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Ausgerechnet in der Wüste ruft eine Stimme, nicht in der Stadt oder auf dem Tempelplatz. Dorthin, wo es ansonsten nichts zu sehen und zu hören gibt, kommen die Leute in Scharen zu Johannes dem Täufer. - Ja, manchmal muss ich hinaus an den Rand, in die Monotonie gehen, um Gottes Stimme für mein Leben hören zu können.

© Foto: J.-H. Janßen - CC BY-SA 3.0

Mk 1,3 - 8

Eine Stimme ruft in der Wüste: Bereitet dem Herrn den Weg! Ebnet ihm die Straßen!

So trat Johannes der Täufer in der Wüste auf und verkündigte Umkehr und Taufe zur Vergebung der Sünden. Ganz Judäa und alle Einwohner Jerusalems zogen zu ihm hinaus; sie bekannten ihre Sünden und ließen sich im Jordan von ihm taufen. Johannes trug ein Gewand aus Kamelhaaren und einen ledernen Gürtel um seine Hüften und er lebte von Heuschrecken und wildem Honig. Er verkündete: Nach mir kommt einer, der ist stärker als ich; ich bin es nicht wert, mich zu bücken, um ihm die Schuhe aufzuschnüren. Ich habe euch nur mit Wasser getauft, er aber wird euch mit dem Heiligen Geist taufen.

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© Foto: via Wikimedia Commons CC-0


Wen wundert’s? – Vom Sinn der Sinne

Ein Junge liegt bäuchlings auf dem Teppich, das Kinn in die Hände gestützt, und blinzelt gelangweilt zum Fernseher. Aufgeschlagene Bücher liegen herum, die Inliner lehnen an der Wand. Ein klobiger Sessel steht dominant mitten im Zimmer. Der Blick durch das Fenster fällt auf hohe Hausfassaden inmitten einer modernen Innenstadt. Mit wenigen Linien drückt der Zeichner Jean-Jacque Sempé Langeweile inmitten vieler Möglichkeiten aus.

Ich weiß nicht, ob der Zeichner in seinem Bildband „Kindheiten“ die beiden Motive bewusst aufeinander folgen lässt, für mich jedenfalls gehören sie zusammen: denn als nächstes steht der Betrachter draußen vor dem besagten Haus und sieht hinter einem Fenster den blonden Schopf des Jungen. Dieser schaut nichts anderes an als den fallenden Schnee – und strahlt übers ganze Gesicht. Wie kann die Monotonie von langsam schwebenden Schneeflocken so staunend und glücklich machen?!

Langsamkeit – fast ein Fremdwort unter unseren adventlichen Vokabeln. Wussten Sie, dass unsere Geschwindigkeit, mit der wir uns als Fußgänger durch die Stadt bewegen, im letzten Jahrzehnt um zehn Prozent zugenommen hat (lt. Die Zeit)? Hauptsache, immer „auf dem Laufenden“ sein! Zum modernen Lifestyle gehören Eile und Ungeduld dazu. Umso mehr sind unsere Sinne beansprucht. Dass die Eile uns krank macht, weil unsere Psyche und Seele oft nicht „mitkommt“, merken wir oft zu spät.

Manchmal brauchen unsere Sinne eine erholsame Reduzierung, ja Monotonie. Wie gut täte es mir, wenn ich einmal in der Woche für ein paar Stunden am Meeresstrand, in einer Wüste oder im Schneegebirge verbringen könnte! Glücklich wäre ich schon, wenn ich es bis zum nächsten Wald oder See schaffen würde. Am meisten wünsche ich mir das in der Adventszeit, denn überall, wohin ich schaue, bimmelt’s und bammelt’s, permanent blinkt oder piept etwas, schreien Farben und Moden, egal ob ich im Netz oder in der Stadt unterwegs bin. Zahl- und oft sinnlose Möglichkeiten der Beschäftigung, Konsumierung und Ablenkung umgeben (und überfordern) mich. Da hätte ich es doch manchmal lieber, dass mir „Hören und Sehen vergeht“.

Ich lade Sie hier zu einer kleinen Erholungsübung für Ihre Sinne und Ihre Seele ein:

Legen Sie für einige Minuten Ihre Hände in den Schoß und schließen Sie die Augen. Lassen Sie Ihren Atem ruhig werden. Beten Sie: „Gott, du bist da.“

Warten Sie ab, welche inneren Bilder Sie „sehen“, einfach aus dem Affekt heraus oder aus dem Erleben der letzten Zeit, von einer Begegnung oder einem Ort …

Schauen Sie Ihr - jetzt gerade - wichtigstes Bild in Ruhe und liebevoll an. Achten Sie auf Ihre Gefühle, die sich dabei melden.

Sie können darüber mit Gott sprechen, wie mit einem Freund, können ihm danken, vor ihm bitten und klagen oder Ihre Sehnsucht aussprechen. Oder ihn fragen, warum er Ihnen in diesem Augenblick gerade dieses Bild schenkt?

Mitten im Tag einmal die Augen schließen, damit der Blick nach innen geht. Dort will Gott wohnen und immer neu geboren werden: in einem jeden von uns. Dieses mystische Bild von Advent und Weihnachten sollte uns zwischen den äußeren Bildern und Reizen nicht verloren gehen. - Ist Ihnen übrigens schon einmal aufgefallen, dass wir mit geschlossenen Augen intensiver hören, riechen und schmecken können?

Sempés Zeichnung sagt mir jedenfalls: Wenn ich auf das Wesentliche aufmerksam bin, dann kann eine Schneeflocke zum Wunder werden!

Ich wünsche Ihnen eine sinn- und wunder-volle Adventszeit und grüße Sie herzlich!
Marlies Fricke

10. Dezember 2014

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