Sie sind hier: {$rootlineLinkWrap}updateseele.de{$rootlineLinkWrap}Impuls der WocheSpiritualität des Hundetrainings
DeutschEnglishFrancais

Die Weisheitsbücher wie das Buch Jesus Sirach preisen den Mut, sich in Zucht zu nehmen, also sich selbst zu erziehen. Und das geschieht, indem ich mich der Wahrheit und Weisheit unterstelle, sie mutig und demütig annehme. Wer sich ihr verschließt, der verliert. Wer sie annimmt, der gewinnt und wird frei. So wie Jesus sagt: „Die Wahrheit wird euch frei machen“ (Joh 8,31f).

Teil des Ensembles „Courage“, der Künstlerin Hanneke Beaumont. © Foto: Koppchen - CC BY-SA 3.0

Sirach 6, 18 - 37

6,18 Mein Sohn, lerne Zucht von Jugend an / und du wirst Weisheit gewinnen, bis du ergraut bist.
19 Wie ein Pflüger und Schnitter geh auf sie zu / und warte auf ihren reichen Ertrag! Du wirst in ihrem Dienst nur wenig Mühe haben / und bald ihre Früchte genießen.
20 Rau ist sie für den Toren, / wer ohne Einsicht ist, erträgt sie nicht.
21 Wie ein schwerer Stein lastet sie auf ihm, / er zögert nicht, sie abzuwerfen.
22 Denn die Zucht ist wie ihr Name, / vielen ist sie unbequem.
23 Höre, mein Sohn, nimm meine Lehre an, / verschmäh nicht meinen Rat!
24 Bring deine Füße in ihre Fesseln, / deinen Hals unter ihr Joch!
25 Beuge deinen Nacken und trage sie, / werde ihrer Stricke nicht überdrüssig!
26 Mit ganzem Herzen schreite auf sie zu, / mit voller Kraft halte ihre Wege ein!
27 Frage und forsche, suche und finde! / Hast du sie erfasst, lass sie nicht wieder los!
28 Denn schließlich wirst du bei ihr Ruhe finden, / sie wandelt sich dir in Freude.
29 Ihre Fessel wird dir zum sicheren Schutz, / ihre Stricke werden zu goldenen Gewändern.
30 Ein Goldschmuck ist ihr Joch, / ihre Garne sind ein Purpurband.
31 Als Prachtgewand kannst du sie anlegen, / sie aufsetzen als herrliche Krone.
32 Wenn du willst, mein Sohn, kannst du weise werden, / du wirst klug, wenn du dein Herz darauf richtest.
33 Bist du bereit zu hören, so wirst du belehrt, / neigst du dein Ohr, erlangst du Bildung.
34 Verweile gern im Kreis der Alten, / wer weise ist, dem schließ dich an!
35 Lausche gern jeder ernsten Rede, / keinen Weisheitsspruch lass dir entgehen!
36 Achte auf den, der Weisheit hat, und suche ihn auf; / dein Fuß trete seine Türschwelle aus.
37 Achte auf die Furcht vor dem Herrn, / sinn allezeit über seine Gebote nach! Dann gibt er deinem Herzen Einsicht, / er macht dich weise, wie du es begehrst.

Seitwert Free counter and web stats
© Foto: Thomas Gertler


Spiritualität des Hundetrainings

Entfernte Verwandte haben sich einen Hund angeschafft. Ein jungen, ganz süßen und niedlichen. Polly mit Namen. Ich weiß jetzt gar nicht die Sorte. Ja, Polly nimmt nun viel Zeit in Anspruch. Aber es ist auch so schön mit ihm. Und der Hund braucht Erziehung und dafür gibt es ja extra Übungsplätze. Und sie geht da bereitwillig mit hin und stürzt sich teilweise voller Begeisterung auf die Übungen. Und natürlich ist es auch toll, all die anderen Hunde zu treffen und mit ihnen rumzutoben.

Aber jetzt nach dem achten Mal kennt sie das schon. Und da bleibt sie einfach sitzen. Will nicht. Hat keinen Bock. Und Helga, das Frauchen ist ratlos. Wie kriege ich Polly in Bewegung und wieder zu ihrem alten Lerneifer? Diana, die Hundetrainerin, sagt zu Helga: „Weißt Du, dein Hund langweilt sich.“ „Ja, das sehe ich auch.“ „Also genauer gesagt, Du bist langweilig für Deinen Hund.“ Bei Helga schwillt die Zornesader und sie sagt zu sich selbst: „Also das ist doch eine Frechheit. Jetzt soll ich schuld sein. Und das hat noch nie jemand zu mir gesagt, dass ich langweilig bin – und nun auch noch für den Hund!“

Aber zugleich weiß sie, dass da doch was dran ist. Gerade ihre Wut zeigt ihr, dass Diana, die Göttin der Jagd, mit ihrem Pfeil getroffen hat. Sonst würde sie ja nur lachen. Ihr ist aber gar nicht zum Lachen. Soll sie nun ihrer Wut folgen? Soll sie sich beleidigt wegdrehen und den Laden dicht machen? Pah, Du kannst mich mal! Oder soll sie beim Hundetraining auch selbst etwas lernen? Das ist hart. Das bedeutet erst einmal runterschlucken. Die Wut verlassen und die Wahrheit in Dianas Worten akzeptieren.

All das geht natürlich in Bruchteilen von Sekunden in Helgas Kopf vor sich. Eine wichtige Entscheidung. Lass ich mich ein auf die harte Lehre oder mach ich zu und gebe meiner Wut Recht? Leichter ist natürlich das Letzte. Aber es geht auch eine Chance vorüber, wirklich etwas verstehen zu können. Wirklich über mich selbst hinaus wachsen zu können. Wirklich zu erfahren, was mein Hund (was mein Mann, was meine Kollegen, was meine Kinder) wo möglich langweilig an mir finden, aber nie gesagt haben.

Helga ist mutig und demütig zugleich. Sie schluckt und blickt mutig auf und nicht wütend weg. Sie schaut Diana an und sagt: „Diana, na dann sag mir, wie ich für meinen Hund interessanter werde!“ „Du musst selbst begeistert sein und nicht die Begeisterung von Polly erwarten. Wenn Du selbst es langweilig und als bloße Routine findest, zum Hundetraining zu gehen, nimmt Polly das auf und empfindet das so wie ihr Frauchen. Aber wenn Du voller Freude und Begeisterung bist, dann ist es bei ihr genauso. Und wenn Du was lernen willst, dann will sie das auch. Und am wichtigsten ist, dass Du Dich für Polly selbst interessierst.“

Ja, das hätte Helga nun nicht gedacht, wie ähnlich sich Hunde und Menschen sind.

Helga hat was gelernt für ihr Leben. Es hat geschmerzt, dass sie erfuhr, sie sei langweilig für ihren Hund. Also nun auch noch für den Hund. Also, also … Wirklich schwer zu akzeptieren. Aber dadurch, dass sie sich entschieden hat, nicht eingeschnappt zu sein, hat sich ihr eine ganz neue Einsicht geöffnet. Sie versteht nun nicht nur Polly besser. Durch den Mut zur Demut hat sie eine viel umfassendere Einsicht gewonnen, nämlich dass es sich lohnt, eine schwere Wahrheit anzunehmen.

Liebe Leserinnen und Leser, haben Sie auch schon solche Lernerfahrungen gemacht? Durch den Mut, eine schwere Wahrheit zu akzeptieren, kann man wachsen und reifen. Dadurch gewinnt man die Fähigkeit, immer wieder lernfähig zu sein und weiter zu reifen und schließlich weise und innerlich voller Frieden zu werden. Durch Verweigerung und durch beleidigtes Verschließen kann ich die nächste Chance auch wieder verpassen. Und so baue ich eine Chaussee zu immer mehr Blindheit und Uneinsichtigkeit. Während der andere Weg zu immer mehr Einsicht, Offenheit, Toleranz und Weisheit führt.

Ist das übertrieben? Ein bisschen. Aber oft entscheide ich in Bruchteilen von Sekunden über meinen Weg, ob ich mehr in Richtung Wahrheit oder mehr zur Blindheit marschiere.

Möge es mehr zur Wahrheit sein – auch wenn sie erst einmal schmerzt – denn das tut allen gut. Selbst Polly wedelt mit dem Schwanz, weil sie nun ein interessanteres Frauchen hat…

Viele Grüße
Thomas Gertler SJ

21. Mai 2014

Werden Sie Fan von update-seele bei facebook - Diskutieren Sie und tauschen Sie sich aus!

Der Wochenimpuls als Newsletter. Jeden Mittwoch. Pünktlich. Kostenlos. In Ihr Email-Postfach. Gleich HIER abonnieren!