Sie sind hier: {$rootlineLinkWrap}updateseele.de{$rootlineLinkWrap}Impuls der WocheUn-glücklich
DeutschEnglishFrancais

Was der Psalm 139 uns sagt, vergessen wir oft im Alltag. Gott ist da. Immer da. ER hält die ganze Welt in der Hand. Er ist da bei allem. Und er trägt und hält mich, im Glück, aber auch im Unglück. Und auch die, die ich für meine und für Gottes Feinde halte, die trägt und hält er und will sie wieder mit sich versöhnen. Anders als der Psalmist in den Versen 19-22 sagt und anders als ich mich dem jungen Mann gegenüber verhalten hatte.

© tlorna - Fotolia.com

Ps 139,1 Herr, du hast mich erforscht und du kennst mich. /

2 Ob ich sitze oder stehe, du weißt von mir. / Von fern erkennst du meine Gedanken.

3 Ob ich gehe oder ruhe, es ist dir bekannt; / du bist vertraut mit all meinen Wegen.

4 Noch liegt mir das Wort nicht auf der Zunge - / du, Herr, kennst es bereits.

5 Du umschließt mich von allen Seiten / und legst deine Hand auf mich.

6 Zu wunderbar ist für mich dieses Wissen, / zu hoch, ich kann es nicht begreifen.

7 Wohin könnte ich fliehen vor deinem Geist, / wohin mich vor deinem Angesicht flüchten?

8 Steige ich hinauf in den Himmel, so bist du dort; / bette ich mich in der Unterwelt, bist du zugegen.

9 Nehme ich die Flügel des Morgenrots / und lasse mich nieder am äußersten Meer,

10 auch dort wird deine Hand mich ergreifen / und deine Rechte mich fassen.

11 Würde ich sagen: «Finsternis soll mich bedecken, / statt Licht soll Nacht mich umgeben», /

12 auch die Finsternis wäre für dich nicht finster, die Nacht würde leuchten wie der Tag, / die Finsternis wäre wie Licht.

13 Denn du hast mein Inneres geschaffen, / mich gewoben im Schoß meiner Mutter.

14 Ich danke dir, dass du mich so wunderbar gestaltet hast. / Ich weiß: Staunenswert sind deine Werke.

15 Als ich geformt wurde im Dunkeln, / kunstvoll gewirkt in den Tiefen der Erde, / waren meine Glieder dir nicht verborgen.

16 Deine Augen sahen, wie ich entstand, / in deinem Buch war schon alles verzeichnet; meine Tage waren schon gebildet, / als noch keiner von ihnen da war.

17 Wie schwierig sind für mich, o Gott, deine Gedanken, / wie gewaltig ist ihre Zahl!

18 Wollte ich sie zählen, es wären mehr als der Sand. / Käme ich bis zum Ende, wäre ich noch immer bei dir.

19 Wolltest du, Gott, doch den Frevler töten! / Ihr blutgierigen Menschen, lasst ab von mir!

20 Sie reden über dich voll Tücke / und missbrauchen deinen Namen.

21 Soll ich die nicht hassen, Herr, die dich hassen, / die nicht verabscheuen, die sich gegen dich erheben?

22 Ich hasse sie mit glühendem Hass; / auch mir sind sie zu Feinden geworden.

23 Erforsche mich, Gott, und erkenne mein Herz, / prüfe mich und erkenne mein Denken!

24 Sieh her, ob ich auf dem Weg bin, der dich kränkt, / und leite mich auf dem altbewährten Weg!

Seitwert Free counter and web stats
© Thomas Gertler


Un-glücklich

Ich sitze im alten Euro-City von Frankfurt nach Linz. Da findet man Steckdosen für Computer und Handys nur an den Tischen. Also gibt es immer einen Kampf darum. Zum Glück ist es nicht sehr voll. Ich habe einen reservierten Platz am Tisch. Ich arbeite an meinem Laptop und die grüne Lampe leuchtet, denn der Stecker steckt. Da kommt ein etwas atemloser junger Mann. Er will auf den Platz neben mir. Er hat auch reserviert. Er will auch an die Steckdose. Es kommt zu einem kurzen, unerquicklichen Streit zwischen uns. Ich ärgere mich über ihn und über mich, raffe mein Zeug zusammen und suche mir einen anderen Platz.

Meine Batterie hält mindestens anderthalb Stunden durch. Danach komme ich sicher wieder an eine Steckdose, und ich kann ja auch mal Pause machen. Aber jetzt schreibe ich erst noch den Impuls über das Schlafen weiter. Es geht ganz gut voran. Ich denke an die Ehepaare, die ich kenne, die immer jeden Abend Frieden miteinander machen. Das habe ich nun verpasst bei dem jungen Mann und bin unglücklich über mich selbst. In Augsburg verlasse ich den Zug. Der Impuls ist fertig. Zuhause beim Auspacken merke ich, meine kleine schwarze Plastiktasche mit allen meinen USB-Sticks ist nicht da. Schreck! Großer Schreck! Ganz großer Schreck! Alle meine Daten, alle meine Bilder, alle meine Impulse, sehr persönliche und private Texte, alles weg. O Unglück. Können Sie sich das vorstellen?! Und der Zug fährt weiter nach Linz – grins.

Sofort gehe ich wieder an den Computer und gebe eine Vermisstenanzeige auf und die gute Deutsche Bahn gibt mir auch sofort eine Verlustnummer, unter der ich nun registriert bin. Jetzt habe ich getan, was ich konnte. Aber der Zug fährt ja nach Österreich. Was kann ich denn machen, wenn das Täschchen dorthin fährt? Und was mache ich, wenn der junge Mann, mit dem ich den Disput hatte, dieses Täschchen findet und nicht diskret, sondern neugierig damit umgeht? Sicher habe ich es in der Eile , mit der ich meine Sachen zusammengerafft habe, an meinem Platz liegen gelassen. Furchtbar. Unglück. Und Gottes Strafe für meine Aggressivität. Das fällt mir natürlich sofort ein. Alle gute Laune ist weg. Ich bin unglücklich und traurig. Und in dieser Nacht darf ich dann gleich üben und üben, ob es mir auch diesmal gelingt mit dem „Loslassen, Thomas, loslassen“ einzuschlafen. Schwer, sehr schwer. Und alles, was schon schief gegangen ist in meinem Leben und alle Sünden fallen mir ein – schrecklich.

Am nächsten Tag rufe ich bei der Bahn an. Ja, die Verlustanzeige liegt vor, aber keine Tasche. Das kann dauern. Vier bis fünf Tage können es schon sein. Und was ist, wenn das Täschchen in Linz gelandet ist? Ja, da müssen Sie auch unter www.oeeb.at eine Verlustmeldung abgeben. Sofort getan. So eine schöne Nummer wie in Deutschland bekomme ich nicht. Na, wer weiß, ob das überhaupt bearbeitet wird!

In meiner Gebetszeit mache ich dem lieben Gott und dem heiligen Antonius wieder mal große Versprechungen. Nie wieder... und von nun an immer… Sie kennen sicher solche Versprechungen auch. Wann haben Sie zuletzt welche gemacht? Haben Sie Ihre Versprechen gehalten?

Am nächsten Tag in der Gebetszeit kommt mir der Gedanke. Ja, übe es nur ein das Loslassen, nicht nur beim Schlafen. Und merke mal, auf welch tönernen Füßen all dein Glaube und Vertrauen stehen. So ein kleines Unglück lässt alles gleich zerbrechen und dahingehen. So sieht es aus –  eine gute kleine Lehrstunde. Ich muss sogar ein bisschen darüber lächeln.

Wie ich aus dem Haus gehen will, ein Anruf. Schwer verständliche Sprache: „Mir hobn da so ein Tascherl gfundn.“ Ich springe bis an die Decke. Was eine kleine Tasche mit vier USB-Sticks? Einer ist blau. Nein, es sind sogar fünf. Glück, Glück, Freude, himmelhoch. Gott sei Dank! Es gibt doch gute Menschen! So euphorisch war ich lange nicht. An diesem Vormittag haben viele an meinem Glück Anteil bekommen. Ich habe gestrahlt und konnte richtig fröhlich sein.

Und die kleine Lehrstunde? Alles wieder vergessen? Nein, jetzt mach ich eine kräftige Spende für einen Menschen im Unglück. Und es gibt noch einiges weiter zum Bedenken, zum Bedanken und Meditieren.

Ich grüße Sie herzlich, denke an Linz und grins.
Thomas Gertler SJ

13.03.2013

Werden Sie Fan von update-seele bei facebook - Diskutieren Sie und tauschen Sie sich aus!