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Teilhard de Chardin hatte nicht nur den Abendmahlsbericht (1 Kor 11,23-26) vor Augen, sondern noch mehr den Hymnus aus dem Brief an die Gemeinde von Kolossä, in dem gesagt wird, dass Christus derjenige ist, in dem und auf den hin alles geschaffen ist.

(c) Thomas Gertler

Kol 1,12 Dankt dem Vater mit Freude! Er hat euch fähig gemacht, Anteil zu haben am Los der Heiligen, die im Licht sind.

13 Er hat uns der Macht der Finsternis entrissen und aufgenommen in das Reich seines geliebten Sohnes.

14 Durch ihn haben wir die Erlösung, die Vergebung der Sünden.

15 Er ist das Ebenbild des unsichtbaren Gottes, / der Erstgeborene der ganzen Schöpfung.

16 Denn in ihm wurde alles erschaffen / im Himmel und auf Erden, / das Sichtbare und das Unsichtbare, / Throne und Herrschaften, Mächte und Gewalten; / alles ist durch ihn und auf ihn hin geschaffen.

17 Er ist vor aller Schöpfung, / in ihm hat alles Bestand.

18 Er ist das Haupt des Leibes, / der Leib aber ist die Kirche. / Er ist der Ursprung, / der Erstgeborene der Toten; / so hat er in allem den Vorrang.

19 Denn Gott wollte mit seiner ganzen Fülle in ihm wohnen, /

20 um durch ihn alles zu versöhnen. Alles im Himmel und auf Erden wollte er zu Christus führen, / der Friede gestiftet hat am Kreuz durch sein Blut.

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© Thomas Gertler


Vision

Vor mir auf dem Tisch liegt eine Scheibe Brot. Mir fällt ein, was ich einmal bei einem Philosophen gelesen habe, was in so einer einfachen Scheibe Brot alles gegenwärtig ist. Es sind natürlich der Roggen (und andere Körner) und das Wasser und der Sauerteig jetzt vor mir gegenwärtig. Und was ich schon weniger sehe, es sind da die Arbeit des Bauern, den ich gar nicht kenne, die des Müllers und des Bäckers. Es sind darin gegenwärtig der letzte Sommer mit seiner Sonne und seinem Regen und nicht nur der Sommer, auch schon das Frühjahr, als der Roggen ausgesät wurde. Und noch das Jahr davor, als das Saatgut gewachsen ist, aus dem der Roggen dieses Brotes entstanden ist. Geschichte und Geschichten. Ich kann einfach einmal dabei verweilen.

An all das kann mich diese Scheibe Brot erinnern. Es ist alles direkt darin enthalten und präsent. Ja noch viel mehr. Dass jetzt dieses Brot vor mir liegt, hat auch zur Voraussetzung, dass es den Bäcker da um die Ecke gibt und dass es die Transport- und Geschäftswege gibt Wer hat das Mehl transportiert? Ich weiß es nicht. Aber ohne die ganze Riesenorganisation des Transportwesens und der Geschäftsbeziehungen, ja, ohne unser Wirtschaftssystem wäre das alles gar nicht da. Vieles könnte auch ganz anders sein, aber unsere Wirtschaft mit all ihren Rätselhaftigkeiten, Ungerechtigkeiten, Abhängigkeiten ist zwar nicht unmittelbar präsent in der Scheibe Brot, aber sie sind konkrete Voraussetzungen und auch Mitwirkende für dieses simple Stück Brot. Sie gehören zu diesem Stück Brot.

Und ich kann noch viel weiter gehen. Dass ich dieses Brot zu essen habe, hat auch die Geschichte des Brotes zur Voraussetzung, also von den ersten Menschen, die angefangen haben Samen zu sammeln und zu essen und irgendwann selbst auszusäen und dann zu züchten, bis unsere verschiedenen Getreidesorten entstanden sind bis heute, bis zu meinem Frühstücksbrot. Unglaublich, wenn ich einmal anfange ein bisschen tiefer zu graben und ein bisschen tiefer nachzudenken. Wie sehr alles mit allem zusammenhängt und zwar ganz real, gar nicht nur in meiner Phantasie. Und all das ist da – nur von mir meist gar nicht bedacht und wahrgenommen.

Jetzt gehe ich noch einen Schritt weiter. Den Schritt hin zu einer Vision, die der junge Jesuit Teilhard de Chardin (1881-1955) hatte. Er hatte vor sich auch eine Scheibe Brot. Aber eine besondere Brotscheibe, nämlich eine Hostie. Eine Hostie in einer Monstranz in der Kirche. Er betete zu Christus in dem Brot. Zur Erklärung und Erinnerung: Am Abend vor seinem Sterben hatte Jesus eine große Scheibe Brot genommen, ausgeteilt an seine Jünger und gesagt: Das ist mein Leib. Das bin ich, jetzt ausgeteilt und hingegeben für euch. So müsst ihr mich, mein Leben für euch und mein Sterben für euch verstehen, wie ein Stück Brot, das ausgeteilt wird. Und seit dem verehren wir Christus in dieser besonderen Brotscheibe. Und so betete Teilhard de Chardin vor der Monstranz.

Und er sah in seinem Gebet wie in einer Vision, dass sich diese Hostie immer weiter vergrößerte, wie sie immer mehr und mehr die ganze Welt wurde. Oder wie sich immer mehr und mehr die ganze Welt in dieser Hostie sammelte. Und so ist es ja auch. Wenn wir glauben, dass Jesus Christus sich dieses Brot anverwandelt, dann wird diese Brotmaterie mit allem, was an Atomen und kosmischen Kräften darin ist, hineinverwandelt in den Leib Christi. Und von daher sah Teilhard in seiner Vision, dass sich das mit dem ganzen Kosmos vollzieht. Und später als er Paläontologe war, also Erforscher der Erdgeschichte, und versuchte die Evolutionstheorie mit dem christlichen Glauben zu verbinden, nannte er das Christogenese. So wie sich dieses Brot in den Leib Christi wandelt, so wandelt sich mehr und mehr alle Schöpfungsmaterie in den Leib Christi, in den kosmischen Christus hinein. Und er ist das Ziel aller Schöpfung. So wie man denken kann, dass der Mensch Ziel des Evolutionsprozesses ist, also die Anthropogenese, so kann ich als Christ denken, dass diese Anthropogenese weitergeht zur Christogenese, bis dahin dass alles eins wird, eingestaltet, hineinerlöst, hineingebildet wird in den kosmischen Leib Christi. Und das geschieht schon jetzt immer wieder und stückweise in der Feier des Abendmahles, in der Feier der Heiligen Messe.

Versuchen Sie einmal diesen Gedanken zu denken, wenn Sie wieder einmal für sich allein ein Stück Brot essen, oder wenn Sie an das vergangene Fronleichnamsfest denken oder wenn Sie einmal Anbetung vor der Monstranz halten.

13. Juni 2012

Es grüßt Sie herzlich
Thomas Gertler

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