Sie sind hier: {$rootlineLinkWrap}updateseele.de{$rootlineLinkWrap}Impuls der WocheWas mich aus der Balance bringt...
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Der Text, der erzählt, wie die Balance zerstört wird und alles aus den Fugen gerät, ist das dritte Kapitel der Heiligen Schrift. Die Erzählung von der Verführung des Menschen. Und bitte achten Sie darauf, wie meisterlich hier Misstrauen gesät wird. Das funktioniert auch heute noch… Und durch das Misstrauen gehen dann alle Beziehungen kaputt und wir haben im Ergebnis unsere heutige Welt, wo das Paradies kaputt ist. Wo die Beziehungen zur Natur, die zwischen Mann und Frau, die zu Gott zerstört werden. Alles ist aus dem Gleichgewicht.

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Gen 3,1 Die Schlange war schlauer als alle Tiere des Feldes, die Gott, der Herr, gemacht hatte. Sie sagte zu der Frau: Hat Gott wirklich gesagt: Ihr dürft von keinem Baum des Gartens essen?

2 Die Frau entgegnete der Schlange: Von den Früchten der Bäume im Garten dürfen wir essen;

3 nur von den Früchten des Baumes, der in der Mitte des Gartens steht, hat Gott gesagt: Davon dürft ihr nicht essen und daran dürft ihr nicht rühren, sonst werdet ihr sterben.

4 Darauf sagte die Schlange zur Frau: Nein, ihr werdet nicht sterben.

5 Gott weiß vielmehr: Sobald ihr davon esst, gehen euch die Augen auf; ihr werdet wie Gott und erkennt Gut und Böse.

6 Da sah die Frau, dass es köstlich wäre, von dem Baum zu essen, dass der Baum eine Augenweide war und dazu verlockte, klug zu werden. Sie nahm von seinen Früchten und aß; sie gab auch ihrem Mann, der bei ihr war, und auch er aß.

7 Da gingen beiden die Augen auf und sie erkannten, dass sie nackt waren. Sie hefteten Feigenblätter zusammen und machten sich einen Schurz.

8 Als sie Gott, den Herrn, im Garten gegen den Tagwind einherschreiten hörten, versteckten sich Adam und seine Frau vor Gott, dem Herrn, unter den Bäumen des Gartens.

9 Gott, der Herr, rief Adam zu und sprach: Wo bist du?

10 Er antwortete: Ich habe dich im Garten kommen hören; da geriet ich in Furcht, weil ich nackt bin, und versteckte mich.

11 Darauf fragte er: Wer hat dir gesagt, dass du nackt bist? Hast du von dem Baum gegessen, von dem zu essen ich dir verboten habe?

12 Adam antwortete: Die Frau, die du mir beigesellt hast, sie hat mir von dem Baum gegeben und so habe ich gegessen.

13 Gott, der Herr, sprach zu der Frau: Was hast du da getan? Die Frau antwortete: Die Schlange hat mich verführt und so habe ich gegessen.

14 Da sprach Gott, der Herr, zur Schlange: Weil du das getan hast, bist du verflucht / unter allem Vieh und allen Tieren des Feldes. / Auf dem Bauch sollst du kriechen / und Staub fressen alle Tage deines Lebens.

15 Feindschaft setze ich zwischen dich und die Frau, / zwischen deinen Nachwuchs und ihren Nachwuchs. / Er trifft dich am Kopf / und du triffst ihn an der Ferse.

16 Zur Frau sprach er: Viel Mühsal bereite ich dir, sooft du schwanger wirst. / Unter Schmerzen gebierst du Kinder. / Du hast Verlangen nach deinem Mann; / er aber wird über dich herrschen.

17 Zu Adam sprach er: Weil du auf deine Frau gehört und von dem Baum gegessen hast, von dem zu essen ich dir verboten hatte: So ist verflucht der Ackerboden deinetwegen. / Unter Mühsal wirst du von ihm essen / alle Tage deines Lebens.

18 Dornen und Disteln lässt er dir wachsen / und die Pflanzen des Feldes musst du essen.

19 Im Schweiße deines Angesichts / sollst du dein Brot essen, / bis du zurückkehrst zum Ackerboden; / von ihm bist du ja genommen. / Denn Staub bist du, zum Staub musst du zurück.

20 Adam nannte seine Frau Eva (Leben), denn sie wurde die Mutter aller Lebendigen.

21 Gott, der Herr, machte Adam und seiner Frau Röcke aus Fellen und bekleidete sie damit.

22 Dann sprach Gott, der Herr: Seht, der Mensch ist geworden wie wir; er erkennt Gut und Böse. Dass er jetzt nicht die Hand ausstreckt, auch vom Baum des Lebens nimmt, davon isst und ewig lebt!

23 Gott, der Herr, schickte ihn aus dem Garten von Eden weg, damit er den Ackerboden bestellte, von dem er genommen war.

24 Er vertrieb den Menschen und stellte östlich des Gartens von Eden die Kerubim auf und das lodernde Flammenschwert, damit sie den Weg zum Baum des Lebens bewachten

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Was mich aus der Balance bringt... 

Wir sprechen ja klassischerweise von den fünf Sinnen. Es gibt aber mehr als die fünf. Es gibt sogar mehr als den sechsten und den siebten Sinn. Ein sehr entscheidender ist der Gleichgewichtssinn oder die Balance. Er ist uns so sehr selbstverständlich, dass wir ihn meist gar nicht beachten. Aber wehe, er funktioniert einmal nicht. Relativ harmlos hat das wohl schon jede/r einmal erlebt auf dem Rummelplatz im Karussell oder beim Tanz oder nicht ganz so harmlos, wenn man zu viel getrunken hat und man nicht mehr grade gehen kann. All das ist noch im Bereich des Normalen und Alltäglichen. Aber wenn man mal durch Krankheit oder eine andere Ursache ernsthaft in seinem Gleichgewicht gestört ist, das ist ganz erschreckend. Ich torkele herum. Ich kann keinen Schritt tun, ohne mich irgendwo fest zu halten. Ich will anders und kann nicht. Ein furchtbares Ohnmachtsgefühl. Ganz schlimm ist es, wenn der Schwindel nicht einmal im Bett aufhört. Oft ist die Beeinträchtigung des Gleichgewichtes noch mit Übelkeit und Kopfschmerzen verbunden. 

Erst wenn einem so etwas einmal passiert, weiß man, wie wichtig und wesentlich der Gleichgewichtssinn ist. Ja, dass ohne ihn das Leben fast nicht zu führen ist. Das gilt auch im übertragenen Sinn oder anders gesagt, den Gleichgewichtssinn gibt es nicht nur im körperlichen, sondern auch im geistigen und im geistlichen Sinn. Das geht von der ausgewogenen Ernährung, über die ausgewogene Berichterstattung in den Medien und die Ausgewogenheit in der Wirtschaft und innerhalb der Gesellschaft bis hin zum Gleichgewicht zwischen den Tarifparteien, zwischen den Volksgruppen, innerhalb der Völkerfamilien.

Wenn etwas nicht nur mal kurz ins Stolpern kommt, sondern ernsthafter aus dem Gleichgewicht gerät, dann hat das Auswirkungen auf alle. Und zum Teil heftige. Die größte Gefahr droht für die Menschheit heute, wenn das ausbalancierte System des Klimas und der Ökologie unwiderruflich ins Schleudern kommt. Einiges von den bedrohlichen Anzeichen bemerken wir ja schon. Aber dann wird unser Leben auf der Erde nicht mehr möglich sein. 

Es ist eine große Frage, was die letzten Ursachen für die Störungen sind. Sind sie in dem zu suchen, was das Zweite Vatikanische Konzil sagte? „In Wahrheit hängen die Störungen des Gleichgewichts, an denen die moderne Welt leidet, mit jener tiefer liegenden Störung des Gleichgewichts zusammen, die im Herzen des Menschen ihren Ursprung hat.“ (GS 10) Hängt also das Ungleichgewicht der Welt an meiner inneren Unausgeglichenheit? Alles das, was in Wirtschaft, Staat, Gesellschaft, in Kultur und Medien aus der Balance ist, das hat seine Ursache in der Unausgewogenheit, an der Unwucht meines Herzens und der aller anderen auch. Und wenn ich möchte, dass es insgesamt wieder mehr Ausgeglichenheit und Balance gibt, dann fängt das bei mir an. 

Denn wie sagt Jesus? „Von innen, aus dem Herzen der Menschen, kommen die bösen Gedanken, Unzucht, Diebstahl, Mord, Ehebruch, Habgier, Bosheit, Hinterlist, Ausschweifung, Neid, Verleumdung, Hochmut und Unvernunft“ (Mk 7,21). Es sind nicht zuerst die gesellschaftlichen Verhältnisse, sondern zuletzt tatsächlich unsere Herzen, die die Ursache sind, auch für ganz viele der ökologischen Probleme. 

Es ist das, was Jesus da nennt, was mich und was uns aus der Balance bringt. Und worin haben alle diese bösen Taten ihren Grund? Im Misstrauen und in der Angst, die das Misstrauen mit sich bringt. Misstrauen zerstört alle menschlichen Beziehungen. Misstrauen macht mein Verhältnis zu meinen Mitmenschen kaputt. Misstrauen führt zur Angst um mich selbst. Niemand kümmert sich um mich, sorgt für mich, liebt mich. Ich muss mich um mich selbst kümmern, für mich selbst sorgen. Je intensiver ich das tue und mich selbst an die erste Stelle setze, umso weniger kann ich mich selbst lieben und annehmen. Denn das kann ich nur, wenn ich andere liebe und annehme und daraus dann auch mich selbst. Ich komme aus der Balance.  

Jeder hat dann noch spezielle Bereiche, wo er besonders gefährdet ist in seinem Gleichgewicht. Das hat am eindrucksvollsten Fritz Riemann mit seinen „Grundformen der Angst“ beschrieben. Der eine hat Angst davor, dass ihm andere zu nahe kommen könnten. Er zieht sich in sich selbst zurück. Und stirbt an Vereinsamung. Die andere Grundangst besteht darin, nicht wirklich geliebt und angenommen zu sein. Dieser Mensch sucht Nähe und Liebe um jeden Preis und gerät so aus der Balance. Ein dritter hat Angst davor, dass sich etwas ändern könnte und alles in Unordnung gerät. Er klammert sich an Vorschriften und Paragraphen. Der vierte hat gerade davor Angst, dass er in einer unwandelbar festgefügten Welt eingemauert ist und sich nie mehr etwas ändern wird. Da liegt meine spezielle Gefahr – und so schaffe ich mir immer die Unordnung und Veränderung, die ich brauche. Und bin in Gefahr, nichts zu Ende zu bringen, nie konsequent zu sein. Vielleicht kennen Sie ja auch solche Typen... 

Sie können ja einmal nachdenken, welche der Ängste am ehesten die Ihre ist. Wo Sie am ehesten aus dem Gleichgewicht geraten und zu schwindeln anfangen... 

Hier ist dann auch der Ansatz, wieder in die Mitte und in die Ausgewogenheit zu kommen, aber darüber schreibe ich Ihnen in einer Woche. Jetzt wünsche ich Ihnen erst einmal, mit Humor und ohne Verurteilung oder Verzweiflung auf Ihren „Schwindel“ zu schauen

08.02.2011 

Thomas Gertler SJ     

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