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Jesus fordert uns zu solchem tiefen Vertrauen auf. Wir sollen Gott als unseren lieben und treuen Freund ansehen, zu dem ich auch zur unmöglichen Zeit kommen und bitten darf. Er wird mich hören und mir geben, was ich brauche. Und die entscheidende Gabe ist an dieser Stelle im Lukasevangelium der Heilige Geist, nämlich Gottes Geist selbst. In ihm schenkt sich Gott selbst. Also das Äußerste, was Gott schenken kann. So lesen wir bei Lukas im 11. Kapitel.

Lk 11,5 Dann sagte er zu ihnen: Wenn einer von euch einen Freund hat und um Mitternacht zu ihm geht und sagt: Freund, leih mir drei Brote;

6 denn einer meiner Freunde, der auf Reisen ist, ist zu mir gekommen, und ich habe ihm nichts anzubieten!,

7 wird dann etwa der Mann drinnen antworten: Lass mich in Ruhe, die Tür ist schon verschlossen und meine Kinder schlafen bei mir; ich kann nicht aufstehen und dir etwas geben?

8 Ich sage euch: Wenn er schon nicht deswegen aufsteht und ihm seine Bitte erfüllt, weil er sein Freund ist, so wird er doch wegen seiner Zudringlichkeit aufstehen und ihm geben, was er braucht.

9 Darum sage ich euch: Bittet, dann wird euch gegeben; sucht, dann werdet ihr finden; klopft an, dann wird euch geöffnet.

10 Denn wer bittet, der empfängt; wer sucht, der findet; und wer anklopft, dem wird geöffnet.

11 Oder ist unter euch ein Vater, der seinem Sohn eine Schlange gibt, wenn er um einen Fisch bittet,

12 oder einen Skorpion, wenn er um ein Ei bittet?

13 Wenn nun schon ihr, die ihr böse seid, euren Kindern gebt, was gut ist, wie viel mehr wird der Vater im Himmel den Heiligen Geist denen geben, die ihn bitten.

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Unerhört erhört

Kennen Sie die Gnadenkapelle von Altötting in Bayern? Vor einem Jahr habe ich sie zum ersten Mal besucht. Der Umgang um die Kapelle ist über und über bedeckt mit sogenannten Votiv-Tafeln, also Bildern, die Gläubige haben aufhängen lassen, um ihren Dank auszudrücken, weil ihr Gebet erhört worden ist

Votiv-Gaben sind Bilder oder andere Dinge, die versprochen oder gelobt worden sind (votum= Gelöbnis, manchmal auch Verlöbnis) und dann am Ort der Erhörung aufgehängt werden.

Manche von den Bildern sind Jahrhunderte alt. Da hängen auch Bilder, die sind so heftig, dass wir heute Scheu hätten, das vor aller Augen zu sagen oder zu zeigen. Ein Kaufmann dankt dafür, dass er von der Syphilis geheilt worden ist. Ein Mörder dankt, dass er auf die Fürbitte der Gottesmutter die furchtbare Strafe des Räderns überlebt hat. Aber uns soll es nicht um das kulturgeschichtliche Interesse gehen, sondern um die Frage der Gebetserhörung. Alle diese Bilder wollen uns das sagen und beteuern: ja, ich bin in meinem Beten und Flehen erhört worden. Die Fürbitte Marias hat mir geholfen. Das will ich hier bezeugen. Dafür möchte ich danken. Und das soll auch öffentlich geschehen. Das soll allen gesagt sein. Habt Vertrauen! Glaubt! Betet in Eurer Not! Ihr dürft wirklich bitten! Äußert Eure Bitten!

Und wenn man um diese Kapelle herumgeht und alle die Hunderte von Tafeln sieht, dann lässt einen das staunen. Und wenn man in die Kapelle geht und all die vielen Menschen sieht, die da beten, dann kann man sich dem nicht entziehen. Ja, man wird selbst zum Beten gedrängt. Aber dann kann es besonders schmerzlich sein, dass mein Gebet nicht erhört wird. Anscheinend werden alle anderen erhört, nur ich nicht. Ja, das kann einen dann geradezu wütend und sehr enttäuscht machen. Warum wird mir nicht geholfen in meiner Not?!

Mir war bei der Frage eine Unterscheidung sehr dienlich. Und zwar die Unterscheidung zwischen der Erhörung einer Bitte und ihrer Erfüllung. Man kann so sagen: Alle Bitten werden von Gott gehört und erhört, aber nicht alle, bei weitem nicht alle werden erfüllt. Aber ist das nicht einfach nur eine billige Ausrede? Was berechtigt mich dazu, eine solche Unterscheidung zu treffen? Es sind zwei Punkte. Erstens gibt es solche Gebetserfüllungen, wie die Votivtafeln zeigen. Das sind Erfahrungen durch Jahrhunderte. Freilich Glaubenserfahrungen. Sie werden von jemandem, der nicht glaubt, anders gedeutet: als Zufall oder Glück oder als Lüge. Andererseits machen wir die Erfahrung, dass die meisten Bitten nicht so erfüllt werden, wie sie geäußert werden. Das ist genauso eine Erfahrung.

Der zweite und entscheidende Punkt ist das Bild von Gott, das mir diese Deutung und Unterscheidung von Erhörung und Erfüllung nahe legt. Das biblische Gottesbild sagt mir: Gott ist der, der da ist. Ja, er ist der „Ich bin da“. (Exodus 3,13-14 ). Das ist sein Name, den er uns nennt. Er sieht die Not und hört das Klagegeschrei. Er kommt, um zu retten. Er ist immer schon dabei, die Not zu wenden. Er ist uns zugewandt in aller unserer Bedrängnis. Er hört und hilft. Das bezeugt die ganze Heilige Schrift. Aber die Bibel bezeugt auch, dass Gott nicht so hilft, wie wir es erbitten. Dafür ist für mich das ergreifendste Beispiel Jesu Gebet am Ölberg. Jesus bittet darum, dass ihm der Kreuzweg, dass ihm das Leiden und der Tod erspart bleiben. Der Vater erhört ihn, aber er erfüllt seine Bitte nicht. Der Engel stärkt Jesus – Zeichen der Erhörung. Aber er muss den Kelch trinken – für uns. Und Jesus tut es. Er tut es im Vertrauen auf Gott. Im Vertrauen darauf, dass Gott ihn hört, auch wenn der Vater den Willen Jesu nicht erfüllt.

Ein letzter Gedanke zum Thema der Gebetserhörung und Gebetserfüllung. Er schließt sich an den letzten Gedanken an. Paulus schreibt über diese Hingabe Jesu für uns: „…Ist Gott für uns, wer ist dann gegen uns? Er hat seinen eigenen Sohn nicht verschont, sondern ihn für uns alle hingegeben – wie sollte er uns mit ihm nicht alles schenken?“ (Röm 8,31f). Gerade indem Gott uns in Jesus Christus sich selbst und alle seine Liebe schenkt, hat er uns das Äußerste gegeben, was er geben kann. Mehr kann Gott uns gar nicht geben. Alles hat er uns damit geschenkt. Das wissen wir im Glauben. Gott ist wirklich für uns. Ganz und gar. Wie sollte ich dann nicht glauben, dass er mich jetzt hört, anhört und mir mehr gibt, als ich erbitte. Das kann mir helfen nun in dem Augenblick, wo auch für mich eine solche schwere Stunde da ist. Gott hört und erhört und er erfüllt auch – größer als ich es jetzt vorstellen kann. „Wie sollte er uns mit ihm nicht alles schenken!“ Er hat ja geschenkt und gegeben, worüber hinaus nichts an Mehr gegeben werden kann: sich selbst in Jesus Christus und in seinem Heiligen Geist.

Wenn ich das glauben kann, dann weiß ich wie Jesus, dass ich immer erhört werde (Joh 11,42). Ich wünsche Ihnen dieses Vertrauen in Gott und in seine Liebe zu uns.

29.02.2012

Mit herzlichen Grüßen
Thomas Gertler SJ

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