Sie sind hier: {$rootlineLinkWrap}updateseele.de{$rootlineLinkWrap}Impuls der WocheTotenstille und Osterjubel
DeutschEnglishFrancais

NEU - der Wochenimpuls als Newsletter. Jeden Mittwoch. Pünktlich. Kostenlos. In Ihr Email-Postfach. Gleich HIER abonnieren!

Die Reidersche Tafel ist der Ostergeschichte bei Lukas im Kapitel 24 am ähnlichsten. So schreibe ich Sie Ihnen hier auf. Auch darin haben Sie viele verschiedene Haltungen von Ratlosigkeit, Angst, Schrecken, Unglauben bis zu Freude, Friede, großer Dankbarkeit und preisendem Gebet.

(c) Martin H. - Fotolia.com

Lk 24,1 Am ersten Tag der Woche gingen die Frauen mit den wohlriechenden Salben, die sie zubereitet hatten, in aller Frühe zum Grab. 

2 Da sahen sie, dass der Stein vom Grab weggewälzt war; 

3 sie gingen hinein, aber den Leichnam Jesu, des Herrn, fanden sie nicht. 

4 Während sie ratlos dastanden, traten zwei Männer in leuchtenden Gewändern zu ihnen.

5 Die Frauen erschraken und blickten zu Boden. Die Männer aber sagten zu ihnen: Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten?

6 Er ist nicht hier, sondern er ist auferstanden. Erinnert euch an das, was er euch gesagt hat, als er noch in Galiläa war: 

7 Der Menschensohn muss den Sündern ausgeliefert und gekreuzigt werden und am dritten Tag auferstehen. 

8 Da erinnerten sie sich an seine Worte. 

9 Und sie kehrten vom Grab in die Stadt zurück und berichteten alles den Elf und den anderen Jüngern. 

10 Es waren Maria Magdalene, Johanna und Maria, die Mutter des Jakobus; auch die übrigen Frauen, die bei ihnen waren, erzählten es den Aposteln. 

36 Während sie noch darüber redeten, trat er selbst in ihre Mitte und sagte zu ihnen: Friede sei mit euch! 

37 Sie erschraken und hatten große Angst, denn sie meinten, einen Geist zu sehen. 

38 Da sagte er zu ihnen: Was seid ihr so bestürzt? Warum lasst ihr in eurem Herzen solche Zweifel aufkommen? 

39 Seht meine Hände und meine Füße an: Ich bin es selbst. Fasst mich doch an und begreift: Kein Geist hat Fleisch und Knochen, wie ihr es bei mir seht.

40 Bei diesen Worten zeigte er ihnen seine Hände und Füße. 

41 Sie staunten, konnten es aber vor Freude immer noch nicht glauben. Da sagte er zu ihnen: Habt ihr etwas zu essen hier? 

42 Sie gaben ihm ein Stück gebratenen Fisch; 

43 er nahm es und aß es vor ihren Augen. 

44 Dann sprach er zu ihnen: Das sind die Worte, die ich zu euch gesagt habe, als ich noch bei euch war: Alles muss in Erfüllung gehen, was im Gesetz des Mose, bei den Propheten und in den Psalmen über mich gesagt ist.

45 Darauf öffnete er ihnen die Augen für das Verständnis der Schrift. 

46 Er sagte zu ihnen: So steht es in der Schrift: Der Messias wird leiden und am dritten Tag von den Toten auferstehen, 

47 und in seinem Namen wird man allen Völkern, angefangen in Jerusalem, verkünden, sie sollen umkehren, damit ihre Sünden vergeben werden. 

48 Ihr seid Zeugen dafür. 

49 Und ich werde die Gabe, die mein Vater verheißen hat, zu euch herabsenden. Bleibt in der Stadt, bis ihr mit der Kraft aus der Höhe erfüllt werdet. 

50 Dann führte er sie hinaus in die Nähe von Betanien. Dort erhob er seine Hände und segnete sie. 

51 Und während er sie segnete, verließ er sie und wurde zum Himmel emporgehoben; 

52 sie aber fielen vor ihm nieder. Dann kehrten sie in großer Freude nach Jerusalem zurück. 

53 Und sie waren immer im Tempel und priesen Gott. 

Seitwert Free counter and web stats
Quelle: Wikimedia Commons (Andreas Praefcke)


Totenstille und Osterjubel 

Was ich Ihnen dies Jahr zu Ostern mitbringen möchte, habe ich gerade selbst geschenkt bekommen. Es ist eine Elfenbeintafel, die so genannte Reidersche Tafel. Sehr alt. Natürlich nicht das Original, ein Bild davon. Die Originaltafel stammt dem 4. Jahrhundert nach Christus. Also noch ganz in der Kunsttradition des antiken Italien. Sie ist wohl in Rom oder in Mailand gefertigt worden. Sie zeigt, was uns das Neue Testament berichtet. Drei Frauen gehen voller Trauer zum Grab. Sie begegnen einem Jüngling, der ihnen mit offenem Blick und Friedensgestus die frohe Botschaft von der Auferstehung bringt. Die erste der Frauen lauscht erstaunt. Die anderen beiden verstecken sich dahinter und verbergen auch noch ihr Gesicht. Aus Trauer oder Schreck. Das ist gewissermaßen die unterste Zeile der Tafel.  

Die zweite Zeile zeigt das Grabmal mit zwei Soldaten. Einer ganz im Schlaf nimmt nichts wahr von dem Geschehen. Der andere mit der Lanze schaut und legt die Hand aufs Herz. Beide eng angelehnt an das Grabmal. Das Grabmal ist ein genaues Abbild der damals noch ganz neuen, im Jahr 335 eingeweihten Grabeskirche von Jerusalem. Und wenn wir herüberschauen auf die rechte Seite sehen wir zwei Gestalten am Boden. Eine in Embryohaltung zusammengerollt. Sie ist für mich gewissermaßen das Osterei im Bild. Trauert die Gestalt? Hat sie Angst? Ist sie in Anbetung niedergefallen? Die andere Gestalt kauert noch, aber ist schon aufgerichtet und schaut auf das Geschehen über ihr. Die Hände vor Erstaunen oder in Gebetshaltung erhoben.  

Die oberste Zeile des Bildes wollen wir rechts mit dem jugendlichen Christus beginnen, der mit kraftvollem Schritt den Berg aufsteigt und weit offenen Auges nach oben schaut. In der Linken die Schriftrolle. Die Rechte ausgestreckt dem Vater entgegen, der ihn ergreift und nach oben zieht. In die Wolke hinein, die den unsichtbaren Gott zugleich verhüllt und Zeichen seiner Gegenwart ist. Und schließlich links in der obersten Zeile der Oliven-Baum des Lebens und des Friedens, in dem die Vögel des Himmels wohnen. Es sind zwei. Sollen sie nach biblischem Vorbild Juden und Heiden darstellen, die nun in das Reich Gottes aufgenommen sind? Vielleicht. 

Was mich berührt auf diesem Bild ist einmal die Jugendlichkeit. Das sind alles junge Leute auf dem Bild. Und das entspricht ja auch der Geschichte. Jesus ein junger Mann. Die Frauen, die zum Grab kommen auch. Der Engel sowieso. Und auch die Soldaten jung. Die Gestalten am Berg auch. Und ein noch jugendlicher Christusglaube. Und als Zweites: Diese Tafel hält in einem einzigen Bild zusammen, was wir ganz unterschiedlich feiern: Karsamstag, Grabeswache, Gang zum Grab voll Trauer, Auferstehung, Ostern, Gang zum Vater oder Himmelfahrt. Alles das ist ein einziges Geschehen. Und als Drittes: Die so sehr unterschiedlichen Haltungen der Menschen. Die Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen. Offener Blick und kraftvollstes Leben und frohes Fest der Himmelsvögel in der obersten Zeile. In der mittleren Schlaf, Trauer, Blindheit, Angst, Regression und Selbstverschlossenheit, aber auch schon Öffnung, Staunen, Gebet, Betroffenheit. Und in der ersten Zeile ganz ähnlich. Die drei Frauen könnten auch eine sein, deren Haltung sich wandelt im Zugehen auf den Engel, der die Auferstehung und den Frieden kündet und der dem jungen Jesus so ähnlich sieht. Könnte er es gar selbst sein? 

Welche Gestalt ist die Ihre? Welche Haltung ist Ihre? Wohin geht es mit Ihnen in dieser Woche? Mehr ins Grab? In Schlaf und Trauer? Oder hören Sie ungläubig–gläubig die unglaubliche Botschaft? Sind Sie gar dieser junge und dynamische Jesus? Er, der verlorene Sohn war und dem nun der Vater die Hand zur Versöhnung reicht. Der tot war und nun lebt. Denn auch das stellt dieses Bild dar. Gott und Mensch sind nun wieder im Frieden und beim großen Fest. Der Christus auf dem Bild ist zugleich ein jeder Christ und jede Christin. Lassen Sie sich von der Dynamik ergreifen. Es kann sein, Sie sind ganz eingerollt wie ein Osterei und traurig in sich selbst verschlossen. Eine verständliche und berechtigte Haltung vieler Jünger am Karfreitag. Jesus wird Sie da herausführen. Er klopft das Osterei auf. Versuchen Sie einmal die Haltung der Gestalt daneben: sich aufrichten, Arme ausbreiten, nach oben schauen. Schon wird es Ihnen anders zu Mute. Und am Ende machen Sie einen kraftvollen Osterspaziergang. Aufwärts. Es gibt eine Hand, die sich Ihnen entgegenstreckt und Sie zieht. 

Dass Sie sich dieser Hand anvertrauen, wünsche ich Ihnen

20. April 2010

Thomas Gertler SJ 

PS: Aus technischen Gründen wird von nun an der neue Impuls immer am Mittwoch eingestellt. So ist die Spannung auf den nächsten größer und hoffentlich die Freude am alten länger!

Gesegnete und frohe Ostern!

Werden Sie Fan von update-seele bei facebook - Diskutieren Sie und tauschen Sie sich aus!