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Es ist verrückt, dass sich Jesus von Johannes im Jordan taufen lässt. Aber erst dadurch erfüllen beide die Gerechtigkeit Gottes, der es so will, dass sein Sohn alles lässt und hinabsteigt nicht nur in unsere Welt hinein in ihrer Schönheit und Pracht, nein auch in den Strom der Schuld und der Sünde und ihn wieder in Ordnung bringt und auch uns. Darum bekennt er sich zu ihm, als er heraus steigt, als zu seinem geliebten Sohn.

© Bild: Johann Friedrich Glocker

Mt 3,13 - 17

13 Zu dieser Zeit kam Jesus von Galiläa an den Jordan zu Johannes, um sich von ihm taufen zu lassen.
14 Johannes aber wollte es nicht zulassen und sagte zu ihm: Ich müsste von dir getauft werden, und du kommst zu mir? 15 Jesus antwortete ihm: Lass es nur zu! Denn nur so können wir die Gerechtigkeit (die Gott fordert) ganz erfüllen. Da gab Johannes nach. 16 Kaum war Jesus getauft und aus dem Wasser gestiegen, da öffnete sich der Himmel, und er sah den Geist Gottes wie eine Taube auf sich herabkommen. 17 Und eine Stimme aus dem Himmel sprach: Das ist mein geliebter Sohn, an dem ich Gefallen gefunden habe.

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© Foto: Wikimedia Commons


Verliebt

Es war einmal ein junger König, der sich unsterblich in ein armes Bauernmädchen verliebt hatte. Wie gern hätte er sie geheiratet und mit ihr gelebt! Aber wie sollte das möglich sein? Er, der König und sie ein armes Bauernmädchen – so ein unüberbrückbarer Abstand. Er zermarterte sich das Hirn. Schließlich vertraute er sich seinem Innenminister an. Der riet ihm: „Du bist der König. Befiel ihr doch einfach, in deinen Palast zu kommen und dich zu heiraten. Das wird sie ehren und ihr aus der Armut helfen und sie wird dir ein Leben lang dankbar sein. Gern schicke ich meine sensibelsten Sicherheitsbeamten zu ihr. Und noch heute Abend ist sie bei dir im Palast.“

Ja, sicher, dachte der König, das ist die einfachste Lösung. Ich bin der König und sicher wird sie gehorchen und vielleicht dankbar sein. Aber wird sie mich denn auch lieben? Sicher wird sie es mir versichern, gerade angesichts der so sensiblen Sicherheitsbeamten. Aber nie werde ich sicher sein. „Nein, das geht nicht“, sagte er zum Innenminister. Er überlegte weiter. Schließlich fragte er seinen Finanzminister. Der sagte: „Weißt Du was, ich stelle dir einen Präsentkorb zusammen, wie ihn die Welt noch nie gesehen hat. Außerdem Kleider von Dior, eine goldene Kreditkarte, eine Bahncard 100 und natürlich einen Diamantring. Ich sage Dir, sie wird dahin schmelzen.“

Ja, dachte der König. Das kann wohl sein, dass sie dahin schmilzt und tief dankbar ist und alle ihre arme Verwandtschaft mit versorgt und die alle zu ihr sagen, na los, den musst du heiraten und wir haben alle ausgesorgt. Und sicher wird sie mich dann heiraten. Aber wird sie mich auch lieben? Ich will ja nicht wegen meiner Geschenke geliebt werden, sondern als der, der ich bin. „Nein, das geht nicht“, sagte er zum Finanzminister. Und er quälte sich weiter, so dass sich das ganz Kabinett Sorgen machte und ihm schließlich den Hofnarren zur Aufmunterung schickte.

Der Hofnarr machte Kopfstand und Purzelbäume und komische Grimassen und klingelte mit seinen Glöckchen. Der König wurde nicht froh, aber er sagte dem armen Narren schließlich, warum er ihn nicht aufheitern konnte. Da sagte der Hofnarr: „Pass auf, du musst es genau so machen, wie ich es gerade gemacht habe. Kopfstand. Dich auf den Kopf stellen. Alles umkehren.“ Und er machte wieder seinen Kopfstand und seinen Purzelbaum. Und der König verstand nicht. Und noch einmal stellte sich der Narr auf den Kopf und blieb so. Da begann sich beim König die Miene zu erhellen. Ja, so. Ja, so. Ja, so. Richtig, mein Hofnarr. Es muss auf den Kopf gestellt werden. Es muss umgekehrt gehen. Nicht sie muss zu mir kommen. Ich muss zu ihr gehen. Und ich muss sie nicht zu mir erheben. Ich muss mich zu ihr begeben. In die Armut ihrer Hütte.

Und er legte den Königsmantel ab und die Krone und zog sich die Sachen eines armen Tagelöhners an und war von nun an kein König mehr. Er ging zu dem armen Bauernmädchen und bot ihr seine Dienste und seine Hilfe an. Und allmählich gewann sie Vertrauen zu ihm und gewann ihn lieb. Und sie heirateten und blieben in der kleinen Bauernhütte und liebten einander, bekamen viele Kinder und waren glücklich ihr Leben lang.

Ja, schönes Märchen. Ja, ein schönes Märchen. Ich habe es jetzt mehrmals gefunden. Ursprünglich stammt es von dem Philosophen und Schriftsteller Sören Kierkegaard. Ich habe es hier frei nacherzählt nach einer Version von Ulrich Peters, der die Idee wiederum von Torsten Wellenkötter hat. Und ich habe es jetzt zu Weihnachten geschenkt bekommen. (Einfach Mensch werden. Eine Weihnachtsgeschichte. Verlag am Eschbach 2011)

Es geht dem Philosophen Kierkegaard um die Frage, warum denn Gott eigentlich Mensch geworden ist. Und seine Antwort war diese Geschichte. Um wirklich unsere Liebe zu erringen, um unser Herz zu gewinnen, musste Gott sich auf unsere Ebene begeben, Macht und Herrlichkeit ablegen, nicht nur so zum Schein oder Spaß, sondern wirklich die Welt auf den Kopf stellen. Wirklich zum Narren werden und zum Tagelöhner und sich uns zum Dienste anbieten. Im Märchen geht es gut aus. In der Wirklichkeit nicht so einfach. Da geht Gott noch weiter und tiefer, weil der Zustand dieser Welt nicht märchenhaft ist. Und Gott ist mehr als nur verliebt. Er ist die verrückte Liebe selbst.

Machen Sie es wie die Bauerntochter? Vertrauen Sie Ihm? Gewinnen Sie ihn lieb?

Ich wünsche es Ihnen. Dann steht die Welt Kopf und kommt zugleich wieder in Ordnung.

Es grüßt Sie herzlich
Thomas Gertler SJ

15. Januar 2014

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