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Paulus trägt in sich den Schatz der Erkenntnis Christi. Er ist ihm aufgeleuchtet und eingeleuchtet. Aber er weiß, dass er ein schwacher Mensch ist, ein zerbrechliches Gefäß. Aber von Christus, vom Glauben an ihn bekommt er Kraft. So schreibt er uns im 2. Korintherbrief im 4. Kapitel:

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2 Kor 4,7 Diesen Schatz tragen wir in zerbrechlichen Gefäßen; so wird deutlich, dass das Übermaß der Kraft von Gott und nicht von uns kommt.

8 Von allen Seiten werden wir in die Enge getrieben und finden doch noch Raum; wir wissen weder aus noch ein und verzweifeln dennoch nicht;

9 wir werden gehetzt und sind doch nicht verlassen; wir werden niedergestreckt und doch nicht vernichtet.

10 Wohin wir auch kommen, immer tragen wir das Todesleiden Jesu an unserem Leib, damit auch das Leben Jesu an unserem Leib sichtbar wird.

11 Denn immer werden wir, obgleich wir leben, um Jesu willen dem Tod ausgeliefert, damit auch das Leben Jesu an unserem sterblichen Fleisch offenbar wird.

12 So erweist an uns der Tod, an euch aber das Leben seine Macht.

13 Doch haben wir den gleichen Geist des Glaubens, von dem es in der Schrift heißt: Ich habe geglaubt, darum habe ich geredet. Auch wir glauben und darum reden wir.

14 Denn wir wissen, dass der, welcher Jesus, den Herrn, auferweckt hat, auch uns mit Jesus auferwecken und uns zusammen mit euch (vor sein Angesicht) stellen wird.

15 Alles tun wir euretwegen, damit immer mehr Menschen aufgrund der überreich gewordenen Gnade den Dank vervielfachen, Gott zur Ehre.

16 Darum werden wir nicht müde; wenn auch unser äußerer Mensch aufgerieben wird, der innere wird Tag für Tag erneuert.

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Sie wissen es nicht…

Also wat nu – ja oder ja?

Wie ick noch 'n kleena Junge wah,

da hattn wa auffe Schule

een Lehra, den nannten wa bloß: Papa –

een jewissen Doktor Kuhle.

Un frachte der wat, un der Schieler war dumm,

un der quatschte und klönte bloß so rum,

denn sachte Kuhle feierlich:

»Also – du weeßt et nich!«

 

So nachn Essen, da rooch ick jern

in stillen meine Sßijarre.

Da denk ick so, inwieso un wiefern

un wie se so looft, die Karre.

Wer weeß det ... Heute wähln wa noch rot,

un morjen sind wa valleicht alle tot.

Also ick ja nich, denkt jeda. Immahin ...

man denkt sich so manchet in seinen Sinn.

Ick bin, ick werde, ich wah jewesen ...

Da haak nu so ville Bicher jelesen.

Und da steht die Wissenschaft uff de Kommode.

Wie wird det mit uns so nachn Tode?

Die Kürche kommt jleich eilich jeloofn,

da jibt et 'n Waschkorb voll Phillesophen ...

Det lies man. Un haste det hinta dir,

dreihundert Pfund bedrucktet Papier,

denn leechste die Weisen

beit alte Eisen

un sachst dir, wie Kuhle, innalich:

Sie wissen et nich. Sie wissen et nich.

Theobald Tiger, in: Die Weltbühne, 01.09.1931, Nr. 35, S. 347, wieder in: Lerne Lachen.

 

Dieses Gedicht fand ich in meiner Jugend herzerfrischend und befreiend. Endlich mal einer, der wirklich sagt, wie es ist. Sie wissen es nicht. Sie wissen es nicht. Sie reden viel und produzieren viel Papier, aber sie wissen es nicht. Und kein Respekt von all diesen Klugen und Weisen und den dicken Büchern. Das gefiel mir. Nun, das war ja auch noch in der Zeit der wissenschaftlichen Weltanschauung des Marxismus-Leninismus, in der ich die Schule besucht habe. Meine Lehrer – wenigstens ein paar – „wussten“ es ja. Meinten, es zu wissen. Da kommt nichts. Dann ist alles aus. Ganz nach dem grausamen Gedicht von B. Brecht: „Lasst euch nicht verführen! Es gibt keine Wiederkehr… Ihr sterbt mit allen Tieren und es kommt nichts nachher.“ Jetzt einer, der wenigstens sagt: Sie wissen es nicht. Und da ist dann doch noch Raum für Hoffnung. Oder?

Wenn ich das Gedicht heute lese, dann ist es nicht mehr so herzerfrischend für mich. Mir gefällt die Attitüde nicht. Also dieses gemütliche Sich-zurück-Lehnen mit der Zigarre im Mund: Sie wissen es nicht. Sie wissen es nicht. So im Stil von:  „die Bücher der Philosophen gehören in den Ofen“ oder wenigstens in den Wäschekorb und ab zum Altpapier. Hat alles keinen Sinn und Zweck, alles nur Leute, die so tun wie der Schüler, der bloß so klönt und rumquatscht, um sein Nichtwissen zu verbergen. Heute möchte ich dann fragen: Mein lieber Theobald Tiger (in Wirklichkeit Kurt Tucholsky), ist Dir die Frage egal und wie hältst Du es denn selbst mit der Antwort? Gibt es da vielleicht eine Verantwortung? Reicht es einfach nur festzustellen: Sie wissen es nicht? Und ich setze mich nur in den Sessel und lasse mir meine Zigarre schmecken. Zufrieden, dass alle anderen nur Schwätzer sind? Kann ich mich so raus halten?

Aber vielleicht tue ich dem Theobald Tiger ja Unrecht. Da ist ja ein bisschen von dem Bewusstsein, dass er sich raushält und dass das vielleicht nicht ganz richtig ist. Es heißt ja bei ihm: „un morjen sind wa valleicht alle tot. Also ick ja nich, denkt jeda. Immahin ... man denkt sich so manchet in seinen Sinn.“ Theobald weiß ja schon, dass jeder denkt – alle sterben, aber ich natürlich nicht. Der eigene Tod wird gut verdrängt, sonst schmeckt die Zigarre vielleicht nicht mehr so gut. Und das weiß er. Also doch keine satte Selbstzufriedenheit.

Und ich nun? Also ich, Thomas Gertler? Komme ich da als Kirche „jleich eilich jeloofn“? Sonst haben wir ja nicht mehr viel zu bestellen in der heutigen Welt. Unsere Welt und unser Reich fängt am Friedhof an. Und da kommt Ihr früher oder später alle hin. Keine Sorge! Ihr kommt schon alle auf meinen Acker! Nein, in diesem unterstellten Sinne, komme ich nicht gleich eilig gelaufen. Aber in einem anderen Sinne sage ich: Ja, lieber Theobald, ich sage nicht, dass ich es nicht weiß. Im Gegenteil, ich wage es und sage: Ich weiß es, weil ich glaube. Wie nun? Ein Trick? Da führe ich als Antwort einen anderen Ungläubigen ins Feld, meinen Freund Erich Kästner aus Dresden:

Wir haben’s schwer.
Denn wir wissen nur ungefähr,
woher,
jedoch die Frommen
wissen gar, wohin wir kommen!
Wer glaubt, weiß mehr.


Er wollte sich bei seinem pessimistischen Aphorismus auch eher über die Frommen lustig machen. Aber er hat Recht: Wer glaubt, weiß mehr! Glauben ist immer auch ein Wissen. Aber eben ein Glaubenswissen, das ist kein wissenschaftlich-objektivierbares Wissen – so sehr ich auch das Glaubenswissen durchdenken und kritisch befragen muss. Zu diesem „Glaubenswissen“ gehört aber nicht nur die Frage „wohin wir kommen“. Zum Glaubenswissen gehört schon die Frage, ob es eine menschliche Freiheit gibt. Ob es wirklich Liebe gibt. Ob es wirklich Wahrheit gibt. Ob es so etwas wie einen Sinn des Lebens gibt. Was meinen Sie? Gibt es menschliche Freiheit? Und was ist das? Gibt es wirklich Wahrheit? Und was ist das? Gibt es wirklich Liebe? Und was ist das? Auch da kann ich viele Bücher lesen und dann in den Waschkorb werfen und sagen: Sie wissen es nicht. Sie wissen es nicht. Nur der weiß es, der von der Freiheit Gebrauch macht. Und der der eigenen Freiheitsentscheidung vertraut. Nur der weiß es, dem die Wahrheit innerlich einleuchtet und der ihr folgt und sich nach ihr richtet und der erfährt, dass sie trägt. Nur der weiß es, der selbst liebt und der Liebe der/s Geliebten glaubt. Wer der Liebe nicht glaubt, der wird es nie wissen. Wer ihr aber glaubt und vertraut, der erlebt, dass er sich ihrer sicherer ist als jedem anderen Wissen. Und dass darin der Sinn des Lebens liegt. Und so glaube ich auch an Gott und seine Liebe – nicht im Triumph, sondern in Schwachheit, aber auch voll Freude –, und ich erfahre und weiß dann auch: sie trägt und hält jetzt und heute und sogar über meinen Tod hinaus.

Stimmt‘s oder hab ich Recht? Oder „Also wat nu – ja oder ja?“ Oder noch besser: Nicht immer „Ja, aber…“, vielmehr: „Aber Ja!“ 

27.07.2011

Es grüßt Sie herzlich und dankt herzlich für die schon eingegangen Spenden!!!

Thomas Gertler SJ

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