Sie sind hier: {$rootlineLinkWrap}updateseele.de{$rootlineLinkWrap}Impuls der WocheWeihnachten entscheidet sich unterm Baum
DeutschEnglishFrancais

Der Wochenimpuls als Newsletter. Jeden Mittwoch. Pünktlich. Kostenlos. In Ihr Email-Postfach. Gleich HIER abonnieren!

Das Evangelium vom Zollbeamten Zachäus wird gelesen bei der Einweihung einer Kirche. Ich habe einmal eine Predigt gehört, worin gesagt wurde, dass der Maulbeerfeigenbaum die Kirche sei, von der aus man nach Jesus ausschauen kann. Das trifft sicher auf den Kirchturm zu. Aber der Satz, auf den es in der Stunde der Kirchweihe ankommt ist, dass Jesus in diesem Haus einkehrt und sagt: „Heute ist in diesem Haus das Heil geschenkt worden!“ Die Entscheidung passiert aber tatsächlich am Baum: Jesus, der im Laub den Zachäus sieht und anspricht und Zachäus, der voller Freude ist, dass er gesehen wird und angesprochen und des Besuches Jesu gewürdigt wird.

19 1 Dann kam er nach Jericho und ging durch die Stadt.

2 Dort wohnte ein Mann namens Zachäus; er war der oberste Zollpächter und war sehr reich.

3 Er wollte gern sehen, wer dieser Jesus sei, doch die Menschenmenge versperrte ihm die Sicht; denn er war klein.

4 Darum lief er voraus und stieg auf einen Maulbeerfeigenbaum, um Jesus zu sehen, der dort vorbeikommen musste.

5 Als Jesus an die Stelle kam, schaute er hinauf und sagte zu ihm: Zachäus, komm schnell herunter! Denn ich muss heute in deinem Haus zu Gast sein.

6 Da stieg er schnell herunter und nahm Jesus freudig bei sich auf.

7 Als die Leute das sahen, empörten sie sich und sagten: Er ist bei einem Sünder eingekehrt.

8 Zachäus aber wandte sich an den Herrn und sagte: Herr, die Hälfte meines Vermögens will ich den Armen geben, und wenn ich von jemand zu viel gefordert habe, gebe ich ihm das Vierfache zurück.

9 Da sagte Jesus zu ihm: Heute ist diesem Haus das Heil geschenkt worden, weil auch dieser Mann ein Sohn Abrahams ist.

10 Denn der Menschensohn ist gekommen, um zu suchen und zu retten, was verloren ist.

Seitwert Free counter and web stats


Weihnachten entscheidet sich unterm Baum

Vielleicht haben manche von Ihnen die Reklame plakatiert gesehen mit einem Weihnachtsbaum und dem Spruch: „Weihnachten entscheidet sich unter dem Baum“. Die werbende Firma verband damit die Botschaft: „Falls Sie in der Weihnachtszeit etwas kaufen und wir verkaufen nach dem 6. Januar das Produkt billiger, dann zahlen wir Ihnen die Differenz zurück.“ Nun, geblieben ist mir nicht so sehr dieses Versprechen, sondern die Formulierung „Weihnachten entscheidet sich unter dem Baum.“ Darüber, meine ich, lohnt sich ein wenig nachzudenken.

Was könnte wohl die erste Entscheidung unterm Baum sein. Am naheliegendsten: Liegt etwas unter dem Baum oder nicht. Also: Habe ich etwas geschenkt und mich beschenken lassen? Diese Entscheidung unterm Baum hat es schon in sich. Sie erinnert uns daran: Wie hältst Du es mit dem Schenken und mit dem Empfangen. Kannst Du schenken, kannst Du empfangen?

Dies ist ein Grundgesetz des Lebens, der menschlichen Beziehungen, der Liebe. Daran erinnert zu werden und den Sinn davon mehr zu verstehen, kann allemal sinn-voll sein. Und vielleicht könnte man auch sagen: Sage mir wie Du schenkst und ich sage Dir, wer Du bist. Im Schenken kann viel Menschenfreundliches liegen; viel Sensibilität füreinander: Was wird den Beschenkten wirklich freuen? Schenke ich die 21. Krawatte? Ist das Deodorant ein Vorwurf? Wäre das kostbarste Weihnachtsgeschenk nicht eine Kaffeemaschine unterm Baum, sondern wenn wir einander die Zeit schenken würden, bei einem langen Spaziergang und im gegenseitigen Gespräch?! Oder wär’s ein Gutschein über 10 Stunden Hilfe bei einer Arbeit? Oder, oder… – der Phantasie liebevollen Begegnens sollen nicht zu schnell Grenzen gesetzt werden. Weihnachten entscheidet sich unter dem Baum, wenn wir unser Schenken und Empfangen achtsam kultivieren.

Als ich diesem Gedanken nachgegangen bin, kam mir, man könnte einmal auf einige in der Bibel genannte Bäume schauen und sich fragen: Liegt da auch eine Entscheidung unterm dem Baum? Und kann uns dies etwas vom Geheimnis christlicher Weihnacht sagen:

Beginnen wir mit unserer kurzen Wanderung durch den biblischen Weihnachtswald mit dem Baum im Paradies, dem wohl berühmtesten Baum der Welt-, Religions- und Literaturgeschichte. Von diesem einen und einzigen Baum – dem des Wissens um Gut und Böse – so heißt es in der Pardiesgeschichte, hatte Gott verboten zu essen. Dies kann vieles bedeuten. Eines aber sicher auch: Der Mensch stand und steht vor der Frage, ob er sein Begrenztsein annehmen kann. Noch zugespitzter gesagt, vor der Frage: Muss ich sein wie Gott, um wirklich Mensch zu sein? Muss ich mich selber zu Gott machen, um Mensch zu sein? Menschsein bedeutet sicher auch, ins Unendliche hin ausgestreckt zu sein, aber eben auch und nicht zuletzt: Sich als Geschöpf annehmen zu können; zu schauen, wo „Grenzen des Wachstums“ menschenfreundlich sind. Oder zerstören wir uns selber und unsere Welt, weil wir – wie der Psychologe Horst Eberhard Richter es einmal nannte – einem „Gotteskomplex“ erlegen sind? Ist die Weihnachtsbotschaft dieses Baumes nicht: Menschwerdung hat viel mit dem Umgang mit Grenzen zu tun. Und: Wenn Gott sich nicht scheute, ganz menschlich zu sein, mit unseren Grenzen zu leben – warum sollten wir uns davor scheuen? Weihnachten entscheidet sich unterm Baum! Im Paradies und auf Erden.

Ein zweiter Baum könnte der des Nathanael sein. Die Szene sei kurz in Erinnerung gerufen: Freunde kommen zu Nathanael und sagen: Wir haben den Messias gefunden, Jesus von Nazareth. Nathanael ist äußerst skeptisch: „Was soll von Nazareth schon Gutes kommen?!“ Als Jesus dagegen zu ihm sagt „Ich habe Dich unter dem Feigenbaum gesehen“, da gerät Nathanael außer sich und bekennt enthusiastisch Jesus als den König Israels. Warum diese Wende? Das kann’s ja nun wirklich nicht nur gewesen sein, dass Jesus ihn vor der Begegnung schon unter einem Feigenbaum gesehen hat. Dieses Wort kann nur zünden – so phantasiere ich – wenn Nathanael in der Stunde, da er unterm Feigenbaum saß, ein ganz tiefes, innerliches, persönliches religiöses Erlebnis hatte – dann muss ihm der Atem stocken, wenn da einer mit bedeutungsvollen Ton sagt: „Unter dem Feigenbaum habe ich Dich gesehen!“ Vielleicht war er dort ganz verzweifelt mit seiner vergeblichen Suche nach Erlösung gesessen? Und da trifft er auf einen, den er ihn zum erstmals äußerlich sieht und von dem er sich im Innersten erkannt, gesehen, geschaut fühlt. – Wenn wir das einmal so deuten, hieße dann Weihnachten nicht: Weihnachten ist, wo ich im Innersten erkannt, mich von Gott berührt erfahre. Weihnachten ist, wo liebendes Erkennen zwischen Menschen und mit Gott geschieht. Wie und Wo auch immer. Weihnachten entscheidet sich – manchmal – bei einem Baum. Und manchmal ritzen Menschen da ein Herz ein.

Wir haben den Spaziergang durch den biblischen Weihnachtswald erst begonnen. Und müssen ihn schon bald aufhören. Es gäbe viele Bäume, unter denen durch den Geist Gottes Menschwerdung geschieht: Wenn Abraham und Sarah Fremdlinge als Gäste unter der Eiche bei Mamre einladen und ihnen Fruchtbarkeit geschenkt wird; wenn Jesus den Oberfinanzbeamten Zachäus vom Baum mit den Worten herunter ruft „Heut’ muss ich in Deinem Hause sein!“. Manchmal entscheidet sich Weihnachten nicht nur unter, sondern auch auf einem Baum, im Mut herabzusteigen und sich auf Begegnung einzulassen.

Ein Baum soll, ja muss noch wenigstens eines Blickes gewürdigt und nach seiner Botschaft befragt werden. Es ist der Baum des Kreuzes. Es ist der Baum des Kreuzbalkens unter den gebeugt Jesus seinen Weg der Liebe und Solidarität bis ans Ende geht; mit uns und für uns. Und wenn Jesus am Kreuz sagt: „Vater vergib Ihnen sie wissen nicht, was sie tun“ und wenn er sagt: „Heute noch, heute noch wirst du mit mir im Paradiese sein“  – dann führt er zurück zum Paradiesbaum des Lebens. Dann schenkt er Versöhnung. Dann entscheidet sich Weihnachten nicht nur unter, sondern am Baum. Und mitten in unserem Leben.

Es grüßt Sie sehr herzlich und wünscht noch weihnachtliche Tage und Gottes Segen und Geleit bei all den Entscheidungen und Schritten in Neuen Jahr

28.12.2011

Willi Lambert

Werden Sie Fan von update-seele bei facebook - Diskutieren Sie und tauschen Sie sich aus!