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Ein schönes, ein paradiesisches und himmlisches Bild für die Harmonie und den Frieden und die Ausgewogenheit der Kräfte der Schöpfung und der Geschöpfe zeichnet uns der Prophet Jesaja im 11. Kapitel seines Buches.

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Jes 11,1 Doch aus dem Baumstumpf Isais wächst ein Reis hervor, / ein junger Trieb aus seinen Wurzeln bringt Frucht.

2 Der Geist des Herrn lässt sich nieder auf ihm: / der Geist der Weisheit und der Einsicht, der Geist des Rates und der Stärke, / der Geist der Erkenntnis und der Gottesfurcht.

3 [Er erfüllt ihn mit dem Geist der Gottesfurcht.] / Er richtet nicht nach dem Augenschein / und nicht nur nach dem Hörensagen entscheidet er,

4 sondern er richtet die Hilflosen gerecht / und entscheidet für die Armen des Landes, wie es recht ist. Er schlägt den Gewalttätigen / mit dem Stock seines Wortes und tötet den Schuldigen / mit dem Hauch seines Mundes.

5 Gerechtigkeit ist der Gürtel um seine Hüften, / Treue der Gürtel um seinen Leib.

6 Dann wohnt der Wolf beim Lamm, / der Panther liegt beim Böcklein. Kalb und Löwe weiden zusammen, / ein kleiner Knabe kann sie hüten.

7 Kuh und Bärin freunden sich an, / ihre Jungen liegen beieinander. / Der Löwe frisst Stroh wie das Rind.

8 Der Säugling spielt vor dem Schlupfloch der Natter, / das Kind streckt seine Hand in die Höhle der Schlange.

9 Man tut nichts Böses mehr / und begeht kein Verbrechen / auf meinem ganzen heiligen Berg; denn das Land ist erfüllt von der Erkenntnis des Herrn, / so wie das Meer mit Wasser gefüllt ist.

10 An jenem Tag wird es der Spross aus der Wurzel Isais sein, / der dasteht als Zeichen für die Nationen; die Völker suchen ihn auf; / sein Wohnsitz ist prächtig.

11 An jenem Tag wird der Herr seine Hand von neuem erheben, / um den übrig gebliebenen Rest seines Volkes zurückzugewinnen, von Assur und Ägypten, von Patros und Kusch, / von Elam, Schinar und Hamat / und von den Inseln des Meeres.

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Wie komme ich wieder ins Gleichgewicht? 

Balance ist ein Gleichgewicht von Kräften. Das haben Sie am deutlichsten gemerkt, als Sie lernten Rad zu fahren. Sobald Sie stehen blieben, sind Sie umgefallen. Erinnern Sie sich noch? Und beim Gehen hat man das gleiche Problem. Nur daran werden Sie sich kaum noch erinnern. Es ist aber ja bei Kindern deutlich zu sehen. Denn beim Laufen ist ständig ein Fuß in der Luft. Und nur in der Bewegung halte ich dann das Gleichgewicht. 

Oder ein anderes Beispiel: Wenn ich mit dem Auto ins Schleudern gerate, dann darf ich keinesfalls bremsen, sondern sollte eher Gas geben, um aus dem Schleudern raus zu kommen. Aber so geistesgegenwärtig sind wir oft nicht, sondern treten vor Schreck heftig aufs Bremspedal. So bin ich einmal mit meinem (auch noch geborgten) Trabant im Straßengraben gelandet. 

Die im letzten Impuls genannten vier Typen oder Charaktere von Fritz Riemann geben immer einer der Kräfte zu sehr nach und geraten darum ins Ungleichgewicht. Der eine zieht sich zu sehr in sich selbst zurück und verliert den Kontakt mit der Welt. Die andere klammert sich zu sehr an andere und ruft dadurch gerade Fluchtgedanken und Abwehr beim anderen hervor. Genau, was er/sie nicht will. Der Ordnungstyp gerät immer mehr in eine völlige Starre, bis sich nichts mehr bewegt. Und gerade dadurch entstehen dann die Revolutionen, wie man in Ägypten sehen kann, und früher an der DDR sehen konnte. Und der Typ mit der Bindungsangst ist in Gefahr im Chaos und in der Verwirrung zu enden. All die Kräfte wie die Eigendrehung, die Bewegung um andere, wie die Schwerkraft und die Fliehkraft müssen möglichst ausgewogen sein.  

Wie komme ich in die Balance? Indem ich nicht allein meiner Lieblingskraft folge, sondern auch die anderen wirken lasse.  

Aber machen wir es konkreter. Gestern bin ich so richtig wütend auf mich selbst gewesen. Warum? Ich habe ungefähr drei Stunden hintereinander im Internet Bilder gesucht, die ich für einen Kurs gebrauchen wollte. Ich habe mich so richtig festgebissen. Das kann ich manchmal. Ich vergesse alles und wühle und suche und schaue nicht rechts und links und nicht auf die Uhr. Und es hat meiner Wut dann noch den richtigen Pfeffer gegeben, dass ich nicht gefunden habe, was ich suchte. Und nur durch einen glücklichen Zufall – oder sollte ich sagen, durch den Humor des lieben Gottes – habe ich nicht auch noch den Termin für den Gottesdienst verpasst. Na, das wär’s dann ja gewesen! 

Wie komme ich da raus? Durch Abstandnahme. Nur eine kleine Pause und an die Luft. Das habe ich auch schon bei schwierigen Gesprächen so erlebt. Alles beißt sich fest. Nichts geht mehr zwischen den Damen bei den Harz IV-Verhandlungen. Eine richtige Pause mit Spaziergang wäre vielleicht gut gewesen... 

Ganz Ähnliches gilt, wenn mich eine Nachricht trifft, die aus dem Gleichgewicht bringt. So erzählte mir jemand, der einer Familie eine Todesnachricht bringen musste, dass mit einem Mal die Mutter verschwunden war. Die Kinder suchten sie und fanden sie im Bad beim Putzen und Aufräumen. Das passiert zuweilen ganz automatisch. Ich suche eine Tätigkeit, die mich ablenkt, eine Arbeit, durch die ich mich vergewissere, dass es die Welt noch gibt und die Realität tatsächlich real ist. Das bringt mich wieder zurück. Das bringt mich vorläufig jedenfalls wieder in Balance. Und ist besser als shoppen gehen oder eine Tafel Schokolade essen. Man braucht in solcher Situation etwas zum Festhalten. Ich habe auf meinem Gesprächstisch ein Festhaltekreuz liegen. Das kann man dann in die Hand nehmen und fest drücken. Es hilft und hält. 

Ängste können solche Kräfte sein, die mich aus dem Gleichgewicht bringen. Die bevorstehende Prüfung zum Beispiel. Ein bisschen Angst und Lampenfieber ist gut, weil es genügend Adrenalin ausschüttet, um alle Kräfte zu mobilisieren. Wenn es aber zu viel wird, dann muss ich die Angst möglichst begrenzen. Ein Mittel ist, sich die schlimmste Möglichkeit vorzustellen und zu akzeptieren. Ich falle durch die Prüfung. Das ist schlimm. Aber es ist noch nicht das Ende meines Lebens. Die Angst hat damit die Macht verloren, völlig von mir Besitz zu ergreifen. 

Am sichersten komme ich wieder in die Balance durch den Glauben an Gott. Aber Vorsicht! Gott ist kein Mittel! Ich meine nicht, wenn ich bete, wird alles wieder gut, falle ich nicht durch die Prüfung, klappt es immer mit den Zuganschlüssen, werde ich keinen Krebs bekommen, wird der Zahnarzt nicht bohren. Nein, das ist zu kurz gedacht. Gott ist kein Zaubermittel, mit dem sich alle diese Übel beseitigen lassen. Es ist vielmehr so: Die Botschaft des Glaubens erweitert den Horizont. Er bringt einen Horizont, der über dieses Leben mit seinen Wechselfällen hinausreicht. Ach so – wie enttäuschend und wie erschreckend und für den, der nicht glauben kann, dann nur zynisch – erst nach dem Tod?! Ja, erst nachher, aber auch wie tröstlich und wie wahr! Gottes Macht ist größer als dieses Leben. Das Glück, die Fügung, die Geschenke, die ich oft genug in diesem Leben erhalte (siehe oben der grade noch eingehaltene Termin), sie sind kleine Zeichen dafür. Aber endgültig heil und gut wird es erst ganz bei Gott – jenseits der engen Pforte des Todes, durch die ein jeder Mensch hindurch muss.  

Der Glaube erinnert mich daran. Und das relativiert die Ungleichgewichte dieser Welt. Das erinnert an die wahre Mitte, die alles zusammen hält und in die Balance bringt und das völlig Verlorene wieder einfängt und heim trägt. Und das Gebet zentriert meine Kräfte wieder auf diese Mitte hin. Friede kehrt ein. 

Das wünsche ich Ihnen. 

15.02.2011

Thomas Gertler SJ     

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