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E. Barlach, Der singende Mann
© Foto:Rufus46 - CC BY-SA 3.0

Gott, singe mich…

Gott, singe mich,
ich will dein Lied sein,
aus deinem Herzen eine Melodie,
bei der sich Kinder niederlassen
und Feinde an den Händen fassen.
Ich will das Lied vom Frieden sein für sie.
Gott, singe mich, ich will dein Lied sein.

Gott, male mich,
ich will dein Bild sein.
In deinen Farben fasse du mich ein,
dass, wer mich sieht, den Meister findet,
das Bild von deiner Größe kündet.
Ein Abglanz deiner Schönheit will ich sein.
Gott, male mich, ich will dein Bild sein.

Gott, liebe mich,
ich will dein Kind sein,
ein Band der Liebe und ein volles Glück.
Erhalten möchte ich dein Leben,
den Namen auch, den du gegeben.
Und immer finde ich zu dir zurück.
Gott, liebe mich, ich will dein Kind sein.

Alexander Ziegert

Seitwert


Stimmgabel mit Resonanzkasten
© Foto: brian0918 - CC BY-SA 3.0

Stimme Stimme!

Ich rufe einen alten Freund in Erfurt an und sage: „Hallo, ich bin‘s!“ Und mein Freund sagt sofort: „Hallo Thomas, altes Haus!“, obwohl ich meinen Namen gar nicht gesagt habe. Sofort erkennen wir die Stimme des anderen, besonders von uns nahen Menschen. Die Stimme ist Ausdruck meiner selbst, mehr noch, viel mehr noch als der Fingerabdruck. Als ganze Person bin ich in meinem Ton.

Denn ob die Stimme stimmt, merken die Menschen, die mich kennen, auch sofort, wenn ich anrufe. Ja, sie merken es oft besser als ich. Sie spüren meine Stimmung aus der Stimme. Ob ich traurig bin. Ob ich fröhlich bin. Ob ich geschafft bin und müde. Das muss ich nicht sagen, das hört man meist gleich an der Stimme. Man muss mich auch gar nicht sehen. Die Stimme sagt es. Stimmts? Übrigens kommt der Begriff Person vom lateinischen „personare“, deutsch „hindurchtönen“, nämlich die Stimme durch die Maske des Schauspielers in der Antike.

Das ist doch mal eine Betrachtung wert, oder!? Was ist mein Ton? Was klingt durch meine Person?

Die Überschrift zu diesem Impuls ist ein Buchtitel und zugleich der eines Gedichts von Wolfgang Hilbig, einem schon verstorbenen Dichter aus dem Osten, den ich persönlich noch kennen lernen durfte. Er wünscht sich, dass die Stimme stimme. Das ist so wichtig. Denn wie oft stimmt die Stimme nicht. Und wie oft war die Stimmung in der alten DDR, die Wolfgang Hilbig erlebt und erlitten hat, so weit runter und klangen die Stimmen der Parteioberen so falsch.

Aber das gilt ja nicht nur immer für die anderen. Auch wir selbst können so verstimmt sein.

Mir erzählte jemand einen Traum: „Ich wollte meine Bratsche stimmen. Es ging nicht. Ich konnte den Wirbel zum Spannen der Saite einfach nicht mehr drehen. Es ging nicht mehr in dem Traum. Das war für mich sehr traurig. Ich konnte nicht mehr spielen. Es war vorbei. Von nun an also ein Leben ohne Melodie.“ Und dann ein paar Jahre später: „Ich hatte wieder einen ähnlichen Traum. Diesmal bekam ich eine Geige in die Hand. Es war eine seltsame Geige aus durchsichtigem Plastik. Komisch! Was ist denn das für ein Instrument, aus so einem Material? Das kann doch gar nicht gehen! Dennoch versuchte ich einen Ton zu spielen. Er klang wunderschön. Unglaublich. Eigentlich nicht möglich und doch. Und das bedeutete für mich jetzt: auch unter solchen eingeschränkten Bedingen, unter denen ich jetzt lebe, kann es gelingen, kann es klingen.“

Da war in den Jahren viel geschehen in der Seele.

Ich galt in unserer Familie immer als unmusikalisch. Vorsingen in der Schule – schwierig und peinsam und schräg. Mein Novizenmeister im Orden aber hat mich ermuntert und mir Mut gemacht. Das war wichtig und hat mir geholfen. Wir haben zusammen die „Missa de angelis“ geübt und gesungen. Ich singe immer schon sehr gern. Und es ging immer besser im Laufe der Jahre. Meine Stimme stimmte immer mehr. Durchtönte mich selbst, den ganzen Körper immer vollständiger. Und das lag auch daran, dass ich mehr mit mir selbst einig wurde, immer mehr ganz geworden bin durch den Weg im Glauben. Davon bin ich überzeugt.

Und das führt weiter zu dem nebenan stehenden Gedicht von Alexander Ziegert, vertont von Kurt Grahl (beide aus der Diözese Dresden): Wir selbst sollen immer mehr ein Lied werden. Ein Lied, das Gott singt. Es soll Gottes Melodie durch uns hindurch tönen können. Und das geht nur gut, wenn ich keinen Sprung in der Schüssel habe. Keinen Riss in der Klangschale meines Lebens. Oft haben wir solche Risse und wir klingen nicht mehr richtig. Aber der Riss kann wie bei der Erfurter Glocke „Gloriosa“ wieder geheilt werden. Wir können in den Frieden und die Harmonie kommen. Gott heilt uns.

Das Sie das erfahren, wünsche ich Ihnen und dass die Stimme stimme.
Thomas Gertler SJ

5. Oktober 2016

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