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„Stille Nacht, heilige Nacht“, so singen wir spätestens nächste Woche wieder. Romano Guardini greift das Bild der Heiligen Nacht auf, führt aber über bloße Idylle und Romantik hinaus. Im Stillen keinem nämlich die wirklich großen Dinge: Taten, Werke, Frucht und Kraft.

© Foto: Wikimedia Commons

Weisheit 18,14f.

„Als tiefes Schweigen das All umfing und die Nacht bis zur Mitte gelangt war, da sprang dein allmächtiges Wort vom Himmel, vom königlichen Thron herab“

Die Worte sprechen von dem Geheimnis der Menschwerdung, und die unendliche Stille, die darin waltet, drückt sich wunderbar in ihnen aus.

In der Stille geschehen ja die großen Dinge. Nicht im Lärm und Aufwand der äußeren Ereignisse, sondern in der Klarheit des inneren Sehens, in der leisen Bewegung des Entscheidens, im verborgenen Opfern und Überwinden:
wenn das Herz durch die Liebe berührt,
die Freiheit des Geistes zur Tat gerufen,
und sein Schoß zum Werke befruchtet wird.

Die leisen Mächte sind die eigentlich starken.

Aus: Romano Guardini, Der Herr. Erster Teil, III.

 

 

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© Foto: Thomas Gertler


„Weißt Du, wie viel Sternlein stehen?“

Ich mag die großen leuchtenden Papiersterne, wie sie in diesen Wochen viele Fenster und Balkone schmücken. Goldgelb, weiß oder rot strahlen sie in der Dunkelheit von weitem den Passanten entgegen. Für mich sind sie wie ein Vorzeichen des Sterns von Betlehem, von dem wir am Weihnachtsfest im Evangelium hören werden.

Seit Menschengedenken ist der Stern ein Symbol der Sehnsucht und des Staunens. „Mit einem Blick zum nächtlichen Himmel will ich, wie im bekannten Kinderlied von den vielen Sternlein, mich daran erinnern lassen, dass Gott, der Herr, das Unzählbare weiß und das Unsagbare kennt“ (Paul Weismantel). So faszinieren Sterne und Sternenkonstellationen von jeher Wissenschaftler und Reisende genauso wie Dichter, Maler, Kinder oder Verliebte. Eine sternlose Nacht ist eine trostlose Nacht; ein sternenklarer Nachthimmel hat dagegen etwas Verheißungsvolles.

Seitdem ich das Sterbezimmer des Ignatius von Loyola besucht habe, kann ich mir noch besser vorstellen, wie der „Pilger“ der Überlieferung nach abends auf seinem Balkon unterm Römischen Sternenhimmel seinen Tag reflektiert und in Gottes Hand zurückgelegt hat - eine von verschiedenen Weisen des Tagesrückblicks, wie ihn heute Viele aus Exerzitien im Alltag kennen. Die Sterne sind ein Sinnbild für Gottes Treue, Güte und Wacht, der ich mich jeden Abend neu anvertrauen darf.

Ja, wie faszinierend ist ein Blick in den Sternenhimmel, den uns freilich nur die Dunkelheit bietet! Leider sind unsere modernen Innenstädte nachts so hell erleuchtet, dass droben oft kaum ein Stern sichtbar ist. In der Adventszeit stehen Markt und Straßen schon lange nicht mehr verlassen, wie der Romantiker Joseph von Eichendorff sie einst beschrieb. Wer heute den Advent innerlich ernst nimmt, den zieht es weniger auf Markt und Straßen, sondern in die Stille und Schlichtheit. „Wer noch fühlen kann, was gut tut“, so Peter Eicher in ‚Christ in der Gegenwart‘, „den schreckt der Konsumterror ab“. Als Einzelne/r hat man es im Mainstream nicht leicht, ein eigenes Maß zu finden in der Gestaltung der Adventszeit. Manchmal denke ich, dass unsere Kirchenräume der letzte Schonraum sind vor der allgegenwärtigen überbordenden bis hin zu kitschigen Adventsdekoration und -beschallung. In unseren Kirchen trägt der Adventskranz ganz einfach und schlicht jeden Sonntag ein Kerzenlicht mehr; reduziert sind Blumenschmuck und Musik. So kann zu Weihnachten dann der Glanz der Krippe und das „Gloria“ des Festes wirklich zur Geltung kommen.

Gleichwohl drücken draußen die vielen künstlichen Lichter letztlich eine verständliche Sehnsucht aus: Sehnsucht nach Schönheit und Glanz, nach Licht und Wärme, nach Geborgenheit, Frieden und Heilung. „O Heiland, reiß die Himmel auf!“ so dichtete Friedrich Spee in der Not des dreißigjährigen Krieges sein bekanntes Flehlied (altes Gotteslob, 105). „Wo bleibst du, Trost der ganzen Welt …? O komm, ach komm …, tröst‘ uns hier im Jammertal!“ Wer wollte bestreiten, dass es auch heute vonnöten ist, so zu bitten in den Nöten und Ängsten der Welt - man schaue nach Syrien, Zentralafrika, Nordkorea, Ägypten, die Ukraine … - und in den Nöten und Ängsten des je eigenen Alltags. So darf ich getrost auch als Erwachsene/r den guten alten „Wunschzettel“ ans Christkind schreiben. Ich darf ihm, dem Erlöser, sagen, was ich mir wünsche und ersehne zu Weihnachten - in meiner Form des Betens, und wenn es nur ein ehrliches Aufschauen zu den Sternen ist.

All unsere Deko-Sterne im Advent deuten auf das eine Licht hin, das LICHT DER WEIHNACHT: auf Jesus Christus, der nicht in einem Fünf-Sterne-Hotel, sondern in einem Stall auf einem dunklen Feld geboren wird. Solche dunklen Felder gibt es auch heute und immer wieder. Das Licht der Weihnacht will die Dunkelheit in der Welt und in einem jeden von uns erhellen. So hat Gott uns mit der Geburt Jesu seinen Stern geschenkt, einen Stern, der für jede/n zum Sehnsuchtsstern werden darf. Lauschen und folgen wir ihm!

Dazu ermutigt Sie mit herzlichen Grüßen
Marlies Fricke

18. Dezember 2013

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