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Nicht erst heute stellt sich die Frage nach dem Sinn des Lebens. Schon in den Zeiten des Alten Testamentes gibt es sie und da verankert sich der Mensch in Gott. Er ist der, der mir Leben gibt, mich schützt und mir Licht und Freude gibt. So bezeugt es uns der Psalm 27.

© Foto: Boris Štromar / CC BY 3.0

Ps 27,1-14

27,1 Der Herr ist mein Licht und mein Heil: / Vor wem sollte ich mich fürchten? Der Herr ist die Kraft meines Lebens: / Vor wem sollte mir bangen?
2 Dringen Frevler auf mich ein, / um mich zu verschlingen, meine Bedränger und Feinde, / sie müssen straucheln und fallen.
3 Mag ein Heer mich belagern: / Mein Herz wird nicht verzagen. Mag Krieg gegen mich toben: / Ich bleibe dennoch voll Zuversicht.
4 Nur eines erbitte ich vom Herrn, / danach verlangt mich: Im Haus des Herrn zu wohnen / alle Tage meines Lebens, die Freundlichkeit des Herrn zu schauen / und nachzusinnen in seinem Tempel.
5 Denn er birgt mich in seinem Haus / am Tag des Unheils; er beschirmt mich im Schutz seines Zeltes, / er hebt mich auf einen Felsen empor.
6 Nun kann ich mein Haupt erheben / über die Feinde, die mich umringen. Ich will Opfer darbringen in seinem Zelt, Opfer mit Jubel; / dem Herrn will ich singen und spielen.
7 Vernimm, o Herr, mein lautes Rufen; / sei mir gnädig und erhöre mich!
8 Mein Herz denkt an dein Wort: «Sucht mein Angesicht!» / Dein Angesicht, Herr, will ich suchen.
9 Verbirg nicht dein Gesicht vor mir; / weise deinen Knecht im Zorn nicht ab! / Du wurdest meine Hilfe. Verstoß mich nicht, verlass mich nicht, / du Gott meines Heiles!
10 Wenn mich auch Vater und Mutter verlassen, / der Herr nimmt mich auf.
11 Zeige mir, Herr, deinen Weg, / leite mich auf ebener Bahn trotz meiner Feinde!
12 Gib mich nicht meinen gierigen Gegnern preis; / denn falsche Zeugen stehen gegen mich auf und wüten.
13 Ich aber bin gewiss, zu schauen / die Güte des Herrn im Land der Lebenden.
14 Hoffe auf den Herrn und sei stark! / Hab festen Mut und hoffe auf den Herrn!

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© Bild: Benjamin Weiß


Warum überhaupt an Gott glauben?

"Die Welt ist eine Quantenstörung in einem sich ausbreitenden Nichts!" Die Ausdehnung des Universums wird schließlich dazu führen, dass das Nichts siegen und gar nichts übrig bleiben wird. In 10^18 Jahren (eine Zahl mit 18 Nullen!) wird der letzte Stern in unserem Universum sein letztes Licht aushauchen. Schließlich wird die Entropie (=Bewegung der Elementarteilchen) dazu führen, dass jedes einzelne Atom ein Universum für sich bilden wird: Klappe zu – Affe tot. Die Vorstellung einer Welt als einzigartige Quantenstörung, die sich immer weiter ausdehnt, bis zum Schluss nichts mehr übrig bleiben wird, ist für mich sehr befremdlich. Es ist eine Vorstellung, die mich ängstigt.

Die Welt, die wir kennen, alle glücklichen Momente – einfach nur Zufall? Eine Laune der Natur? Im Anbetracht des unendlichen Nichts absolut unbedeutend?

Natürlich kann es sein, dass die Religionskritiker schon immer Recht hatten, dass die Welt wirklich nur eine vorübergehende Störung ist, die sich aber wieder selber ausgleicht. Aber – wie wahrscheinlich soll das sein? Als Theologe kann ich die physikalischen Entwicklungen nicht bestreiten, dazu bin ich nicht qualifiziert. Aber ich kann über die Sinnhaftigkeit unseres Daseins nachdenken: Die Frage, weshalb die Welt mit all ihrer Schönheit und Ihrer Unvollkommenheit sich uns Menschen so zeigt, wie sie ist: Meiner Überzeugung nach kann das kein Zufall sein. Ich halte es für schlicht unwahrscheinlich! Ein kleines Beispiel:

Jeder erwachsene Mensch besteht aus ca. 10^14 (eine Zahl mit 14 Nullen!) Zellen. Wie wahrscheinlich ist es, dass Sie lieber Leser bei dieser unvorstellbar hohen Zahl genau so aussehen, wie Sie aussehen und kein bisschen anders? Soll das Zufall sein? Denken Sie nun einmal an Ihre Freunde... Sind Sie nur aus Zufall mit diesen Menschen befreundet? Oder gibt es bei Ihren Freunden einen Wesenszug, den Sie besonders schätzen? Ist das auch nur ein Zufall?

Als Sie sich das letzte Mal mit Ihren Freunden/ Ihrer Familie getroffen haben und Sie sich absolut glücklich gefühlt haben: Soll das auch nur ein Zufall gewesen sein?

Wenn wir uns darauf verständigen können, dass es Gott – allein weil es wahrscheinlicher ist – gibt, können wir darüber nachdenken, wie er sein könnte: Dabei geht es nicht darum, irgendwelche konkreten Bilder, die den Anspruch auf Vollständigkeit hätten, zu entwickeln – dazu sind wir in unserer menschlichen Wahrnehmung wahrscheinlich überhaupt nicht in der Lage – sondern eine irgendwie gefasste abstrakte Vorstellung:

Was aber können wir von Gott überhaupt wissen, wenn wir Gott wissenschaftlich nicht beweisen können? Halten wir uns an die Fakten: Zur Eigenschaft des Menschseins zählt die Fähigkeit, mit Hilfe unserer Vernunft nachdenken zu können. Zumindest für die meisten Menschen in Deutschland gilt, dass wir hier in Freiheit leben können. Niemand zwingt uns zu etwas, wir haben die Möglichkeit, uns einen Beruf auswählen zu können, zu studieren, unsere Freizeit zu gestalten usw. Wenn es also Gott gibt, dann wird es also einer sein, der uns diese Freiheit zuspricht. Eine Freiheit, mit unserem Leben etwas anzufangen...

Wenn wir also frei sind – warum brauchen wir dann Gott noch?
Mit der Vernunft – die uns Menschen zu eigen ist – besitzen wir auch die Fähigkeit, über unsere Erscheinungswelt hinaus nach dem Unbedingten zu fragen, nach dem, was unsere Vernunft übersteigt. Die Fragen scheinen einfach, sind aber nur schwer zu beantworten: Was ist der Mensch? Wo gehen wir hin? Wo kommen wir her? Wie können wir unser Leben gestalten? Empirisch (=naturwissenschaftlich) lassen sich diese Fragen nicht beantworten: Wohl aber mit der Hoffnung auf die Existenz eines liebenden Gottes. Was hat das mit meiner Freiheit zu tun? Falls ich Herr über mein eigenes Leben sein will und behaupte, dass diese Fragen vollständig unwichtig seien (einige meiner Schüler tun dies), so werde ich mich spätestens dann, wenn mein kurzes Gastspiel auf Erden endet, wieder mit diesen Fragen konfrontieren: War mein Leben bedeutungslos? Ist mit dem Tot alles vorbei? Sicher: Religionskritiker wie Richard Dawkins würden behaupten, dass wir in das bedeutungslose "Nichts" zurückkehren, aus dem wir nach seiner Auffassung stammen. Die Freiheitsfrage hätte demnach scheinbar nichts mit der Existenz Gottes zu tun: Aber: Die Vorstellung, dass am Ende aller Zeiten mein Leben im dunklen Nirgendwo verpufft, keine Bedeutung hat, bleibt für mich unvollständig und unbefriedigend:

Gottes Dasein ermöglicht mir meine Freiheit und gibt meinem Leben Sinn.

Benjamin Weiß
(Diplomtheologe, Staatsexamen in Kath. Religion und Biologie, Lehrer im Vorbereitungsdienst an der Leibniz Schule in Offenbach/M)

28. Mai 2014

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