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Auch Jesus lehrt uns die Geduld und genau wie Teilhard de Chardin liest er sie an der Natur ab bei Markus im 4. Kapitel, genau wie der Apostel Jakobus in seinem Brief vielleicht in Erinnerung an das Gleichnis Jesu, nun aber als Geduld mit der Wiederkunft Christi, die sicher kommt, und bis dahin mahnt er zur Geduld miteinander und den oft schwierigen Verhältnissen.

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Mk 4,26 Er sagte: Mit dem Reich Gottes ist es so, wie wenn ein Mann Samen auf seinen Acker sät;

27 dann schläft er und steht wieder auf, es wird Nacht und wird Tag, der Samen keimt und wächst und der Mann weiß nicht, wie.

28 Die Erde bringt von selbst ihre Frucht, zuerst den Halm, dann die Ähre, dann das volle Korn in der Ähre.

29 Sobald aber die Frucht reif ist, legt er die Sichel an; denn die Zeit der Ernte ist da.

Jak 5,7 Darum, Brüder, haltet geduldig aus bis zur Ankunft des Herrn! Auch der Bauer wartet auf die kostbare Frucht der Erde, er wartet geduldig, bis im Herbst und im Frühjahr der Regen fällt.

8 Ebenso geduldig sollt auch ihr sein. Macht euer Herz stark, denn die Ankunft des Herrn steht nahe bevor.

9 Klagt nicht übereinander, Brüder, damit ihr nicht gerichtet werdet. Seht, der Richter steht schon vor der Tür.

10 Brüder, im Leiden und in der Geduld nehmt euch die Propheten zum Vorbild, die im Namen des Herrn gesprochen haben.

11 Wer geduldig alles ertragen hat, den preisen wir glücklich. Ihr habt von der Ausdauer des Ijob gehört und das Ende gesehen, das der Herr herbeigeführt hat. Denn der Herr ist voll Erbarmen und Mitleid.

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Übergang – unfertig und ungewiss

Mit dem Neuen Jahr machen wir ja immer einen Schnitt. Das alte Jahr ist vorbei. Das Neue fängt an. Am klarsten zu vollziehen an der Uhr. Schlag Mitternacht am 31.12. beginnt der 1.1. und damit das Neue. Deutlich ebenso bei der Jahresendabrechnung. Da ist der Zeitpunkt klar, wann das Alte aufhört und wann neu angefangen wird. Aber natürlich ist die Rechnung nie genau am Jahresende fertig. Immer nehme ich etwas mit. Und richtig fertig und abgeliefert wird sie erst im Februar oder so.

Der Schnitt zu Neujahr hat auch etwas Willkürliches, nicht unbedingt etwas Natürliches. Und wenn ich genau hinschaue, dann wird ja in jeder Zeitzone neu der Übergang gefeiert. Ja, wenn ich noch genauer hinschaue, zieht sich die gedachte Linie der Mitternacht ohne jede Unterbrechung über die ganze Erde. Von wegen in Frankfurt an der Oder und in Köln sei zum gleichen Zeitpunkt Mitternacht. Da liegt eine ganze Weile dazwischen. Und ein Astronom oder ein Geograf könnte wahrscheinlich genau sagen, wie viele Minuten… Und wieso feiern wir überhaupt den Jahresanfang am 1. Januar?

In der Natur sind die Übergänge fließend. Obwohl es ja da auch mal Schluss ist mit dem Winter und der Frühling kommt. Aber es kann mal im Februar richtig frühlingshaft duften und im April auch noch mal kräftig schneien. Jeder kennt das. Und dieses Unklare und Ungewisse das lieben wir eigentlich nicht so. Wir machen die Schnitte schärfer und klarer. Wir Menschen verstärken die Unterschiede und geben ihnen Kontur. Wir helfen durch unsere Kultur der Natur etwas auf.

Namentlich machen uns Wachstumsprozesse zu schaffen. Sie gehen so langsam. Von einem Tag zum anderen ist gar nicht zu sehen, wie stark das Gras gewachsen, wie viel dicker die Kartoffel geworden ist und wie viel das Schwein zugenommen hat. Nach vier Wochen aber schon. Und Wachstum heißt unfertig sein, heißt im Übergang sein. In der Pubertät ist das besonders spürbar und für die betroffenen Jungen und Mädchen schwer auszuhalten. Hände und Füße, Arme und Beine wachsen, aber der Rumpf hält nicht Schritt. Ungeschickt stolpern sie durch die Gegend und finden sich selbst beschämend hässlich und ungefüge. Unmengen von Hormonen werden ausgeschüttet und verursachen Pickel, neue Gerüche und heftige körperliche Erscheinungen. Schlimm, so unfertig und im Übergang zu sein.

So ein neues Jahr ist einerseits wie so ein weißes Blatt, aber andererseits auch immer schon beschrieben. Eben nicht vollkommen weiß. Da sind angefangene Sätze meines Lebens, die noch fertig geschrieben werden wollen. Das neue Jahr ist auch im Übergang vom Alten ins Neue und das Alte ist nicht vollkommen abgelegt und zu Ende – nur datumsmäßig vollendet. Es ist das neue Jahr gar nicht so blitz und blank, sondern immer schon von früherem vorgeformt und beeinflusst.

Es gibt einen schönen Text von P. Teilhard de Chardin SJ (1881-1955), der das beschreibt und sehr tröstlich ist. Er war ja Paläontologe und hatte nicht nur mit Jahrtausenden, sondern mit Jahrmillionen zu tun. Da kann man Geduld lernen. Mit den anderen, mit sich selbst, sogar mit Gott. Er schreibt:

„Hab’ Vertrauen in das langsame Arbeiten Gottes. Ganz natürlich drängen wir in allen Dingen ungeduldig dem Ziele zu. Wir möchten die Zwischenstufen überspringen. Wir leiden voller Ungeduld darunter, zu etwas Unbekanntem, Neuen unterwegs zu sein…

Dabei ist es das Gesetz jedes Fortschreitens, dass sein Weg über das Unbeständige führt – das eine sehr lange Zeit andauern kann…

Deine Gedanken reifen ganz allmählich, lass sie wachsen, lass sie Gestalt annehmen, ohne etwas zu überstürzen! Versuche nicht, sie zu zwingen, so als könntest du heute schon sein, was die Zeit (das heißt die Gnade und die Umstände, die auf deinen guten Willen Einfluss nehmen werden) morgen aus dir machen wird…

Schenke unserem Herrn Vertrauen, und denke, dass seine Hand dich gut durch die Finsternisse und das Werden führen wird – und nimm aus Liebe zu ihm die Angst auf dich, dich im Ungewissen und gleichsam unfertig zu fühlen.“

Dass Sie Geduld haben, wie Gott Geduld hat, mit Ihnen, mit den anderen, mit dieser Welt im Werden, im Vergehen und im Übergang in aller Ungewissheit und aller Unfertigkeit, wünsche ich Ihnen zu Beginn des Jahres.

Denn es wäre ja schlimm, wenn Sie schon am Jahresbeginn völlig fix und fertig wären!

04.01.2012

Thomas Gertler SJ

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