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Eine vertraute Stimme gibt Heimat, besonders die Stimme Gottes für den, der sich ihr öffnet. Zuweilen kann sie aber auch herausfordernd, ja widersprüchlich und fremd ein. Davon schreibt Ernesto Cardenal, ein nicaraguanischer Theologe, Dichter und Politiker:

© Foto: Wikimedia: Klanggarten im Luisenpark in Mannheim, Skulptur von Rolf Hook.


„Wir wollen Gottes Stimme klar; und das ist sie nicht. Sie kann nicht klar und leichtverständlich für unsere Sinne sein. Aber sie ist tief. Eine tiefe, feine und unerklärliche Stimme. Sie ist eine tiefe Beklemmung auf dem Grund unseres Seins, dort, wo die Seele ihre Wurzel hat. Es ist eine Stimme in der Nacht. Berufung heißt Ruf und eine Stimme in der Nacht. Eine Stimme ruft und ruft. Man hört etwas und sieht doch nichts. Wir wollen sie klar wie den Tag, und sie ist doch tief wie die Nacht. Sie ist tief und klar, aber von einer dunklen Klarheit wie Röntgenstrahlen. Und sie dringt bis auf die Knochen. Der Ruf ist eine Unzufriedenheit, eine Entzauberung aller Dinge. Es geschieht nicht mit Worten, sondern mit Taten, und Umständen, mit Wirklichkeit. Er ist nicht oberflächlich, und darum erscheint er uns unklar, weil wir uns nur auf der Oberfläche unserer selbst bewegen, wo man sich mit Worten verständigen kann. Der Ruf aber ist tief, weil Gott auf dem Grund unseres Wesens wohnt. Und seine Stimme ist ein Schweigen.“
Ernesto Cardenal

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Vertraute Stimme

„Du willst mich auf den Arm nehmen“, war meine erste Reaktion. Ralf, ein junger Ingenieur, hatte mir gerade erzählt, dass er seiner zehn Monate alten Tochter zum Einschlafen etwas aus einem wissenschaftlichen Buch vorlese; damit könne er sogar gleichzeitig etwas für sein Studium tun. „Das arme Kind!“, empfand ich, bis der junge Vater mir erklärte, dass es bei Kindern bis zu einem bestimmten Alter nicht darauf ankomme, was man ihnen vorliest, sondern darauf, dass das Kind eine vertraute Stimme hört. – Das leuchtete mir sofort ein. Eine vertraute Stimme gibt Heimat.

Vertraute, wiederkehrende Geräusche geben Sicherheit. Ich erinnere mich an das samstägliche Rufen des mobilen Bäckers vor meinem Elternhaus. Dieser treue Lieferant füllte zuverlässig unseren Brotkasten für die neue Woche. Oder ich erinnere das Geräusch, wenn mein Großvater im Hof seine Pfeife an der Schuhsohle ausklopfte - ein verlässliches Zeichen für den Feierabend. Heute erkenne ich bestimmte Menschen z. B. an Ihrem Schritt auf dem Flur oder daran, wie sie an meiner Bürotür anklopfen. Oder wie sehr kann eine vertraute Singstimme das Herz anrühren! Vielleicht finden Sie aus Ihrem Alltag auch Beispiele?

Einmal habe ich in einem Benediktinerinnenkloster Exerzitien gemacht, wo ich täglich zu festen Zeiten still und allein in der Kirchenbank saß. Die Schwester, die den Küsterdienst versah, ging zur Vorbereitung der Gebetszeiten und Gottesdienste immer wieder hin und her an meinem Platz vorbei, um ihre Arbeit zu verrichten. Dabei wurde mir das Rauschen ihres Habits mit jeder ihrer Bewegung im Laufe der acht Tage so vertraut, dass es mir zum lieben Begleiter wurde. Als ich einmal noch zu später Stunde dort betete, fehlte mir tatsächlich das leise Rascheln des Kleiderstoffes. Ich erlebte einmal mehr, wie menschliche Geräusche Geborgenheit vermitteln können.

Stimmen und Geräusche bleiben nicht im Gehörgang und Gehirn hängen, sondern gehen tiefer und rühren die Emotionen an. Der Säugling versteht keine Textinhalte, aber Papas Stimme berührt das kleine Herz und „dringt bis auf die Knochen“ (E. Cardenal). Manchmal wünsche ich mir das beim Beten, dass ich weniger denke und analysiere und dafür mehr Gottes Resonanzboden bin. Dass ich tiefer hören kann. Es kommt ja nicht darauf an, dass mir beim Betrachten einer Bibelstelle oder eines Ereignisses alles rational verständlich ist. Wichtiger ist es, ein Gespür dafür zu bekommen, was genau dieses (Bibel-)Fragment mir für mein Leben sagen will. Wir sollen ja Gottes Liebe und sein Wirken annehmen, als wären wir ein Kind (Lukas-Evangelium 18,17), vertrauensvoll und offen. „Wer meine Stimme hört und die Tür öffnet“, so heißt es im letzten Buch der Bibel, „bei dem werde ich eintreten.“ (Offenbarung 3,20)

Die Fastenzeit lädt uns ein zu einer Art Frühjahrsputz der Seele, um wieder offener und „leerer“ zu werden - für uns selbst, für die Menschen und für Gott. So können wir bestimmte Dinge bewusst überprüfen, sie lassen oder reduzieren (z. B. das Rauchen, die Hektik, den Umgang mit Konsum oder Medien). Anderes können wir neu einüben (z. B. das Schenken, das Zuhören, das Beten). Besonders helfen Stille und persönliches Gebet, um Gottes Stimme zu hören und ihr zu vertrauen. Das ist wie bei den Schafen im Johannes-Evangelium (10,3-5): sie kennen die Stimme ihres Beschützers und vermögen sie von der Stimme eines Fremden zu unterscheiden - wie das kleine Kind beim Einschlafen.

Ich wünsche Ihnen eine gesegnete Fastenzeit und einen frohen Frühjahrsputz!

Herzlich grüßt Sie
Marlies Fricke

12. März 2014

 

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