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Die Jünger haben auch zuerst gefragt: „Was bringt mir’n das? Was habsch’n davon?“ Sie wollen Karriere machen und richtig absahnen. Jesus musste ihnen mühsam und langsam beibringen, dass ihr Denken anders sein soll. Er schickt sie nicht weg. Er vertraut darauf, dass sie eines Tages anders denken, nein, dass sie sich in das Denken und Handeln Jesu wahrhaft hineinversetzen werden.

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Mk 10,35 Da traten Jakobus und Johannes, die Söhne des Zebedäus, zu ihm und sagten: Meister, wir möchten, dass du uns eine Bitte erfüllst.

36 Er antwortete: Was soll ich für euch tun?

37 Sie sagten zu ihm: Lass in deinem Reich einen von uns rechts und den andern links neben dir sitzen.

38 Jesus erwiderte: Ihr wisst nicht, um was ihr bittet. Könnt ihr den Kelch trinken, den ich trinke, oder die Taufe auf euch nehmen, mit der ich getauft werde?

39 Sie antworteten: Wir können es. Da sagte Jesus zu ihnen: Ihr werdet den Kelch trinken, den ich trinke, und die Taufe empfangen, mit der ich getauft werde.

40 Doch den Platz zu meiner Rechten und zu meiner Linken habe nicht ich zu vergeben; dort werden die sitzen, für die diese Plätze bestimmt sind.

41 Als die zehn anderen Jünger das hörten, wurden sie sehr ärgerlich über Jakobus und Johannes.

42 Da rief Jesus sie zu sich und sagte: Ihr wisst, dass die, die als Herrscher gelten, ihre Völker unterdrücken und die Mächtigen ihre Macht über die Menschen missbrauchen.

43 Bei euch aber soll es nicht so sein, sondern wer bei euch groß sein will, der soll euer Diener sein,

44 und wer bei euch der Erste sein will, soll der Sklave aller sein.

45 Denn auch der Menschensohn ist nicht gekommen, um sich dienen zu lassen, sondern um zu dienen und sein Leben hinzugeben als Lösegeld für viele.

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Was bringt mir’n das?

So habe ich es oft von Jugendlichen gehört, noch dazu im echten thüringischen Dialekt. Oft in der Zusammenstellung: „Was habschn davon? Was bringt mir’n das?“ In diesen beiden Sätzen kommt irgendwie eine ganze Weltsicht und eine Lebenseinstellung zum Ausdruck. Da gibt es keine Begeisterung für irgendwas außer für Freibier oder ne Runde eschte Thieringer Rostbräätl. Ich weiß nicht, ob das jetzt genau der Erfurter Blumenkohl-Dialekt ist. Aber Sie kennen das vielleicht auch in Ihrem Heimatdialekt. Und in jeder Gegend klingt das anderes. Aber in jeder Gegend gibt es den Ausdruck für eine ähnliche Einstellung. Die Reduktion auf die Grundbedürfnisse. Essen, Trinken und ein Wort mit S.

Und da bin ich dann aber auch oft echt erstaunt, welche Kennerschaft es bei Bier geben kann oder den Thüringer Rostbräteln oder der Schwarzwälder Kirschtorte. Ja, da können sich manche den ganzen Nachmittag drüber unterhalten: „Also weißt du noch bei der Silberhochzeit von den Obermeiers. Also da hatten die ein Kuchenbüffet! Besonders diese eine Sorte von Schokoladen-Baiser-Torte!“ „Nein, mir hat diese Eierlikörtorte am besten geschmeckt.“ Und so weiter. Nicht, dass ich nicht gern äße. Das kann man schon auf meinem Foto sehen. Aber wenn darin eigentlich der Hauptlebensinhalt besteht in dem „Was habsch’n davon? Was bringt mir’n das?“ Dann ist das einfach zu einfach.

Und nach meiner Erfahrung macht es nicht glücklich. Im Gegenteil. Die Einstellung macht grundsätzlich unzufrieden. Denn es genügt ja doch nie wirklich. Und es ist immer ein Haar in der Suppe oder das Brätl ist versalzen. Und ich bin immer abhängig davon, etwas von etwas oder von jemandem zu bekommen. Diese Einstellung ist die Einstellung des Bedürftigen, der auch nichts geben kann. Der Mensch ist da nur Mängelwesen, dem immer was fehlt. Das was braucht oder haben will, aber nichts wirklich geben kann oder geben will. Schon das Gesicht, das ich ziehe, zeigt die Unzufriedenheit. Sagen Sie es jetzt mal selbst so richtig mit Fleppe, also mit vorgeschobener und runtergedrückter Unterlippe: „Was habsch’n davon? Was bringt mir’n das?“ Da spürt man selbst diese Verweigerungshaltung.

Das was uns über diese mit den Tieren gemeinsamen Grundbedürfnissen erhebt, das ist etwas, was wir schon als kleine Kinder einüben und was interessant und spannend und eigentlich zutiefst menschlich ist, nämlich mit der Puppe zu spielen oder mit dem Auto oder heute vielleicht eine Weltraumstation aus Lego zu bauen oder Dinos zu sammeln. Was das Spielen eigentlich einübt, ist, sich in eine Person oder in eine Sache hineinzuversetzen. Also jetzt die Mutter oder einen Cowboy zu spielen oder als T-Rex meine Zähne zu fletschen. Das ist das, was typisch menschlich ist, ganz bei der Sache oder ganz beim anderen sein. Also nicht bei sich und seinen Grundbedürfnissen zu bleiben, sondern aus sich heraus zu gehen und ganz beim anderen zu sein.

Wenn ich das bin, ganz bei der Sache oder ganz beim anderen, dann bin ich auch ganz glücklich. Ich merke gar nicht, wie die Zeit vergeht. Ich male mein Bild. Ich lese mein Buch. Ich spiele Klavier. Ich spreche mit einem Menschen, der mir seine Geschichte erzählt und bin ganz dabei. Ich kann das auch Liebe nennen. Dieses aus sich heraus gehen und beim anderen sein. Das ist das, was wir Menschen können. Personen und Dinge nicht nur darauf hin anzusehen, was sie mir bringen, ob sie mir nützen, ob sie mir schaden. Nein, sie zu sehen und zu verstehen, wie sie in sich selbst sind. Mit dem anderen zu fühlen. Sympathie zu haben, was wörtlich „Mitleid“ heißt. Oder barmherzig zu sein. Wir sagen interessanterweise auch: „menschlich“ zu sein.

Wenn Sie diese Fähigkeit zu „sachgerechtem“ und „persongerechtem“ Handeln üben, dann werden Sie nicht nur den Sachen, Verhältnissen, Dingen, der Schöpfung gerecht, dann werden Sie nicht nur den anderen Menschen gerecht, dann wachsen Sie auch über sich selbst hinaus ins Menschliche. Und das bringt Ihnen wirklich was. Und da haben dann nicht nur Sie etwas davon, sondern alle. Die Zukunft der Welt wird davon abhängen, ob wir in diese eigentlich menschliche Dimension hineinwachsen.

Und denken Sie daran, dass das sogar Gottes Freude ist, sich in die Welt, sich in uns hineinzuversetzen, so sehr, dass Gott sogar selbst Mensch wird, dass er ganz und gar an unserem Schicksal teilnimmt. Bis hinein in unsere Endlichkeit und Sterblichkeit, in unsere Ohnmacht und Armut und Schuld. Da wird dieses Hineinversetzen zur Passion. „Lieben, bis es weh tut“, hat Mutter Theresa einmal gesagt.

Es grüßt Sie herzlich

27. März 2012

Thomas Gertler SJ

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