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Das vierte Kapitel im Johannesevangelium ist auch so eine Geschichte vom ins Freie graben. Jesus gräbt hier. Er legt eine verschüttete Quelle frei. Achten Sie einmal darauf: die Frau kommt mit einem Krug, um Wasser zu schöpfen. Was passiert am Ende mit dem Wasserkrug? Jesus verheißt, dass jeder, der ihn bittet selbst zur Quelle wird. Die Frau ist es am Ende. Sie ist Quelle der frohen Botschaft geworden. Der Quell ist frei gegraben.

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Joh 4,5 So kam Jesus zu einem Ort in Samarien, der Sychar hieß und nahe bei dem Grundstück lag, das Jakob seinem Sohn Josef vermacht hatte.

6 Dort befand sich der Jakobsbrunnen. Jesus war müde von der Reise und setzte sich daher an den Brunnen; es war um die sechste Stunde.

7 Da kam eine samaritische Frau, um Wasser zu schöpfen. Jesus sagte zu ihr: Gib mir zu trinken!

8 Seine Jünger waren nämlich in den Ort gegangen, um etwas zum Essen zu kaufen.

9 Die samaritische Frau sagte zu ihm: Wie kannst du als Jude mich, eine Samariterin, um Wasser bitten? Die Juden verkehren nämlich nicht mit den Samaritern.

10 Jesus antwortete ihr: Wenn du wüsstest, worin die Gabe Gottes besteht und wer es ist, der zu dir sagt: Gib mir zu trinken!, dann hättest du ihn gebeten, und er hätte dir lebendiges Wasser gegeben.

11 Sie sagte zu ihm: Herr, du hast kein Schöpfgefäß, und der Brunnen ist tief; woher hast du also das lebendige Wasser?

12 Bist du etwa größer als unser Vater Jakob, der uns den Brunnen gegeben und selbst daraus getrunken hat, wie seine Söhne und seine Herden?

13 Jesus antwortete ihr: Wer von diesem Wasser trinkt, wird wieder Durst bekommen;

14 wer aber von dem Wasser trinkt, das ich ihm geben werde, wird niemals mehr Durst haben; vielmehr wird das Wasser, das ich ihm gebe, in ihm zur sprudelnden Quelle werden, deren Wasser ewiges Leben schenkt.

15 Da sagte die Frau zu ihm: Herr, gib mir dieses Wasser, damit ich keinen Durst mehr habe und nicht mehr hierher kommen muss, um Wasser zu schöpfen.

16 Er sagte zu ihr: Geh, ruf deinen Mann und komm wieder her!

17 Die Frau antwortete: Ich habe keinen Mann. Jesus sagte zu ihr: Du hast richtig gesagt: Ich habe keinen Mann.

18 Denn fünf Männer hast du gehabt und der, den du jetzt hast, ist nicht dein Mann. Damit hast du die Wahrheit gesagt.

19 Die Frau sagte zu ihm: Herr, ich sehe, dass du ein Prophet bist.

20 Unsere Väter haben auf diesem Berg Gott angebetet; ihr aber sagt, in Jerusalem sei die Stätte, wo man anbeten muss.

21 Jesus sprach zu ihr: Glaube mir, Frau, die Stunde kommt, zu der ihr weder auf diesem Berg noch in Jerusalem den Vater anbeten werdet.

22 Ihr betet an, was ihr nicht kennt, wir beten an, was wir kennen; denn das Heil kommt von den Juden.

23 Aber die Stunde kommt und sie ist schon da, zu der die wahren Beter den Vater anbeten werden im Geist und in der Wahrheit; denn so will der Vater angebetet werden.

24 Gott ist Geist und alle, die ihn anbeten, müssen im Geist und in der Wahrheit anbeten.

25 Die Frau sagte zu ihm: Ich weiß, dass der Messias kommt, das ist: der Gesalbte (Christus). Wenn er kommt, wird er uns alles verkünden.

26 Da sagte Jesus zu ihr: Ich bin es, ich, der mit dir spricht.

27 Inzwischen waren seine Jünger zurückgekommen. Sie wunderten sich, dass er mit einer Frau sprach, aber keiner sagte: Was willst du?, oder: Was redest du mit ihr?

28 Da ließ die Frau ihren Wasserkrug stehen, eilte in den Ort und sagte zu den Leuten:

29 Kommt her, seht, da ist ein Mann, der mir alles gesagt hat, was ich getan habe: Ist er vielleicht der Messias?

30 Da liefen sie hinaus aus dem Ort und gingen zu Jesus. ...

39 Viele Samariter aus jenem Ort kamen zum Glauben an Jesus auf das Wort der Frau hin, die bezeugt hatte: Er hat mir alles gesagt, was ich getan habe.

40 Als die Samariter zu ihm kamen, baten sie ihn, bei ihnen zu bleiben; und er blieb dort zwei Tage.

41 Und noch viel mehr Leute kamen zum Glauben an ihn aufgrund seiner eigenen Worte.

42 Und zu der Frau sagten sie: Nicht mehr aufgrund deiner Aussage glauben wir, sondern weil wir ihn selbst gehört haben und nun wissen: Er ist wirklich der Retter der Welt.

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Sich ins Freie graben

„Liebe Gefangene!“, sagt der Gefängnispfarrer, „vor einigen Jahren haben sich Gefangene im Gefängnis von Megiddo in Israel ins Freie graben wollen. Sie waren schon weit gekommen, da brachen sie durch in einen Raum mit einem Mosaik am Boden, ein großes, ein wunderschönes, ein ganz, ganz altes Mosaik. Es war aus der Antike. Es war das Mosaik einer uralten verschütteten Kirche. Was nun?

Liebe Gefangene, was ich Ihnen sagen möchte, ist folgendes. Wenn Sie tief genug graben in sich selbst, und möge da auch noch so viel Schutt und Geröll sein, so werden Sie in Ihrem tiefsten Inneren ein Heiligtum finden. Da werden Sie entdecken, dass Sie nicht in eine Bank einbrechen müssen, um reich zu werden. Dann werden Sie in Ihrem eigenen Inneren Gott selbst finden.

Dann, meine Lieben, dann haben Sie sich wahrhaft ins Freie gegraben.“

Eine schöne Geschichte, und sie stimmt insofern, als Archäologen mit Hilfe der Gefangenen im Gefängnis von Megiddo tatsächlich eine der ältesten Kirchen der Christenheit gefunden und ausgegraben haben.

Und ist es nicht auch eine schöne Geschichte für uns jetzt in der Besinnungszeit vor Ostern?

Oft fühle ich mich ja auch wie ein Gefangener mit all den vielen Dingen, die ich machen muss. Mit all dem, was ich mir über das Berufliche hinaus noch an Informationen über die Zeitung und über das Internet, an Unterhaltung aus den gleichen Quellen, aber noch Kino und DVD, an Kommunikation wie Email, Facebook, Twitter usw. zumute. Es nimmt mich gefangen und macht mich unfrei. Das sind ja schon Berge an Informationen, an Material, an Ansprüchen von mir und an mich. Und wie viel davon auch nur wie Schutt und Geröll und Müll.

Sich da ins Freie graben, wär’ das nicht was? Wie geht es Ihnen damit? Fühlen Sie sich auch zuweilen wie zugeschüttet und voll gemüllt? Haben Sie auch solche Berge? Was macht Sie da unfrei und zu Gefangenen? Das Handy mit all seinen tollen Apps? Oder eher Facebook? Oder die vielen Zeitungen und das Fernsehen?

Ein bisschen ins Freie gegraben habe ich schon. Zwei Berge mit alten Zeitungen und Artikeln – die ich alle unbedingt noch lesen wollte, musste und nicht konnte, habe ich schon dem Altpapier zugeführt. Und zwar ohne nach zu sortieren, ob nicht doch noch was Wichtiges dabei ist. Da fühle ich mich gleich freier und leichter. Wie gut! Und war gar nicht so schwer.

Und eine Ecke vom Schreibtisch habe ich auch schon durchgesehen – und noch einen Brief entdeckt, den ich lange gesucht habe. Da ist er nun, aber auch nicht mehr zu beantworten. Das ist einfach zu lange her – noch voriges Jahr. Peinlich. Vieles ist auch schon im Papierkorb gelandet. Und die Ecke ist frei und damit eine Ecke auch von mir. Und bevor ich jetzt losgefahren bin, habe ich alle Mülleimer und Papierkörbe noch geleert. Das wartet dann nicht mehr auf mich, wenn ich wieder heimkomme. Auch wieder ein Stück ins Freie.

Und jetzt bin ich eine Woche in der schönen Rhön mit Leuten zusammen, die genau das machen: sich ins Freie graben durch all das, was sich angesammelt hat und die nun das Heiligtum und die Quelle wieder freilegen. Wir haben uns in die Stille zurückgezogen – kein Radio, kein Fernsehen, kein Computer, kein Handy – wirklich Stille. Stille, die erstmal gar nicht still ist, denn am Anfang ist da noch alles da im Inneren, da ist es laut, da laufen innere Filme, da laufen Streitgespräche mit sich selbst und mit anderen, da rufen alle die Sachen, die vergessen wurden. Eben all das Geröll und all das Weggeschobene, all das Aufgestapelte, all das, was die Zugänge zu mir selbst versperrt. Durch all das müssen wir uns durchgraben. Und so nach drei Tagen, da wird es in mir ruhig. Da wird aus dem äußeren Stillsein langsam das Schweigen und der Friede. Da ordnet sich das Durcheinander zu einem wunderschönen Mosaik. Da tut sich der Eingang zum Heiligtum auf.

Sich auf diese Weise ins Freie graben heißt Exerzitien oder geistliche Übungen machen. Also eine spirituelle Ausgrabung und ein spiritueller Weg ins Freie und in die Freiheit. Und ich darf erleben, wie das tatsächlich geschieht. Gott sei Lob und Dank!

Graben Sie sich auch ins Freie! Heraus aus der Gefangenschaft, hinein ins Land der Freiheit, des Lichtes und des Friedens.

Aschermittwoch - 22. Februar 2012

Mit herzlichen Grüßen
Thomas Gertler SJ

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