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Im Buch Hiob gibt es ein schönes Kapitel, wo der Menschen geschildert wird, wie er geschickt Silber und Gold findet. Wo aber ist die Weisheit, die Vernunft und Einsicht zu finden? Hier wenigstens ein großer Teil dieses Kapitels.

Der Turm zu Babel
Bild: Pieter Brueghel, 1563

Hiob 28,1 - 28

28,1 Wohl gibt es einen Fundort für das Silber, /eine Stätte für das Gold, wo man es läutert. 2 Eisen holt man aus der Erde, /Gestein wird zu Kupfer geschmolzen. 3 Es setzt der Mensch dem Finstern eine Grenze; / er forscht hinein bis in das Letzte, ins düstere, dunkle Gestein. 9 An harte Kiesel legt er die Hand, /von Grund auf wühlt er Berge um. 10 In Felsen haut er Stollen ein /und lauter Kostbarkeiten erblickt sein Auge. 11 Sickerbäche dämmt er ein, /Verborgenes bringt er ans Licht. 12 Die Weisheit aber, wo ist sie zu finden /und wo ist der Ort der Einsicht? 13 Kein Mensch kennt die Schicht, in der sie liegt; /sie findet sich nicht in der Lebenden Land. 14 Die Urflut sagt: Bei mir ist sie nicht. /Der Ozean sagt: Bei mir weilt sie nicht. 15 Man kann nicht Feingold für sie geben, /nicht Silber als Preis für sie wägen 16 Nicht wiegt sie Gold aus Ofir auf, /kein kostbarer Karneol, kein Saphir. 20 Die Weisheit aber, wo kommt sie her /und wo ist der Ort der Einsicht? 21 Verhüllt ist sie vor aller Lebenden Auge, /verborgen vor den Vögeln des Himmels. 22 Abgrund und Tod sagen: /Unser Ohr vernahm von ihr nur ein Raunen. 23 Gott ist es, der den Weg zu ihr weiß, /und nur er kennt ihren Ort. 24 Denn er blickt bis hin zu den Enden der Erde; /was unter dem All des Himmels ist, sieht er. 25 Als er dem Wind sein Gewicht schuf /und die Wasser nach Maß bestimmte, 26 als er dem Regen das Gesetz schuf /und einen Weg dem Donnergewölk, 27 damals hat er sie gesehen und gezählt, /sie festgestellt und erforscht. 28 Doch zum Menschen sprach er: / Seht, die Furcht vor dem Herrn, das ist Weisheit, / das Meiden des Bösen ist Einsicht.

Seitwert


Vernunft und Verstand beim VW

Vernunft und Verstand werden in unserer Alltagssprache kaum unterschieden. Aber in der Philosophie sehr wohl und sehr hilfreich. Und wenn ich früher versuchte, den Schülern den Unterschied klar zu machen, dann habe ich immer das Auto als Beispiel genommen. Und jetzt drängte sich mich förmlich auf, dass diese Unterscheidung gerade mal wieder gerade wegen des Autos eine besondere Brisanz bekommen hat, nämlich wegen des Großbetrugs bei Volkswagen.

Sicher ist das Auto vermutlich diejenige technische Einrichtung, die am weitesten durchrationalisiert ist und immer noch weiter durchrationalisiert wird. Dazu braucht es die Ratio oder den Verstand und die technische Denkkraft des Ingenieurs. „Dem Ingenieur ist nichts zu schwör.“ Der Verstand befasst sich mit so einer Einzelsache wie einem Motor, die auch schon ziemlich komplex, aber doch irgendwie in sich abgeschlossen ist. Und da geht es auch immer noch genauer und feiner, aber eben nur begrenzt.

Die Vernunft, also die Fähigkeit zum Vernehmen, streckt die Ohren nach außen. Sie fragt nach dem Größeren, über das Einzelding hinaus. Sie stellt zum Beispiel die Frage, ob das Auto in all seiner hochentwickelten Rationalität überhaupt vernünftig ist. Fragt also, ob das Auto nicht tatsächlich weltweit so viel an Ressourcen verbraucht und so viel Dreck rausbläst, dass damit auf die Dauer die Welt nicht leben kann. Ist es vernünftig, wenn nicht nur fast jeder Deutsche und jeder Amerikaner, sondern in Zukunft auch noch jeder Chinese und jeder Inder sein eigenes Auto fährt? Oder wird das dann wirklich unerträglich für diese Erde? Vernunft ist die Fähigkeit nach dem Größeren zu fragen, nach dem Zusammenhang und nach dem Sinn.

Die Software von Millionen von Dieselautos bei VW ist sehr geschickt, sehr schlau, sehr rational eingerichtet, aber völlig unvernünftig aufs Ganze gesehen. Das merkt jetzt die Firma äußerst schmerzhaft. Sie hat sich letztlich damit gar keinen Gefallen getan. Das gilt im Prinzip für alle Taten, die auf Betrug aufgebaut sind. Schlau, rational, manchmal erstaunlich ideenreich, aber zuletzt immer unvernünftig und sinnlos, ja, offensichtlich schädlich. Das letzte wird oft so lange nicht eingesehen, wie es nicht rauskommt. Und viele denken immer wieder, es kommt nicht raus. Komischerweise wohl auch VW. Aber was sagt schon Jesus: „Was man euch ins Ohr flüstert, wird auf den Dächern verkündet werden“ (Lk 12,2-3). Und jetzt trötet es mal wieder laut von den Dächern.

Ist es nicht wirklich lehrreich für uns alle? Verstand und Vernunft, ratio und intellectus gehören zusammen. Sie dürfen nicht auseinander fallen. Oder es darf nicht allein die Rationalität übrig bleiben. Das ist die große Gefahr, überall nur die Rationalität einzusetzen und nicht nach dem Großen und Ganzen zu fragen. Nur die Rationalität und die Effektivität als einzigen Maßstab zu sehen und zu glauben, dass schlau sein allein genügt. Nein, es genügt nicht. Auch der Blick auf mein eigenes kleines oder großes Produkt reicht nicht. Auch nicht die Frage, wie nun dieser Schaden begrenzt werden kann und wie die Leute möglichst bald wieder möglichst viele Autos von VW kaufen. All das ist zu kurz gesprungen und noch nicht weit genug geblickt. Jeder von uns kann da selbst noch weiter überlegen und denken, was denn im Autobau vernünftig wäre für diese Welt und ihre Zukunft.

Aber wir haben noch nicht genug verstanden, wenn wir nicht auch auf unser persönliches Leben schauen. Wie ist in meinem eigenen Leben das Verhältnis von Verstand und Vernunft? Es gibt ein Leiden am sinnlosen Leben, wenn ich nicht mehr sehen und wahrnehmen kann, wie mein tägliches Tun und Mühen mit dem Ganzen der Welt zusammen hängt. Es kann überwunden werden, wenn ich mich auf das Größere hin ausstrecke. Es gibt aber bei anderen ein sich selbst Überlisten mit einer Software, die mir selbst vormacht, dass alles super ist und stimmt. Es gibt auch die schreckliche Möglichkeit, dass der Sinn für das Große und Ganze ganz und gar abhandengekommen ist. Es reicht mir die Rationalität meiner kleinen Welt. Das geht so lange, bis mal unverhofft jemand an meine Tür klopft. Und jetzt dürfen Sie sich mal fragen, wer das wohl sein könnte. Keine Ahnung oder doch eine Ahnung, die ich nicht vernehmen will?

Üben Sie täglich die Gabe der Vernunft! Lauschen Sie über sich hinaus auf das Größere, auf den Sinn, die göttliche Melodie. Sie summt und Sie können sie vernehmen.

Es grüßt Sie herzlich
Thomas Gertler SJ

30. September 2015

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