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Die Schriftstelle des Evangelischen Kirchentages von Hamburg „Soviel du brauchst…“ (Ex 16.18) passt gut zum Thema. Diese Geschichte von den Israeliten, die durch die Wüste ziehen - durch das Land der Versuchungen und Ängste, aber auch durch das Land der besonderen Nähe Gottes - , will uns Mut machen, auf den Gott zu vertrauen, der weiß, was wir brauchen (Mt 6,8) und der uns so viel gibt, wie wir brauchen. In der Wüste gibt er ihnen das Manna, das Brot vom Himmel. Es reicht für alle und es kommt nichts um.

© Brot für die Welt


Ex 16,14 Als sich die Tauschicht gehoben hatte, lag auf dem Wüstenboden etwas Feines, Knuspriges, fein wie Reif, auf der Erde.

15 Als das die Israeliten sahen, sagten sie zueinander: Was ist das? Denn sie wussten nicht, was es war. Da sagte Mose zu ihnen: Das ist das Brot, das der Herr euch zu essen gibt.

16 Das ordnet der Herr an: Sammelt davon so viel, wie jeder zum Essen braucht, ein Gomer [Hohlmaß - wohl zwei Liter] je Kopf. Jeder darf so viel Gomer holen, wie Personen im Zelt sind.

17 Die Israeliten taten es und sammelten ein, der eine viel, der andere wenig.

18 Als sie die Gomer zählten, hatte keiner, der viel gesammelt hatte, zu viel und keiner, der wenig gesammelt hatte, zu wenig. Jeder hatte so viel gesammelt, wie er zum Essen brauchte.

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© Thomas Gertler


Vorsicht Falle!

Eine junge Frau sitzt vor mir. Sie klagt ihr Leid: „Kein Partner will bei mir bleiben. Immer hauen die Herren nach kurzer Zeit ab. Dabei möchte ich so gern Nähe und Gemeinschaft. Und ich gebe mir so viel Mühe dabei. Opfere alle meine freie Zeit. Versuche alles, damit er es schön hat und bleibt. Aber nein. Auch er haut wieder ab. Es gibt wohl nur eine Lösung. Ich muss ihn einfach fester binden.

Vorsicht Falle! Liebes Mädchen, je fester du hältst, umso schneller ist er entflohen. Das ist wie die nasse Seife im Bad. Je fester du sie drückst, umso weiter springt sie fort.

Die Falle besteht darin, dass Du aus deiner Not genau den falschen Schluss ziehst. Weil sie mir immer weg laufen, muss ich noch fester halten. Ist ja logisch. Aber genau falsch. Die Herren laufen gerade weg, weil Du sie festbindest. Je fester Du Dich an den Partner klammerst, um so heftigere Fluchtgedanken rufst Du bei ihm hervor. Also nicht klammern, sondern loslassen. Nicht fesseln, sondern freilassen. Und siehe da, er bleibt da. Er fühlt sich wohl und frei.

Vorsicht. Nächste Falle!

Ich lebe gern. Ich esse gern. Es schmeckt mir. Ich kann genießen. Ich bin ein lustiger Mensch. Lust und Vergnügen, Spaß und Freude sind meine wichtigsten Motive. Meine Falle heißt: Mehr ist besser. Immer nehme ich einen Löffel zu viel. Das geht ganz automatisch und ohne Überlegung. Und das gilt nicht nur für das Essen. Es gilt für alles Vergnügen, sogar oft für die Arbeit. Und die Falle besteht darin, dass ich so gerade das Vergnügen, die Freude zerstöre. Ich esse dann zu schnell und zu viel. Ich genieße gar nicht richtig. Ich kann einen Mitbruder gut verstehen, der von sich sagte: Ich kenne nur zwei Zustände: entweder habe ich Heißhunger oder mir ist schlecht...

Also wieder merken: Die Falle besteht darin, dass ich genau das Gegenteil von dem erreiche, was ich eigentlich will. Ich möchte Genuss und Freude und schaffe mir Überdruss und Ekel. Oder bei der jungen Dame. Ich möchte nahe Gemeinschaft und produziere Trennung.

Drittes Beispiel. Ein Mann, der sehr führungsbegabt ist und auch bereit ist zum Leiten. Groß und stark und souverän. Er übernimmt Führung. Er trägt Verantwortung. Er tut es gern. Nach ein paar Jahren sieht es so aus. Er hat drei Leitungsposten zugleich. Er kommt zu jeder Sitzung zu spät, weil er gerade aus einer anderen kommt. Bei der Sitzung schläft er ein. Dafür geht er früher weg, weil schon wieder ein Termin wartet. Alle hassen ihn dafür. Gerade weil er gern Führung und Verantwortung übernimmt, verliert er sie mehr und mehr. Weil er alles leiten, kontrollieren und in der Hand behalten will und nichts loslassen kann, verliert er alles. Er wird als Führungsfigur untragbar und wird abgelöst. Tragisch. Und typische Falle.

Vielleicht kennen Sie auch solche Geschichten? Bei anderen leicht zu durchschauen und auch die Lösung leicht zu erkennen. Für die Betroffenen oft sehr schwer, sehr schwer. Erstens zu erkennen und zu akzeptieren. Zweitens besser damit umzugehen.

Die Falle ist eine falsche Lösung für berechtigtes Bedürfnis, für eine Sehnsucht, für eine Gabe. Alle diese genannten Fallen haben es auch mit Vertrauen und mit Loslassen oder Selbermachen zu tun. Die junge Frau – sie gleicht Maria von Magdala, die Jesus holen und festhalten will (Joh 20,13-18) – sie wird frei, wenn sie loslässt und vertraut, dass der Geliebte nicht wegläuft, wenn sie ihn frei lässt. Der wie ich nach dem Grundsatz lebt: „Mehr ist besser“, muss darauf vertrauen lernen, dass genug da ist, dass er bekommt, was er braucht. Ja, dass er richtig froh wird, wenn er versteht und lebt, dass weniger mehr ist. Der Führungstyp muss darauf vertrauen, dass auch andere einen Job gut machen können und er delegieren darf und dass er besser leitet, wenn er andere mit hinein nimmt und Verantwortung abgibt. Und insofern hat der bessere Umgang mit Fallen damit zu tun, dass ich nicht meinen Urängsten nachgebe – vor dem Verlassenwerden, vor dem Mangel und der Leere, vor dem Zusammenbruch und der Ohnmacht, sondern vertraue, dass Gott da ist und mir gibt, was ich brauche.

Finden Sie einmal heraus, was es denn bei Ihnen ist und üben Sie das Vertrauen, dass Gottes Hand Sie hält und alles Not-Wendige für Sie bereithält.

22. Mai 2013

Es grüßt Sie herzlich
Thomas Gertler SJ

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