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Ein Bild vom himmlischen Hochzeitsmahl malt uns der Prophet Jesaja in seinem 25. Kapitel. Für alle ist dieses Mahl bereitet. Es wird Friede sein und Gemeinschaft und alle Tränen werden abgewischt und Freude und Jubel werden herrschen.

 

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Jes 25,6 Der Herr der Heere wird auf diesem Berg / für alle Völker ein Festmahl geben mit den feinsten Speisen, / ein Gelage mit erlesenen Weinen, mit den besten und feinsten Speisen, / mit besten, erlesenen Weinen.

7 Er zerreißt auf diesem Berg die Hülle, die alle Nationen verhüllt, / und die Decke, die alle Völker bedeckt.

8 Er beseitigt den Tod für immer. / Gott, der Herr, wischt die Tränen ab von jedem Gesicht. Auf der ganzen Erde nimmt er von seinem Volk die Schande hinweg. / Ja, der Herr hat gesprochen.

9 An jenem Tag wird man sagen: / Seht, das ist unser Gott, auf ihn haben wir unsere Hoffnung gesetzt, / er wird uns retten. Das ist der Herr, auf ihn setzen wir unsere Hoffnung. / Wir wollen jubeln und uns freuen über seine rettende Tat.

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Vollendung

Er war ein älterer Mann kurz vor dem Rentenalter. Die Tage nach Weihnachten musste er seine Bleibe verlassen, da sie abgerissen werden sollte. So kam er zu uns ins Haus, in unser Mitwohnprojekt mit Obdachlosen in Freiburg. Er war vom Leben gezeichnet: Asthmatiker, Herzschwäche, Diabetiker, Kettenraucher… aber mit lebendigen Augen und voll von lebendigen Lebenserfahrungen. Wir blieben stets beim Sie im Umgang miteinander. Ein Du wäre unpassend gewesen, und doch waren wir einander sehr vertraut. Er war im Leben immer wieder gescheitert: So hatte er einen Gärtnereibetrieb in den Sand gesetzt, war geschieden und hatte den Kontakt zu seinem Sohn schon lange verloren. Er selbst bezeichnete sich als Atheist – und doch unterhielt er sich am allerliebsten mit „Theologen“ über Gott und die Welt.

An unseren gemeinsamen Essen und Spielabenden nahm er nie teil. Es konnte aber sein, dass er gegen Ende auftauchte, eine Packung Eis für uns dabei, sich still in eine Ecke setzte und genüsslich zuschaute, wie wir das Eis verzehrten, dann zog er sich wieder zurück.

Um seine sehnsüchtig erwartete kleine Rente und seine Habe nicht offenlegen und eventuell preisgeben zu müssen, hatte er immer auf Sozialhilfe verzichtet. Wie er über die Runden kam, weiß ich bis heute nicht.

Sein Traum war, unter der Sonne Spaniens absolut trockenes Land urbar zu machen. Dazu hatte er vor Jahren etliche Hektar Boden erworben, die seither auf ihn warteten. In seinem Zimmer und auf unserem Balkon legte er deshalb eine Baumschule an mit wohl ausgewählten Pflänzchen, für die besonderen Bedingungen wie geschaffen. Er war ein Mann voll Sehnsucht und Zukunftshoffnung und erinnerte mich sehr an die (leider erfundene) Geschichte von Elzéard Bouffier, dem „Mann der Bäume pflanzte“, und es war schön, ihm hin und wieder mal in der Küche zu begegnen, eine Tasse Tee mit ihm zu trinken und ihm zuzuhören.

Zu seinem Geburtstag wollten wir ihn zum Essen einladen, aber er wollte kein Fest. Er wollte mit uns die beste Gärtnerei besuchen, die es gab, die Gärtnerei der Gräfin von Zeppelin in Lauffen. Und er wünschte sich den Katalog dieser Gärtnerei, weil er besser als jedes andere Botanikbuch wäre. In ihm wäre nur das verzeichnet, was es hier auch wirklich zu erwerben gab.

Am verabredeten Termin kam ich früh morgens zur Gebetszeit mit Annette in die Wohnung unseres Projektes und hörte noch sein tiefes Atmen in seinem Zimmer. Nachdem wir unsere Zeit im Gebet beendet hatten, setzten sich Annette und ich zu einer Tasse Tee in die Küche und harrten auf sein Kommen, doch er kam nicht. Wir klopften an seine Tür, keine Antwort. Ein Nachforschen ergab: Seine Zimmertür war verschlossen. Ein Blick vom Balkon in sein Zimmer zeigte, dass er auf dem Boden in seinem Zimmer lag. Er war während unserer Gebetzeit verstorben.

Und dabei hatte er sich so auf unseren Ausflug gefreut…

Wir informierten seinen Sohn, mit dem er wenige Tage zuvor nochmals Kontakt aufgenommen und sich ausgesprochen hatte, und trafen uns, um miteinander vor Ort Abschied zu nehmen.

Es wurde zwar nichts mit dem Gärtnereibesuch der Gräfin von Zeppelin, und doch kam er in den besten Garten, den ich kenne, den Garten Eden.

Auch erinnerten wir uns, dass er uns tags zuvor strahlend erzählt hatte, dass er sich für diesen Termin extra eine neue Latzhose und ein neues T-Shirt gekauft hatte, in weiser Vorahnung wohl sein himmlisches Hochzeitsgewand, um nicht schlussendlich doch noch hinausgeworfen zu werden.

Noch heute denke ich voll Freude und Dankbarkeit an ihn und bin mir sicher, dass er seinen Platz beim himmlischen Hochzeitsmahl gefunden hat.

23.11.2011

Uli Kirchhoff 

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