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Einer der stärksten Hoffnungstexte steht im 8. Kapitel des Briefs des Apostels Paulus an die Römer. Dazu muss man wissen, dass Paulus oft in lebensbedrohlichen Situationen war, dass er ungeheure Spannungen ausgehalten hat, nicht nur von außerhalb der jungen Christengemeinde, auch von innerhalb. Und dennoch diese Hoffnung und diese Glaubensgewissheit. Nicht aus eigener Kraft und Stärke, sondern aus der Kraft und Stärke, die ihm Christus schenkt.

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Röm 8,31 Was ergibt sich nun, wenn wir das alles bedenken? Ist Gott für uns, wer ist dann gegen uns? 

32 Er hat seinen eigenen Sohn nicht verschont, sondern ihn für uns alle hingegeben - wie sollte er uns mit ihm nicht alles schenken? 

33 Wer kann die Auserwählten Gottes anklagen? Gott ist es, der gerecht macht.

34 Wer kann sie verurteilen? Christus Jesus, der gestorben ist, mehr noch: der auferweckt worden ist, sitzt zur Rechten Gottes und tritt für uns ein. 

35 Was kann uns scheiden von der Liebe Christi? Bedrängnis oder Not oder Verfolgung, Hunger oder Kälte, Gefahr oder Schwert? 

36 In der Schrift steht: Um deinetwillen sind wir den ganzen Tag dem Tod ausgesetzt; wir werden behandelt wie Schafe, die man zum Schlachten bestimmt hat. 

37 Doch all das überwinden wir durch den, der uns geliebt hat. 

38 Denn ich bin gewiss: Weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Gewalten 

39 der Höhe oder Tiefe noch irgendeine andere Kreatur können uns scheiden von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserem Herrn. 

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Sinnlos 

Es ist doch alles sinnlos! Es hat doch alles keinen Zweck! So sagen und empfinden viele. Besonders leicht sagen so und empfinden so junge Leute. Denn in der Jugend neigt man besonders zur Übertreibung. Weil ich jetzt Krach mit den Eltern habe. Weil sie mich nicht verstehen. Weil mir mein/e Freund/in den Laufpass gegeben hat. Weil es wieder Ärger mit dem Meister oder eine schlechte Zensur gegeben hat. Darum ist ALLES sinnlos. Die eine Sinnlosigkeitserfahrung dehnt sich auf alles aus. Die schwarze Tinte des Nichts ergießt sich über das ganze, noch kaum beschriebene Blatt meines Lebens. Und in der Übertreibung der Jugend kommen sogar Gedanken daran, Schluss zu machen. Ich will nicht mehr. 

Wer kennt das nicht? Jede/r hat es schon erlebt. Und je näher an mir dran – wie die Eltern oder der geliebte Mensch zum Beispiel, umso tiefer und umfassender ist diese Dunkelheit und Schwärze. Wie gehe ich damit um? Wie finde ich wieder Sinn? 

Das Erste: tatsächliche Wahrnehmung des Unglücks oder der Sinnlosigkeit. Wie? Etwa noch tiefer da rein? Ich will doch lieber weglaufen und mich besaufen und vergessen oder mich bei jemandem ausheulen, der/die mich versteht und auf meiner Seite steht. Das kann ich machen und kenne ich auch von mir selbst, aber es hilft mir nicht viel, außer dem Gespräch mit dem verständnisvollen Menschen. Nein, sage ich (und hoffentlich auch der verständnisvolle Mensch), nicht flüchten, sondern richtig auf die verfahrene Situation schauen. Das muss ich als erstes mutig tun. Ehrlich hingucken. Ja, es ist schlimm und es ist schrecklich für mich. Es gibt diesen Konflikt mit den Eltern. Er ist heftig und ich bin dadurch verletzt und wütend und erstmal hilflos und ohnmächtig. Und all das darf ich auch sehen und ansehen. Und alle die Gefühle einmal spüren und da sein lassen. Auch wenn es etwas ist, das ich ganz und gar nicht will. Das mein Leben stört und mir die Freude und gute Laune nimmt. 

Wenn ich es anschaue und zugebe und möglichst genau zu verstehen suche, passiert oft schon von selbst das Zweite, nämlich die Erkenntnis, dass es gar nicht alles betrifft. Dass dadurch noch nicht ALLES sinnlos ist. Es ist eben der Konflikt mit den Eltern und nicht mit der ganzen Welt. Und dabei stärker und unversöhnlicher nur mit dem Vater. Die Mutter versucht eigentlich zu vermitteln. Es ist ein begrenzter Konflikt. Heftig. Bedrohlich. Ernst. Aber es ist nicht ALLES. Und damit habe ich schon mal der schwarzen Tinte eine Grenze gesetzt. Sie muss und darf nicht alles einschwärzen. Ich muss nicht so übertreiben und muss mich nicht so völlig reinziehen lassen in mein Unglück und es auswalzen und größer und dicker machen, als es ist. Ja, es ist schlimm. Aber es ist noch nicht das Ende der Welt und auch noch nicht mein Ende. 

Und hier soll ich mal noch etwas verweilen. Nämlich positiv. Es ist nicht alles. Die Welt ist noch mehr. Ich bin noch mehr. Ja, auch mein Vater ist noch mehr als diese heftige Geschichte mit dem Auto oder der Reise oder dem Berufswunsch. Was auch immer es ist. Ich muss nicht mich selbst und mein ganzes Leben innerlich davon abhängig machen. Bei aller tiefen Verbindung zu und Abhängigkeit von meinem Vater ist das doch nicht alles in meinem Leben. 

Und noch einen Schritt weiter. Ich versuche wieder in den Frieden zu kommen. Geht das? Es geht, wenn ich versuche, den Konflikt anzugehen und zu lösen. Ihn nicht noch tiefer und weiter zu treiben, um mich mit allen Mitteln zu behaupten. Ich versuche etwas Schweres, aber doch Befreiendes. Ich versuche die Wahrheit auf der Seite meines Vaters zu sehen und zu akzeptieren. Oft reagiere ich ja in einem Konflikt so wütend, weil ich zugeben muss, aber nicht zugeben will, dass mein Gegenüber auch Recht hat. Ich will diese Wahrheit nicht sehen und hören, weil ich sie nicht zugeben will. Auf keinen Fall will ich Unrecht haben. Aber es ist befreiend, die Wahrheit des anderen anzunehmen und zu bejahen. Ich darf sie ruhig würdigen. Nur keine Angst vor der Wahrheit. Wenn ich sie sehe, annehme und zugebe, dann gibt es die Chance, dass umgekehrt mein Vater sieht und zugibt, dass ich auch echte und beherzigenswerte Argumente habe. Und dann kann es vielleicht doch noch ein fruchtbares Gespräch geben und wir kommen der Versöhnung und Verständigung nahe. 

Aber natürlich gibt es noch viel weiter reichende Sinnlosigkeitserfahrungen im Leben. Lang andauernde Arbeitslosigkeit, Zerbrechen der Ehe. Chronische Krankheit. Gefängnis. Tod eines nahen Angehörigen. Jeder kann noch Eigenes hinzufügen. Was ist damit?  

Grundsätzlich kann ich damit genauso umgehen, wie vorher beschrieben. Der Not und dem Unglück ins Auge schauen. Ihre Wahrheit annehmen. Das Leid und die Gefühle zulassen. Und darüber hinausschauen. Nicht völlig darauf fixieren und den Blick verengen. Das geht aber nur, wenn ich den Horizont weiter spannen kann. Wenn er weiter als diese Katastrophe reicht. Und das geht dann nicht mehr, ohne nach Gott zu fragen. Denn wenn die Sinnbedrohung tatsächlich nicht mehr nur einen Ausschnitt meines Lebens, sondern mein Leben selbst betrifft, dann muss ich die Frage beantworten, ob es noch mehr als mein Leben gibt. Mehr als diese Welt und dieses Leben. Denn nur dann kann ich die Bedrohung meines Lebens auch noch einmal relativieren, also auf ein noch Größeres und Umfassenderes beziehen. Etwas, in das ich alles einbergen kann.

Auch wenn ich sage, nein, es kommt nichts nachher, kann ich hier noch sinnvoll leben, weil Wahrheit, Güte, Liebe, Hilfsbereitschaft auch dann sinnvoll sind, wenn für mich mit dem Tod alles aus ist. Aber ich muss dann damit leben, dass der Sinn von allem in Frage steht. Dass mein Leben zwar sinnvoll war, aber das Ganze möglicherweise absurd. Und das ist schwer. Das ist heroisch. Das ist die Antwort des Arztes Rieux in der „Pest“ von Albert Camus. Was ganz viele tun, sich all dem nicht zu stellen, sondern auszuweichen, zu fliehen, die Augen zu verschließen, das hilft nicht wirklich, sondern führt am Ende zu Verzweiflung. 

Der Glaube an Gott spannt den Horizont weiter. Das ist Trost. Nicht Vertröstung. Vertröstung wäre es dann, wenn es mich davon dispensierte, mich mit all dem auseinanderzusetzen und ich nicht die Not des Glaubenswagnisses hätte. Denn den Mut zum Vertrauen in ein Größeres und Übersteigendes, ja in ein liebendes und nahes Du muss ich selbst finden. Und darin kann ich dann nach Ringen und Mühe auch wieder Sinn erringen. 

23.11.2010

Dass sie ihn finden und weitergeben, das wünsche ich Ihnen 
Thomas Gertler SJ

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