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Wenn wir verloren sind, sucht Gott selbst nach uns. Das erzählt uns Jesus, der auch auf der Suche nach den Verlorenen war und ist und diese beiden schönen Gleichnisse erzählt hat. Lukas hat sie uns aufgeschrieben im 15. Kapitel seines Evangeliums.

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Lk 15,1 Alle Zöllner und Sünder kamen zu ihm, um ihn zu hören.

2 Die Pharisäer und die Schriftgelehrten empörten sich darüber und sagten: Er gibt sich mit Sündern ab und isst sogar mit ihnen.

3 Da erzählte er ihnen ein Gleichnis und sagte:

4 Wenn einer von euch hundert Schafe hat und eins davon verliert, lässt er dann nicht die neunundneunzig in der Steppe zurück und geht dem verlorenen nach, bis er es findet?

5 Und wenn er es gefunden hat, nimmt er es voll Freude auf die Schultern,

6 und wenn er nach Hause kommt, ruft er seine Freunde und Nachbarn zusammen und sagt zu ihnen: Freut euch mit mir; ich habe mein Schaf wiedergefunden, das verloren war.

7 Ich sage euch: Ebenso wird auch im Himmel mehr Freude herrschen über einen einzigen Sünder, der umkehrt, als über neunundneunzig Gerechte, die es nicht nötig haben umzukehren.

8 Oder wenn eine Frau zehn Drachmen hat und eine davon verliert, zündet sie dann nicht eine Lampe an, fegt das ganze Haus und sucht unermüdlich, bis sie das Geldstück findet?

9 Und wenn sie es gefunden hat, ruft sie ihre Freundinnen und Nachbarinnen zusammen und sagt: Freut euch mit mir; ich habe die Drachme wiedergefunden, die ich verloren hatte.

10 Ich sage euch: Ebenso herrscht auch bei den Engeln Gottes Freude über einen einzigen Sünder, der umkehrt.


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Verloren

Als Fünfjähriger bin ich einmal verloren gegangen. Wir waren in Heringsdorf auf Usedom an der Ostsee im Urlaub. Unser Strandkorb stand neben einer langen Stange. Meine Mutter schärfte uns Kindern ein: „Schaut auf die Stange, da müsst ihr wieder hingehen und dann findet ihr uns wieder!“ Ich ging mit Eimerchen und Schaufelchen ans Wasser und baute eine Burg. Da sah ich einen großen, herrlichen Dampfer und lief am Strand hinter ihm her, bis er hinter dem Horizont verschwunden war. Dann ging ich wieder hoch zur Stange, aber der Strandkorb meiner Eltern war nicht mehr da. Ich fragte die fremden Leute ringsum: „Habt ihr meine Eltern gesehen?“ „Nein.“ Ich lief weiter. Es kam wieder eine Stange: „Habt ihr meine Eltern gesehen?“ Ich weinte schon und war ganz verzweifelt und verloren. Ich lief immer weiter und weiter. Langsam wurde es kühl. Mir war schon fast alles egal. Aber ich fragte immer weiter.

Woran ich mich dann erinnere, ist, dass mich jemand auf den Arm nahm. „Bist du nicht der Thomas?“ Im Nachbarort Ahlbeck hatte mich jemand erkannt. Eine Tante, die dort in den Ferien war. Mein Vater kam schließlich mit einer Pferdekutsche und holte mich ab. Auch meine Eltern hatten große Angst um mich gehabt. Ich erinnere mich, dass der Boden der Kutsche aus Gusseisen war und so kalt an meinen nackten Kinderfüßen. Es war Abend geworden. Ich weinte und war wütend. Und wie habe ich mit meinen Eltern geschimpft, dass sie mir weggelaufen waren. Ich war in meiner Not fünf Kilometer weit gelaufen.

Verloren zu gehen ist furchtbar. Ein Schrecken. Eine Todesangst. Haben Sie das auch schon erlebt? Fremde Stadt. Keine Orientierung mehr. Oder gar im Wald. Wie in den Märchen. Wie bei Hänsel und Gretel. Kein Weg mehr heim. Panik. Da hilft nur, auf dem Weg zurück zu gehen. Meist macht man es nicht. Und so verirrt man sich noch mehr. Ja nicht versuchen, es irgendwie nur mit Glück zu probieren, nein, demütig zurück gehen und demütig nach dem Weg fragen, wenn es möglich ist. Oder versuchen, die Richtung zu bestimmen.

Wie vielen gehen auch die Orientierung und der Sinn im Leben verloren! Das ist genauso schlimm. In mancher Hinsicht schlimmer. Wenn alles keinen Sinn mehr hat. Wenn ich nicht mehr weiß, wohin ich gehen soll. Noch schlimmer, wenn ich immer mehr der Meinung bin, es gäbe gar keinen wirklichen Sinn und keine tatsächliche Orientierung. Dann bin ich verloren. Dann bleibt mir ja nur der Augenblick. Dann bleibt nur, mich irgendwie darüber hinweg zu trösten und das Nächstliegende zu nehmen oder auf dem riesigen Markt der weltanschaulichen Möglichkeiten herum zu suchen. Herumzusuchen und zu probieren. Das mal und das mal. Und dann komme ich noch mehr in Irrsal und Wirrsal. Dann gerate ich in Traurigkeit und Dunkelheit.

Es hilft, demütig innerlich dorthin zurückzugehen, wo ich noch Orientierung und Sinn hatte. Und dann schauen: Wie und warum sind sie verloren gegangen? War es Enttäuschung? War es das unmögliche Verhalten meiner Eltern oder verehrter Personen, die mir weggelaufen sind? Die sich selbst nicht an die gepredigten Ideale gehalten haben? Die an mir schuldig geworden sind. Oder bin ich selbst schuld? Oder habe ich die Überzeugung gewonnen, dass ich selbst diesen Sinn nicht erfüllen und leben kann und immer wieder selbst dagegen verstoße? Dann muss doch etwas falsch sein. Und darum gehe ich weg. Oder bin ich einem Traumschiff gefolgt, das hinter der Horizont verschwand und ich blieb verloren zurück? Was war da?

Kann ich meine Orientierung und meinen Sinn wieder gewinnen? Es geht! Aber sicher muss ich dann tiefer ansetzen. Die bloße Rückkehr geht nicht. Das könnte dann ganz regressiv sein, aber Rückkehr in die Kindheit geht nicht. Als Erwachsener würde ich dann höchstens kindisch. Denn ich bin nicht mehr derselbe oder dieselbe. Aber diese tiefer angesetzte Rückkehr kann dann wahrhaftiger, dichter an der Realität und damit auch an Gott sein. Es geht. Es lassen sich Orientierung und Sinn wieder finden. Oder überhaupt erst finden! Wenn ich nie Sinn und Orientierung hatte, muss ich dort suchen, wo Wahrheit und Freiheit, wo Güte und Liebe, wo Schönheit, Harmonie und Einklang zu finden sind und von da aus weiter!

Und wenn ich sie finde, das ist dann so, als ob mich jemand liebevoll in die Arme nimmt. „Du bist doch der Thomas!“ Oder als ob mich der Vater mit der Kutsche und den beiden weißen Pferden abholt. Dann ist es gut. Wie gut! Dann muss gefeiert werden mit der ganzen Familie und allen Freunden. Sie sind nicht verloren!

Nein, Sie sind nicht verloren! Gott selbst sucht schon nach Ihnen! Darauf können Sie sich verlassen!

18. Juli 2012

Thomas Gertler SJ

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