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Die entscheidenden Kräfte kommen oft aus dem Verborgenen und aus der Tiefe. Jesus benutzt die Bilder vom Senfkorn und vom Sauerteig, um zu sagen, dass das Reich Gottes mitten unter uns ist und wächst und wirkt – oft mehr als man glaubt:

© Foto: Damitr - CC BY-SA 3.0

Mt 13,31-33

13, 31 Er erzählte ihnen ein weiteres Gleichnis und sagte: Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Senfkorn, das ein Mann auf seinen Acker säte. 32 Es ist das kleinste von allen Samenkörnern; sobald es aber hochgewachsen ist, ist es größer als die anderen Gewächse und wird zu einem Baum, sodass die Vögel des Himmels kommen und in seinen Zweigen nisten. 33 Und er erzählte ihnen noch ein Gleichnis: Mit dem Himmelreich ist es wie mit dem Sauerteig, den eine Frau unter einen großen Trog Mehl mischte, bis das Ganze durchsäuert war.

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© Foto: Afrank99 - CC BY-SA 2.5


Stellschrauben unseres Lebens

Wer kennt sie nicht, die Geschichte von der kleinen Schraube im Schiffsrumpf, die sich ein wenig lockert und so eine Panikwelle im ganzen Schiffskörper auslöst. - Was für eine enorme Wirkung doch ein unscheinbares Schräubchen haben kann!

Wie empfindlich reagiert ein mechanisches Uhrwerk (ca. 60 winzige Schräubchen) oder eine Tür in der Angel auf die kleinste Verstellung einer Schraube! Oder die Zahnspange eines Kindes, wenn an der Stellschraube ein wenig gedreht wird! Sinnvoll ist eine Verstellung allerdings nur dann, wenn sie auf ein Ziel hin wirkt: damit also die Uhr wieder richtig „geht“, damit die Tür nicht mehr schleift oder klemmt und damit die Zahnreihe allmählich gerade wächst. Voraussetzung ist also, dass die Schraube in die richtige Richtung gedreht wird.

Wo sind die Stellschrauben unseres Lebens?

Gewiss, da sind die großen und auffälligen Schrauben; gemeint sind Veränderungen größeren Ausmaßes wie zum Beispiel ein Berufs-, Partner- oder Ortswechsel. Zuweilen sind auch massive Umstellungen durch Krankheit, Trennung oder soziale Not unausweichlich; sie können gewaltsam in das Leben eines Kindes oder Erwachsenen eingreifen.

Eine gesunde Elastizität bringen die kleinen Stellschrauben in unser tägliches Leben, wenn sie richtig „gestellt“ werden. Das ist wie bei Schuheinlagen, die mit ihren wenigen Millimetern auf Dauer zum Wohl oder Weh der gesamten Anatomie wirken können. Auch in unserer Seele und Psyche können minimale Bewegungen aufs Ganze gesehen entscheidend sein für unsere Ausgeglichenheit und Haltung, unseren Kräftehaushalt, unsere menschlichen Beziehungen und unser allgemeines Wohlbefinden.

In einem belasteten Arbeitsklima zum Beispiel lohnt es sich manchmal schon, ein kleinwenig ein Schräubchen zu lockern, damit die Kommunikation wieder fließen kann. Oder manchmal genügt es, die Erwartungen an einen Mitmenschen oder den eigenen Anspruch an eine Aufgabe ein wenig zu lockern, damit der Druck nachlässt. Wo mich meine persönliche Tagesstruktur unzufrieden macht, könnte es angesagt sein, an einer einzigen Stelle ein Schräubchen anzuziehen (z.B. bei der Mediennutzung, der Zeit des Schlafengehens, der Terminplanung …), damit sich der Rhythmus neu ordnet. Oder manchmal hilft eine Viertelstunde stillen Daseins oder Betens am Tag oder der Gottesdienst am Sonntag, um neues Vertrauen in Gott und in sich selbst zu finden. Ja, manchmal genügt eine Drehung von ein paar Grad - nicht gewaltsam, sondern behutsam. Die Wirkung kann enorm und nachhaltig sein.

Vom Pfingstfest haben wir noch das „Sturmesbrausen“ aus der Apostelgeschichte (Apg 2,1-11) im Ohr, den kraftvollen Aufbruch in Jerusalem, der die Jünger Jesu enthemmt, sie „mit dem Heiligen Geist erfüllt“ und in die Welt schickt. Auch heute, im Juni 2014, und immerfort ist Gottes Geist am Werk. Aber, so schrieb der Jesuit Alfred Delp:

„Der Geist bricht nicht gewaltsam in fremden Raum ein. Der Heilswille Gottes vergewaltigt uns nicht, sondern harrt des Rufes und der offenen Willigkeit.
Dann allerdings genügt die kleinste Regung des Herzens, um Ozeane des Herrgotts in Bewegung zu bringen.“

Kleine Schraube, große Wirkung - kleinste Regung, Ozeane Gottes! Ja, trauen wir ihm, unserem Gott, ruhig zu, dass er sich unserer kleinen Stellschrauben bedient - nicht gewaltsam, sondern dann, wenn wir bereit sind, Gottes feine Signale zu hören. Wichtig ist, dass wir die Schrauben in die richtige Richtung drehen: auf Gott hin, um unser Leben mehr mit ihm zu leben. Denn „ohne sein lebendig Wehn | kann im Menschen nichts bestehn, | kann nichts heil sein noch gesund“ (Pfingstsequenz, um 1200).

Und: es muss nicht gleich ein Ozean sein; manchmal genügt der kleine Badesee in der Nähe. Gott ist schon dort.

In diesem Sinn eine schöne Sommerzeit wünscht Ihnen
Marlies Fricke

11. Juni 2014

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