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Wie der Vater des Glaubens, Abraham mit Gott redet, ja verhandelt, ist ganz breit orientalisch in Gen 18 geschildert. Abraham spricht, ja handelt mit Gott, wie man dort auf dem Basar verhandelt – ausführlich, höflichst und vornehm und doch knallhart in der Sache.

Gemälde von John Martin

Gen 18,20 Der Herr sprach also: Das Klagegeschrei über Sodom und Gomorra, ja, das ist laut geworden, und ihre Sünde, ja, die ist schwer.

21 Ich will hinabgehen und sehen, ob ihr Tun wirklich dem Klagegeschrei entspricht, das zu mir gedrungen ist. Ich will es wissen.

22 Die Männer wandten sich von dort ab und gingen auf Sodom zu. Abraham aber stand noch immer vor dem Herrn.

23 Er trat näher und sagte: Willst du auch den Gerechten mit den Ruchlosen wegraffen?

24 Vielleicht gibt es fünfzig Gerechte in der Stadt: Willst du auch sie wegraffen und nicht doch dem Ort vergeben wegen der fünfzig Gerechten dort?

25 Das kannst du doch nicht tun, die Gerechten zusammen mit den Ruchlosen umbringen. Dann ginge es ja dem Gerechten genauso wie dem Ruchlosen. Das kannst du doch nicht tun. Sollte sich der Richter über die ganze Erde nicht an das Recht halten?

26 Da sprach der Herr: Wenn ich in Sodom, in der Stadt, fünfzig Gerechte finde, werde ich ihretwegen dem ganzen Ort vergeben.

27 Abraham antwortete und sprach: Ich habe es nun einmal unternommen, mit meinem Herrn zu reden, obwohl ich Staub und Asche bin.

28 Vielleicht fehlen an den fünfzig Gerechten fünf. Wirst du wegen der fünf die ganze Stadt vernichten? Nein, sagte er, ich werde sie nicht vernichten, wenn ich dort fünfundvierzig finde.

29 Er fuhr fort, zu ihm zu reden: Vielleicht finden sich dort nur vierzig. Da sprach er: Ich werde es der vierzig wegen nicht tun.

30 Und weiter sagte er: Mein Herr zürne nicht, wenn ich weiterrede. Vielleicht finden sich dort nur dreißig. Er entgegnete: Ich werde es nicht tun, wenn ich dort dreißig finde.

31 Darauf sagte er: Ich habe es nun einmal unternommen, mit meinem Herrn zu reden. Vielleicht finden sich dort nur zwanzig. Er antwortete: Ich werde sie um der zwanzig willen nicht vernichten.

32 Und nochmals sagte er: Mein Herr zürne nicht, wenn ich nur noch einmal das Wort ergreife. Vielleicht finden sich dort nur zehn. Und wiederum sprach er: Ich werde sie um der zehn willen nicht vernichten.

33 Nachdem der Herr das Gespräch mit Abraham beendet hatte, ging er weg und Abraham kehrte heim.

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Wie Don Camillo…

Meist bete ich wie Don Camillo, sagte mir jemand bei den Exerzitien, also nicht kontemplativ, sondern naiv. Ich dachte bei mir: Also im Bewusstsein, dass diese Form des Betens naiv ist. Und das ist dann schon wieder nicht mehr naiv – oder? Erinnern Sie sich an Don Camillo? Sicherlich in der einmaligen Art des Schauspielers Fernandel. Das war der italienische Pfarrer, der immer in liebevollem Clinch mit dem kommunistischen Bürgermeister seines Dorfes Peppone lag. Und Don Camillo sprach zu Jesus am Kreuz wie ihm der Schnabel gewachsen und ihm gerade ums Herz war. Sehr direkt, sehr einfach, sehr naiv, sehr liebenswert. Gut nachvollziehbar.

Geht denn das? Das geht. Und das machen viele Leute so und das ist ganz in Ordnung. Nur kommt die Antwort nicht auf die gleiche akustisch hörbare Weise von Jesus, auch wenn es bei Don Camillo so erscheint. Also wenn wir wirklich solche Gebete lesen oder im Film hören, und zwar zu Herzen gehende Gebete. Aber es ist allen klar, dass das so nicht passiert. Don Camillo spricht mit seinem innerlichen, seinem verinnerlichten Jesus. Er bekommt seine Antwort, indem er auf das Kreuz schaut. Indem er sich Jesus vergegenwärtigt, wie er ihn kennt aus dem Neuen Testament und aus seinem eigenen Leben mit Jesus. Aus den Geschichten und aus den Gesprächen Jesu mit den Jüngern und den Menschen und aus Jesu Weise, mit seinem Vater zu sprechen. Welche Einstellung und welches Denken und Fühlen Jesus da offenbart, weiß Don Camillo und dann weiß er auch schon so ungefähr, was Jesus so sagen würde, wenn er Peppones Rede mit Kirchenglocken übertönt. Oder wenn er einen Jungen geohrfeigt hat. Und dieses Gespräch ist so ähnlich, wie wenn ich mich mit meinem Gewissen unterhalte oder mit meinem Tagebuch. Da schreibe ich übrigens öfter eigene Don-Camillo-Gebete hinein.

Einen hilfreichen Rat habe ich jetzt gehört. Er geht in eine ähnliche Richtung und lautet „Schauen Sie, wie Er schaut!“ Und das meint zweierlei, je nach Betonung dieses Satzes. In der ersten Weise lege ich den Akzent auf Jesus und dann versuche ich zu schauen, wie Er schaut. Dann versuche ich die Welt, die Dinge, die Verhältnisse mit den Augen Jesu zu sehen. Nicht sehr einfach, aber sehr hilfreich. Es verändert meinen Blick. Es verändert mein Verhalten. Leichter ist die zweite Variante, wenn ich schaue, wie er schaut. Also wenn ich jetzt im Kaufhaus bin und als Frau in der Schuhabteilung oder als Mann in der DVD-Abteilung und ich schaue auf dieses Paar Schuhe oder diese DVD, dann drehe ich mich mal um und schaue, wie Er schaut. Was macht er denn für ein Gesicht zu meiner fast unüberwindlichen Lust, das jetzt zu kaufen. Und dann sehe ich schon, ob es tatsächlich so nötig ist. Also merken Sie es sich und probieren Sie zu schauen, wie er schaut.

Und noch etwas Drittes. Das ist gewissermaßen Bibellesen mit Don Camillo. Unser Professor für Neues Testament Heinz Schürmann, der wirklich ein international anerkannter Wissenschaftler war, sagte uns einmal in der Vorlesung. „Man kann das Neue Testament auch ohne alle die viele und kritische und berechtigte neutestamentliche Wissenschaft lesen und in seinen wesentlichen Aussagen auch verstehen - selbst über den großen Zeitabstand von 2000 Jahren hinweg. Ja, es ist sogar wichtig, dass es immer wieder solche ‚naiven’ Bibelleser gibt, denn da wächst oft mehr Frucht heraus als aus einer ausschließlich wissenschaftlichen Lektüre der Bibel.“ Das hat er jetzt sicher nicht wörtlich so gesagt, aber das ist es, was ich damals als wichtig und befreiend gehört habe.

Alle drei Aussagen wollen nun nicht gegen kritisches, oder wissenschaftliches Denken gerichtet sein. Sie wollen aber klar machen, dass das kritische und wissenschaftliche und aufklärerische Denken immer das Zweite, das Abgeleitete, das Spätere ist, das erst auf dem Ersten, dem Unmittelbaren, dem Ursprünglichen aufruht und es als Voraussetzung hat. Bevor ich über das Gebet und die Beziehung zu Gott kritisch nachdenke und rede, muss da erst einmal Gebetspraxis und tatsächliche Beziehung da sein. Und das (leider) ist nicht immer der Fall.

Und ein Letztes. Die Wahrheit ist immer einfach. Auch in der Wissenschaft ist das so. So sagen uns die Großen in der Wissenschaft. Nur wir sind kompliziert und vielfältig zerspalten. Darum ist es für uns so schwer, das Einfache zu erkennen und selbst wieder einfach zu werden – wie ein Kind. Und „einfach“ in diesem Sinne ist das Gegenteil von primitiv. Einfach wie Gott selbst. Und es ist das Kennzeichen der einfachen Wahrheit Gottes, dass sie immer wahrer und tiefer und umfassender und größer wird, je mehr ich auf sie zugehe, ihr folge und in sie eintauche. Diese Erfahrung, dass sie immer wahrer, tiefer und umfassender wird, ist geradezu ein Kriterium dafür, dass ich wirklich auf dem Weg der Wahrheit bin. Denn diese einfache Wahrheit, die Gott selbst ist, ist unausschöpflich. Wir werden eine Ewigkeit lang mit ihr nicht zu Ende kommen. Und darum ist es im Himmel – anders als manche meinen – nie langweilig. In der Hölle aber sehr wohl, denn das Böse ist banal und primitiv. Es ist vielleicht raffiniert und schlau, aber nicht tief, sondern zuletzt dumm.

Also nur Mut, christliche Seele, auch wenn Du schlicht und geradeaus bist wie Don Camillo.

Es grüßt Sie herzlich
Thomas Gertler SJ

16. Januar 2013

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