Sie sind hier: {$rootlineLinkWrap}updateseele.de{$rootlineLinkWrap}Impuls der WocheTrau deinen Träumen!
DeutschEnglishFrancais

Die klassische Berufungsgeschichte im Alten Testament ist die von Samuel, der als Heranwachsender Gottes Stimme im Schlaf hört und denkt, es rufe ihn Eli, der Priester, bei dem er lernt. Eli merkt, dass es Gott ist und lehrt ihn, auf die Stimme im Traum zu hören.

J. S. Copley (1738-1815) Samuel und Eli

1 Sam 3,1 - 10

3,1 Der junge Samuel versah den Dienst des Herrn unter der Aufsicht Elis. In jenen Tagen waren Worte des Herrn selten; Visionen waren nicht häufig. 2 Eines Tages geschah es: Eli schlief auf seinem Platz; seine Augen waren schwach geworden und er konnte nicht mehr sehen 3 Die Lampe Gottes war noch nicht erloschen und Samuel schlief im Tempel des Herrn, wo die Lade Gottes stand. 4 Da rief der Herr den Samuel und Samuel antwortete: Hier bin ich. 5 Dann lief er zu Eli und sagte: Hier bin ich, du hast mich gerufen. Eli erwiderte: Ich habe dich nicht gerufen. Geh wieder schlafen! Da ging er und legte sich wieder schlafen. 6 Der Herr rief noch einmal: Samuel! Samuel stand auf und ging zu Eli und sagte: Hier bin ich, du hast mich gerufen. Eli erwiderte: Ich habe dich nicht gerufen, mein Sohn. Geh wieder schlafen! 7 Samuel kannte den Herrn noch nicht und das Wort des Herrn war ihm noch nicht offenbart worden. 8 Da rief der Herr den Samuel wieder, zum dritten Mal. Er stand auf und ging zu Eli und sagte: Hier bin ich, du hast mich gerufen. Da merkte Eli, dass der Herr den Knaben gerufen hatte. 9 Eli sagte zu Samuel: Geh, leg dich schlafen! Wenn er dich (wieder) ruft, dann antworte: Rede, Herr; denn dein Diener hört. Samuel ging und legte sich an seinem Platz nieder. 10 Da kam der Herr, trat (zu ihm) heran und rief wie die vorigen Male: Samuel, Samuel! Und Samuel antwortete: Rede, denn dein Diener hört.

Seitwert
Jakobs Traum von der Himmelsleiter - Adam Elsheimer


Trau deinen Träumen!

Vor mir sitzt ein etwa dreißigjähriger Rechtsanwalt und erzählt: „Mir ist klar geworden, dass ich so nicht weiter machen kann und auch nicht weiter machen will. Ich bin jetzt drei Jahre im Beruf. Und ich denke mir, nein, das will ich nicht den Rest meines Lebens machen. Schriftsätze verfassen und verschicken. Mit anderen über Erbsachen streiten. Immer über Erbsachen. Und da kommen so schlimme Dinge zutage. Der Gier wird alles geopfert. Nein, das macht mir ganz krank!“

„Ja, und?“ „Ja, und … Mir ist eingefallen, dass ich schon als Kind eine ganz andere Vision hatte. Ich war Messdiener. Und da habe ich davon geträumt, einmal Priester zu werden. Ich habe es sogar zu Hause gespielt. Zusammen mit meiner Schwester. Damals habe ich auch regelmäßig gebetet. Und das war etwas Schönes und sehr Persönliches. Also so mit eigenen Worten zu beten. Aber dann kam die Pubertätszeit und alles Bisherige geriet in eine Krise. Von Kirche und so war ich erstmal weg. Aber dann während der Studentenzeit kam das Gebet langsam wieder. Und ab und zu auch mal der Gedanke, was ganz anderes zu machen, Priester zu werden oder in einen Orden zu gehen.“

„Und?“ „Ja, ich hab mich einfach nicht getraut. Meinem Traum nicht getraut. Das wäre doch verrückt, habe ich mir gesagt. Und man wird doch für verrückt erklärt. Wenn ich mir vorstelle, das sage ich mal meinen Eltern. Sie sind ganz gut christlich, aber das wäre zu viel für sie. Und noch dazu mit dem ganzen Missbrauchsskandal im Rücken. Unmöglich! Die Tochter eines befreundeten Ehepaares hat mal vorgehabt, ins Kloster zu gehen. Was da los war! Alle haben dagegen geredet. Nein, heute Priester oder Ordenschrist zu werden, das stößt oft innerhalb der Kirche, gerade in der Kirche auf ganz viel Widerstand, ja, auf Angst und so was wie Panik. So blieb bei mir alles nur in Gedanken und wurde vom Alltag verschluckt. Aber die konkrete Berufserfahrung jetzt bringt alles wieder hoch. Was kann ich nun machen?“

„Trauen Sie Ihrem Traum!“

Solche und ähnliche Gespräche habe ich schon oft geführt. Es gab früh schon mal einen Traum. Aber er wurde vergessen. Es gab einen Ruf. Aber er war so leise und wurde übertönt. Es ist gar nicht immer so, dass es den Ruf erst so spät gibt – „spätberufen“ ist ja ein richtiger Fachausdruck geworden. Stimmt oft eigentlich nicht! Sollte man nicht lieber sagen, wie es mir jemand jetzt über seinen Weg mitteilte: spät gehört oder auch spät darauf gehört oder spät gefolgt, nicht spät berufen? Vielleicht liest ja jemand jetzt diese Zeilen und erinnert sich, dass er, dass sie auch mal einen Traum hatte, einen Ruf, der auch immer mal wieder kam. Muss gar nicht Priester oder Nonne sein, kann auch einfach ein Traum von einem Leben mit Gott, von einem Leben aus dem Glauben sein, von einem Leben für andere sein. Trauen Sie Ihren Träumen! Lassen Sie diese Träume nicht total im Sand des Alltagsgeschehens versinken! Sie rufen in sinnvolleres und größeres Leben.

Es ist nicht immer möglich, noch Nonne oder Priester zu werden. Aber zu einem Leben aus dem Glauben, zu einem Leben mit Gott ist es nie zu spät. Und Sie müssen damit auch nicht warten, bis sie ins Kloster oder ins Priesterseminar aufgenommen werden. Nein, sie können heute damit beginnen. Trauen Sie Ihren Träumen! Sie können wahr werden! Und es gibt immer noch überraschende Wege und Wenden. Das habe ich auch schon oft erlebt. Und dafür bin ich so dankbar. Wie zum Beispiel nur acht Tage Stille und Gebet, eine Erfahrung machen lassen, die einen ganz neuen Geschmack am Leben und ins Leben bringt. Kann jeder machen. Wird überall unter dem Titel „Exerzitien“ angeboten. Gottes Wirklichkeit ist erfahrbar. Er spricht zu uns. Er klopft an. Leise, unaufdringlich, aber hartnäckig. Immer wieder.

Trauen Sie Ihrem Traum!

Das wünscht Ihnen
Thomas Gertler SJ

28. Oktober 2015

Werden Sie Fan von update-seele bei facebook - Diskutieren Sie und tauschen Sie sich aus!

Der Wochenimpuls als Newsletter. Jeden Mittwoch. Pünktlich. Kostenlos. In Ihr Email-Postfach. Gleich HIER abonnieren!