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Es wäre schrecklich, wenn wir die letzten Bodenteilchen des Weisheits-Futtersacks erwischten und dann der Sack endgültig leer wäre. Und wenn dann das Geheimnis gelüftet, entschleiert und kein Geheimnis mehr da wäre. Denn dann wären wir zu Ende mit uns selbst, dem liebsten Nebenmenschen und mit Gott und der Welt. Dann wären wir mit allem fertig. Und manche Menschen empfinden so. Sie sterben innerlich daran oder auch ganz und gar.

Es ist aber tröstlich, dass es Einen gibt, dem diese Geheimnisse entschlüsselt sind und der alle Geheimnisse weiß, ohne dass er damit mit allem am Ende wäre, vielmehr umgekehrt. Für Ihn ist es der Anfang und der Grund uns alle zu tragen, zu führen, zu ertragen und barmherzig und voll Liebe zu allem zu sein. So schildert uns Jesus Sirach Gottes Weisheit.

(c) jcarvachom - Fotolia.com

Sir 42,15 Nun will ich der Werke Gottes gedenken; / was ich gesehen habe, will ich erzählen: Durch Gottes Wort entstanden seine Werke; / seine Lehre ist ein Ausfluss seiner Liebe. 

16 Über allem strahlt die leuchtende Sonne, / die Herrlichkeit des Herrn erfüllt alle seine Werke.

17 Die Heiligen Gottes vermögen nicht, / alle seine Wunder zu erzählen. Gott gibt seinen Heerscharen die Kraft, / vor seiner Herrlichkeit zu bestehen.

18 Meerestiefe und Menschenherz durchforscht er / und er kennt alle ihre Geheimnisse. Der Höchste hat Kenntnis von allem, / bis in die fernste Zeit sieht er das Kommende. 

19 Vergangenheit und Zukunft macht er kund / und enthüllt die Rätsel des Verborgenen.

20 Es fehlt ihm keine Einsicht, / kein Ding entgeht ihm.

21 Seine machtvolle Weisheit hat er fest gegründet, / er ist der Einzige von Ewigkeit her.Nichts ist hinzuzufügen, nichts wegzunehmen, / er braucht keinen Lehrmeister.

22 Alle seine Werke sind vortrefflich, / doch sehen wir nur einen Funken und ein Spiegelbild. 

23 Alles lebt und besteht für immer, / für jeden Gebrauch ist alles bereit. 

24 Jedes Ding ist vom andern verschieden, / keines von ihnen hat er vergeblich gemacht. 

25 Eines ergänzt durch seinen Wert das andere. / Wer kann sich satt sehen an ihrer Pracht?

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Weisheit aus dem Habersack 

Stellen Sie sich das romantische Wien vor mit seinen vielen Pferdedroschken oder Fiakern am Stephansplatz. Wenn so ein Fiaker Pause hat, dann hängt der Kutscher seinem Pferd oder seinem Droschkengaul den Futtersack um. Haben Sie das schon mal gesehen? Anfangs ist ja der Sack voller Hexel, aber je mehr das Pferdchen da raus gefressen hat, umso schwerer wird es, an den Hafer (oder alt: Haber) zu kommen. Der Gaul fängt an, den Sack zu schwenken, hoch und runter, rechts und links, um auch noch den letzten Rest des geliebten Hafers ins Maul zu kriegen. 

Für Christian Morgenstern (1871 – 1914) war das ein täglicher Anblick. Er ist ihm zum Symbol geworden und hat ein Gedicht darüber gemacht (das übrigens auch vertont ist). 

Der Droschkengaul 

Ich bin zwar nur ein Droschkengaul, -
doch philosophisch regsam;
der Fress-Sack hängt mir kaum ums Maul,
so werd ich überlegsam.
Ich schwenk ihn her, ich schwenk ihn hin,
und bei dem trauten Schwenken
geht mir so manches durch den Sinn,
woran nur Weise denken.

Ich bin zwar nur ein Droschkengaul, -
doch sann ich oft voll Sorgen,
wie ich den Hafer brächt' ins Maul,
der tief im Grund verborgen.
Ich schwenkte hoch, ich schwenkte tief,
bis mir die Ohren klangen.
Was dort in Nacht verschleiert schlief,
ich könnt' es nicht erlangen.

Ich bin zwar nur ein Droschkengaul, -
doch mag ich Trost nicht missen
und sage mir: So steht es faul
mit allem Erdenwissen;
es frisst im Weisheitsfuttersack
wohl jeglich Maul ein Weilchen,
doch nie erreicht's - oh Schabernack -
die letzten Bodenteilchen."

Wir haben Hunger auf Weisheit und Erkenntnis. Sie wird diesmal nicht mit Löffeln sondern aus dem Habersack gefressen. Am Anfang geht das Fressen leicht, am Ende ist es schwierig, ja unmöglich, sich noch das Letzte einzuverleiben. Es bleibt ein Rest. Er ist einfach nicht zu kriegen. Und es bleibt die Sehnsucht, der Hunger, gerade danach. Es ist wie mit dem Esel, dem man die Mohrrübe vors Maul hält. Sie treibt ihn vorwärts, aber er kriegt sie nicht ein.

Wenn wir den Habersack verlassen und auf die Wirklichkeit schauen, dann müssen wir sogar sagen, das was noch an Dunklem, Unaufgeklärtem, an Geheimnis bleibt, ist unendlich viel mehr und größer als ein paar letzte Bodenteilchen im Futtersack. Ja, die Naturwissenschaftler sagen uns, je mehr Fragen wir beantwortet haben, umso mehr Unbekanntes tut sich auf. Und das gilt ja nicht nur für den Bereich des naturwissenschaftlichen Erkennens. Es gilt auch für die Gotteserkenntnis und für die Selbsterkenntnis und für das Erkennen meines Mitmenschen, auch des geliebten und so vertrauten Nebenmenschen. Überall bleiben nicht nur letzte Bodenteilchen, sondern ist das Geheimnis größer als das klar Erkannte. Wie stehe ich zu diesem Dunklen, diesem Nichtwissen, zum Geheimnis? Ist es mir Grund dazu, die Suche nach dem Verstehen und nach Wissen aufzugeben? Denn ich komme eh nicht zum Ende. Ist es mir Grund zum Misstrauen? Ist das Dunkle und zuletzt Undurchschaubare bedrohlich, Angst machend, unheimlich?

Oder ist es heimlich? Also ein Geheimnis, das mich birgt, in dem ich daheim bin. Ein Geheimnis, das wir schützen, weil es so verletzlich ist. Wie ein Kind. Es braucht Schutz und Geborgenheit. Wie unsere Blöße, die wir verbergen. Sie darf nicht brutal entblößt werden. Ich kann mich nur zeigen, wie ich bin, wenn ich vertraue. Ist es also ein Geheimnis, das mich immer neu anzieht, neugierig und sehnsüchtig macht?

Wie ist das Geheimnis für mich: heimlich oder unheimlich? Bedrohlich oder bergend? Nähere ich mich ihm mit Ehrfurcht oder mit „brutalst möglichem Aufklärungswillen“? Mit Vertrauen oder mit Misstrauen? Und zwar auf allen drei Gebieten: mir selbst und dem Geheimnis, das ich mir selbst bin und auch bleibe. Meinem liebsten Nebenmenschen, den ich ganz kennen möchte, der mir (und sich selbst auch) nie völlig durchschaubar ist. Und Gott, dem tiefsten Geheimnis der Welt, das unausschöpfbar ist.

Dass Sie es mit Vertrauen, mit Ehrfurcht und Liebe tun, das wünsche ich Ihnen, denn damit kommen sie am tiefsten, weil das Sein in seinem tiefsten göttlichen Grund Liebe ist.

Fastnacht 2011

Thomas Gertler SJ

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