit bekommt Falten. Die Lieblingsvase einen Sprung. Die vollkommene Liebe wird müde und gleichgültig. Die größte Begeisterung für Kirche und Glaube kühlt ab.

Ich denke an die Geheimnisse meiner Kindheit und Jugend. Beschämende Erfahrungen und Grenzen, an denen ich gelitten habe. Sei es eine körperliche Schwäche. Sei es eine Einschränkung im Lesen. Oder diese Neigung zum Stottern. Sei es ein schlimmer Übergriff von Seiten eines anderen Menschen. Denken Sie einmal an diese Geheimnisse ihrer Kindheit und Jugend. Ein Riss. Ein Knacks. Etwas, das Sie immer und immer beschäftigt hat. Über das Sie nie sprechen konnten. Weil Sie sich geschämt haben. Weil es so schlimm war. Weil es etwas Dunkles über Ihr ganzes Leben gebracht hat. Weil das doch nicht sein durfte. Was Ihre heile Welt zerbrochen hat.

Vor kurzem geriet mir ein kleines Kärtchen in die Hände. Darauf stand:

„There is a Crack in everything,
that’s how the light gets in”

Der Satz ist ein Zitat aus dem Lied „Anthem“ von Leonard Cohen, einem kanadischen Dichter und Sänger. Er hat mich seitdem nicht mehr los gelassen. Denn der Satz spricht aus, was ich oft und oft erfahren habe. Bei mir selbst und meinen Geheimnissen und Leiden und Zerbrochenheiten. Und bei so vielen Menschen, die ich begleite, mit denen ich befreundet bin, deren Lebensgeschichte ich kenne. Und in meiner Übersetzung heißt der Vers:

Ohne Knacks ist leider nichts.
Doch er ist der Quell des Lichts

Vielleicht sollte ich an dieser Stelle erst einmal eine Seite leer lassen zum Nachdenken, zum inneren Überprüfen dieses Satzes. Er ist natürlich Altersweisheit. Frucht langer Erfahrung. Kein Satz, den ich mit 14 oder auch nur mit 30 Jahren aus Überzeugung zu sagen vermöchte. Aber mit dreißig bekomme ich schon mal eine Ahnung. Da trifft mich schon so ein Lichtstrahl. Wenn ich merke: So jetzt mit dreißig kann ich nicht mehr damit rechnen, das das „Eigentliche“ noch kommt, denn nun ist es da. Nein, mit dreißig bin ich unwiderruflich erwachsen und das Leben jetzt und von nun an ist das Eigentliche und das ist das, worauf hin ich immer zugewartet habe. Und jetzt bin ich für mein Gesicht und mein Leben selbst verantwortlich. Und da kommt vielleicht zum ersten Mal so eine Erleuchtung oder so eine Versöhnung oder so eine Einsicht, dass das Licht in meinem Leben gerade dort einbricht, wo meine Schale zerbricht.

Gerade dort, wo das Leiden ist, da ist auch der Ort, wo mich der Trost erreicht. Gerade dort wo meine Hülle und meine Fassade zerbrechen, gerade da scheint das Licht herein. Denn der Ort des Leidens, der Sprung in meiner Schüssel und mein wunder Punkt ist der Ort, wo ich immer suche, nachdenke, rufe, bete und bitte. Gerade dort geht mir dann einmal ein Licht auf. Gerade dort, wo ich denke, das ist so unmöglich und so unerträglich, gerade dort begegne ich Gott. Wo die Schale zerbricht, erglimmt das Licht.

Gerade das ist der Ort, wo Gott sich einlässt in diese Welt, wo es Weihnachten wird, und zwar so, wie es die Bibel schildert: im Stall, in der Obdachlosigkeit, in der Heimatlosigkeit, nachts auf freiem Feld, im Nicht-Aufgenommen-Werden und im Nicht-Angenommen-Werden in dieser Welt. Im Riss, im Sprung, im Knacks. Da scheint das Licht herein. Ja, wo denn sonst!

Von Herzen frohe und gesegnete Weihnacht und sein Friedenslicht.
Thomas Gertler SJ

24. Dezember 2013

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