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Paulus schreibt von seiner eigenen Erfahrung von Verlieren und Gewinnen. Er hat alles bisher Geltende in seinem Leben verloren und dafür ein tieferes und weiter gehendes Leben erhalten. Das ist geschehen in seiner Bekehrung vor Damaskus, die wir am heutigen Tag feiern. Darüber schreibt er an eine seiner Lieblingsgemeinden an die in Philippi.

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Phil 3,3 Denn die Beschnittenen sind wir, die wir im Geist Gottes dienen und uns in Christus Jesus rühmen und nicht auf irdische Vorzüge vertrauen, 

4 obwohl ich mein Vertrauen auch auf irdische Vorzüge setzen könnte. Wenn ein anderer meint, er könne auf irdische Vorzüge vertrauen, so könnte ich es noch mehr. 

5 Ich wurde am achten Tag beschnitten, bin aus dem Volk Israel, vom Stamm Benjamin, ein Hebräer von Hebräern, lebte als Pharisäer nach dem Gesetz, 

6 verfolgte voll Eifer die Kirche und war untadelig in der Gerechtigkeit, wie sie das Gesetz vorschreibt. 

7 Doch was mir damals ein Gewinn war, das habe ich um Christi Willen als Verlust erkannt. 

8 Ja noch mehr: ich sehe alles als Verlust an, weil die Erkenntnis Christi Jesu, meines Herrn, alles übertrifft. Seinetwegen habe ich alles aufgegeben und halte es für Unrat, um Christus zu gewinnen 

9 und in ihm zu sein. Nicht meine eigene Gerechtigkeit suche ich, die aus dem Gesetz hervorgeht, sondern jene, die durch den Glauben an Christus kommt, die Gerechtigkeit, die Gott aufgrund des Glaubens schenkt.

10 Christus will ich erkennen und die Macht seiner Auferstehung und die Gemeinschaft mit seinen Leiden; sein Tod soll mich prägen. 

11 So hoffe ich, auch zur Auferstehung von den Toten zu gelangen. 

12 Nicht dass ich es schon erreicht hätte oder dass ich schon vollendet wäre. Aber ich strebe danach, es zu ergreifen, weil auch ich von Christus Jesus ergriffen worden bin. 

13 Brüder, ich bilde mir nicht ein, dass ich es schon ergriffen hätte. Eines aber tue ich: Ich vergesse, was hinter mir liegt, und strecke mich nach dem aus, was vor mir ist. 

14 Das Ziel vor Augen, jage ich nach dem Siegespreis: der himmlischen Berufung, die Gott uns in Christus Jesus schenkt. 

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Verlieren 

Als Kind konnte ich gar nicht gut verlieren. Wenn ich bei „Mensch ärgere dich nicht“ wiederholt rausflog, dann konnte ich voller Wut wegrennen oder gar das ganze Spielbrett umschmeißen. Verlieren will gelernt werden.

Ich habe gern gespielt, Skat und Doppelkopf, Rommé, ja auch Schach – aber da habe ich fast immer verloren, denn mir fehlte der Wille, den anderen wirklich schachmatt setzen zu wollen, so der richtige Siegerehrgeiz oder wenn man es negativer sagen will, der Killerinstikt. Manchmal konnte spielen fast zur Sucht werden. So ein Spiel war „Reversi“. Es hieß so, weil man die Scheibchen des Gegners von dessen Farbe in die eigene umdrehen (reversieren) musste. Man nannte mich damals Pater Reversi. Ich habe es ewig nicht mehr gespielt.  

Im Tischtennis habe ich dann später (ich hatte schon was verstanden) lieber mit etwas stärkeren Gegnern gespielt, weil ich da etwas lernen konnte. Nur gegen einen bin ich sehr ungern angetreten, weil ich den Eindruck hatte, jetzt ist es nicht mehr Spiel, sondern das Spiel bekommt einen Ernst und einen Kampfcharakter, dass es fast um Leben und Tod geht. Oder darum geht, wer nicht nur in diesem Spiel, sondern überhaupt der Bessere ist. Das wollte ich nicht. Denn Verlieren beim Spiel ist nie das Ganze. Das lerne ich beim Spiel: das Verlieren jetzt ist nicht alles. Es gibt wieder ein neues Spiel und du kannst auch einmal wieder gewinnen. Sonst ist es aus mit der Freude am Spiel.  

Beim Spielen lerne ich verlieren auf spielerische Weise, damit ich auch im Leben lerne, dass ich nicht immer gewinnen kann, dass ich nicht immer der Beste und Oberste sein kann. Natürlich ist im Leben das Verlieren schwerer und auch tragischer. Es ist hart und erschüttert tief. Das Selbstbild kommt ins Wanken. Das Selbstbewusstsein wird angeknackst. Es kann lähmen und zum Rückzug führen. Das muss aber nicht so sein. Die Reaktionen aufs Verlieren sind durchaus unterschiedlich. Ich kann dadurch auch reifen und stärker werden. Je nach Charakter sagt sich der eine: „Jetzt erst recht.“ Der andere zieht sich zurück: „Das reicht mir.“

In einem Impuls habe ich auch schon einmal von meinem schlimmsten Verlieren geschrieben. Ich bin durch eine große und wichtige Prüfung mit heftigem Krachen durchgefallen, weil ich nicht darauf vorbereitet war. Es hat mich ein halbes Jahr gekostet, in dem ich mir immer wieder gesagt habe: „Thomas, richte dich auf!“ Denn ich war bis ins Körperliche hinein niedergedrückt und schlich nur noch einher. Es war schlimm.  

Und es war gut. Wenn ich die Prüfung nämlich bestanden hätte, dann wäre ich heute an einem Ort und bei einer Arbeit, die ich eigentlich nicht wollte. Es hat sich also letztlich gut gefügt. Und das stellt sich gar nicht so selten heraus, dass es doch ganz gut war, dass das passiert ist. Es ist aber oft wirklich erst einmal hart und braucht eine gute und anstrengende Weile, bis man es verarbeitet hat. 

Und es war gut für mich noch in einer anderen Hinsicht. So ein Scheitern macht einem klar, dass es wirklich schief gehen kann. Dass Gelingen nicht selbstverständlich ist. Es führt zu einem realistischeren Selbstbild. Ist gut für die Demut. Macht einem auch klar, dass ich mein Leben nicht allein auf Erfolg, auf Karriere, auf Äußeres setzen sollte, denn das hält nicht auf Dauer. Es muss tiefer gründen. Und das kann ich durch solches Scheitern lernen. Und das ist jetzt keine bloße Vertröstung. So nach dem Motto: „Das sagt er jetzt, weil er es damals nicht geschafft hat.“  

Nein, ich kann tatsächlich mein Leben unabhängiger von diesen äußeren Faktoren machen. Und dazu hilft der Glaube. Genauer gesagt meine Beziehung zu Gott. Wie das Kind von guten Eltern lernt, dass es nicht nur bedingungsweise geliebt ist, nicht nur wenn und weil es brav ist, weil es gute Zensuren nach Hause bringt, sondern immer, so umfasst die Liebe Gottes mich noch tiefer und macht mich darum auch selbstbewusster und mutiger und resistenter gegen Enttäuschungen.

Ja, aber zeigt nicht gerade das Leben der Gläubigen, dass es oft noch viel mehr schief geht und schlimmer kommt, als nur durch eine Prüfung fallen? Wenn man nur auf den schaut, der am tiefsten geglaubt hat, auf Jesus. Ist er nicht ganz furchtbar gescheitert? Hat er nicht verloren auf der ganzen Linie? Ja, das hat er. Ja, er ist gottverlassen und von den meisten Menschen verlassen gestorben, aber er hat weiter geglaubt. Er hat geglaubt, dass dieses Scheitern nicht das Letzte ist. Dass der Tod nicht das Letzte ist. Ja, er hat gerade dieses sein Scheitern zum Opfer und zur Hingabe für uns gemacht. Er hat dieser Sinnlosigkeit des Todes einen Sinn gegeben. „Das ist mein Leib, der für euch hingegeben wird. Das ist mein Blut, das für Euch vergossen wird.“

Und Gott hat ihn nicht verlassen. Er hat ihn auferweckt. Er hat aus diesem Verlieren einen neuen Anfang gemacht. Und wenn ich darauf schaue. Wenn ich darauf mein Leben gründe. Nicht auf den äußeren Erfolg und das Gewinnen, dann kann ich auch das Verlieren annehmen. Es wird mich auch erschüttern. Es wird mir schwer machen, weiter daran fest zu halten, dass alles gut wird. Ich kann meinem Scheitern ins Auge blicken. Ich muss nicht daraus flüchten und muss es nicht überdecken durch Alkohol der Drogen. Christliche Hoffnung gründet sich nicht auf das Gelingen und gut gehen, sondern sie ist eine Hoffnung wider alle Hoffnung, wie Paulus (Röm 4,18) schreibt. 

Dass Sie etwas von dieser Hoffnung, von diesem Gewinn und Verlust kosten, wünsche ich Ihnen!

26.01.2010 

Thomas Gertler

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