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Viel schlimmer als die Geschichte von Darlington Hall ist die folgende vom Tod Johannes des Täufers. Das ist eine Geschichte, wie sie in ihrem Wahnsinn immer wieder so vorkommt. Eine teuflische Verkettung. Herodes will den Tod nicht, aber befiehlt in dennoch. Welch absolut sinnloser Tod des Johannes. Welche Vergeudung konnte man sagen. Aber dennoch Erfüllung eines Lebens. Vergeudet ist eher das Lebens des Herodes, seiner Frau des Herodias und ihrer Tochter Salome. Wie denken Sie über diese vier Leben?

© Bild: Titian

Mk 6, 17 - 28

6,17 Herodes hatte Johannes festnehmen und ins Gefängnis werfen lassen. Schuld daran war Herodias, die Frau seines Bruders Philippus, die er geheiratet hatte. 18 Denn Johannes hatte zu Herodes gesagt: Du hattest nicht das Recht, die Frau deines Bruders zur Frau zu nehmen. 19 Herodias verzieh ihm das nicht und wollte ihn töten lassen. Sie konnte ihren Plan aber nicht durchsetzen, 20 denn Herodes fürchtete sich vor Johannes, weil er wusste, dass dieser ein gerechter und heiliger Mann war. Darum schützte er ihn. Sooft er mit ihm sprach, wurde er unruhig und ratlos, und doch hörte er ihm gern zu. 21 Eines Tages ergab sich für Herodias eine günstige Gelegenheit. An seinem Geburtstag lud Herodes seine Hofbeamten und Offiziere zusammen mit den vornehmsten Bürgern von Galiläa zu einem Festmahl ein. 22 Da kam die Tochter der Herodias und tanzte und sie gefiel dem Herodes und seinen Gästen so sehr, dass der König zu ihr sagte: Wünsch dir, was du willst; ich werde es dir geben. 23 Er schwor ihr sogar: Was du auch von mir verlangst, ich will es dir geben, und wenn es die Hälfte meines Reiches wäre. 24 Sie ging hinaus und fragte ihre Mutter: Was soll ich mir wünschen? Herodias antwortete: Den Kopf des Täufers Johannes. 25 Da lief das Mädchen zum König hinein und sagte: Ich will, dass du mir sofort auf einer Schale den Kopf des Täufers Johannes bringen lässt. 26 Da wurde der König sehr traurig, aber weil er vor allen Gästen einen Schwur geleistet hatte, wollte er ihren Wunsch nicht ablehnen. 27 Deshalb befahl er einem Scharfrichter, sofort ins Gefängnis zu gehen und den Kopf des Täufers herzubringen. Der Scharfrichter ging und enthauptete Johannes. 28 Dann brachte er den Kopf auf einer Schale, gab ihn dem Mädchen und das Mädchen gab ihn seiner Mutter. 29 Als die Jünger des Johannes das hörten, kamen sie, holten seinen Leichnam und legten ihn in ein Grab.

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© Foto: Thomas Gertler


Vergeudet?

Das alte englische Schloss Darlington mit Lord Darlington als distinguiertem Hausherrn und mit James Stevens als noch distinguierterem Butler, gespielt von Anthony Hopkins, in dem anrührenden Film „Was vom Tage übrigblieb“ ist Schauplatz einer Tragödie. In den dreißiger Jahren des letzten Jahrhunderts tut Lord Darlington tut sein Bestes, um Deutschland nach dem Versailler Vertrag mehr Gerechtigkeit und auch so etwas wie Ehre widerfahren zu lassen, damit wieder eine echte Partnerschaft möglich ist, und dass Deutschland nicht aus verletzter Würde und der Unmöglichkeit, sich selbst wieder erheben zu können, von neuem Krieg anfängt.

James Stevens, sein Chefbutler, tut alles für seinen Herrn und dessen gastfreies Haus. Mit äußerster Perfektion hat er Haus und Küche und Bedienstete im Blick. Mit dem Zollstock werden Geschirr und Gläser und Besteck arrangiert. Seine ganze Ehre und Würde legt da hinein. Nie ist außer äußerster Höflichkeit eine Gefühlsregung bei ihm zu bemerken. Da ist Miss Sarah (Sally) Kenton, die Housekeeperin, anders. Gespielt im Film von Emma Thompson. Stevens empfiehlt sie seinem Herrn als perfekte Hausdame für das Schloss. Und das ist sie auch. Außer ihrer Geschicklichkeit und Begabung für alle Haushaltsangelegenheiten bringt sie auch Warmherzigkeit und Blumen in das männerbeherrschte Schloss. Bei aller Steifheit und aller Beherrschtheit und Rigorosität der Regeln zwischen männlichen und weiblichen Bediensteten entsteht doch eine zarte Beziehung zwischen Stevens und Miss Kenton. Rührend. Miss Kenton versucht den Panzer von Stevens mehrfach zu durchbrechen. Er reagiert nicht. Miss Kenton verlässt darum nach einigen Jahren Darlington Hall.

Lord Darlingtons Bemühungen um Deutschland scheitern, ja werden als Verrat verstanden. Der Lord verliert alles. Sein Ansehen und auch sein wunderbares Schloss. Es bricht ihm das Herz. Darlington kommt unter den Hammer. Ein Amerikaner, der früher schon in Darlington Gast war, kauft es. Ein Brief von Miss Kenton erreicht Stevens. Sie wäre unter Umständen bereit, nach Darlington zurück zu kommen. Zum ersten Mal wird Stevens aktiv. Er fährt im alten Auto des verstorbenen Lords in den jetzigen Heimatort von Miss Kenton und möchte sie zurück gewinnen. Es bleibt aber äußerlich alles auf der Ebene einer Anstellung als Hausdame. Seine Gefühle und seine Sehnsucht kommen nicht zur Sprache. Der Versuch scheitert. Sally bleibt in ihrem Ort bei ihrem Mann und ihrer Tochter. Mitten im Regen verabschieden sich beide. Der Bus mit Sally fährt ab. Er reißt beider Hände auseinander. Stevens Hand bleibt noch in der Luft – tropfend vom Regen. Sally weint und weint und entschwindet auf der nassen Straße.

Lord Darlingtons Leben ist gescheitert. Das Leben von Stevens ebenfalls – es bleibt kein Glück, nur Arbeit und alte Routine. Er war unfähig seinen Panzer zu öffnen. Sally scheitert am guten englischen Stahl über dem Herzen von Stevens.

Dreifach vergeudetes Leben. Alle drei so liebenswert in ihrer Art. So rührend die naiven Politikversuche von Lord Darlington, dem politischen Amateur. So anrührend all das Zarte zwischen Stevens und Miss Kenton. So traurig das Scheitern bei allem guten Willen der Beteiligten. Aber ich habe keine Wut auf die drei. Nur Traurigkeit und liebende Sympathie.

Vergeudetes Leben? Ja, in vieler Hinsicht und vor allem unter dem Aspekt des persönlichen Gelingens, des Erfolgs und des Glücks. Aber ist das der einzige Maßstab? Freilich möchte man Stevens schupsen und in die Rippen stoßen. Nun sprich mal endlich das befreiende Wort. Nun lass die Pflicht und pflück das Glück! Er kann es nicht. Es kommen einem die Tränen wie der warmherzigen Sally. Vergeudetes Leben?

Was meinen Sie? Und wie erfahren Sie Ihr Leben? Gibt es auch da so ein Scheitern? So ein nicht aus der Haut, aus dem Panzer herauskommen? In einigen Bereichen? Vergeblichkeit? Aber vergeudet? Nach welchem Maßstab?

Ich weiß noch wie eine Frau, damals um die sechzig Jahre, nach der friedlichen Revolution 1989 im Blick auf die Zeit der DDR ausrief: „Vierzig vergeudete Jahre! Furchtbar!“ Ich habe meine vierzig Jahre in der DDR nicht als vergeudet empfunden. Sicher vieles war nicht möglich. Sicher war es in mancher Hinsicht wirklich vergeudete Zeit und vergeudete Lebenskraft. Aber andererseits habe ich auch so viel Glück, so viel Freundschaft, so viel an Tapferkeit und Mut und Bemühen erlebt. Nein, nicht vergeudet. Für mich nicht!

Es grüßt Sie herzlich
Thomas Gertler SJ

19. Februar 2014

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