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Auch Jesus kennt diesen tröstenden und ermutigenden Blick in die Schöpfung. Er sieht die Blumen auf dem Feld und die Vögel des Himmels. Und auch uns hilft der Blick auf sie in unseren Sorgen und Ängsten um uns selbst. Sie helfen uns wieder neu zu vertrauen und Mut zu gewinnen. So schreibt Lukas im 12. Kapitel seines Evangeliums:

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Lk 12,22 Und er sagte zu seinen Jüngern: Deswegen sage ich euch: Sorgt euch nicht um euer Leben und darum, dass ihr etwas zu essen habt, noch um euren Leib und darum, dass ihr etwas anzuziehen habt. 

23 Das Leben ist wichtiger als die Nahrung und der Leib wichtiger als die Kleidung. 

24 Seht auf die Raben: Sie säen nicht und ernten nicht, sie haben keinen Speicher und keine Scheune; denn Gott ernährt sie. Wie viel mehr seid ihr wert als die Vögel! 

25 Wer von euch kann mit all seiner Sorge sein Leben auch nur um eine kleine Zeitspanne verlängern? 

26 Wenn ihr nicht einmal etwas so Geringes könnt, warum macht ihr euch dann Sorgen um all das übrige? 

27 Seht euch die Lilien an: Sie arbeiten nicht und spinnen nicht. Doch ich sage euch: Selbst Salomo war in all seiner Pracht nicht gekleidet wie eine von ihnen.

28 Wenn aber Gott schon das Gras so prächtig kleidet, das heute auf dem Feld steht und morgen ins Feuer geworfen wird, wie viel mehr dann euch, ihr Kleingläubigen! 

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Sinn und Sinnlichkeit 

Dieser Impuls hat nichts unmittelbar zu tun mit dem Buch von Jane Austen „Sense and Sensibility“ oder dem berühmten Film „Sinn und Sinnlichkeit“. Von beiden weiß ich, dass es sie gibt, habe aber weder das Buch gelesen noch den Film gesehen. Vielleicht tue ich es ja noch. Nein, mir gefällt der Titel. Und es geht mir diesmal um den Zusammenhang des Lebenssinns mit meinen fünf Sinnen oder wie man früher sagte mit der Sinnlichkeit. Den heute zumeist beim Wort Sinnlichkeit mitgehörten erotisch-sexuellen Beiklang hatte das Wort früher nicht. Da ging es nur um die fünf Sinne. Und diesmal auch. 

Wann empfinde ich etwas als sinnlos? 

Mein Leben und meine Arbeit empfinde ich als sinnlos, wenn sie nicht irgendwie in einem Zusammenhang zu anderen stehen und einen Nutzen haben. Wenn ich nicht sehe, dass meine Arbeit oder mein Leben zu irgendetwas gut sind, zu irgendetwas brauchbar sind, dann empfinde ich sie als sinnlos. Wenn ich nicht irgendwo mit dazu gehöre, dann empfinde ich mein Leben und Tun als sinnlos. 

Sinn meint immer so einen Zusammenhang. Wenn dieser Zusammenhang verloren geht, dann gehe ich selbst verloren. Weniges ist schlimmer zu ertragen, als wenn man zu nichts gebraucht wird, wenn man überflüssig ist, wenn es nichts gibt, was ich Sinnvolles tun kann. Und wenn ich auf diese Weise ausgeschlossen bin, nicht mehr dazu gehöre. 

Immer wieder machen wir solche Erfahrungen mit der Sinnlosigkeit. Wie komme ich aus dem Abgeschnittensein, aus der Isolierung wieder heraus? Das letzte Mal habe ich schon Schritte beschrieben. Heute will ich einen anderen zeigen. Einen, den Sie alle schon kennen. Wir gehen ihn zusammen mit Erich Kästner 

Die Wälder schweigen 

Die Jahreszeiten wandern durch die Wälder.
Man sieht es nicht. Man liest es nur im Blatt.
Die Jahreszeiten strolchen durch die Felder.
Man zählt die Tage. Und man zählt die Gelder. 
Man sehnt sich fort aus dem Geschrei der Stadt.

Das Dächermeer schlägt ziegelrote Wellen.
Die Luft ist dick und wie aus grauem Tuch.
Man träumt von Äckern und von Pferdeställen.
Man träumt von grünen Teichen und Forellen.
Und möchte in die Stille zu Besuch.

Man flieht aus den Büros und den Fabriken.
Wohin, ist gleich! Die Erde ist ja rund! 
Dort, wo die Gräser wie Bekannte nicken
und wo Spinnen seidne Strümpfe stricken,
wird man gesund. 

Die Seele wird vom Pflastertreten krumm.
Mit Bäumen kann man wie mit Brüdern reden
und tauscht bei ihnen seine Seele um.
Die Wälder schweigen. Doch sie sind nicht stumm.
Und wer auch kommen mag, sie trösten jeden. 


Der Stadtmensch bei Erich Kästner ist abgeschnitten von der Natur. Nur Häusermeer, nur Straßenschluchten, nur künstliche Welt. Er sehnt sich heraus. Er möchte andere Luft, andere Farben, Stille und die gedämpften Farben des Waldes. Sie trösten. 

Warum trösten sie denn? Dieses Wandern in der Natur ohne Gedanken, ohne Grübeln, nur im Schauen, Riechen, Lauschen und Gehen das stellt wieder den Zusammenhang her, der vorher verloren gegangen war. Nicht das Denken, Nachdenken, das Hirn zermartern tröstet, sondern diese einfache Wahrnehmung der Natur, der Wirklichkeit der Schöpfung, und zwar mit allen meinen fünf Sinnen. So komme ich über meine Sinne wieder zum Sinn, daher „Sinn und Sinnlichkeit“. Da stellt sich dann nach zwei Stunden Wandern dieser zerbrochene Zusammenhang mit mir selbst und mit der Welt, ja mit Gott wieder her. Da finde ich wieder die Zugehörigkeit. Ich darf da sein. Ich freue mich wieder des Da-Seins. Die Natur nimmt mich auf und ich stimme ein. Die Natur, die Bäume, die Blätter, die Blumen, die Landschaft sie tun mir wohl und gut. Da gehöre ich dazu. Sie versöhnen mich. „Die Bäume schweigen. Doch sie sind nicht stumm.“ Sie hören mich an und sagen mir etwas. 

Wenn ich das im Glauben betrachte, ist solche Wahrnehmung der Natur und der Schöpfung tatsächlich eine Erfahrung Gottes. Er ist gegenwärtig in der Wirklichkeit, ja, Er ist die tiefste, wirklichste Wirklichkeit. „Gott umarmt uns durch die Wirklichkeit.“ Für viele ist diese Gotteserfahrung viel einfacher, ursprünglicher und tiefgehender als der Gang in die Kirche und darum ist er auch richtig und wichtig für sie (hoffentlich bekomme ich nun nicht Befall von der falschen Seite – aber Sie werden mich schon richtig verstehen). Und ich kann nur sagen. Tun sie es, lassen sie sich trösten über ihre fünf Sinne. Nicht Denken, sondern Wahrnehmen: Hören, Lauschen, Riechen, Tasten, Schmecken, Gehen. Raus aus dem Kopf, Kopfhörer ab, Computerbildschirm aus, hinein in die fünf Sinne. Hautkontakt mit der Natur. Und dann finden Sie wieder den verlorenen Sinn von allem. 

(30.11.2010)

Und das wünsche ich Ihnen

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