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Ein solcher Hoffnungs- und Sehnsuchtstext steht beim Propheten Jesaja. Das Feiern an den Adventssonntagen und Weihnachtstagen will ein wenig davon erfahrbar machen, dass sich die Sehnsucht erfüllt. Möge das nicht nur zu Hause geschehen, nein, auch in der Politik und besonders in den Kriegs- und Notgebieten dieser Erde.

Buchrolle mit dem Text des Propheten Jesaja aus Qumran (2. Jh v. Chr.)

Jes 25, 4 - 9

25,4 Du bist die Zuflucht der Schwachen, / die Zuflucht der Armen in ihrer Not; du bietest ihnen ein Obdach bei Regen und Sturm / und Schatten bei glühender Hitze. Denn der Sturm der Gewaltigen ist wie ein Regenguss im Winter, / wie die Hitze im trockenen Land. 5 Du bringst den Lärm der Fremden zum Schweigen, / wie ein Wolkenschatten die Hitze mildert, / das Lied der Gewaltigen lässt du verstummen. 6 Der Herr der Heere wird auf diesem Berg / für alle Völker ein Festmahl geben mit den feinsten Speisen, / ein Gelage mit erlesenen Weinen, mit den besten und feinsten Speisen, / mit besten, erlesenen Weinen. 7 Er zerreißt auf diesem Berg die Hülle, die alle Nationen verhüllt, / und die Decke, die alle Völker bedeckt. 8 Er beseitigt den Tod für immer. / Gott, der Herr, wischt die Tränen ab von jedem Gesicht. Auf der ganzen Erde nimmt er von seinem Volk die Schande hinweg. / Ja, der Herr hat gesprochen. 9 An jenem Tag wird man sagen: / Seht, das ist unser Gott, auf ihn haben wir unsere Hoffnung gesetzt, / er wird uns retten. Das ist der Herr, auf ihn setzen wir unsere Hoffnung. / Wir wollen jubeln und uns freuen über seine rettende Tat.

Seitwert


© Foto: RobertK - CC-BY-SA-2.0-DE

Weihnachtsplätzchen

Keine Weihnachtsplätzchen schmecken so gut wie die von der eigenen Mutter. Sie führen uns in die Kindheit zurück. Sie bewahren etwas vom Weihnachtszauber damals. Und wenn ich als Student ein Weihnachtspaket bekam, dann waren da Mutters Plätzchen drin. Ganz geizig war ich damit. Denn diese Erinnerung war natürlich nur für mich und meine Geschwister mit diesen Plätzchen verbunden. Einmalig. Kennen Sie das auch so ähnlich? Was ist bei Ihnen so mit Weihnachten verbunden? Auch die Plätzchen oder ein bestimmtes Essen oder ein anderer Brauch? Der Adventskranz? Die Advents- und Weihnachtslieder?

Keine Zeit bei uns hat mehr Brauchtum als die Advents- und Weihnachtszeit. Ich will mal heute bei der Bäckerei bleiben. „In der Küche riecht es lecker grade wie beim Zuckerbäcker…“ Warum bei der Bäckerei? Natürlich weil da Leib und Seele zusammenkommen. Und um einen leibhaften Glauben soll es uns ja immer gehen, nicht nur Geist und Seele, nein, auch Leib und Seele. Und weil die meisten alten Weihnachtsgebäcke einen frommen Hintergrund haben.

Ganz offensichtlich ist es ja beim Weihnachtsstollen oder Christstollen oder mit dem alten Ausdruck „Striezel“ vom weltberühmten Striezelmarkt in Dresden. Der Christstollen bildet nämlich Jesus als Wickelkind ab. Und deshalb darf traditionellerweise der Christstollen erst am Weihnachtsabend angeschnitten werden. Ja, das ist dann aber etwas brutal, oder? Das kleine Christkind anschneiden! Ja, es ist so brutal wie es die Kommunion in der Abendmahls- oder Eucharistiefeier ist. Christus will eins mit uns werden. „Das ist mein Leib für Euch.“ Etwas davon will der Christstollen auch in den Alltag bringen.

Überhaupt haben viele andere Gebäcke den gleichen Hintergrund. Unser Spiritual hat uns erzählt, dass zum Beispiel verschiedene Kipfel wie zum Beispiel Vanillekipfel daher kommen, dass früher die Hostien eine ähnlich Form hatten und dann auch – wie heute noch in der Ostkirche – als gesegnetes Brot nach der Messe an alle verteilt wurden. Da ist noch erlebbar, dass früher die Messe mit dem Liebesmahl verbunden war. Gemeinschaft mit Gott und Gemeinschaft untereinander im Mahl. Bis heute verschenkt man in Polen zu Weihnachten Oblaten mit christlichen Motiven, ja, man versendet sie in die ganze Welt. Und am Beginn des Festes teilt man miteinander eine große Oblate als Zeichen der Eintracht, der Liebe und des Friedens. Dass die Oblaten letztlich alle daher kommen, ist weitgehend in Vergessenheit geraten.

Eine andere Tradition haben die Lebkuchen oder Honigkuchen oder Pfefferkuchen. Honigkuchen ist schon sehr, sehr alt. Schon die Ägypter kannten ihn, auch die Römer aßen und opferten Honigkuchen. Pfefferkuchen ist Honigkuchen mit Gewürzen, die daher kamen, wo der Pfeffer wächst. Die hatten auch eine gesundheitliche Wirkung. In christlicher Zeit waren sie zuerst in den Klöstern zu Hause und galten als Fastenspeise. Und die Adventszeit war ursprünglich auch eine Fastenzeit, wie vor Ostern. Sie waren aber auch für Notzeiten sehr wichtig, weil sie sich so lange hielten. So wurden sie dann auch an die Hungrigen und Armen verteilt.

Noch ein letztes typisches Gebäck ist der Spekulatius. Es kommt aus den Niederlanden und geht wohl auf das Fest des Heiligen Bischofs Nikolaus zurück. Speculator ist das lateinische Wort für Episkopus (griechisch: Aufseher). Davon stammt dann das deutsche Wort (e)piskop = Bischof. Dieses Gebäck hat ganz viele verschiedene Formen und Figuren, ursprünglich oft Nikolaus oder andere christliche Figuren wie Engel. Sie alle kennen sie wohl zur Genüge. Zu diesem Bildgebäck gehören dann auch die Springerle, für die es ganz fein ausgebildete Formen und Holzmodel gibt, oft auch mit christlichen Motiven.

Ein ganzes Buch ließe sich hier schreiben. Ich wollte nur an wenigen Beispielen auf den christlichen Sinn hinweisen. Die winterlich karge Zeit braucht Trost. Essen tröstet. Süßigkeit tröstet. Und das honigsüße Gebäck will auf die adventlichen Verheißungen und weihnachtliche Erfüllung hinweisen. Die Liebe Gottes kommt in ihrer Fülle und in ihrer Süßigkeit auf uns zu und sie will weitergeben werden. Wenn wir alles wieder im Überfluss haben, sollen wir uns an diese spirituellen Hintergründe erinnern. Und nicht geizig sein wie ich mit Mutters Weihnachtsplätzchen, sondern sie gern weiterschenken. Und so auch in anderen die Erinnerung wecken und die Hoffnung.

Es grüßt Sie herzlich
Thomas Gertler SJ

14. Dezember 2016

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