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Die klassische Schriftstelle für die Meditation und die kontemplative Lebensweise ist die folgende von Maria und Marta. Oft wurde dabei die Kontemplation gegenüber der Aktion höher bewertet. Da muss man aber vorsichtig sein. Denn die Kontemplation soll auch in die Aktion münden. Wie sich die christliche Aktion aus der Meditation speisen soll. Das ist wie Einatmen und Ausatmen, wie Ebbe und Flut zu denken.

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Lk 10, 38-42

10,38 Sie zogen zusammen weiter und er kam in ein Dorf. Eine Frau namens Marta nahm ihn freundlich auf. 39 Sie hatte eine Schwester, die Maria hieß. Maria setzte sich dem Herrn zu Füßen und hörte seinen Worten zu. 40 Marta aber war ganz davon in Anspruch genommen, für ihn zu sorgen. Sie kam zu ihm und sagte: Herr, kümmert es dich nicht, dass meine Schwester die ganze Arbeit mir allein überlässt? Sag ihr doch, sie soll mir helfen! 41 Der Herr antwortete: Marta, Marta, du machst dir viele Sorgen und Mühen. 42 Aber nur eines ist notwendig. Maria hat das Bessere gewählt, das soll ihr nicht genommen werden.

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© Foto: Louwrents - CC BY-SA 3.0


Was ist Meditation?

Zuerst ein Witz:

„Zwei Frauen unterhalten sich:

Was macht denn eigentlich Ihr Sohn?

Ach, der macht jetzt in Meditation.

Was ist denn das?

Ja, das weiß ich auch nicht so genau. Auf jeden Fall besser als das dauernde Rumsitzen und Nichtstun.“

Jetzt sind hoffentlich nicht alle beleidigt, denen die tägliche Meditation sehr wichtig, ja heilig ist. Ich musste sehr lachen, als ich diesen Witz gehört habe. Und das dürfen auch alle, denen ihre Meditation die große Lebenshilfe ist. Denn ihnen bekommt sicher bekannt vor, was der Witz erzählt: rum sitzen und nichts tun.

Viele wissen nicht, was Meditation ist und für alle die sieht es von außen genau so aus: rum sitzen und nichts tun. Und das wichtigste beim Meditieren ist auch tatsächlich das Sitzen und nichts Tun, nur ist es eben kein rum sitzen, sondern ein ganz bewusstes Sitzen. Ein Sitzen mit Haltung. Und ein bewusstes Atmen. Und ein ruhig werden, bis zum ruhig werden auch der Gedanken und Gefühle. Ein Eintauchen in den Frieden. Danach sehnen sich viele. Aber das geschieht nicht sofort. Je unruhiger und je mehr unter ständiger Musik oder unter ständigem Medienkonsum ich lebe, je schwieriger ist es, tatsächlich erst einmal nur in die Stille und dann - noch eine ganze Weile später - in den Frieden zu kommen.

Meditieren hat es mit Sitzhaltung und Atem zu tun. Die beiden wichtigsten methodischen Hinweise sind dabei, dass ich erstens aufrecht sitze. Damit ist gemeint, dass normalerweise der menschliche Körper so gebaut ist, dass das Rückgrat in seinen einzelnen Wirbeln so aufeinander ruhen kann, dass ich keine Lehne brauche. Dass es sich in der natürlichen leichten S-Form gerade halten kann und zwar über längere Zeit. So lange ich so aufgerichtet bleibe, ohne steif wie ein Stock zu sein, so lange schlafe ich nicht ein. Ich schlafe dann ein, wenn ich zusammen sinke. Und genauso wichtig ist das Zweite, nämlich das Atmen. Ich soll so gerade sitzen, dass auch mein Atem gut fließen kann. Und zwar bis hinunter in den Bauch. Das muss ich spüren können. Also soll der Bauch nicht eingezwängt sein durch Kleidung oder Sitzhaltung. Die Knie sollen nicht höher als die Hüften sein, wie das leider bei den meisten Sesseln der Fall ist. Der Stuhl soll möglichst waagerecht sein, auf jeden Fall nicht nach hinten abkippen und mich gegen die Lehne drücken. Da hilft oft eine gefaltete Decke.

Das sind nach meiner Meinung die wichtigsten methodischen Hinweise. Es muss nicht der Lotussitz sein. Aber auch dieses einfache aufrechte Sitzen und Atmen bis in den Bauch hinein muss ich üben, übern, üben. Es geht nicht gleich. Aber es geht mit der Zeit. Und es geht immer leichter. Natürlich hilft es, wenn ich es mit anderen zusammen tue und auch mal Hinweise auf Körperhaltung und Atem bekomme.

Ja, und dann? Ja, dann ist es schon wieder sehr, sehr verschieden, was Meditation ist, je nachdem aus welcher Schule, aus welcher Religion sie kommt. Denn Meditation gibt es in allen Hochreligionen. Auch Methoden und Körperhaltungen können sehr verschieden sein. Aber die beiden Grundelemente: gerade Sitzen und Atmen gehören wohl immer dazu.

Inhaltlich kann es sehr verschieden sein. Es reicht vom Meditieren einer Bibelstelle weiter bis zum bloßen inneren Aussprechen des Namens Jesu und hin zu einer reinen Gegenwart in Gott ohne Nachdenken auf christlicher Seite. Oder hin zur gegenstandslosen Leere in östlichen Religionen.

Oder auch dorthin, worin Reiner Kunze Meditation sieht:

MEDITIEREN

Was das sei, tochter?

Gegen morgen

Noch am schreibtisch sitzen, am hosenbein

Einen nachtfalter der

Schläft

Und keiner weiß vom anderen

(Aus: BRIEF MIT BLAUEM SIEGEL, Leipzig: Reclam 1973, 59)

Und ich füge von mir aus hinzu: Und einer weiß von beiden.

Es grüßt Sie herzlich
Thomas Gertler SJ

7. Mai 2014

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