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Weil der Bibeltext aus Genesis 1,1: „Der Geist Gottes schwebte (brütete) über den Wassern…“ so sehr kurz ist, habe ich Ihnen das schöne alte Lied: „veni creator spiritus“ in der Übersetzung von Angelus Silesius hierher gestellt. In der Zeit nach Ostern bitten und rufen wir nach dem Geist Gottes, der das Antlitz der Erde und unser Antlitz erneuern und strahlen machen möge.

© Foto: Sailko - CC BY-SA 3.0


Komm, Heilger Geist, o Schöpfer du,
sprich den bedrängten Seelen zu:
erfüll mit Gnaden, süßer Gast,
das Herz, das du geschaffen hast.

Der du der Tröster bist genannt,
des allerhöchsten Gottes Pfand,
du Liebesglut, du Lebensbronn,
du Herzenslabung, Gnadensonn.

Du siebenfaches Gnadengut,
du Hand des Herrn, die Wunder tut;
du lösest aller Zungen Band,
gibst frei das Wort in alle Land.

Zünd unsern Sinnen an dein Licht,
erfüll uns mit der Liebe Pflicht,
stärk unser schwaches Fleisch und Blut
mit deiner Gottheit Kraft und Glut.

Den Feind aus unsrer Mitte treib,
mit deinem Frieden bei uns bleib,
führ’ uns auf deiner lichten Bahn,
wo uns kein Unheil schaden kann.

Lehr uns den Vater kennen wohl
und wie den Sohn man ehren soll;
im Glauben mache uns bekannt,
wie du von beiden bist gesandt.

Ehr sei dem Vater, unserm Herrn,
und seinem Sohn, dem Lebensstern,
dem Heilgen Geiste gleicherweis,
sei jetzt und ewig Lob und Preis.

Angelus Silesius

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© Foto: Thamizhpparithi Maari - CC BY-SA 3.0


Vom Brüten, Beten und Ostereiern

Jetzt, in der Woche nach Ostern, ist es in mir beim Nachdenken zum Dreiklang von „Brüten – Beten – Ostereiern“ gekommen. Und wie? – Beim Lesen des Schöpfungsberichtes in der Bibel fiel mir vor kurzem ein, dass man nicht nur übersetzen könne, dass der Geist über den Wassern und der Erde „schwebte“, sondern auch „brütete“.

Ich weiß nicht warum, aber diesmal begann ich über das Wort „brüten“ erstmals ernsthaft nachzubrüten. Ein schönes Wort, bzw. ein wunderbarer, lebensfördernder Vorgang. Wenn ein „Brutvogel“ ein Ei ausbrütet, dann ist dies ein lebenswichtiges Geschehen. Und dieses hat vier wichtige Komponenten: Es muss dem Ei mit dem werdenden Leben ein Lebensraum, ein Nest geschaffen werden. Zweitens, der Brutvogel muss durch seine wärmende Präsenz eine bestimmte Temperatur aufrecht erhalten, sonst kann das Leben im Ei sich nicht entwickeln. Und drittens muss der Brutvogel bedrohliche Fresser durch Geschrei und Geflatter und Schnabelhiebe verteidigen. Und vor allem aber muss der ausbrütende Vogel dableiben. Er kann nicht einfach, wie es ihm gerade passt, davonfliegen und sich einen schönen Tag machen, ohne wenigstens für einen guten Ersatz zu sorgen.

Ist dies alles nicht ein Grundgesetz jeden Lebens? Wir brauchen zum Leben ein Nest, einen Lebensraum; wir brauchen die richtige Temperatur und Atmosphäre; wir brauchen Schutz vor Gefahren und vor allem, dass jemand bleibt, der dies alles gewährt und schenkt. Nur so kann der Lebenskern vor allem in seiner frühesten Phase werden und wachsen.

Von dieser Sicht und Einsicht ausgehend kann man auch das Meditieren, das Betrachten und Beten als eine Art von Ausbrüten verstehen. Wenn sich im Innern etwas Lebendiges zu bewegen beginnt, dann gilt es dabei zu bleiben, es zu schützen, sich davon nicht ablenken zulassen, es – auszubrüten.

Kann man in diesen Bildern denkend nicht auch sagen: Der schöpferische Gottes-Geist, die Geisttaube, schwebend über Erde und Wasser, dem „Weltenei“, brütet das Leben aus. Der Heilige Geist, die Heilige Geistin als „Klimabeauftragte“ Gottes – die Liebeswärme Gottes und Schutz und Schirm und wahre Bleibe.

Gerade in den österlichen Tagen könnte das Zuleben auf Ostern hin und das Ausleben von Ostern bis hin zum Pfingstfest heißen: Aufkeimendes Leben schützen vor dem Ausbrüten aller Weisen menschenfeindlichen Aggressivität. Es gilt leise zu lauschen auf ein zartes Pochen, welches das Aufbrechen der Eierschalen ankündigt. Und dann Jubel, wenn Leben das Licht der Welt erblickt – und selber beginnt, die oft so dunkle Welt zu erhellen. – Amen. Halleluja.

Es grüßt Sie herzlich
Willi Lambert SJ

22. April 2015

 

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